Reportage

28. Mai 2010 09:30; Akt: 27.05.2010 19:13 Print

SneakerfreakSneakerfreak

Der Berner Pasquale Scalese sammelt Sneakers. 120 Paar hat er schon. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

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Wenn ich in einem Shop den Schuh sehe, den ich mir schon lange gewünscht habe, hyperventiliere ich fast. Wenn ich das Modell nicht schon vorbestellt habe, frage ich gleich mal nach, ob es ihn in meiner Grösse hat. Ich trage Schuh­grösse 47. Schon ziemlich ungewöhnlich. Die haben die Läden nicht immer auf Lager. Zuhause stelle ich den neuen Sneaker neben das Bett und schaue ihn an. Dann rieche ich dran. Ohne Scheiss! Ich liebe den Geruch von neuen Turnschuhen. Meistens steht er so einen Tag wie eine Trophäe auf der Schachtel, dann räume ich ihn weg. Ich besitze vor allem Schuhe von Adidas, Reebok, New Balance, Vans, Alife und Nike – vor allem Air Jordans.


2 Zimmer, 240 Schuhe

Meine Mutter schenkte mir meinen ersten Air Jordan, als ich neun war. Da sammelte ich noch Comics und fing gerade mit Basketballspielen an. Hätte ich nie einen Basketball in den Händen gehalten, wäre sicher alles anders gekommen. Ich liebte Michael Jordan, der die allercoolsten Sneakers trug. Leider spiele ich heute nicht mehr so oft. Keine Zeit: Ich arbeite bei einem Schweizer ­Finanzinstitut im Kundendienst und studiere Italienisch, meine Muttersprache.

So richtig gepackt hats mich dann auf der Maturreise in Kopenhagen vor vier Jahren. Ich sah den Air Jordan 4 und kaufte ihn. Er hat den Stein ins Rollen gebracht. Später habe ich mir das gleiche Modell nochmal gekauft. Das ist so ein Tick: Ich muss manche Schuhe gleich doppelt haben – könnte ja sein, dass ein Paar irgendwann mal ausgelatscht ist.

Wie viel mich die Schuhsammlung gekostet hat? Sagen wir mal so: Es hätte für den Fahrausweis und das erste gute Occasionsauto gereicht. Aber ich bereue das nicht. Ich habe schon immer Prioritäten gesetzt. Als ich noch bei meinen Eltern wohnte und mit einer Einkaufstasche heimkam, habe ich die jeweils gleich versteckt, damit sie meine Eltern nicht sahen. Sie haben meine Leidenschaft am ­Anfang nicht verstanden. ‹Du, der Schachtelberg wächst und wächst›, sagten sie. Ich habe ihnen erklärt, dass es ein Hobby ist und man Geld auch dümmer ausgeben kann. Dagegen konnten sie nicht viel sagen, ich leistete mir ja alles selber. Ich bin kein verwöhnter Saugoof.

Im Monat kaufe ich im Durchschnitt nur noch ein Paar Sneakers, das kostet dann so 150 bis 200 Franken. Früher waren es vier bis fünf. Aber jetzt studiere ich ja und kann mir nicht mehr so viel leisten. Mittlerweile stapeln sich in meiner Zweizimmerwohnung mehr als 120 Schachteln. Einer meiner besten Freunde besitzt mindestens so viele. Manchmal tauschen wir Sneakers untereinander aus, wie Schuttibildli.»