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Spezieller Job

01. Januar 2018 12:13; Akt: 01.01.2018 12:13 Print

Leben und arbeiten in der Ritterburg heute

von Daniela Gschweng - Die Betriebsleiter der Schweizer Burg Rotberg haben einen aussergewöhnlichen Job.

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Claudia Foljanty und Thomas Krämer gebieten über die 78 Betten der Jugendherberge Mariastein-Rotberg. Die beiden Betriebsleiter auf der ehemaligen Ritterburg sind Gastgeber, Abwart, Rezeptionist, Koch, Putzfrau und Mädchen für alles. Dafür haben sie einen Wohn- und Arbeitsort, der aussieht wie aus einem Historienroman – und eine ganze Menge Arbeit.

155 Treppenstufen bis zum Burgtor

Am Nordhang des Blauen pfeift ein scharfer Wind, als wir uns an den Aufstieg zur Burg Rotberg bei Metzerlen-Mariastein machen. 155 Treppenstufen muss der Besucher hinaufsteigen, bis er beim Burgtor ankommt. Der Schutz der Burgmauern ist willkommen, die Aussicht wahrlich fürstlich.

Der «Burgherr» Thomas Krämer kommt fröhlich grüssend herangeeilt, während wir noch dabei sind, uns umzusehen. Die verfallene Höhenburg Rotberg wurde um 1935 von arbeitslosen Jugendlichen wieder aufgebaut, nicht ganz historisch korrekt, stattdessen umso stilvoller. Schon der Burghof ist sehenswert. Von der Galerie reicht die Aussicht bis weit über die französische Grenze südwestlich von Basel.

Noch mehr Treppenstufen

«Schaut euch erst einmal um, ich bin dann oben», sagt Krämer und eilt davon. «Oben» heisst: Das kleine Büro zwei Treppen höher, das sich Krämer mit der «Burgherrin» Claudia Foljanty teilt.

Hinter den dicken Mauern, die aussehen wie in einem Ritterroman, gibt es mehrere grosse Säle, verwinkelte Gänge, zehn Zimmer in verschiedenen Grössen, eine Self-Catering-Küche und viele, viele Treppen. Oben in der Turmstube steht ein eckiger Tisch mit umlaufender Bank, der sich versenken und zu einem Bett mit Rundumblick über das Elsass umbauen lässt.

Vor dem grossen Kamin im Rittersaal neben der dort aufgestellten Ritterrüstung hat schon der ganze Bundesrat getafelt. Bis zu 70 Personen passen dort hinein – oder drei Schulklassen. Ein paar Personen weniger fasst der Speisesaal mit den gemütlichen Holztischen, an denen uns Foljanty unter zwei an der Wand befestigten Hellebarden selbstgebackene Guetsli serviert.

Mädchen für alles

Gekocht wird hier frisch, Zeit für ein Gespräch haben Foljanty und Krämer sonst kaum. Während der Saison beginnt ihr Tag morgens um 7 Uhr mit der Zubereitung des Frühstücks und endet um 21 Uhr mit Büroarbeiten – an sieben Tagen die Woche. Nachmittags haben sie ein paar freie Stunden, dazwischen checken sie Gäste ein und aus, kochen, putzen, waschen, erledigen kleinere Wartungsarbeiten und führen Besucher herum. Als Bewohner der «Burgherrenwohnung» wechseln sie sich ab, da auch nachts jemand anwesend sein muss.

Die Burg Rotberg ist eine der wenigen Schweizer Burgen, in denen man übernachten kann. Zu Gast sind vor allem Jugendorganisationen und Schulklassen aus der ganzen Schweiz. Und wenn freitags die letzte Schulklasse geht, steht schon die erste Hochzeitsgesellschaft vor der Tür. Dazu kommen Mittelalterfeste, Konzerte und andere Anlässe.

«Das Leben der Ritter war bitter», scherzt Krämer. Seit 17 Jahren wirtschaftet er auf der Burg und möchte seinen Arbeitsplatz nicht missen. Langweilig wird es ihnen dafür nie. Für Foljanty ist es die erste Saison im Harry-Potter-Ambiente. «Hier ist immer etwas los», bestätigt sie.

Winterpause für dringende Aufräum- und Renovationsarbeiten

Während der Winterpause von Dezember bis März wird aufgeräumt und renoviert. In diesem Jahr sind die Badezimmer dran. Momentan bestehen sie aus grossen Haufen Schutt. Gäste hat die Burg Rotberg gerade keine, wenn man von zwei Zivildienstleistenden absieht, die beim Umbau helfen, treppauf und treppab unterwegs und von ihrer vorübergehenden Unterkunft begeistert sind.

Finanziell unterstützt wird die Burg, die der Stiftung Jugendburg Rotberg gehört, von den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn. Trotz lebhaftem Betrieb, wirklich lohnen kann sich die Herberge im Traumschloss doch nicht? «Der Betrieb trägt sich», sagt Krämer, «aber für alles, was das Gebäude betrifft, brauchen wir Zuschüsse. Den Ansprüchen der Denkmalpflege und die Brandschutzvorschriften könnten wir sonst nicht gerecht werden».

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nena am 01.01.2018 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderbarer Ort

    Meine Grosseltern hatten vor 64 Jahren diesen Job. Meine Mama wurde auf der Burg geboren. Grossvater wollte mit dem Töff die Hebamme im Dorf suchen. Als er sie nicht fand und zurück kam war das Baby schon da. Als kleines Mädchen verstand ich einfach nicht weshalb sie keine Prinzessin ist. Heute ist sie trotzdem eine Königin. Und zwar die meines Herzens;-)

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  • Tinker Bell am 01.01.2018 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Herzarbeit

    Das ist mit viel Arbeit verbunden, jeglicher Art. Aber am Schluss, wenn man sieht, dass alles Gäste Freude daran haben, weiss man, dass es sich gelohnt hat ;)

  • Morlem am 01.01.2018 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mittelalterliche Fitness

    Tönt nach anstrengend und spannend zugleich, und bei den vielen Treppen bleibt die Pumpe gesund.

Die neusten Leser-Kommentare

  • jn am 03.01.2018 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    klala

    wir durften in der 5ten klasse dort ins klassenlager.. war super abenteuerlich als kind :)

  • UGu am 02.01.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    War trotzdem super!

    Da war ich mal mit meiner Klasse. Ein tolles Erlebnis so auf einer Burg zu leben. Sowas kann man nur empfehlen. Obwohl wir eine Woche Magendarmepidemie hatten! Thomas hat uns grossartig geholfen!

  • Bruno F am 02.01.2018 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Redaktion

    Redaktion lesen Sie einmal den Artikel. 7 Uhr Arbeitsbeginn Ende 21 Uhr. Wo sind da die 11 Stunden zusammenhängende Ruhezeit ? 7 Tage pro Woche .Lassen Sie solche Artikel genau gleich wie die Geschichten der Weltenbummler mit dem VW Bus in Südamerika mit Fotos von eindeutig gefälschten Zürchern Nummernschildern.

  • Boelsberg am 02.01.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Treppen

    Es hat wirklich viele Treppen auf der Rotberg. Diejenigen auf Bild Nr. 3 werden aber hoffentlich nicht gebraucht. Es sind die Feuertreppen aus den entsprechenden Etagen.

  • Frechdachs am 02.01.2018 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    ...mit den Gespenstern spielen? :D

    Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, ich möchte auch gern ma mit den Gespenstern spielen! :D Vielleicht erschrecken die sich ja vor mir... :D