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Gute Nachbarschaft

15. Juli 2016 09:56; Akt: 28.07.2016 09:43 Print

Sechs Expertentipps für den Waschküchenstreit

von Daniela Gschweng - Sich still ärgern, gleich ausziehen oder doch miteinander reden: Ein Mediator gibt Tipps für Waschküchenprobleme.

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Ob es das verdreckte Flusensieb ist oder zu lange hängengelassene Wäsche – der Waschküchenstreit ist so unerbittlich wie legendär. Kein Wunder: Die Waschküche ist oft der einzige Ort, an dem die Bewohner sich begegnen, und seine Nachbarn kann man sich meist nicht aussuchen.

Umfrage
Hatten Sie schon Nachbarschaftsstreits in der Waschküche?
7 %
6 %
7 %
27 %
53 %
Insgesamt 1259 Teilnehmer

Nach einer Umfrage des Immobilienportals Homegate von 2015 ärgern sich knapp 80 Prozent aller Mieter mehrmals im Jahr über Waschküchenprobleme. Ein Drittel aller Teilnehmer an der Onlineumfrage von 20 Minuten würde sich zumindest eine eigene Waschmaschine zulegen, um dem Streit aus dem Weg zu gehen, 5 Prozent gaben sogar an, dass sie ausziehen würden.

Immerhin ein Viertel der Umfrageteilnehmer würde das Gespräch mit dem Nachbarn suchen. Keine einfache Sache. Wer sich mit den Nachbarn anlegt, verschlimmert die Situation unter Umständen noch. Aber deshalb gleich zügeln?

«Das Gespräch suchen ist meist besser als gar nichts zu tun», sagt der Coach und Mediator Marc Joset, den wir um Tipps gebeten haben. Wie also den Showdown in der Waschküche angehen?

Das Gespräch vorbereiten

«Stattfinden sollte ein Gespräch möglichst nicht in der Konfliktsituation», sagt Joset. Gut ist ein Moment, in der niemand Stress oder Zeitdruck hat. Bereiten Sie sich nicht auf einen «Kampf» vor. «Man muss sich auch die eigenen Unzulänglichkeiten klarmachen», so der Tipp vom Coach. Wer hat nicht schon mal schnell die Sportklamotten gewaschen, wenn er gar nicht an der Reihe war (und gehofft, dass es keiner merkt)?

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Ein passender Zeitpunkt ist gefunden. Und jetzt? «Beginnen Sie mit Smalltalk». Also fragen, wie es den Kindern geht oder was die Balkonpflanzen machen. «Versuchen Sie sich für den Nachbarn zu interessieren, auch wenn Sie ihn nicht so gerne mögen», rät Joset. Was dann passiert, verlangt ein wenig Fingerspitzengefühl. «Im Grunde ist das eine allgemeine Konfliktsituation», sagt Joset und gibt vier Tipps, wie man sich dabei verhalten kann.

Die Situation sachlich beschreiben

Das klingt gut, also los. Zunächst in möglichst neutralen Worten sagen, wo der Schuh drückt. Beispielsweise: «Als ich letzten Mittwoch in die Waschküche kam, lagen drei leere Waschmittelflaschen auf dem Boden». Gar nicht hilfreich ist es, Vorwürfe zu machen, auch wenn das einiges an Selbstbeherrschung erfordert.

Die Situation aus seiner eigenen Sicht ausdrücken

«Sie sollten die Dinge aus der eigenen Sicht und als eigene Wahrnehmung beschreiben», so der zweite Tipp. Fachleute sagen dazu: «eine Ich-Botschaft senden». Auf Beschreibung des Tuns anderer sollten Sie dabei so weit wie möglich verzichten. Zum Beispiel: «Ich habe gerne einen sauberen Tumbler in der Waschküche» und nicht «Du hast dem Tumbler eingesaut». Selbstredend sind «immer» und «dauernd» auch nicht gerade hilfreich.

Die Forderung als Wunsch ausdrücken

Wünsche erfüllt jeder lieber als Forderungen. Auch wenn es Sie wirklich endlos nervt, dass die Waschküche immer ausgerechnet an ihrem Waschtag ein echter Saustall ist. «Ich würde mir wünschen, dass das Flusensieb immer gereinigt ist», klingt einfach wesentlich netter. Etwas umgangssprachlicher geht es auch, zum Beispiel «Ich fänds mega, wenn …» oder «ich hätte es
gerne, wenn …».

Empfindungen beschreiben

Statt gleich wieder wütend zu werden, hilft es, Empfindungen konkret zu beschreiben. Etwa «es macht mich sauer, wenn das Flusensieb nicht gereinigt ist» statt «es ist schlecht, wenn jemand die Wäsche so lange hängen lässt».

Natürlich klappt es auch mit diesen Kommunikationskniffen nicht immer, sich einig zu werden. Das schaffen auch Geübte nicht, sagt Joset. Vielleicht überlegt es sich der Nachbar auch später in aller Stille noch mal. Oder es hat gar nicht an Ihnen gelegen.

«Hinter den meisten Problemen steht etwas anderes», sagt der Kommunikationsexperte. «Vorurteile vielleicht, Pauschalisierungen oder etwas ganz anderes». Das beste Gegenmittel aus Sicht von Marc Joset: mehr miteinander reden. «Auch mir gelingt das nicht immer», sagt der Mediator. «Ich habe einen schlechten Tag, bin nicht gut gelaunt, die Situation ist ungünstig. Man kann das aber üben.»

Ein gutes Mittel ist übrigens auch Humor. Wenn sie die Erzählung «Der Waschküchenschlüssel» von Hugo Loetscher noch nicht kennen, ist es jetzt höchste Zeit sie zu lesen. Viel Vergnügen!

Und welche Erfahrungen haben Sie in der Waschküche gemacht?

Sie suchen eine Wohnung in der Schweiz?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betti am 15.07.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz dreist

    Meiner Kollegin wurden wiederholt Wäschestücke von der Leine geklaut. Sie hat die Wäsche dann in der Wohnung aufgehängt - nützte nichts. Der Dieb hat dann einfach den Waschgang gestoppt und die nasse Wäsche geklaut. Es stellte sich heraus, dass eine Anwohnerin die dreiste Diebin war. Frechheit sowas.

  • Hermann am 15.07.2016 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    Tja, in Zeiten von digitaler Kommunikation, scheinen viele Menschen das "miteinander Reden" immer mehr zu verlernen.

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  • experte für internetkommentare am 15.07.2016 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt echt Experten für...

    ...Waschküchenstreit? Jetzt habe ich alles gesehen / gelesen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mona am 15.07.2016 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kommunikation mehr möglich

    Ich habe bis vor Kurzem in einem Block gewohnt, der mit den Jahren immer weiter runtergekommen ist, so wie die ganze Gegend dort. Zum Schluss konnte ich mich mit niemandem mehr verständigen und dies, obwohl ich 8 Sprachen fliessend spreche. Leider ist Tamilisch, Tigrinisch nicht darunter. Jegliche Versuche von mir, auf höfliche Weise auf eine unangenehme Situation aufmerksam zu machen (ich bin geübt in Gewaltfreier Kommunikation nach Rosenberg), wurden mit Drohungen und Angeschreie erwidert. Die Hausverwaltung riet nur immer dazu, mit den Nachbarn das Gespräch zu suchen.

  • patrick h. am 15.07.2016 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Leben in der Vergangenheit

    Manchmal fragt man sich schon warum gewisse Dinge sich in der Schweiz nie ändern... Ich habe seit Jahren eine eigene Waschmaschine, in meiner alten Wohnung war das verboten, war mir egal, und in der neuen habe ich endlich einen eigenen Raum der für die Waschmaschine gedacht ist. Alle andern Länder in der Umgebung haben Waschmaschinen in der Wohnung nur bei uns wäscht man noch in der Waschküche wie zu Omas-Zeiten.

    • Sandra am 16.07.2016 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      @ patrick h

      dann hätten sie halt eines der anderen länder aufsuchen und da leben sollen wenn es ihnen in der schweiz zu altmodisch zu geht

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  • Jens am 15.07.2016 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht auch anders!

    Bei uns im Haus darf rund um die Uhr gewaschen werden. Es stehen vier Waschmaschinen und Tömbler zur Verfügung. Wenn frei, dann kann gewaschen werden. Der Strom dafür läuft mittels Chip über den eigenen Stromzähler! Es gilt einfach die Nachtruhe zu bewahren und die Waschküche sauber zu hinterlassen. Ersteres funktioniert ganz gut. Letzteres leider immer weniger! Gewisse Menschen sind für ein Zusammenleben nicht gemacht und müssen halt gekündigt werden. Wer im Saustall leben will, soll sich halt ein Saustall mieten! Alle anderen verhalten sich zivilisiert und es funktioniert ganz gut!

    • Karlsson am 15.07.2016 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jens

      Stimmt, manche Leute regen sich auch darüber auf dass sie eigentlich nichts haben worüber sie sich aufregen müssen.

    • Brigitte am 15.07.2016 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Wie !?

      Wie rund um die Uhr waschen? Max. bis 22.00 Uhr und dann ist Nachtruhe. Zum Glück lebe ich nicht mehr in einem Block wo jeder macht was er/ sie will. Es kein Luxus sich an Regeln zuhalten.

    • Jens am 15.07.2016 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      @Brigitte

      Rund um die Uhr heisst, dass wenn jemand z.B. von der Nachtschicht kommt auch um 23 Uhr oder 01 Uhr am Morgen noch waschen kann! Nachtruhe heisst, dass man nach 22 Uhr halt nicht mehr schreiend, singend, pfeifend etc. durchs Haus geht, sondern ganz normal. Man hört zwischendurch den Lift, aber sonst funktionierts ganz gut! Nach 22 Uhr haben wir mehr Mühe mit den heulenden Motoren, Geschrei und Gelächter auf der Strasse als mit waschenden Mitbewohnern. Wie gesagt: Es funktioniert gut, nur die Sauberkeit der Waschküche ist immer mehr ein Problem. Ob Tag oder Nacht!

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  • Robert am 15.07.2016 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu reden?!

    Was gibts da zu reden?! Es gelten ganz klare Regeln für die Benützung der Waschküche! Diese sind strikt einzuhalten und es funktioniert! Wenn jemand aber meint, der könnte ohne zu fragen einfach so am Waschtag eines Anderen seine Klamotten reinigen oder die Waschküche wie ein Saustall zurücklassen oder gar die Waschmaschine verschmutzen/beschädigen und sich enfach aus dem Staub machen, dem würde ich schon beim zweiten Vergehen die Fristlose Kündigung "schenken"!

    • Claudia am 15.07.2016 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Mieterschutz

      Viel Spass beim Durchsetzen der Kündigung :)

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  • Beringo am 15.07.2016 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    "Expertentipp" für nix

    Einmal kurz den Wäschebadge und Waschgel mit Weichspüler unten in der Waschküche vergessen. Ich bekam alles 5 Tage später. Badge leer, Waschtenside leer, das Mass voll!

    • Thomas am 16.07.2016 18:41 Report Diesen Beitrag melden

      @ Beringo

      Blick zurück wenn man einen Raumt verlässt und es gibt kein Problem

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