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Domizil eines Sklavenhalters

09. Dezember 2017 08:47; Akt: 09.12.2017 08:47 Print

Dieses achteckige Haus wurde nie zu Ende gebaut

Die Longwood Plantation wurde 1930 verlassen – während andauernder Bauarbeiten. Das grösste achteckige Haus der USA ist noch immer nicht fertig.

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Dieses wunderschöne Haus in Natchez, Mississippi, ist das grösste achteckige Haus der USA – und es ist, nach fast 160 Jahren Bauzeit, noch immer nicht vollendet. In den 30er-Jahren wurde es vom Baumwollproduzenten, der die Plantagen um das Haus besass, halb fertig zurückgelassen.

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174 Quadratkilometer Land und mehr als 800 Sklaven

Die letzten Jahre vor dem Bürgerkrieg wurde der Süden der USA von reichen Baumwollbaronen regiert – alleine in der Gegend um Natchez gab es fünfzehn solche Baumwollproduzenten, die sich beim Bau ihrer prestigeträchtigen Häuser gegenseitig übertrumpfen wollten.

Einer dieser Baumwollbarone war Dr. Haller Nutt. Er baute nicht nur Baumwolle an, sondern auch Zuckerrohr, und wurde damit unverschämt reich. So reich, dass sich sein Grundstück irgendwann auf 174 Quadratkilometer ausdehnte und er mehr als 800 Sklaven auf diesen Plantagen beschäftigte.

Vom griechischen Stil zum Achteck

Um seine Nachbarn zu übertrumpfen, entschied sich Nutt auf die griechische Bauweise, die im Süden der USA zu dieser Zeit sehr beliebt war, zu verzichten. Stattdessen liess der reiche Plantagenbesitzer ein mehrstöckiges, achteckiges Haus mit «orientalischen Einflüssen» bauen. Die Idee hatte er aus einem Buch von Samuel Sloan, einem Architekten aus Philadelphia.

Besagter Architekt wurde dann, 1860, mit dem Bau beauftragt. Sloan sollte ein Traumhaus für Haller Nutt, seine Frau Julia und die acht gemeinsamen Kinder bauen. Und was für ein Traumhaus: sechs Stockwerke, 2787 Quadratmeter Wohnfläche und ein 7,3 Meter grosses Ornament auf der Spitze der Kuppel. Sloan brauchte für die Longwood Plantation über eine Million Steine.

Während des Bürgerkrieges liessen die Arbeiter alles stehen

Das äussere Gerüst des Hauses war gerade fertig, als in den USA der Bürgerkrieg ausbrach. Sloan, der aus Philadelphia stammte, hatte diverse Landsmänner für Schreinerarbeiten im Haus angestellt. Als diese vom ausgebrochenen Krieg hörten, liessen sie ihre Werkzeuge fallen und gingen – sie waren aus einem Union State und wollten für Lincoln gegen die Konföderation kämpfen.

Ihre Arbeit war zu diesem Zeitpunkt höchstens halb fertig. Damit das Haus doch bezogen werden konnte, setzte Nutt die Sklaven als Arbeiter ein, um zumindest ein Stockwerk fertigzustellen – die Familie lebte in dieser Zeit in einem kleineren Gebäude, das als Unterkunft für die Sklaven gedacht war.

Land nach und nach verkauft

Das Longwood Mansion sollte 32 Zimmer, 26 Cheminées, 115 Türen und 96 Säulen haben. Tatsächlich fertig gebaut wurden nur gerade neun Räume. Kurz vor dem Ende des Bürgerkriegs starb Dr. Nutt und liess seine Frau und Kinder im halb fertigen Haus zurück – in einem Haus, für dessen Fertigstellung der Familie das Geld fehlte. Nutt verlor durch den Krieg einen grossen Teil seines Vermögens.

Julia Nutt, die Frau von Dr. Nutt, lebte in den fertigen Räumen im einen Stockwerk. Zwar konnten sie und ihre Kinder ihren Lebensstandard aufrechterhalten, mussten aber dafür nach und nach immer grössere Teile des Grundstücks verkaufen. Drei weitere Generationen lebten im Longwood Mansion, bevor es 1930 verlassen wurde.

Fast 160 Jahre Staub

Nach drei Jahrzehnten, in den 60er-Jahren, wurde das Longwood Mansion an einen Verein für Denkmalpflege verkauft. In den Siebzigern ging es an den Pilgrimage Garden Club of Natchez über, der sich noch heute um den Erhalt kümmert.

Man kann das Haus besuchen und für Veranstaltungen mieten. Es gibt immer noch einige Möbel aus dem späten 19. Jahrhundert und vereinzelt Werkzeuge mit einer 160 Jahre alten Staubschicht.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alexandra am 09.12.2017 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Architektonische Schönheit

    Wunderschönes Haus aus einer weniger schönen Ära der USA.

  • Paloma am 09.12.2017 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Sklavenhandel auch heute :-)

    Schade, das ist ein Zeitzeuge, auch wenn der Hintergrund nicht unbedingt rühmlich ist. Er hatte mehr als 800 Sklaven beschäftigt?? Und wie viele Sklaven werden heute in den Grosskonzernen beschäftigt, welche dann einfach mal so von einem auf den andern Tag 1400 "Sklaven" entlassen. Sie werden sagen, die können alle gehe? Wirklich, wo bitte finden ü50 noch Arbeit? Was heute passiert, ist genau ein solcher Sklavenhandel, denn wer nicht selbständig ist, ist oder hat sich versklavt. Dasselbe gilt für Zulieferer, die dann auch tauchen. Rechtlich geht es uns besser, ansonsten? Na ja, siehe auch Deut

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  • Octa Goon am 09.12.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Trömpf

    Das wäre doch was für den Trumpel. Ein Haus, noch weisser als das Weisse Haus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 10.12.2017 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sklave nicht schlechtes

    Nach dem Bericht könnte man meinen Sklaven seien was schlechtes gewesen. Es war legal sklaven zu besitzen . Ohne diese Arbeitskräfte waren die waren viel teurer gewesen. USA hat sich damit aufgebaut.. Und mit dem Verbot sieht man ja was jezt passiert ist. Man hat sie nnucht nehr ubter Kontrolle.

  • Rüdiger am 09.12.2017 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Das Haus gefällt mir! Da möchte man doch gleich eine Ente totschlagen.

  • Doris am 09.12.2017 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schade ums geld

    Traurig finde ich, dass die Witwe mit ihren vielen Kindern nicht mehr das schöne Haus geniessen konnten. Ich würde es sofort kaufen und ein Generationen Haus daraus machen. Aber leider steht es am falschen Ort und nicht am Bodensee....

  • Nadia am 09.12.2017 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschönes südstaaten anwesen

    Wir besuchten dieses haus im oktober dieses jahres. Die führung mit 8 anderen war sehr interessant und ausführlich. Das haus gefällt mir sehr gut, es ist ein richtiges prachtstück und hebt sich durch sein spezielles aussehen von den anderen anwesen ab. Laut führung ist es das grösste auf der östlichen hälfte der usa. Ein jammer, dass es nicht fertig gebaut werden konnte. Leider fehlen heutzutage der organisation die mittel. Es reicht gerade für die instandhaltung. Sehr schade...

  • Allegleich am 09.12.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Heute hintendurch

    Das war noch Nächstenliebe so wie es uns die Bibel lehrt.