«Caveman»

21. April 2017 07:15; Akt: 21.04.2017 07:15 Print

Brite lebt in 700 Jahre alter Höhle

von Meret Steiger - Er flüchtete vor einem Gewitter in eine Höhle und blieb: Angelo Mastropietro ist der modernste Höhlenmensch der Welt – mit WLAN.

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Das ist Angelo Mastropietro, 38 Jahre alt und Höhlenmensch – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Engländer lebte während der letzten zehn Jahre in dieser Höhle in einem Waldstück. Gefunden hat er sie zufällig: Er suchte Schutz vor einem Gewitter und war so begeistert, dass er das Grundstück samt Höhle gekauft hat. Nach mehr als zehn Jahren Arbeit und über 200'000 investierten Franken ist die Höhle durchaus wohnlich. Es gibt ein Schlafzimmer, ... ... eine Küche, ... ... und ein Wohnzimmer. Vieles hat der begabte Bastler selbst gemacht. Das Aufwändigste war aber das Lüftungssystem, für das er sich Hilfe von einem Profi geholt hat. Beeindruckend ist auch das Badezimmer. Die Materialien stammen fast alle aus dem Waldstück und der Höhle selbst. Das aussergewöhnlichste Stück ist aber seine Dusche. Hier ein Bild aus der Bauphase: Zuerst grub Mastropietro eine Art Wanne in die Wand, anschliessend öffnete er den vorderen Teil. Dass der 38-Jährige so viel selbst machen kann, ist nicht selbstverständlich. Kurz vor dem Kauf der Höhle wurde bei dem Unternehmer Multiple Sklerose diagnostiziert. Die Diagnose war für ihn aber auch ein Grund, seinen stressigen Lebensstil als Unternehmer in Australien zu überdenken. Nach reiflicher Überlegung entschloss sich der Brite, in seine Heimat zurückzukehren und ein ruhigeres Leben zu führen – an den Ausbau einer Höhle hatte er dabei wohl noch nicht gedacht. Im Laufe der Jahre hat Mastropietro nach seinen Schätzungen zwischen 70 und 80 Tonnen Sandgestein abgetragen. Die 100-Quadratmeter-Terrasse besteht hauptsächlich aus diesem entfernten Gestein. Angelo Mastropietro muss in seiner Höhle auf nichts verzichten: Es gibt einen Ofen für Wärme, ... ... und natürlich auch einen Kamin für den abziehenden Rauch. In seiner Höhle hat der Caveman, wie er sich selbst scherzhaft nennt, sogar WLAN. In den Zeiten, in denen er nicht selbst darin wohnen kann, wird die Höhle an Touristen vermietet.

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Die Höhle, die sich in einem englischen Waldstück befindet, ist alt. Auf mindestens 700 Jahre schätzten die befragten Experten ihr Alter. Für Angelo Mastropietro, der während eines Sturms in der Höhle Unterschlupf suchte, sollte es sein Lebenswerk werden. «Jetzt bin ich 38 Jahre alt und ein Höhlenmensch», sagt der Brite in einem Youtube-Video.

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Schon früher bewohnt

Die Höhle steht auf einem 12'000 Quadratmeter grossen Grundstück – und war tatsächlich bis 1962 bewohnt. Dann verliess sie der damalige Besitzer, und sie verkam nach und nach. Bis 2007 ein junger Engländer während eines regnerischen Spaziergangs Schutz suchte.

Angelo Mastropietro, damals 28, war sofort hin und weg. Noch in der gleichen Woche kontaktierte er den Besitzer des Grundstücks und kaufte ihm die Höhle nach einer kurzen Verhandlung ab. Mastropietro suchte nicht ohne Grund einen Rückzugsort: Bei ihm war im gleichen Jahr Multiple Sklerose diagnostiziert worden und er sah sich gezwungen, seinen anstrengenden Job bei einer Vermittlungsagentur zu kündigen.

200'000 Franken und 1000 Stunden Arbeit

Während der letzten Jahre hat der Engländer über 200'000 Franken investiert – und wegen des dennoch knappen Budgets auch selbst über 1000 Stunden Arbeit. Alles, was er sich zutraute, baute der Handwerker selbst: Er schnitt Durchgänge in den Stein und verlegte mit einem befreundeten Elektriker Stromleitungen.

Manche Dinge konnte Mastropietro aber nicht selbst: «Es gibt ein Lüftungssystem, das ich von einem Profi habe einbauen lassen. Er war von meiner bisherigen Arbeit sehr begeistert und hat mir einen guten Preis gemacht», sagt der Bastler in einem Youtube-Video.

70 Tonnen Sandstein

Im Laufe der Jahre hat der «Caveman», wie er sich selbst scherzhaft nennt, nach seinen Schätzungen zwischen 70 und 80 Tonnen Sandgestein abgetragen. Aber auch dafür fand der findige Tüftler eine Verwendung: Die 100-Quadratmeter-Terrasse besteht hauptsächlich aus dem entfernten Gestein.

Zwar lebt Mastropietro wie ein Höhlenmensch, von steinzeitlich kann aber nicht die Rede sein: In seiner Höhle hat es WLAN und fliessend Wasser, das aus einem Bohrloch stammt, das er selbst gebaut hat. Seine Dusche ist luxuriöser als in vielen anderen Wohnungen.

Teure Höhle wird zur Einnahmequelle

Ursprünglich wollte Mastropietro selbst in der Höhle leben. Sein Gesundheitszustand verlangt aber, dass er regelmässig für einige Zeit in einem Spital oder zumindest in einer Pflegeeinrichtung ist. Während dieser Zeit wird die Höhle an neugierige Touristen vermietet.

Die Höhle hat einiges zu bieten und ist garantiert einzigartig – darum ist das Ganze auch nicht ganz billig. Eine Nacht als Höhlenmensch kostet rund 220 Franken.

Sie hätten doch lieber eine richtige Wohnung statt einer Höhle? Hier finden Sie Angebote für Mietobjekte in Ihrer Umgebung:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Butterfly am 21.04.2017 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment

    Gratulation zu diesem Bijou! Also da würde ich auch gerne einmal ruhige Ferientage verbringen wollen. Toll, dass es derart kreative Menschen gibt, die so etwas Schönes gestalten können.

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  • Fred Feuerstein am 21.04.2017 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    soo coool.

    Das ist ja mal was heisses.. gratuliere zu dieser Art zu wohnen. und wenn er ein weiteres Zimmer braucht.. Pickel .. Schaufel.. hopp de Bäse..

  • Troglodyt am 21.04.2017 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Erdhaus

    Etwas Ähnliches, ein Erdhaus, steht seit geraumer Zeit in Lostorf (SO) für 2.5 mio. zum Verkauf. Auf bekannten Immobilienportalen ist der Link schnell gefunden. Sicher schön, aber sauteuer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bünzlig am 22.04.2017 19:29 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    mit einer richtigen Höhle das absolut nichts mehr zu tun.

  • Fred Feuerstein am 22.04.2017 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Jung wie die Höhle

    Warum alt? 700 Jahre sind in der Geologie ein Augenblick...

  • Gugus am 22.04.2017 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    In der Schweiz unmöglich

    Super, da fühlt man sich aber wohl. Ich versuche mal so etwas in der Schweiz zu ergattern...

  • ichluluich am 22.04.2017 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    jajaja....

    darüber habe ich schon laaange her mehrere tv berichte gesehen! der darf im jahr nur einige wochen da wohnen. eine bewilligung für dauerhaften wohnsitz stellt GB nicht aus!

  • Jim Smith am 22.04.2017 01:24 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Geschichte

    Ist wirklich eine interessante wohnung... wer die ganze entstehungsgeschichte sehen will sollte sich mal die BBC Serie "Grand Designs" reinziehen... dort wurde schon vor längerer zeit darüber berichtet... aber auch sonst eine empfehlenswerte sendung