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6 Tage Halloween

31. Oktober 2017 14:18; Akt: 31.10.2017 14:18 Print

Ein mörderischer Hotelier und sein Horrorschloss

von Meret Steiger - H. H. Holmes gilt als einer der ersten Serienmörder der USA. Wie viele Menschen ihm zum Opfer fielen, ist unklar – es könnten bis zu 200 sein.

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Der als H. H. Holmes bekannte Hotelier tötete mindestens neun Menschen, gestand 30 Morde und wird für 200 weitere verantwortlich gemacht. Es war aber nicht die Anzahl seiner Opfer, die Holmes seine zweifelhafte Berühmtheit brachte – es war die perfide Art und Weise, mit der er seine Opfer in Sicherheit wiegte, bis es zu spät war.

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Namensänderung, um Verurteilung zu entgehen

Holmes war 1861 als Herman Webster Mudgett in New Hampshire geboren worden. Bis 1886 war aus dem jungen Mann bereits ein geübter Hochstapler geworden. Als er in diesem Jahr nach Chicago kam, änderte er, um einer Verurteilung für frühere Verbrechen zu entgehen, seinen Namen: Er wurde zu Henry Howard Holmes.

Ein Verbrechen war auch besonders hinterlistig: Holmes stahl Leichen aus der medizinischen Abteilung der Universität Michigan – diese verstümmelte er anschliessend und behauptete dann, sie seien Unfallopfer, damit er Versicherungsgelder einheimsen konnte.

Das Mörderschloss

Kurz nach seiner Ankunft in Chicago begann Holmes als Apotheker zu arbeiten. Gleichzeitig zeichnete er erste Pläne für das, was später das Mörderschloss werden sollte. Das so genannte World's Fair Hotel wurde für die World's Columbian Exposition gebaut, eine mehrere Monate andauernde Veranstaltung in Chicago.

Die Baupläne bargen allerdings ein dunkles Geheimnis, eines, das nur Holmes kannte. Während der Bauarbeiten entliess Holmes immer wieder Arbeiter und behauptete, sie seien unzuverlässig und faul. Tatsächlich ging es ihm um etwas ganz anderes: Niemand ausser ihm sollte den ganzen Bauplan des Hotels kennen.

Falltüren, versteckte Treppen und Folterkammern

Das seltsame Hotel hatte Treppen, die ins Nichts führten, und Türen, hinter denen sich nichts als Backsteinmauern verbargen. Manche Türen hatten einseitige Schlösser, die einrasteten, wenn die Türfalle von der richtigen Seite betätigt wurde. Das war aber noch nicht alles: Ein Raum war nur über eine Falltüre erreichbar.

Die Zimmer waren fast alle schalldicht und mit Gasleitungen versehen, die von der anderen Seite der Wand bedient werden konnten. Manche Türen waren mit einer Art Alarm versehen, damit Holmes die Bewegungen seiner «Gäste» verfolgen konnte. Im zweiten Stock gab es eine geheime Hänge-Kammer, die nur genau dafür verwendet wurde: um Holmes' Opfer zu hängen.

Verbindungen zur Pharmaindustrie

Das ganze Hotel war ein einziges tödliches Labyrinth. Seine Opfer konnte Holmes erhängen, erwürgen oder vergasen – oder er liess sie in abgeschlossenen Räumen verhungern und verdursten. Die Leichen versteckte Holmes in einem falschen Lift oder in einem Metallschacht, der zum Keller führte.

Im Keller löste Holmes die Leichen seiner Opfer auf. Durch seine Verbindungen zur Pharmaindustrie konnte er sogar einige Knochen und Organe noch verkaufen. Den Rest löste er in grossen Tanks, gefüllt mit Säure, auf. Zwischen 1891 und 1894 tötete Holmes eine unbekannte Anzahl Gäste im Hotel.

Aufgeflogen

1894 verliess Holmes Chicago und ging nach Boston. Dort wurde er wegen eines anderen Falles, eines gescheiterten Versicherungsbetruges, bei dem ein Freund von ihm starb, festgenommen. Die Polizei sah die Verbindungen nach Chicago und betrat wenig später das erste Mal das Mörderschloss.

Dort fanden sie das Labyrinth aus Folterkämmerlein und falschen Treppen sowie die Säuretanks im Keller. Seinen Methoden hatte es Holmes zu verdanken, dass keine Leichen gefunden wurden – aber vereinzelte Knochen, darunter der Schädel eines sechs bis acht Jahre alten Kindes, einen Stapel blutiger Frauenkleidung und Schmuck.

Opferzahlen unklar

Die Polizei konnte Holmes mindestens neun Morde definitiv nachweisen. Holmes selbst gestand 30 Morde – einige seiner Opfer stellten sich später aber als sehr lebendig heraus. Grosszügige Schätzungen anhand der Vermisstenanzeigen aus der Gegend rechnen mit mehr als 200 Opfern. Holmes selbst sagte über sich: «Ich wurde mit dem Teufel in mir geboren. Ich konnte nichts dagegen tun, dass ich ein Mörder bin – genauso wenig, wie ein Dichter aufhören kann zu schreiben.»

Holmes wurde allerdings für den Mord an seinem Freund in Boston verurteilt und dafür am 7. Mai 1896 gehängt. 1914 beging Pat Quinland, der ehemalige Hausmeister des Mörderhotels, Suizid. Er hinterliess eine Nachricht: «Ich konnte nicht schlafen.» Quinland wurde zwar von der Polizei befragt, aber schnell wieder auf freien Fuss gesetzt. Heute nimmt man an, dass Quinland wesentlich mehr über die grässlichen Taten seines Chefs wusste, als er damals zugab.

Niedergebrannt

Grosse Teile des Mörderschlosses wurden 1895 bei einem Feuer zerstört. Ob die Brandstiftung Beweise vernichten sollte oder ein Racheakt gegen Holmes und seine Taten war, ist unklar. 1938 wurden auch die restlichen Mauern niedergerissen, und heute befindet sich auf dem Grundstück eine Post.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JacktheRipper am 31.10.2017 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr kommt hervor..

    Interessant ist das sich Holmes zur Zeit von "Jack the ripper" in England aufhielt....

  • Dave74 am 31.10.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verharmlosung

    "...konnte er sogar einige Knochen und Organe noch verkaufen." Soweit ich von einer Doku her noch weiss, hat er sich damit überhaupt das Fundament für sein kleines Imperium geschaffen. Damit und dann war da glaub noch Versicherungsbetrug im Spiel.

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  • Din am 31.10.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Buch dazu echt heftig

    Habe das Buch dazu gelesen und musste mich zwingen es nicht weg zu schmeissen. Einfach unglaublich wie manipulativ und grausam Menschen sein können und damit durchkommen. Echt schockierend.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • blüem am 01.11.2017 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    heute sind wir besser

    heute würde er nicht mehr gehängt. Aufseher, Krankenschwesten, Ärzte, Reinigungspersonal, Gutachter, Seelsorger, Hausabwarte usw. usw. würden ihn bis zu seinem friedlichen Tod umsorgen.

  • Nadja am 31.10.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hollywood-Material

    Ich bin überrascht, dass Hollywood noch keinen Film darüber gemacht hat...Die Geschichte ist gruselig und faszinierend zugleich!

    • Kommt Noch am 31.10.2017 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      Starkino

      "The Devil in the White City" wird diese Geschichte verfilmen. Niemand geringeres als Leo diCaprio spielt darin H.H.Holmes und Martin Scorsese führt die Regie. Gemäss Google wird der Film 2019 in die Kinos kommen.

    • Zyx94 am 31.10.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

      AHS

      American Horror Story - Hotel. Okee es ist eine Serie.

    • Christian am 01.11.2017 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      und wieder ein Film

      den ich ganz sicher nicht ansehen werde. Es gibt heute noch genug Greultaten auf dieser Welt das zeigt wie Krank die Menschheit ist. Glorifiszierung von Mörder und Massenmörder braucht es da nicht.

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  • Din am 31.10.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Buch dazu echt heftig

    Habe das Buch dazu gelesen und musste mich zwingen es nicht weg zu schmeissen. Einfach unglaublich wie manipulativ und grausam Menschen sein können und damit durchkommen. Echt schockierend.

    • Carmi am 31.10.2017 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      Zum Buch

      Ganz deiner Meinung, konnte es trotzdem nicht beiseite legen...

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  • Dave74 am 31.10.2017 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    Verharmlosung

    "...konnte er sogar einige Knochen und Organe noch verkaufen." Soweit ich von einer Doku her noch weiss, hat er sich damit überhaupt das Fundament für sein kleines Imperium geschaffen. Damit und dann war da glaub noch Versicherungsbetrug im Spiel.

    • Ramona am 31.10.2017 15:43 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen hilft

      Das Fundament, ja. Die Knochen und Organe verkaufte er ja, als das Hotel schon gebaut war. Hier, aus dem zweiten Abschnitt: "Ein Verbrechen war auch besonders hinterlistig: Holmes stahl Leichen aus der medizinischen Abteilung der Universität Michigan diese verstümmelte er anschliessend und behauptete dann, sie seien Unfallopfer, damit er Versicherungsgelder einheimsen konnte."

    • Dave74 am 31.10.2017 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Ramona

      Das habe ich schon gesehen, aber dass er den ganzen Betrieb wohl mit dem Verkauf von Knochen und Organen finanziert hat, geht daraus nicht hervor. "Offiziell" hat er den Aufbau ja mit "seiner" Drogerie gestartet und dann eben entdeckt, wie einfach man sonst noch Geld machen kann. Schon die Übername der Drogerie ist suspekt. Ist eigentlich nicht eine so kurze, einfache Geschichte, wie sie hier steht, sondern eine lange, wirre mit vielen Unklarheiten gespickt. Nebst dem unglaublichen Grauen.

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  • JacktheRipper am 31.10.2017 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Immer mehr kommt hervor..

    Interessant ist das sich Holmes zur Zeit von "Jack the ripper" in England aufhielt....