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Joint-Idee

07. Januar 2018 15:12; Akt: 07.01.2018 15:12 Print

Willkommen in der Church of Cannabis

von Meret Steiger - Der Sitz einer Kiffer-Religion: In einer 113 Jahre alten Kirche in Colorado finden jeden Freitag Cannabis-Gottesdienste statt.

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Von aussen wirkt die International Cannabis Church noch nicht besonders auffällig: Eine Kirche mit roten Backsteinen in Denver, Colorado. Bei näherer Betrachtung zeigen sich aber doch schon einige Auffälligkeiten: Türen und Fenster sind mit Weltallszenen und lachenden Planeten bemalt. Das wahre Kunstwerk sind aber die Wandgemälde in der Kirche. Sie stammen von Oscar San Miguel, alias Okuda. Die Idee für die Kirche hatten die Gründer bei einem Joint. Steve Berke, einer der Gründer, lebte zu diesem Zeitpunkt in dem 113 Jahre alten Gebäude. Seine Eltern, Immobilienhändler, hatten die Kirche gekauft, um Wohnungen zu bauen. Daraus sollte nichts werden. Nach einiger Überzeugung konnte Steve Berke gemeinsam mit Kumpel Lee Molloy am 20. April 2016 die International Church of Cannabis eröffnen. Der Plan war, täglich Cannabis-Messen für die Bevölkerung abzuhalten. Dabei gab es aber ein Problem: Colorado hatte zwar den Konsum von Marihuana erlaubt, nicht aber den Konsum in der Öffentlichkeit oder in öffentlichen Gebäuden. Und so gibt es heute einen Kompromiss: Donnerstag, Samstag und Sonntag ist die Kirche rauchfrei für die Öffentlichkeit zugänglich und kann für Veranstaltungen wie Hochzeiten, Yogakurse oder Seminare gemietet werden. Jeweils am Freitag gibt es eine Cannabis-Messe für die rund 1400 Mitglieder der International Church of Cannabis. Hier darf gequalmt werden. Natürlich sind Berke und Molloy mit ihrer Kirche nicht nur auf Zustimmung gestossen. Ein lokaler Politiker bezeichnete die Kirche als «Affront gegen alle Religionen». Die Nachbarn sorgen sich wegen des Lärms und den Besuchern, die nach der Messe high nach Hause fahren könnten. Berke und Molloy versuchen, auf die Nachbarn zuzugehen: Sie organisieren Flohmärkte, andere Nachbarschaftsevents und Putztrupps für die Gegend.

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Alles begann, wie könnte es auch anders sein, mit einem Joint. Steve Berke, der gerade sein Studium an der renommierten Yale-Universität abgeschlossen hatte, lebte in einer alten Kirche in Denver, Colorado. Seine Eltern, Immobilienhändler, hatten sie gekauft, um Wohnungen daraus zu machen. Daraus sollte aber nichts werden.

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Keine Schnaps-, sondern eine Joint-Idee

Steve, sein Kumpel Lee Molloy und einige weitere Freunde waren kürzlich nach Colorado gezogen, wo der Konsum von Marihuana seit 2012 legal ist. Steve sagt gegenüber Medien: «Wir hatten plötzlich diese fixe Idee. Was, wenn die Kirche eine Kirche bleiben würde? Eine Cannabis-Kirche?»

Steve überzeugte seine Eltern und so eröffnete neun Monate später, am 20. April 2016, die International Church of Cannabis. Komplett mit Kapelle, Glaubensgrundsätzen und ein paar Videospielautomaten im Keller. Übrigens: Dass die Eröffnung am 20. April (4/20 in der amerikanischen Datums-Schreibweise) erfolgte, war natürlich kein Zufall. Der 20. April ist so etwas wie ein inoffizieller Kiffer-Feiertag, die Phrase Four-Twenty, eine Art Code fürs Kiffen.

Für die Öffentlichkeit zugänglich

Von aussen sieht die Kirche mit ihren roten Backsteinen nicht besonders speziell aus. Einzig die Kirchenfenster und die Türen verraten, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Kirche handelt: Dort sind Galaxien und Planeten mit fröhlichen Gesichtern aufgemalt.

Der Plan war, täglich Cannabis-Messen für die Bevölkerung abzuhalten. Dabei gab es aber ein Problem: Colorado hatte zwar den Konsum von Marihuana erlaubt, nicht aber den Konsum in der Öffentlichkeit oder in öffentlichen Gebäuden. Lediglich Privatclubs dürfen ihre Mitglieder qualmen lassen.

Freitag ist Cannabis-Messe-Tag

Und so haben Steve Berke und Lee Molloy dafür eine Lösung gefunden: Wer Mitglied der International Church of Cannabis ist, wird jeweils freitags zur privaten Cannabis-Messe für die heute 1400 Mitglieder eingeladen. Donnerstag, Samstag und Sonntag können die Bewohner von Denver und Touristen die Kirche besuchen, gekifft wird dann aber nicht.

Natürlich haben sich Berke und Molloy mit der Cannabis Church nicht nur Freunde gemacht. Der Politiker Dan Pabon sagt dazu: «Die Cannabis Church ist beleidigend für jede Religion und für die Wähler, die Cannabis legalisiert haben.» Pabon versucht auch bis heute, ein Gesetz über das Verbot von Marihuana in Kirchen durchzusetzen – erfolglos.

Was sollen denn die Nachbarn denken?

Daniel Rowland, Sprecher der Stadt Denver, sagt: «Solange sich die Besitzer der Cannabis Church damit im legalen Rahmen bewegen und ihre Nachbarn nicht stören, können sie dort machen, was sie wollen.» Aber was denken denn die Nachbarn? In einem Lokalblatt macht ein Bewohner seiner Wut mit einem Leserbrief Luft: Er fühle sich hintergangen und sei wütend darüber, dass das Projekt ohne Diskussion mit den Nachbarn umgesetzt wurde.

Das Hauptproblem scheint für die meisten Nachbarn noch nicht einmal der Graskonsum zu sein. Die Parkplatzproblematik, lärmende Fahrzeuge und die Angst, dass Besucher der Freitagsmesse anschliessend high nach Hause fahren, sind die grössten Sorgen der Bewohner. Berke und Molloy wollen indes auf die Nachbarn zugehen: Sie organisieren Flohmärkte und Putztruppen.

Die Kirche als Kunstwerk

So oder so: Die Kirche ist ein aussergewöhnliches Kunstwerk. Bemalt wurde sie von Oscar San Miguel alias Okuda, über dessen andere Werke 20 Minuten bereits berichtet hat. Sein Stil zeichnet sich durch extrem farbenfrohe und häufig geometrische Figuren aus. «Es fühlt sich an wie eine Halluzination», schrieb eine Besucherin auf Instagram.

Okuda hatte bei der Kirche Narrenfreiheit: Berke und Molloy bezahlten dem spanischen Künstler das Flugticket und liessen ihn dann mit einigen Eimern in der Kirche malen – was auch immer ihm einfiel. Nach sechs Tagen war Okuda fertig und die über hundertjährige Kirche ein buntes Kunstwerk.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jessica am 07.01.2018 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    super Idee

    Absolut eine der besten Ideen Kirchen statt so leer, traurig stumpf wie unsere Kirchen, auf diese Art Menschen, vorallem junge Generationen zu animieren!

    einklappen einklappen
  • Dr. Oetker am 07.01.2018 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Freue mich ufd Initiative

    Da sieht man das Resultat von Cannabis. Sie kümmern sich um die Gesellschaft in der Stadt um den Leuten zu zeigen, dass es nicht verteufelt werden muss! Auch wenn ich als Konsument nicht jeden Tag Nachrichten über Cannabis sehen will...

  • Herr Max Bünzlig am 07.01.2018 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    da wären die Kirchen hier zu Lande wieder voll bis zum bersten

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ursi am 12.01.2018 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schön gemacht

    Schön, da sieht man den Unterschied zum Koch Areal ganz deutlich, die haben einen Künstler engagiert um die Kirche schön zu machen, auf dem Koch Areal wird sicher auch gekifft aber die Auswirkung ist wesentlich scheusslicher anzusehen.

  • André Gubelmann Brasilien am 08.01.2018 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Cannabis-Predig

    Der Pfarrer wird dann auch zugedröhnt predigen,liebt und vermehrt Euch.

  • Marina am 08.01.2018 14:56 Report Diesen Beitrag melden

    Paradiso

    Gab es in den 70gern schon mal in Amsterdam. Ein Wunder, dass ich mich noch an dieses Wochenende erinnern kann ;)

  • Pastafari am 08.01.2018 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ketzerei

    Es gibt nur einen Gott. Nämlich das heilige fliegende Spaghettimonster.

  • Dass am 07.01.2018 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Währe auch ne Idee für hier

    Gilt ja Religionsfreiheit.