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Boulogne-Billancourt

24. Dezember 2017 10:11; Akt: 24.12.2017 10:11 Print

Das verrottete Château Rothschild

von Meret Steiger - Die Rothschilds werden eher mit Banken als mit Ruinen in Verbindung gebracht. Und doch steht bei Paris eine verfallene Villa Rothschild.

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Die Rothschilds sind eine der bekanntesten Bankiersfamilien der Welt und Thema und Hauptakteure zahlreicher Verschwörungstheorien. Womit man die jüdische Familie, deren Stammbaum sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, eher nicht in Verbindung bringt: der Verfall.

Seit dem Zweiten Weltkrieg verlassen

Und doch: Nur wenige Kilometer ausserhalb von Paris, in Boulogne-Billancourt im Park Edmond de Rothschild, steht das Château Rothschild. Versteckt hinter alten Bäumen, nur noch ein Schatten des einst so stolzen Gebäudes, das es einst war.

Das Schloss steht schon seit dem Zweiten Weltkrieg leer. Damals floh die Familie Rothschild nach England, bevor die Deutschen in Frankreich einfielen. Das war eine gute Entscheidung: In den vier Jahren, in denen die Nazis in Paris waren, besetzten und plünderten sie auch das Château Rothschild. Die Rothschilds kehrten nie zurück.

Seit 1817 in Besitz der Rothschilds

Gekauft wurde das Château von James Mayer de Rothschild im Jahr 1817. Er war zu diesem Zeitpunkt einer der reichsten Männer der Welt und der einflussreichste Banker des Landes. Er trug entschieden dazu bei, dass Frankreich eine Wirtschaftsmacht wurde. Angeblich war sein persönliches Vermögen ohne die Anteile seiner Familie fünfmal so gross wie das heutige Gesamtvermögen von Bill Gates.

Während acht Jahren lebten James Mayer de Rothschild und seine Frau Betty (eine Cousine) im Château und feierten rauschende Feste. Sie waren bekannte Kunstmäzene und ihre Gästelisten dementsprechend beeindruckend: Komponisten wie Gioachino Rossini oder Frédéric Chopin, Schriftsteller wie Honoré de Balzac, Maler wie Eugène Delacroix sowie Politiker, Financiers und Unternehmer.

Nur knapp dem Abriss entkommen

Wer die rauschenden Feste vor Augen hat, die die Rothschilds in ihrem Schloss feierten, fällt es schwer zu glauben, in welchem Zustand sich das Schloss heute befindet. Es könnte aber noch viel schlimmer sein: Um 1950 drohte dem geschichtsträchtigen Gebäude der Abriss. 1951 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Der jüngste Sohn von James Mayer de Rothschild, Baron Edmond, verkaufte das Château 1979 für einen symbolischen Franc an die Stadt. Diese wiederum verkaufte es für 50 Millionen Francs (etwa 8 Millionen Franken) an einen Käufer aus Saudiarabien.

Heute, fast 40 Jahre später, ist das Schloss in einem desolaten Zustand. Renovationen würden laut Experten gut 30 Millionen Euro kosten. Der aktuelle Besitzer zeigt jedoch keinerlei Interesse an einer Renovation. Auch wenn der Park von Edmond de Rothschild noch für die Öffentlichkeit zugänglich ist: Das Betreten des Hauses ist verboten. Ein Umstand, den – sieht man die Dutzenden von Graffitis – wohl viele ignorieren.