Living

Wir wollen Sie inspirieren.
Hier lesen Sie Artikel zu Wohnen, Immobilien, Architektur, Design und Einrichten.

Stadt im Untergrund

04. Februar 2018 11:04; Akt: 05.02.2018 14:59 Print

Echtes Leben hinter falschen Fassaden

von D. Gschweng - Das Kunstprojekt «Central Station»in Basel, eine täuschend echte Mini-Stadt unter der Erde, läuft seit etwas mehr als einem Jahr.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In den Gassen, in denen der Besucher landet, befinden sich ein Restaurant, das rausgestuhlt hat, Einzelhandelsgeschäfte, eine Galerie, ein Tätowierstudio, ein Coiffeur und einiges mehr. Beim Blick durch die Fenster von «Larry's Bar» lassen sich geräumige Lederstühle und dunkles Holz ausmachen.

Nur dass die Gässchen gar keine Gässchen und die Häuser keine Häuser sind

Alles in der unterirdischen Stadt ist fake, aber so gut nachgemacht, dass man nahe dran sein muss, um das zu erkennen. Sehr nahe. Das «Central Station»-Logo zum Beispiel ist bis auf die blassgelbe Fliesenfarbe punktgenau getroffen, einschliesslich der Sprünge in den Fliesen. Dabei besteht es aus nichts anderem als Presspappe und Farbe.

Die Häuserfassaden, die der Künstler Franz Burkhardt aufgebaut hat und so regelmässig wie liebevoll pflegt, sind das eigentlich Geniale im unterirdischen Quartier. Verschmutzt, mit Graffiti zugemalt und teilweise abgeschlagen, wirken sie so echt, dass man sich immer wieder täuscht.

Das Kunstprojekt geht ins zweite Jahr

Die Geschäfte in der «Central Station» sind echt. Im Restaurant kann man essen, im Fumoir von «Larry's Bar» eine Zigarre rauchen, nebenan einkaufen gehen oder sich beim Coiffeur Haare und Bart stutzen lassen.

Die unterirdische Metropole ist ein Projekt des Basler Kunstvermittlers Klaus Littmann, über deren Eröffnung 20min.ch im Dezember 2016 berichtete. Littmann und seine Mitstreiter wollten einen lebendigen Ort schaffen, in dem sich Kunst, Kultur und Aussergewöhnliches mischen.

Littmann, nach eigenen Worten «Bürgermeister und auch eine Art Heimleiter» der 2000 Quadratmeter grossen Fassadenstadt, ist zufrieden mit der Entwicklung. Auch wenn in der «Central Station» Geld verdient wird, ums Finanzielle ging es dabei nie, die Mieten decken gerade die Nebenkosten.

Es bleibt spannend

Von Anfang an dabei sind ein Tattoo-Studio und der Coiffeur, genauso wie «Larry's Bar», das Herzstück der unterirdischen Metropole und die bei einem Kunstprojekt unerlässliche Galerie. Andere Mieter kamen und gingen, was durchaus erwünscht ist. Rechts hinten hat sich gerade ein «Escape Room» eingemietet, eine Art Abenteuerspiel, bei dem es darum geht, einen verschlossenen Raum durch Lösen von allerlei Rätseln wieder zu verlassen. Eine Käserei hat eben dichtgemacht, dafür ist ein Glace-Stand, der das Repertoire erweitern wird, schon fertig vorbereitet.

Dazu sei die «Central Station» da: zum Ausprobieren und Verändern, so Littmann. Manchmal muss er mahnen, damit die Geschäfte auch geöffnet sind, weil die Mieter sie im Nebenberuf betreiben. «Das ist der Heimleiter-Part», sagt er, lacht und warnt davor, in die Briefkästen an den Fassaden Post einzuwerfen. Sie sind reine Dekoration und lassen sich nicht öffnen.

Für die Zukunft geplant sind noch mehr städtische Aktivitäten. In der «Untenstadt» soll alles passieren, was oben auch passiert. Verschiedene Veranstaltungen haben bereits stattgefunden. «Eine Demo brauchen wir noch», findet Littmann, und das geplante Strassenkino scheiterte bisher daran, dass der Film derzeit nicht verfügbar ist. Dieser heisst, wen wundert es: «Central Station».

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 04.02.2018 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    das ist dann wohl...

    ...sozusagen "das bessere basel"...

  • Herr Max Bünzlig Live vom Ochsen am 04.02.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    Echtes Leben hinter falschen Fassaden oder besser Innen Fix, außen Nix

  • LexyL am 04.02.2018 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Oha

    Klingt ziemlich interesant, muss da wohl mal vorbei schauen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Karl Arbon am 05.02.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mal was neues..

    Interessantes Projekt, coole Idee und mal was neues.. Ein Top Barber für Herren und auch der Schauraum im Bereich Möbel und Deko Stuff mit super coole Stücke...

  • tedd_ am 05.02.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Was war davor?

    Was war dort vorher? Grosser Keller? Wäre schön wenn sich jeweils auch die Mühe gemacht würde mehr Hintergrundinformationen bekannt zu geben, oder handelt es sich nur um versteckte Werbung?

    • Peter am 05.02.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      Muss schwierig sein zu googeln.

      Man könnte sich ja kurz auf der Homepage schlau machen...2015 errichteten Franz Burkhardt und Klaus Littmann in einer leerstehenden Arlesheimer Fabrikhalle die 100 Meter lange Canal Street, eine Art Vorläufer der CENTRAL STATION. Aus leichtem Material, Sperrgut, Abfällen und Fundstücken, bauten sie eine einstöckige, beidseitige Strassenflucht, reine Fassaden ohne Innenleben. Die CENTRAL STATION ist eine künstlerische Fortsetzung der damaligen Idee, dieses Mal aber mit Innen- und Stadtleben.

    einklappen einklappen
  • M. K. LEHNSHEER am 04.02.2018 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt von zürich

    Alls Zürcher,.... supi.... fehlt in der Hauptstadt der CH...., :))

  • bebbeli am 04.02.2018 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    basler

    Danke für den Beitrag. Ich bin Basler und habe das nicht gewusst, obwohl ich den Eingang schon oft gesehen habe. Nächste Woche werde ich mir das genauer ansehen.

  • Mick'd am 04.02.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kitsch oder Kunst?

    Ein Ort zum Einkaufen und Konsumieren in einer Scheinwelt als Akt der Kunst? Ist ja sehr hübsch, aber es erinnert mich vor allem an all die unterirdischen Shoppingcenter in Las Vegas, zum Beispiel mit den nachgebauten Kanälen und Häusern Venedigs. Kitsch oder Kunst?