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Künstler-Oase

25. September 2016 20:23; Akt: 25.09.2016 20:23 Print

Leben, arbeiten und ausstellen im Kieswerk

von D. Gschweng - Riesige Maschinenteile mitten im Gebäude, eine Krypta mit Pfütze und überall Kunst: Wenn ein Künstler ein Kieswerk umbaut.

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Das Kieswerk in Weil am Rhein verspricht schon von aussen einiges. Das Gebäude als Ganzes ist ein sich ständig wandelndes Kunstobjekt. Auf mehreren Etagen wohnt, lebt und arbeitet das Künstlerpaar Ania Dziezewska und Volker Scheurer. Der Kiesförderturm stand 2001 schon einige Jahre unter Denkmalschutz, als Volker Scheurer eingezogen ist. Mopsdame Puga (das bedeutet soviel wie «Frau Mops») hält nicht viel von Kunst - ausser Sie kann sich drauflegen. Im Kieswerk: Kunst und Verfall, so weit das Auge blickt. Manches ist nicht auf den ersten Blick als das eine oder andere erkennbar. Volker Scheurer und Ania Dziezewska sind im Kieswerk Bewohner, Bauherren, Galeristen, Artists-in-Residence und Hausmeister in einem. Und natürlich Herrchen und Frauchen von Hündin Puga. Die mag übrigens nicht mehr spazieren gehen, seit Volker einen Scooter hat. Das Interview mit dem Künstlerpaar (das Sie morgen lesen können) fand in der Freiluft-Lounge unter dem Kieswerk statt. Ein ausgestopftes Nagetier baumelt in einer Art Käfig vor sich hin. Der Kiesförderturm. Überall auf dem Gelände verteilt finden sich diese Figuren, und zwar ... ... nicht nur in Blau. Nicht irgendein Deckengemälde: Auf diesem Bild sind Volker und Ania zu sehen. Die Aussicht vom Kiesförderturm kann sich sehen lassen. In der Galerie stellen nicht nur Ania Dziezewska und Volker Scheurer aus ... ...sondern auch diverse Gastkünstler mit schrägen Ideen. Schweine im Barockoutfit, beispielsweise. Der Kunstraum Kieswerk ist sowohl Industriemuseum wie auch Ausstellungs- und Veranstaltungsraum ... ... und ein Teil des Dreiländergartens. Interessiert? Geöffnet ist donnerstags bis sonntags, jeweils von 15 bis 19 Uhr.

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Die Schweizer Grenze ist nur wenige Minuten entfernt, einige Meter weiter befindet sich das Erlebnisbad Laguna. In einem stillen Winkel am Rand des deutschen Städtchens Weil am Rhein findet sich der «Kunstraum Kieswerk». Die Landesgartenschau war schon einmal hier zu Gast und neben der Brachfläche steht der Zaha-Hadid-Pavillon.

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Dort steht der ehemalige Kiesförderturm. Umgeben – oder besser: umwachsen – sind die Förderbänder, Maschinen und Motoren von einer Ansammlung aus Treppen, Erkern, Galerieräumen und Skulpturen. Ein Gebäudekomplex, der aussieht, wie aus der ehemaligen Kiesgrube herausgewachsen.

Ein einziges sich wandelndes Kunstobjekt

Zu sagen, das Kieswerk sei zum Grossteil eine Galerie, in der Kunstwerke der Bewohner Volker Scheurer und seiner Partnerin, der Malerin Ania Dziezewska, sowie wechselnder Gastkünstler gezeigt werden, würde der Sache nicht gerecht. In Wirklichkeit ist das Gebäude ein einziges, sich wandelndes Kunstobjekt. Man braucht Stunden, um es vollständig zu besichtigen.

Geplant und gebaut hat Scheurer den Kunstraum grösstenteils selbst. Die Motoren, Förderbänder und alten Maschinenteile hat der Bildhauer in das Künstlerschloss integriert. In den Galerieräumen im ersten Stock befindet sich zum Beispiel ein riesiger Motor. Neben dem Schüttrichter auf der gegenüberliegenden Seite des Baus, der «Krypta», wie Scheurer sie nennt, hängen blaue Kunstwerke.

«Zu viel darf ich nicht machen»

Darunter breitet sich eine Wasserlache aus, was nicht einmal deplatziert wirkt. «Hier müsste dringend überdacht werden», sagt Scheurer. Ausser als Bauherr, Galerist, Artist-in-Residence und Denkmalpfleger fungiert er auch als eine Art Hausmeister.

«Zu viel darf ich nicht machen, sonst leidet die Kunst», sagt Scheurer zu seinem Domizil. Und zu tun gibt es immer. Zum Interview gibt es Kaffee auf einem grossen Outdoor-Sofa unter dem alten Kieswerkturm. Daneben schaukelt eine Art Käfig mit einem ausgestopften Nagetier darin im Sommerwind.

Wie der Künstler zum Denkmal kam

Zusammen fanden der Künstler und das Kieswerk im Jahr 2001. Der Kiesförderturm stand da schon einige Jahre unter Denkmalschutz und rostete friedlich vor sich hin. Seither hat Scheurer die eine oder andere Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz ausgefochten und das Gebäude ständig erweitert.

Etwa 400'000 Euro habe ihn das bisher gekostet, schätzt er. Gebaut wurde, wenn Geld hereinkam, Fördergelder erhält er nicht. Manchmal gibt es einen kleinen Zuschuss zu einer Kulturveranstaltung. Die nächste steht gerade an, eine Dauerperformance eines Klavierstücks von Eric Satie am 16. und 17. September. Auch das lenkt ab von der Kunst: Das Klavier muss noch gestimmt werden, die teilnehmenden Pianisten brauchen Ruheräume und die Gäste Bewirtung.

Wohnung, Atelier, Veranstaltungsort und Denkmal in einem

Offiziell ist der Kunstraum Kieswerk sowohl Industriemuseum wie auch Ausstellungs- und Veranstaltungsraum und ein Teil des Dreiländergartens. Geöffnet hat er von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 15 bis 19 Uhr.

Für Scheurer und seine Familie ist es ausserdem Atelier und Wohnraum. Etwa 100 Quadratmeter des aussergewöhnlichen Gebäudes hat er zur Wohnung ausgebaut.

Lesen Sie morgen, wie das Künstlerpaar im alten Kiesförderturm lebt.

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