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Château des Dames

13. Januar 2018 13:54; Akt: 13.01.2018 13:54 Print

In diesem Schloss hatten Frauen das Sagen

von Meret Steiger - Das Château de Chenonceau wurde über einen Fluss gebaut – und jahrhundertelang von Frauen geprägt.

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Dieses wunderbare Bauwerk ist das Château de Chenonceau. Es gehört zu den berühmtesten Schlössern der Loire-Region. Das Schloss wurde über den Fluss Cher gebaut. Das ist aber nicht die einzige Auffälligkeit: Das Château wurde in seiner Geschichte hauptsächlich von Frauen bewohnt, gepflegt und erweitert. Erbaut wurde das Schloss Anfang des 16. Jahrhunderts unter der Aufsicht von Katherine Briçonnet, der Ehefrau des Landbesitzers Thomas Bohier. Nach einer Reihe von Todesfällen war das Schloss im Besitz von König Heinrich II. Dieser schenkte es seiner Mätresse Diana von Poitiers, die das Schloss innig liebte. Diana liess die Galerie über den Fluss bauen und legte Gärten an: Le Jardin Diane de Poitiers. Als Heinrich II. starb, nutze seine Ehefrau Caterina de' Medici die Gelegenheit, ihre Nebenbuhlerin aus dem Schloss zu vertreiben. Caterina de' Medici liess die Galerie auf der Brücke bauen und ... ... legte sich ebenfalls einen Garten an. Sie liess ausserdem diverse Obst- und Maulbeerbäume pflanzen. Letztere für eine geplante Seidenraupenzucht. 1589 starb Caterina, und das Schloss ging an ihre Schwiegertochter über: Louise de Lorraine-Vaudémont. Ihr Ehemann, Heinrich III., wurde im gleichen Jahr getötet, was die Witwe in eine tiefe Depression stürzte. Louise liess ihr Schlafzimmer schwarz bemalen und wanderte in Trauerkleidung durch die Räume des Schlosses. Später vermachte Louise das Schloss ihrer Nichte. Die war zwar zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt, aber bereits dem vierjährigen Sohn von Heinrich IV. versprochen. Die Familie interessierte sich aber nicht für das Schloss, und so zerfiel es für die nächsten hundert Jahre. 1733 wurde das Schloss wieder bewohnt: Claude Dupin und seine zweite Frau Louise zogen ein. Louise liebte die Künste und veranstalte literarische Salons mit Grössen wie Voltaire, Buffon und Marivaux. Sie liess auch ein kleines Theater einbauen. Übrigens: Ab 1740 beschäftigte Louise einen jungen Mann als Sekretär und Nanny. Dabei handelt es sich um niemand anderes als Jean-Jacques Rousseau, der später als Schriftsteller berühmt werden sollte. Es ist übrigens auch Louise Dupin zu verdanken, dass das Schloss während der Französischen Revolution nicht zerstört wurde: Sie lagerte in der Kirche das wichtige Holz und erinnerte den Mob daran, dass die Brücke des Schlosses die einzige über den Fluss im Umkreis von mehreren Kilometern ist. Die letzte Frau, die das Schloss prägte, war Marguerite Pelouze, eine reiche Erbin. Sie investierte ihr gesamtes Vermögen in Renovationen und ihren luxuriösen Lebensstil. Und übernahm sich: 1888 war Marguerite so verschuldet, dass sie das Schloss an eine Bank abtreten musste. Die Bank verkaufte es 1913 an den Schokoladenfabrikanten Henri Menier, dessen Familie noch heute Eigentümerin ist. Und auch hier: Einen entscheidenden Einfluss auf das Design des Schlosses und vor allem die neue Inneneinrichtung hatte Meniers Ehefrau, Hélène-Thyra Seillière. Eine Übersicht über die Ländereien um das Schloss. Übrigens: Das Château spielte in beiden Weltkriegen eine Rolle. Im Ersten Weltkrieg befand sich in der Flussgalerie ein Lazarett. (Im Bild: Das Schlafzimmer von Caterina de' Medici) Und im Zweiten Weltkrieg lag das Schloss an einem aussergewöhnlichen Ort: genau an der Grenze zwischen dem besetzten Gebiet und der sogenannten freien Zone. (Im Bild: das Schlafzimmer von Diane de Poitiers) Während der Haupteingang also von den Deutschen besetzt war, konnte man das Schloss durch den Südausgang ungehindert verlassen. Und so wurde das Château de Chenonceau zum Fluchthelfer für viele Franzosen.

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Das Schloss, das eines der berühmtesten in der Loire-Region ist, befindet sich in der Nähe von Chenonceaux, mitten in Frankreich. Das Schloss fällt sofort auf, weil es wie eine Brücke über den Fluss Cher gebaut wurde. Bekannt ist es auch als Schloss der Damen (Château des Dames): Über Jahrhunderte haben Frauen das Schloss geprägt, geliebt und bewohnt.

Ein Geschenk für eine Mätresse

Erbaut wurde das Château de Chenonceau im frühen 16. Jahrhundert von Thomas Bohier, Finanzsekretär der französischen Krone. Er kaufte 1513 eine Mühle, eine Burgruine und das umliegende Land von einer in Geldnot geratenen Familie. Burg und Mühle wurden abgerissen, um Platz für das neue Schloss zu schaffen.

Die Bauarbeiten wurden dabei mehrheitlich von Katherine Briçonnet, Bohiers Ehefrau überwacht. Als Bohier starb, ging das Schloss an König Franz I. über, der kurz darauf ebenfalls starb. Neuer Besitzer war also sein Sohn, König Heinrich II. Und Heinrich war wohl ein grosszügiger Liebhaber: Er schenkte das Schloss seiner Mätresse, Diana von Poitiers.

Von der Ehefrau vertrieben

Diana liebte das Schloss heiss und innig: Sie liess das Bauwerk über den Fluss vergrössern, sie gab auch den Auftrag für die Gärten und sorgte für viel Luxus im Château. Aber auch Heinrich II starb 1559 bei einem Tjost-Unfall und seine Frau, Caterina de' Medici nutzte die Gelegenheit, Diana aus dem Schloss zu vertreiben.

In den folgenden Jahren investierte Caterina de' Medici, die der einflussreichen florentischen Familie Medici entstammte, ein Vermögen in die Renovation und Erweiterung des Château de Chenonceau. So liess sie beispielsweise die zweistöckige Galerie auf die Brücke bauen.

In ein Grabmal umgewandelt

Caterina de' Medici starb 1589. Das Schloss ging an ihre Schwiegertochter über, Louise de Lorraine-Vaudémont, die Frau von König Heinrich III. Im selben Jahr fiel Heinrich III. einem Attentat zum Opfer, was seine Frau in eine tiefe Depression stürzte. In ihrer Trauer machte Louise das Schloss zu einem Grabmal.

Sie liess ihre Schlafzimmerwände schwarz bemalen und verbrachte ihre Tage damit, in Trauerkleidung durch das Schloss zu wandern. Später vermachte Louise das Schloss ihrer Nichte. Die war zwar zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt, aber bereits dem vierjährigen Sohn von Heinrich IV. versprochen. Die Familie interessierte sich aber nicht für das Schloss, und so zerfiel es für die nächsten hundert Jahre.

Literarischer Salon und Dichtertreffen

Erst 1733 wurde das Schloss wieder bewohnt: Claude Dupin und seine zweite Frau Louise zogen ein. Louise liebte die Künste und veranstalte literarische Salons mit Grössen wie Voltaire, Buffon und Marivaux. Sie liess auch ein kleines Theater einbauen. Und ab 1740 beschäftigte Louise Dupin einen jungen Mann als Sekretär und Erzieher für ihren Sohn, der später europaweit von sich reden machen sollte: Jean-Jacques Rousseau.

Louise Dupin ist es auch zu verdanken, dass das Schloss während der Französischen Revolution nicht zerstört wurde: Sie lagerte in der Kirche das wichtige Holz und erinnerte den Mob daran, dass die Brücke des Schlosses die einzige über den Fluss im Umkreis von mehreren Kilometern ist. Mit Erfolg: Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern überstand Chenonceau die Revolution fast unbeschadet.

Mit der Renovation übernommen

Die letzte Frau, die das Schloss prägte, war Marguerite Pelouze, eine reiche Erbin. Sie investierte ihr gesamtes Vermögen in Renovationen und ihren luxuriösen Lebensstil. Und übernahm sich: 1888 war Marguerite so verschuldet, dass sie das Schloss an eine Bank abtreten musste.

Die Bank verkaufte es 1913 an den Schokoladenfabrikanten Henri Menier, dessen Familie noch heute Eigentümerin ist. Das Schloss spielte übrigens in beiden Weltkriegen eine Rolle: Im Ersten Weltkrieg befand sich in der Galerie über dem Fluss ein Lazarett.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich das Schloss an einer aussergewöhnlichen Stelle: genau zwischen dem von den Deutschen besetzten Gebiet und der sogenannten freien Zone. Während der Haupteingang also von den Nazis kontrolliert wurde, befand sich der Südausgang auf nicht besetztem Gebiet, das Schloss wurde so zum Fluchthelfer für viele Franzosen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 13.01.2018 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Vergangenheit und Zukunft

    Schön einmal etwas aus den Lehrbüchern von Kunst, Kultur und Geschichte zu lesen. Man darf die Vergangenheit nicht streichen, man muss von ihr lernen. Danke.

  • Maya Ambach am 13.01.2018 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    die Loire Schlösser locken..

    Danke für den umfassenden Bericht welcher aufzeigt, welch bewegte Geschichten Schlösser haben. Der Baustil in den Epochen zeigt es hier deutlich. Wieder ein guter Tip und Anziehungspunkt auf einer Loire Resise.

  • Idefix am 13.01.2018 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Socken an

    Schöner Beitrag und schönes Schloss. Wenn auch für Frauen wohl etwas sehr Fusskalt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco am 14.01.2018 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr interessant unsere Geschichte..

    Und wir haben nichts anderes/besseres als Bitcoin, Instagram und Co. zu hinterlassen...

  • M.G. am 14.01.2018 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    Baustil und Küche

    kamen aus Italien. Vor allem die Medicis haben viel zu dem beigetragen was heute die französische Küche ausmacht. Und noch jemand kam, Leonardo Da Vinci. Er hatte die Ideen zu den doppelstöckigen Wendeltreppen bzw. Wendelaufstiegen bei denen sich auf- und absteigende Personen oder gar ganze Kutschen sich nicht begegneten. Katarina von Medici musste zusehen wie alle ihre Söhne vor ihr starben und nur noch ihr ungeliebter Schweiegersohn Henri de Navarre als Anwärter auf den Thron übrig bliebt. Und der hatte keine Probleme seinen Glauben zu wechseln denn Paris war für ihn eine Messe wert.

  • Grübel am 13.01.2018 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Manchmal frage ich mich, ob in ferner Zukunft es solche Sehenswürdigkeiten aus Bauten unserer heutigen Zeit geben wird... oder haben wir längst vergessen, Geschichte zu machen?

  • Blaubeere am 13.01.2018 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schloss

    Also mich würde dieses Gemäuer wohl erdrücken, wirkt streng, kantig und mir ist es alles ein wenig zu viel und etwas zu kalt. Der Umschwung aber, die Gegend und die Gärten wecken mein Interesse auch!

  • Welltea am 13.01.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?!

    Wie bei uns im Bundeshaus! Eine VERSCHENKT 1.3 Milliarden Franken!!!