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Inselpost

01. Oktober 2017 10:17; Akt: 01.10.2017 10:17 Print

Die ungewöhnlichste Poststelle der Welt

von Meret Steiger - Hier werden Touristen zu Pöstlern: Auf einer kleinen Insel im Galapagos-Archipel gibt es den wohl unkonventionellsten Briefkasten der Welt.

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Die Galapagosinseln sind eher für Seelöwen und Pinguine bekannt als für Poststellen. Auf der Insel Floreana gibt es aber einen briefmarkenlosen Briefkasten, um Post von der fast gänzlich unbewohnten Insel zu verschicken.

Matrosen nahmen Briefe mit

Lange bevor die Galapagosinseln zu dem Touristenmagnet wurde, der sie heute sind, war Floreana im 18. Jahrhundert bereits eine Anlaufstelle für Walfänger. Nach Monaten oder sogar Jahren auf See suchten die Matrosen mit Heimweh nach Möglichkeiten, um Briefe an ihre Liebsten zu schicken. So entstand das Postfass auf Isla Floreana.

Die Walfänger liessen ihre Briefe im Fass in der Nähe des Ufers, und vorbeisegelnde Matrosen nahmen die Briefe mit. Erstmals erwähnt wird der ungewöhnliche Briefkasten 1813 im Logbuch des Kapitäns David Porter: «Ein Crew-Mitglied kam mit einer Box voller Briefe vom Land zurück. Er fand sie in einem Fass, das mit Hathaway's Postoffice beschriftet war.»

Von Matrosen zu Touristen

25 Jahre später dokumentierte ein anderer Entdecker, was er an der abgelegenen Poststelle sah: «Fischer halten nach jeder Tour an der Insel an und nehmen Post mit nach Amerika – und essen von den grossen Meeresschildkröten.» Dieses unkonventionelle System hat sich bis ins 21. Jahrhundert gehalten. Heute werden Tausende von Briefen und Postkarten über Touristen in die Welt verteilt.

Mittlerweile ist das (nicht mehr ursprüngliche) Holzfass von Nachrichten und Klebern von Reisenden aus der ganzen Welt übersät. Die Fässer wurden immer wieder ausgetauscht, das Original stammt aber vermutlich von einem Fischerboot im 19. Jahrhundert.

Einfach zur Post bringen ist langweilig

Die Touristen gehen also die Briefe durch und nehmen die mit, die an Orte geschickt werden sollen, die nah an der eigenen Heimat liegen. Optimalerweise werden die Briefe – laut den Tourguides, die regelmässig an der Poststelle vorbeikommen – noch persönlich weitergegeben.

«Einfach eine Briefmarke draufklatschen und den Brief dann bei der nächsten richtigen Poststelle abgeben ist schwach, eigentlich mogeln», so die Devise der Tourguides. Den Walfängern wäre das wohl egal: Hauptsache, die Briefe kommen an. Auf Floreana leben übrigens rund hundert Menschen – eine offizielle Poststelle gibt es keine.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • W. Müller am 01.10.2017 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Galapagos

    Wir waren im Sommer 1986 bei dieser Poststelle und haben eine Grusskarte eingeworfen. Bei Margrit Wittmer hatten wir unser Hochzeitsessen, weil wir auf San Cristobal geheiratet hatten.

    einklappen einklappen
  • Leseratte am 01.10.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Tipp

    Das berühmteste Buch dazu ist "Postlagernd Floreana" von Margret Wittmer

  • Fellini am 01.10.2017 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Das die Post funktioniert bin ich mir Sicher, Cool

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabienne am 02.10.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Es funktioniert :)

    Mein Bruder war 2011 auf Galapagos in den Flitterwochen und hat dort eine Karte für mich eingeworfen. Nach nur 1 Monat war sie in meinem Briefkasten.

  • Galapagos-Fernweh am 02.10.2017 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert

    Das hat 1988 geklappt. Die Karten, welche ich hingegen auf der offiziellen Poststelle abgegeben habe, kamen nie an (die Postangestellte behielt wohl den Betrag für die Frankaturen für sich :-) ).

  • die Macht der Liebe! am 02.10.2017 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    Aus Not eine Tugend gemacht

    Isla Floreana! ich komme. So ein schnuckeliger Briefkasten -und auf diese Idee, aus der Not eine Tugend gemacht, musste erst einmal einer kommen. Da sieht man, wie mächtig die Liebe ist. Leute, schreibt doch wieder Briefe....

  • Herr Max Bünzlig am 01.10.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    geniale Idee auch für die Schweiz, alle nehmen Briefe und Pakte mit, und übergeben es immer wieder den nächsten, irgend wann müsste es nach alle Wahrscheinlichkeit nach, auch mal am Ziel ankommen. Vielleicht sogar schneller als mit der Schneckenpost

  • CJ am 01.10.2017 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Floreana

    Stimmt, im Juli habe ich von dort eine Postkarte nach Zürich mitgenommen. Tolle Idee