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Mitten im Wald

16. Oktober 2017 07:30; Akt: 16.10.2017 07:30 Print

Eine Boeing 727 als Wohnung

von Meret Steiger - Bruce Campbell wohnt seit Jahren in einer stillgelegten Boeing 727 in den Wäldern von Portland in Oregon. Ein Besuch.

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Was liegt denn da in Portland (Oregon) im Walde? Sie sehen richtig: Es ist eine Boeing 727-200. Die ausgemusterte Boeing steht aufgebockt in einem Waldstück und fungiert als Wohnung. Sie fragen sich, wer hier wohnen könnte? Wir zeigen es Ihnen. Das ist Howard Bruce Campbell, der sich mit seinem zweiten Vornnamen vorstellt, ein ehemaliger Ingenieur und grosser Flugzeugfan. Er kaufte schon mit 23 Jahren das 40'000 Quadratmeter grosse Waldstück, in dem die Boeing heute steht. Das Flugzeug kaufte er sich 1999, im Alter von 46 Jahren, für 100'000 Dollar. Zwischen dem Kauf und seinem Einzug standen allerdings viele Jahre harter Arbeit und weitere 120'000 Dollar an Investitionen. So musste zum Beispiel für den Transport ein Flügel entfernt werden, was rund 22'000 Franken kostete. Aber warum eigentlich? «Ich will das Wegwerfverhalten der Gesellschaft auf meine ganz eigene Art bekämpfen», sagt der 64-Jährige. Campbell ist nicht der Einzige, aber doch einer von wenigen Menschen weltweit, die ein Flugzeug gekauft und umgenutzt haben. Wie viele es genau sind, ist unklar, darüber führt die AFRA (Aircraft Fleet Recycling Association), die für die Umnutzung von Flugzeugen zuständig ist, keine Statistik. Campbell kümmert sich um sein Flugzeug: Hier wischt er gerade Blätter von den Flügeln, anschliessend geht er noch mit einem Hochdruckreiniger drüber. Die Gäste bekommen bei ihm Hausschuhe, damit niemand den Dreck aus dem Wald ins Flugzeug trägt. Bevor Campbell hier leben konnte, musste er einige Probleme durchstehen: Der Wohnwagen, in dem er während des Umbaus lebte, wurde von Mäusen befallen und ... ... er bekam lange keine Wohnbewilligung, im Flugzeug zu leben. Heute lebt er jeweils sechs Monate hier und geht dann nach Japan. Dort möchte der heute 64-Jährige ein zweites so ehrgeiziges Projekt starten. Diesmal soll es eine Boeing 747 werden. Campbell wäscht sich in einer selbstgebauten Dusche. Wahnsinnig viel Platz hat es nämlich nicht: Das Flugi hat eine Wohnfläche von knapp 99 Quadratmetern. Auch das Kochen ist schwierig, es gibt kein Kochfeld und keinen Backofen, lediglich eine Mikrowelle und einen Toaster. «Das macht aber nichts, ich esse sowieso sehr gerne Cornflakes, und Dosennahrung finde ich auch ganz gut», sagt Campell gegenüber Medien. Seit 2015 ist der Umbau sozusagen beendet, auch wenn der Ingenieur immer noch kleinere Verbesserungen vornimmt. Auf seiner Website beantwortet Campbell die häufigsten Fragen, verkauft unbenutzte Teile und bittet manchmal auch bei konkreten Arbeiten um Hilfe. Wäre so ein Flugzeug vielleicht auch etwas für Sie? Dann lohnt sich eine Anfrage bei der Recycling-Organisation: «Die AFRA freut sich, wenn die Flugzeuge auf kreative Weise weiterverwendet werden», sagt der Pressesprecher der AFRA, Martin Todd.

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Bruce Campbell, Ingenieur und Flugzeugfan, lebt sechs Monate pro Jahr in den Wäldern von Oregon – in einem Flugzeug. Und damit nicht genug: Der Tüftler plant ein zweites Heimflugzeug in Japan, wo er das restliche halbe Jahr verbringt.

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Ein Traum vom Flugzeugheim

Bei dem Flugzeug im Wald handelt es sich um eine Boeing 727-200 mit drei Triebwerken. 1999 begann alles: Ingenieur Campbell träumte davon, ausgemusterte Flugzeuge vor der Verschrottung zu retten und anders zu nutzen. Es sollte eine Lebensaufgabe werden.

«Ich will das Wegwerfverhalten der Gesellschaft auf meine ganz eigene Art bekämpfen», sagt der 64-Jährige lachend in einem Youtube-Video, während er mit Besen und Hochdruckreiniger die Flügel putzt und aufmüpfige Äste schneidet, die seinem Flugzeug zu nahe kommen.

1200 bis 1800 ausgemusterte Flugzeuge

Campbell ist nicht der Einzige, aber doch einer von wenigen Menschen weltweit, die ein Flugzeug gekauft und umgenutzt haben. Wie viele es davon genau gibt, ist unbekannt. Nach dem Verkauf verschwinden die Flugzeuge aus der Statistik der Aircraft Fleet Recycling Association (AFRA), einer Organisation für die Rettung von alten Flugzeugen.

Die AFRA hat aber andere Zahlen: In den nächsten drei Jahren werden zwischen 1200 und 1800 Flugzeuge ausgemustert, global gesehen werden es in den nächsten Jahrzehnten 500 bis 600 pro Jahr sein. «Die AFRA freut sich, wenn die Flugzeuge auf kreative Weise weiterverwendet werden», sagt der Pressesprecher der AFRA, Martin Todd.

Inspiriert von einem Coiffeur

Campbell war erst in seinen frühen Zwanzigern, als er 23'000 Dollar für etwas mehr als 40'000 Quadratmeter Waldland bezahlte. Ursprünglich wollte er dort eine Art Lager aus alten Vans bauen, entschied sich dann aber doch für ein Flugzeug – einer der Vans, der erste, steht immer noch überwachsen auf dem Grundstück.

Auf die Idee mit dem Flugzeug kam Campbell allerdings erst, als er von einem Coiffeur aus Mississippi hörte, der sich ebenfalls ein Flugzeug geleistet hatte. Campbell kaufte die Boeing 1999 für 100'000 Dollar.

Zwölf Jahre harte Arbeit

Inzwischen hat Campbell aber noch viel mehr investiert: Viele Jahre harte Arbeit und weitere rund 120'000 Dollar für Transport, Umbau und wetterbedingte Probleme. Seit 2015 ist der Umbau sozusagen beendet, auch wenn der Ingenieur immer noch kleinere Verbesserungen vornimmt.

Immerhin: Auf nur knapp 99 Quadratmetern hat Campbell eine Küche, eine selbstgebaute Dusche, eine Toilette und im Cockpit den wohl coolsten Arbeitsplatz der Welt. «Dass hier die Flugzeugtechnik teilweise noch funktioniert, ist faszinierend», sagt Katie Braun, eine Pilotin, die das Flugzeug 2012 besuchte. «Ich finde es super, dass die Boeing jetzt so genutzt wird.»

Probleme mit Mäusen und Bewilligungen

Der Übergang war nicht leicht: Während der Umbauarbeiten wohnte Campbell in einem Wohnwagen auf dem Grundstück, bis dieser von Mäusen heimgesucht wurde. Campbell schlief daraufhin im Flugzeug, obwohl er noch keine Wohnbewilligung hatte.

An Bord lebt Campbell simpel: Er schläft auf einem Futon, wäscht sich in seiner selbstgebauten Dusche und kocht hauptsächlich mit Mikrowelle oder Toaster, da es keine Kochplatten gibt. «Das macht nichts, ich esse sowieso sehr gerne Cornflakes, und Dosennahrung finde ich auch ganz gut», sagt Campell gegenüber Medien.

Neue Projekte

Campbell hat eine Website, auf der die wichtigsten Fragen geklärt werden. Dort verkauft er auch unbenutzte Teile des Flugzeuges und zeigt Videos und Fotos.

Auf sein neues Projekt freut sich der pensionierte Ingenieur schon sehr: «Ich will wirklich noch ein Flugzeug umbauen. Und nicht nur ich: Die meisten Leute sind im Herzen irgendwo Handwerker und wollen etwas erschaffen. Hauptsache, es macht Spass!»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Flugzeug am 16.10.2017 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ne, ne

    Mmmhhhh, ja. Dachte das ware jetzt supercool eingerichtet mit allen Annehmlichkeiten. Aber so wie das Teil aussieht, wärs nix für mich. Da kannste genau so gut in einer abgewrackten Bude im Wald wohnen und musst nicht 100 000de für abdrücken.

    einklappen einklappen
  • Marie am 16.10.2017 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuscht

    Bin ziemlich enttäuscht von den Bildern. Denke, da hätte ein guter Architekt sehr viel mehr draus machen können. Und " ziemlich klein" , "Wohnfläche nur 99 Quadratmeter"??? 99 Quadratmeter sind für eine Person ziemlich groß und da gäbe es garantiert auch Platz für ein richtiges Kochfeld!...

  • Peter am 16.10.2017 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Sprachlos

    Das sieht immer noch nach Umbau aus und wird wohl nie richtig geeignet sein zum Wohnen. Ne, dann lieber kein Flugzeug dafür eine Wohnung, schön eingerichtet und mit Bad und Küche!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erich am 17.10.2017 08:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Galileo PRO7 geschaut?

    20 Min bringt in letzter Zeit viele Artikel von Dingen, die schon seit Jahren regelmässig in der Sendung Galileo auf PRO7 laufen.

  • Typhoeus am 16.10.2017 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Im Flugi wohnen

    Immer nur hin und her laufen.

  • SIMMONE am 16.10.2017 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Platz

    Viel Platz hat es nicht?? Allein in 99m2 ist ja wohl sicher viel Platz.

  • Luzi am 16.10.2017 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    coitus interruptus mit einer guten Idee

    Also sehr ungeil die Wohnfläche, das Sanitäre und die Küche. Der Rest mag eine Art Traum sein, dann aber lieber gratis jede Nacht im eigenen Bett.

  • Tralala am 16.10.2017 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Hää

    Es gibt nichts was es nicht gibt.