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Zero Waste

10. Dezember 2017 16:20; Akt: 10.12.2017 16:20 Print

Frohe Weihnachten ohne Abfallberge

von Daniela Gschweng - Carole Schanté lebt seit einiger Zeit so gut wie ohne Abfall. Und hat dadurch viel weniger Weihnachtsstress.

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Wir haben Carole Schanté zum Interview getroffen. Carole vermeidet Abfall, wo es nur geht – gerade auch an Weihnachten. Uns verrät die junge Frau ihre besten Tipps für Zero Waste an Weihnachten. Weihnachtssterne aus Geschenkpapier, ein Adventskalender aus alten Magazinen und ansprechend verpackte Schokolade – Weihnachten geht auch ohne Abfall. Süsses kauft die Zero-Waste-Aktivistin offen und lagert es in hübschen Gläsern. Auch Schoggi, die Sie im Offenverkauf ersteht, wandert ins Glas. «Die Schoggi ist dann auch oft viel feiner», findet Schanté. PET-Flaschen? Nicht bei Carole. Sie nutzt wiederverwendbare Wasserflaschen aus Glas. Schantés Geschenktipp: Essbares geht immer. Und es lässt sich sehr gut abfallfrei verpacken. Leuten, die sie nicht gut kennt, schenkt Schanté gerne verpackungsfreie Kosmetika, wie festes Shampoo oder feste Bodylotion, die sie in Unverpackt-Läden kauft. Ein guter Tipp sind auch Wasserflaschen oder wiederverwendbare Coffee-to-go-Becher. Der Adventskalender, den Carole Schanté im letzten Jahr gebastelt hat. Die Umschläge aus alten Magazinseiten enthalten jeder einen schönen Spruch, ein Gedicht oder ein Zitat. – So sieht Schantés Kalender aufgehängt aus. So geht es auch: Geschenkverpackung aus altem Notenpapier, Bast und Karton. Statt der üblichen Weihnachts-Shopping-Tour war Schantés Familie vergangene Weihnachten gemeinsam auf dem Markt – mit wiederverwendbaren Taschen und Verpackungen natürlich. Lebensmittel lassen sich auch gut in Tücher verpacken.

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Genauso zahlreich wie die Abfallsäcke nach sind oft die guten Vorsätze vor Weihnachten. Weniger wäre unter Umständen mehr gewesen, denkt man beim Stopfen der Abfallsäcke. Tipps für ein umweltverträgliches Fest gibt es unzählige: Weihnachtsschmuck aus Papier, Stroh, Ästen, Zapfen und Beeren, selbstgemachte Geschenke, umweltfreundliche Verpackungen. Und dann erliegt man doch wieder dem Weihnachtsrummel und dem festlichen Bling-Bling.

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Für den Anfang reicht es, weniger Abfall zu machen

«Wahrscheinlich, weil sich die meisten Leute überfordert fühlen», sagt Carole Schanté. «Für den Anfang reicht es, weniger Abfall zu machen», rät die Co-Leiterin von «Zero Waste Basel», zu Deutsch: «Null Müll Basel». Die Wissenschaftlerin, die in der Umweltabteilung eines Basler Pharmaunternehmens arbeitet, bemüht sich, gar keinen Abfall mehr zu verursachen. Pro Jahr produziere sie noch ungefähr einen 34-Liter-Sack, sagt sie.

Erster Tipp: Ohne Verpackung geht es auch

Ihr erster Tipp für ein möglichst umweltverträgliches Weihnachtsfest: «Schon beim Einkaufen auf die Verpackung achten.» Wer die Einkaufstasche mitbringt, Plastiktüten vermeidet und aufwendig verpackte Dinge gar nicht erst kauft, hat schon viel Abfall gespart. Wer Geschenke im Laden verpacken lässt, kann darauf achten, dass die Verpackung wenigstens recycelbar ist. Plastikschleifen und Glitter sowie beschichtete und metallisierte Folie sind normaler Hausabfall.

Verweigern, auf Englisch «Refuse», ist das erste der fünf Leitworte der Zero-Waste-Bewegung. Die anderen vier «R» heissen «Reduce, Reuse, Recycle, Rot» (Vermindern, Wiederverwenden, Recyceln, Kompostieren). «Refuse», also öfter mal Nein sagen, kann zum Beispiel heissen, als Beschenkter zu sagen, dass man aufwendig Verpacktes nicht möchte – auch nicht geschenkt.

Nachhaltig verpacken

Eine gute Möglichkeit, Geschenke selbst einzupacken, sind Verpackungen, die gleichzeitig Geschenke sind. Einfach selbst gemacht sind Faltschachteln aus ausgedienten Kunstdrucken und Kalendern, sehr beliebt sind Schachteln aus alten Landkarten. Lebensmittel lassen sich in Gläser, Dosen und Vasen verpacken oder in Wachstuch einwickeln.

«Natürlich hat das Grenzen», sagt Schanté, «meine beiden kleinen Cousins zum Beispiel, die wollen einfach das Papier von den Geschenken reissen. Dafür haben wir letztes Jahr das Papier vom Jahr davor wiederverwertet.» Die Cousins störte es nicht, der Rest der Familie habe sich im Design nachhaltiger Verpackungen überboten, erzählt die Zero-Waste-Aktivistin und lacht. Und anstelle der grossen Weihnachts-Shopping-Tour sei die Familie zusammen auf dem Markt einkaufen gegangen.

Essbares verschenken

Essbares geht überhaupt immer, zum Verschenken sowieso, und es lässt sich auch als Deko verwenden. Den Baum mit Süssem zu dekorieren statt mit Glitter, war früher sogar üblich. Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen hält sich schon deshalb wochenlang. Und wenn das süsse Zeug im Februar niemand mehr essen mag, lässt es sich wenigstens kompostieren.

Zweiter Tipp: Festliches wiederverwenden

Wer das zu wenig weihnachtlich findet, dem rät Schanté, auf Flohmärkten und in Brockenstuben nach gebrauchtem Weihnachtsschmuck Ausschau zu halten. Nach dem selbstgemachten Weihnachtskalender vom letzten Jahr müsse sie noch suchen, sagt sie und rührt in dem Minzentee, den sie zum Interview bestellt hat. Das Zuckertütchen wird sie danach zurückgehen lassen.

Dritter Tipp: Nachhaltiges Schenken

Leuten, die sie nicht gut kennt, verschenkt sie gerne verpackungsfreie Kosmetika, wie festes Shampoo in Seifenform oder feste Bodylotion – ihr nächster Tipp – gefolgt von wiederverwendbaren Coffee-to-go-Bechern, Wasserflaschen aus Glas und Pflanzen. Für besser Bekannte gibt es Erlebnis-Gutscheine.

«Ich sehe viele Dinge inzwischen mit anderen Augen», sagt Schanté, die dieses Jahr ihr zweites abfallfreies Weihnachtsfest feiert. Bei Süssigkeiten, die einzeln verpackt in einer Plastiktüte verkauft würden, sehe sie zum Beispiel nicht mehr zuerst die Schokolade, sondern als Erstes den Abfall.

Schokolade und Süsses kauft sie offen und lagert es in Glasgefässen. «Die Schoggi ist dann auch oft viel feiner und fairer gehandelt», findet sie. Andere Verbrauchsgüter wie Lebensmittel und Kosmetika kommen vom Markt, der Käse- und Gemüsetheke oder aus Unverpackt-Läden, von denen es in Basel gleich zwei gibt.

Mehr Zeit durch weniger Müll

Schränkt das alles nicht furchtbar ein? «Gar nicht», findet Schanté. Im Gegenteil, es sei günstiger und weniger anstrengend. «Das Beste an Zero-Waste-Weihnachten ist eigentlich: Ich bin überhaupt nicht gestresst.» Mit einem festen Plan und begrenzter Auswahl müsse man sich auch nicht ständig entscheiden. Es bleibe mehr Zeit für andere Dinge wie Freunde und Familie.

Einen Weihnachtsbaum hat ihre Familie im letzten Jahr gar nicht erst gekauft. Eine grosse Topfpflanze übernahm seinen Platz. «Sehr praktisch», findet Schanté rückblickend, «keine Nadeln wegputzen, keinen Baum kaufen und keinen entsorgen müssen. Das muss aber jeder für sich entscheiden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lilu am 11.12.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger eingepacktes weniger Abfall

    Wie wärs mit weniger Schenken? Ich kämpfe jedes Jahr um Weihnachten und Geburtstag das meine 3 Kinder nich überbeschenkt werden, Götti, Gotti, Tante, Onkel..etc. alle wolles was schenken, das gäbe im Jahr etwa 20 Geschenke! Wie sollen die Kinder das noch wertschätzen?! Deshalb rate ich allen meinen Kindern Zeit zu schenken, in den Zoo, ins Kino, ein Videoabend mit Übernachtung. Meine Kinder lieben es! :)

  • Köchin am 11.12.2017 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Kürzlich beim Einkaufen nach der Kasse.Eine Frau entfernt alle Verpackungen und füllt in mitgebrachte Behälter und Tupperware um.Bei Nachfrage weshalb sie das mache,meint sie:um Abfall zu reduzieren.Bloss die Verpackungen wurden hergestellt ob sie nun im Laden oder zuhause entsorgt werden.Nutzen für die Umwelt,null.Höchstens fürs Portemonnaie um Abfallsackmarken zu sparen.Geschehen beim Bioladen wo übrigens alles ausser Früchte,Gemüse,Käse und Brot verpackt wird.Wer würde schon Nahrungsmittel essen wollen,die tag-wochen-monatelang offen im Geschäft rumliegen?Einfach unrealistisch.

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  • Estafaya am 10.12.2017 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Zuckertütchen

    Hmm beim Zuckertütchen, das sie zurückgehen lässt, funktioniert das nicht... Das wird fortgeworfen vom Küchenpersonal. Dann lieber gleich ohne Zucker bestellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ss am 11.12.2017 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Hh

    Und was macht sie dann mit dem Abfall des selbstgebastelten Kalenders?

  • Jürg Wehrli am 11.12.2017 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreibung am falschen Ort

    "Weihnachtsschmuck aus Papier, Stroh, Ästen, Zapfen..." - die werden auch irgendwann zu Abfall. Was soll daran besser sein als die bunten, geblasenen Glaskugeln, die nach Weihnachten wieder in die Kartons wandern? - Also Vorsicht, bevor sich nicht wieder so eine Zero-Dingsbums-Bewegung im Neurotischen verliert.

    • Natalie am 11.12.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      Nachdenken...

      Papier lässt sich recyclen. Stroh, Äste und Zapfen kann man kompostieren. Ein leichter Unterschied zu Glaskugeln, die im Abfall landen und verbrennt werden...

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  • Ueli am 11.12.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    ein Unding.

    Ohne Verpackungen ist die heutige Wirtschaft/Lebensweise unmöglich. Unverpacktläden gibt es auch nicht überall und die Schoggi vom Bäcker war auch verpackt und für viele zu teuer. Fazit, ihr Verpackungshobby ist Luxus und trägt kaum was zur Umwelt bei. Nachhaltige Lösungen müssten von Konzernen kommen, was nicht passieren wird da es zu viel kostet.

    • Zeit statt Dinge am 11.12.2017 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      Selbst Verantwortung übernehmen

      Ich weiss aus meinem Job, dass die Nachfrage einen starken Einfluss darauf hat, was die Firmen herstellen. Immer nur die Verantwortung abzuschieben ist hier zu einfach. Heute muss immer alles billig und sofort verfügbar sein - auch wohl die Schokolade aus Südamerika. Die wirklichen Kosten müssen dann andere tragen.

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  • Sandra am 11.12.2017 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals geschenkpapier

    Ich packe Geschenke immer in Blätter vom monatskalender . Egal ob Tiere oder Landschaften drauf sind .

    • Ecki am 11.12.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      So what...

      da habe ich weniger Glück - entweder sind meine Kalender zu klein - oder die Geschenke zu gross. Jedenfalls passt es höchst selten! Wäre Zeitungspapier eine Alternative? Und Schnur eine Zierde?

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  • Lilu am 11.12.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger eingepacktes weniger Abfall

    Wie wärs mit weniger Schenken? Ich kämpfe jedes Jahr um Weihnachten und Geburtstag das meine 3 Kinder nich überbeschenkt werden, Götti, Gotti, Tante, Onkel..etc. alle wolles was schenken, das gäbe im Jahr etwa 20 Geschenke! Wie sollen die Kinder das noch wertschätzen?! Deshalb rate ich allen meinen Kindern Zeit zu schenken, in den Zoo, ins Kino, ein Videoabend mit Übernachtung. Meine Kinder lieben es! :)