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Collyer-Brüder

15. August 2017 15:26; Akt: 16.08.2017 08:26 Print

Die schlimmsten Messies der Geschichte

von Meret Steiger - Die Gebrüder Collyer besassen ein Haus in New York. Nach ihrem Tod brauchten die Behörden zehn Tage, um die Leichen der beiden zu finden – so zugemüllt war das Anwesen.

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In diesem auch als Hermit House bekannten Gebäude wohnten Homer und Langley Collyer ihr ganzes Leben lang. War das Viertel im New Yorker Stadtteil Harlem in ihrer Kindheit noch wohlhabend, wurde es später immer ärmer und die Kriminalitätsrate stieg massiv an. Das war einer der Gründe, weswegen sich die Brüder immer mehr abschotteten. Sie hörten auch auf, offene Rechnungen zu bezahlen. Hier sieht man James Larkin, Polizeichef zu jener Zeit, wie er versucht, die Gaszähler zu entfernen. Als die beiden Brüder verstarben, durchsuchte die Polizei 1947 das Haus nach den Leichen - und fand 140 Tonnen Abfall. Hier sucht ein Polizist nach Langley Collier. Da die Brüder Fallen aus dem Unrat gebaut und alle Fenster und Türen verbarrikadiert hatten, mussten sich die Behörden vom Dach aus Zugang zum Haus verschaffen. Bei den Aufräumarbeiten warf die Polizei die Besitztümer der Brüder aus dem Fenster auf die Strasse in Harlem. Und Besitztümer hatten die Collyers einige. Hier in dieser Ecke wurde die Leiche von Homer Collyer gefunden. Die Behörden fanden im Haus unter anderem 25'000 Bücher, menschliche Organe in Einmachgläsern von ihrem Vater, 14 Klaviere, zwei Orgeln, Zeitungen aus Jahrzehnten, mehrere Babybettchen, eine Waffensammlung, Bowlingkugeln, Schneiderpuppen, diverse Pin-up-Poster und acht lebende Katzen. An dieser Stelle wurde mehr als zehn Tage später die Leiche von Langley Collier gefunden. Er starb unter einer seiner eigenen Fallen, als ein Mülltunnel einstürzte. Hier sehen Sie John McMullen, den Anwalt der Brüder, die regelmässig vor Gericht erscheinen mussten, weil sie sich nicht an Auflagen hielten und Rechnungen nicht bezahlten. Und das ist John Collyer Cavalcanti. Er behauptet, der Grossneffe der Brüder zu sein, und erhob Anspruch auf das Grundstück in Harlem - erfolglos. Das Grundstück wurde auf 26 potenzielle Angehörige verteilt.

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1947 brauchten Polizei und Feuerwehr fünf Stunden, um den ersten Collyer-Bruder zu finden. Der zweite lag zwar nur wenige Meter daneben, war aber unter so viel Abfall begraben, dass es über zehn Tage dauerte, ihn zu finden. Doch wie konnte es so weit kommen, dass zwei respektierte Mitglieder der Gesellschaft in 140 Tonnen Unrat versinken?

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Die Collyer-Brüder Homer und Langley hatten beide einen Abschluss der Columbia University. Homer hatte Jura studiert und Langley war Ingenieur und erfolgreicher Pianist. Ihre Kindheit verlief weitestgehend normal: Ihre Mutter war eine Opernsängerin, der Vater ein wohlhabender Gynäkologe.

Nach einer Erkrankung ging es bergab

Der Vater der Collyer-Brüder galt als exzentrisch: Man sah ihn regelmässig mit einem Kanu den East River herunterfahren, auf dem Weg in seine Praxis. Ausserdem: Die Eltern Collyer waren Cousins ersten Grades. Sie trennten sich, als die beiden Söhne bereits über 30 Jahre alt waren.

Homer und Langley haben beide nie geheiratet und keine Kinder bekommen. Sie haben auch nie allein gelebt: Als der Vater auszog, beschlossen die Brüder im Familienhaus in Harlem zu bleiben. Als schliesslich beide Elternteile verstorben waren, gingen alle Besitztümer an Homer und Langley über.

1933 wurde Homer durch eine Erkrankung blind. Sein jüngerer Bruder Langley kündigte seinen Job, um sich künftig rund um die Uhr um Homer zu kümmern. Zu dieser Zeit begann der gesellschaftliche Abstieg der beiden: Langley hoffte so sehr auf eine Heilung, dass er alle Zeitungen behielt, «weil sein Bruder sie vielleicht eines Tages lesen könnte».

Paranoia und Gerüchte

Die Brüder wurden gegenüber der Aussenwelt immer misstrauischer. Das hatte auch mit dem Abstieg ihres Viertels zu tun: Einst Wohnort der High-Society, wurde Harlem immer mehr zum Problemquartier, in dem Armut und Kriminalität herrschten.

Durch ihren Rückzug heizten die beiden auch die Gerüchteküche an. Kinder erzählten sich Geschichten über die komischen Brüder, und manche begannen, Steine gegen die Scheiben zu werfen – was die Paranoia der Brüder gegenüber den Nachbarn weiter verschlimmerte. Homer und Langley verbarrikadierten darauf die Fenster und Türen.

Ein versteckter Schatz?

Das wiederum sorgte für neue Gerüchte: Hatten die Brüder etwa etwas von Wert zu verstecken? Diverse Kleinkriminelle versuchten einzubrechen und den «Schatz der Collyerbrüder» zu stehlen. Erfolglos, was auch dem Ingenieur Langley zu verdanken ist: Er baute aus allerlei Gerümpel Fallen, die Eindringlinge aufhalten sollten. Er baute auch Tunnels im Müll, durch die sich die Brüder fortbewegen konnten.

Tatsächlich befand sich im ganzen Chaos kein Schatz: Nach dem Tod fand man im Haus unter anderem 25'000 Bücher, menschliche Organe in Einmachgläsern von ihrem Vater, 14 Klaviere, zwei Orgeln, Zeitungen aus Jahrzehnten, mehrere Babybettchen, eine Waffensammlung, Bowlingkugeln, Schneiderpuppen, diverse Pin-up-Poster und acht lebende Katzen.

Durch eine Entzündung wurde Homer gelähmt. Doch obwohl der Vater der beiden Arzt war, misstrauten Sie Medizinern. Einem Reporter sagte Langley: «Wir haben über 15'000 medizinische Fachbücher. Wir brauchen keine Ärzte.» Langley glaubte auch, die Sehstörung seines Bruders mit mehr Vitamin C heilen zu können, und fütterte ihn mit über 100 Orangen pro Woche.

Wer meldete den Tod der Brüder?

Nach einem anonymen Tipp suchten Polizei und Feuerwehr 1947 nach den Leichen der Brüder: Jemand hatte bei der Polizei angerufen und gemeldet, dass im Haus der Collyers ein Toter liege. Als die Polizei ankam, gab es im Haus kein Durchkommen. Um wirklich alle Räume zu durchsuchen, begannen die Beamten jedes Stück, das ihnen im Weg lag, auf die Strasse zu werfen.

Grosse Teile der Nachbarschaft sahen zu, wie sich die Besitztümer der Collyers auf der Strasse stapelten. Nach mehreren Stunden fand die Polizei Homer: Er war an Hunger und einem Herzfehler gestorben. Die Polizei suchte weiter erfolglos nach Langley. Es wurde vermutet, dass er der anonyme Anrufer gewesen und mittlerweile geflohen sei.

Eine unschöne Überraschung

Zehn Tage später, mitten in den schweisstreibenden Aufräumarbeiten, fand ein Arbeiter den verwesenden Körper von Langley Collyer. Er war in eine seiner eigenen Fallen geraten, gestürzt und von einem einstürzenden Mülltunnel zerdrückt worden. Vermutlich wollte er gerade seinem Bruder etwas zu essen bringen.

Das Haus wurde als brandgefährdet eingestuft und noch im gleichen Monat abgerissen. Ein Teil der gefundenen Dinge aus der Messie-Bude landete in Museum, anderes wurde an Auktionen verkauft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Histo am 15.08.2017 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend und traurig

    Ich würde gerne die ganze Geschichte kennenlernen. Ohne Grund wird sich das Ganze nicht so entwickelt haben.

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  • Steffi am 15.08.2017 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Erschreckend und traurig

    Eine erschreckende und traurige Geschichte...

  • Peter Robert am 15.08.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    alte Geschichte

    Es existiert ein Buch von dieser Geschichte, das ich vieleicht vor 40 Jahren gelesen habe! War sehr interessant. Leider habe ich den Titel und Autor vergessen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erlebt am 16.08.2017 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit

    Ich habe mit einem Messie zusammengelebt. In gewissen Bereichen war er pingelig bis zum Gehtnichtmehr. Aber sein Zimner war grauenhaft und je mehr sich sein Ramsch stapelte desto aggressiver wurde er. Ich hatte mehrere Gespräche mit Ärzten. Ein Messie ist sehr krank.

  • Anne Rose am 16.08.2017 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ein anderer Messi

    Mein Ex ist auch so einer, aber trotzdem anders. Der ist Pilot bei BA und fantastisch in seinem Beruf, Ausbildner und Route Checker. Und sozial imbezil. Der sammelt einfach alles, hat es tatsächlich geschafft, ein vierstöckiges Mansion mit allem zu füllen, was er fand. Ich brauchte Jahre, um aufzuräumen, denn er brachte immer wieder Dinge heran. Als ich herausfand, dass er auch Frauen sammelte, schmiss ich "Tonnen" in den Müll, als er weg war. Wahllos alles. Und verliess ihn. Er ist heute noch, nach 20 Jahren, hinter mir her. Ich bin eines seiner Sammelstücke....

    • Sammlerin am 16.08.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

      Jagdtrophäe

      Wow, interessante Geschichte. Aber dass er immer noch hinter Ihnen her ist, ist doch auch eine Form von Kompliment

    • Rosmarie Wüthrich am 16.08.2017 10:08 Report Diesen Beitrag melden

      Ja lieben Flugbegleiter

      Liebe A.R, dass ist in der Flugbranche so üblich. Was da abgeht ist schlimmer als in einem Swingerclub und das ganze wird erst noch bezahlt. Ich würde keinen einzigen aus der Flugbranche nehmen. Nie und nimmer.

    • Stefan am 16.08.2017 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Geht mir genauso

      nie mehr einen Partner aus der Flugbranche. Jede /-r hat dort ein Doppelleben.

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  • Jane77 am 16.08.2017 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Früher helfen als nur zusehen

    Wen ich daran denke wie der blinde,und gelähmte Bruder gelitten haben muss als sein Bruder plötzlich nicht mehr kam....dazu muss es bestialisch gestunken haben. Traurig das man bis heute nur zusieht und erst wen das Ortsbild darunter leidet etwas getan wird

    • Coconut89 am 16.08.2017 08:05 Report Diesen Beitrag melden

      Was sollte man den tun?

      Die anderen sind nicht Schuld daran! Oftmals wird es versteckt und der Eintritt nicht gewährt!

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  • VH am 16.08.2017 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Überlegung

    Tragisch, von den Eltern haben die zwei wahrscheinlich nur Ausbildung und "kluge Gene" bekommen. Liebe, Zuneigung, Trost, Wärme, Schutz, Stolz für eigenes Kind zu sein, all das eher nicht. Was erklären könnte, warum sie sich nie verliessen, nicht heirateten( glaubten niemandem?) und der Haufen ihre Schutz war und sie nie ihre "lieben Sachen" weg werfen konnten?! Tragisch. Wieviele wären heute so vermüllt wäre Computer oder I- Phone nicht?

  • Unordentlicher am 16.08.2017 05:33 Report Diesen Beitrag melden

    Organisiert

    Lieber eine organisierte Unordnung als gar keine.

    • Isle am 16.08.2017 07:37 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn dann

      Lieber keine Unordnung als eine organisierte..

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