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Colobraro

01. Dezember 2017 11:34; Akt: 01.12.2017 11:38 Print

Die verfluchte Stadt in Italien

Die Stadt Colobraro gilt als verflucht – und ist so gefürchtet, dass viele Italiener nicht mal ihren Namen aussprechen möchten.

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Colobraro ist eine Gemeinde im Süden von Italien. Sie gilt als verflucht – so sehr, dass die Bewohner der umliegenden Dörfer sie nur als «diese Stadt» bezeichnen. Aber warum soll Colobraro verflucht sein? Es gibt drei ausschlaggebende Gründe. Einer ist der Name: Colobraro stammt vom lateinischen coluber – was Schlange oder Natter bedeutet. Ein Tier, das schon in der Bibel mit dem Bösen in Verbindung gebracht wird. Ein weiterer Grund ist die Geschichte des Anwalts Biagio Virgilio. Während einer flammende Rede soll er gesagt haben: «Und wenn ich lüge, dann soll dieser Kronleuchter von der Decke fallen.» Und genau das tat er. Es gab zwar keine Verletzten, aber alle schlechten Ereignisse wurden künftig mit diesem Zwischenfall in Verbindung gebracht. War es erst der Anwalt, der ein böses Omen sein sollte, dehnte sich der Fluch nach und nach auf die ganze Stadt aus. Jahre später fand ein Anthropologe angeblich eine Hexe im Dorf. Die Ururenkelin besagter Hexe, Elena di Napoli, sagt, das sei alles Quatsch. Ihre Ururgrossmutter sei bestimmt keine Hexe gewesen – auch wenn sie vielleicht so aussah. Aber: Eine Legende war geboren. Heute feiert Calabraro einmal pro Jahr ein Fest, bei dem die seltsame Vergangenheit der Stadt künstlerisch aufgearbeitet wird. Erstaunlich, dass da überhaupt Gäste kommen. Schliesslich soll der Fluch von Colobraro nur Besucher treffen. Einheimische bleiben verschont. «Natürlich. Wenn man meine Herkunft betrachtet, dann muss ich ja immun sein», sagt Elena di Napoli und lacht.

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Hexen, das «böse Auge» und seltsame Unfälle haben dazu geführt, dass die italienische Kleinstadt Colobraro heute als verflucht gilt. Mysteriöse Unfälle und heimgesuchte Häuser gibt es dort en masse.

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Die Stadt macht aus dem Fluch aber das Beste: Jährlich gibt es ein Fest, bei dem die unheimliche Geschichte von Colobraro zelebriert wird. Die auftretenden Künstler erzählen Geschichten über Magie, Zauberkunst und Schicksalsschläge.

Schon der Name ist ein Problem

Aber woher kommt der Fluch von Colobraro? Das Problem beginnt schon beim Namen: Colobraro, das von den umliegenden Ortschaften nur «diese Stadt» genannt wird, stammt vom lateinischen coluber – was Schlange oder Natter bedeutet. Ein Tier, das schon seit der Bibel mit dem Bösen in Verbindung gebracht wird.

Wegen des Namens war Colobraro schon immer gefürchtet, aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts sollen ein Anwalt und eine Hexe das Unglück über die kleine Stadt gebracht haben.

Ein Anwalt gegen einen Kronleuchter

Die Legende besagt, dass der reiche und charmante Anwalt Biagio Virgilio jeden seiner Fälle gewann – und sich so natürlich auch viele Feinde machte. Eines Tages stand Virgilio im Gerichtssaal und um seinen Standpunkt zu unterstreichen, sagte der Anwalt: «Und falls ich lüge, dann soll dieser Kronleuchter von der Decke fallen.»

Nun: Der Kronleuchter fiel herunter. Zwar wurde niemand verletzt, aber trotzdem wurde der Name des Anwalts künftig mit schlechten Omen und Pech verbunden. Alle schlechten Ereignisse im Dorf wurden künftig auf den Fluch zurückgeführt, den Virgilio mit seinem Satz beschwört haben soll. Seine Angehörigen verliessen die Stadt.

Die Hexe, die gar keine war

Später besuchte ein Anthropologe Colobraro. Er suchte nach einer «fattucchiera», einer Magierin, die das «böse Auge» entfernen kann – ein Fluch, auferlegt durch die bösen Gedanken anderer Menschen. Mitten im Städtchen traf er «La Cattre», eine alte Frau mit einem sonnengebräunten Gesicht voller Falten. Er war sich sicher, die richtige Person gefunden zu haben.

Der Mann erzählte später von mysteriösen Unfällen und seltsamen Vorkommnissen, die ihm und seinem Team in Colobraro zugestossen waren. Von da an galt die Stadt als Hexenheimat. Übrigens: Elena di Napoli, eine Nachfahrin von «La Cattre» sieht das etwas anders: «Meine Ururgrossmutter war ganz sicher keine Hexe. Sie sah allerdings ein wenig so aus.»

Unfälle, Erdrutsche und Treffen von Hexenzirkeln

In den vergangenen Jahrzehnten gab es weitere Vorfälle: Es gab Erdrutsche, mysteriöse Unfälle und, dank der Gerüchte über «La Cattre», Treffen diverser Hexenzirkel. Der Fluch befällt angeblich nur Besucher, keine Einheimischen. «Natürlich. Wenn man meine Herkunft betrachtet, dann muss ich ja immun sein», sagt Elena di Napoli und lacht.

Weiter sagt die Nachfahrin von «La Cattre»: «Komische Sachen passieren immer nur den Menschen, die zum ersten Mal hierherkommen und an böse Omen glauben.» Und doch: Angeblich gibt es in Colobraro kaum Geschwindigkeitskontrollen, weil nicht mal die Polizei länger dort sein möchte.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hexenopfer aus Walpurgis am 01.12.2017 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Verhext

    Ich habe auch eine Hexe zuhause. Sie wohn oberhalb von mir und verflucht mich den ganzen Tag. Liebe Grüsse an meine Nachbarin

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  • Leon am 01.12.2017 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Überrascht mich nicht

    In Italien ist Aberglaube weit verbreitet. Da lästert man sechs Tage die Woche über die anderen Dorfbewohner, verhält sich egoistisch und asozial - und geht am Sonntag gleichwohl in die Kirche, um sein Gewissen zu beruhigen.

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  • Toby H am 01.12.2017 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wusste ich es doch!

    Wenn es was mit der Natter im Ortsnamen zu tun hat, dann weiss ich jetzt auch, warum das Wallis so ist, wie es ist: Der Ort Naters!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Penumbra Noctis am 01.12.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bin nicht glaeubisch, aber...

    Ich hab gehoert, dass wenn man vom 13er Tram ueberfahren werde, das Unglueck bringen soll. Stimmt das?

  • Nino am 01.12.2017 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Glauben sogar an den Papst...

    Nicht erstaunlich, die Glauben sogar an den Papst und dass er der irdische Vertreter Gottes sei... ;-)))

    • James am 01.12.2017 16:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Nino

      Bei uns glauben auch viele an "Gott", obwohl es keinen gibt.

    • Walter Spahni sen. am 01.12.2017 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      Wohnung verloren wegen dem Glauben!

      Bei uns hat einer seine Wohnung verloren, weil er geglaubt hat, er müsse keine Miete zahlen!

    • Travelin am 02.12.2017 04:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Walter Spahni sen.

      Bei uns in Bern machen das die Hausbesetzer anders, einfach ohne Mietvertrag einziehen. Dann dauert es sehr lange, bis da jemand etwas unternimmt.

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  • Danny am 01.12.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Habe keine Angst

    Ich bin nicht abergläubisch und damit das so bleibt, klopfe ich auf Holz, gehe unter keiner Leiter durch und vermeide es schwarzen Katzen zu begegnen.

  • carmen diaz am 01.12.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    ja so gefürchtet, dass sie ein fest...

    ...feiern und das jedes jahr...

  • Toby H am 01.12.2017 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wusste ich es doch!

    Wenn es was mit der Natter im Ortsnamen zu tun hat, dann weiss ich jetzt auch, warum das Wallis so ist, wie es ist: Der Ort Naters!