Skurril

26. September 2016 19:22; Akt: 26.09.2016 19:22 Print

So wohnt das Künstlerpaar im Kieswerk

von D. Gschweng - Skulpturen im Garten, ein Förderband vor dem Fenster, Maschinenteile im Wohnzimmer und ganz viel Licht: So lebt es sich in einem Industriedenkmal.

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Wohnen im Kieswerk: Für das Künstlerpaar Ania Dziezewska und Volker Scheurer das Normalste der Welt. Volker Scheurer ist Künstler und baut bereits seit 15 Jahren am Kieswerk. Ständig kommt Neues dazu, Altes wird abgebrochen. Das Kieswerk ist ein sich ständig wandelndes Kunstwerk. So sieht das auch Ania Dziezewska. Vor sieben Jahren stellte sie ihre Bilder hier aus, kurz darauf machte Volker Ferien in Polen und Ania zog samt Kind und Regenbogenfrisur ins Kieswerk. Der Wohnraum der beiden ist eine bunte Mischung aus Kunst und Gebrauchsgegenständen. Bei manchem ist nicht auf den ersten Blick klar, in welche Kategorie es fällt. Ist diese Wanddeko auch ein Flaschenöffner? Überall hängt eigene und fremde Kunst: Hier beispielsweise das Livepainting von Anias Professor Henryk Czesnik. Der Lebensraum der beiden ist schreiend bunt, wild gemustert und besteht aus unterschiedlichsten Materialien. In diesem Raum wird entspannt - und natürlich Kunst ausgestellt. Was auffällt: Die zusammengebastelten Wohnräume sind alle sehr hell, grosse Fenster spenden viel Tageslicht. Hier arbeitet Volker, wenn er sich nicht gerade künstlerisch-kreativ austobt. Bei so viel Kunst geht einem irgendwann der Platz aus: Anias Bilder stehen überall herum. Volker Scheurer mit einem seiner Kunstwerke. Türen gibt es nur wenige, die meisten wurden entfernt und durch Vorhänge ersetzt - oder einfach offen gelassen. Die kleine Küche ist gross genug für anständige Mahlzeiten und viel Kaffee. In jeder Ecke der «Wohnung» im Kieswerk hängen Kunst, Erinnerungsstücke und Lampen. Für Menschen, die das nicht gewohnt sind, droht eine Reizüberflutung. Hündin Puga hat es sich gemütlich gemacht. «Puga» bedeutet etwa so viel wie «Frau Mops». Besonders: der kleine Balkon mit Blick ins Grüne. Eine zweite Arbeitsfläche bietet ebenfalls Sicht in den nahen Wald. Volker mit zweien seiner Kunstwerke: Barbie und Ken. Ania Dziezewska während des Interviews. Unten links im Bild und tiefenentspannt: Hündin Puga.

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Dass daheim vor dem Fenster ein Förderband endet, eine Umwälzrolle mitten in der Wohnung steht und sich darunter eine Kunstgalerie befindet, ist ungewöhnlich. Für Ania Dziezewska und Volker Scheurer ist es Normalität. Das Künstlerpaar wohnt in einem umgebauten Kieswerk.

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Skurril kann man das Gebäude im deutschen Weil am Rhein schon nennen, vielleicht sogar surreal oder magisch. Die Zusammenstellung aus alten Maschinen, Treppenaufgängen und Wohnräumen ist auf jeden Fall sehenswert. Seit 15 Jahren baut Scheurer daran. In jahrelanger Kleinarbeit, vielen An- und Umbauten wurde aus dem Förderturm im Zentrum der «Kunstraum Kieswerk», der gleichzeitig ein Industriemuseum, eine Galerie und ein Veranstaltungsraum ist.

Glasmöbel, Live-Paintings und ein Balkon wie ein Sprungbrett

Kein Raum in diesem Maschinenorganismus befindet sich auf derselben Ebene. Rund 100 Quadratmeter sind zur Wohnung umgebaut – Platz für eine kleine Küche, ein Bad und mehrere Zimmer. Vor einem der Fenster endet das alte Förderband, in der bunt gestalteten Nische gegenüber liegt die Umwurfrolle.

Dazwischen hängt ein Live-Painting, das Henryk Czesnik, einer von Dziezewskas Professoren, während eines Vortrags gemalt hat. Überall hängen fertige und halbfertige Kunstwerke, stehen Fundstücke, Mitbringsel, hängen farbige Lichterketten.

Vor allem gibt es sehr viel Licht. Durch das Dach kann man die Aussichtsplattform über dem Haus sehen. Im grossen Wohn- und Arbeitszimmer stehen zwei gläserne Schreibtische und ein grosser Wohnzimmertisch, auch dieser aus Glas. Aus dem Wohnzimmer ragt ein Balkon, der aussieht wie ein Sprungbrett: knapp zwei Meter breit, geradeaus ins Grüne.

Die wichtigsten Bewohner: Frau Mops und eine schwarze Katze

Was er zum Förderturm dazu gebaut hätte, seien nur «reine Zweckbauten», sagt Scheurer bescheiden. «Nein, das ist Kunst!», widerspricht Dziezewska. Vor sieben Jahren kam die Malerin im Kieswerk an. Das heisst: Zuerst kamen ihre Bilder zu einer internationalen Gemeinschaftsausstellung, dann kam die gebürtige Polin mit der Regenbogenfrisur selbst. Zwei Wochen später machte Scheurer Ferien in Polen, Dziezewska zog im Kieswerk ein. Ausser dem Künstlerpaar wohnen dort derzeit Dziezewskas 17-jähriger Sohn, der Mops Puga, was so viel heisst wie Frau Mops, und eine schwarze Katze.

«Unsere Privaträume sind eigentlich von Tieren bewohnt», sagt die Malerin. Wenn nicht von lebenden, dann von selbst gestalteten: Etliche Modelle, Skulpturen und Zeichnungen, die an Tiere erinnern, stehen auf den Ablageflächen. Das Paar hat sich für die laufende Schaffensperiode das Thema Tiere gesetzt.

Das liebe Geld – und ein Heizkonzept

Das urtümliche Ding, mit dem die Katze auf dem Wohnzimmertisch spiele, sei das Skelett eines Pfeilschwanzkrebses, vorgesehen für eine neue Skulptur, erklärt der Bildhauer. Wenn sie sich verkauft, wird der Kieswerkturm eine neue Treppe bekommen oder einen neuen Erker. Wenn nicht, dann eben nicht. Sowohl Scheurer als auch seine Partnerin leben von und mit der Kunst.

«Man lebt hier schon nahe an der Natur», sagt der Bildhauer und schaut nach draussen ins Grüne. Und wie stehts in der kühleren Jahreszeit mit Heizen? Mit den zahlreichen Fenstern bestimmt nicht einfach. «Schwierig», gibt Scheurer zu, ein einheitliches Konzept wäre gut. Wirklich kalt, sagt er, werde es im Winter im Kieswerkturm nicht, eher schon im Sommer zu warm, aber das störe wenig.

Scheurer stellt zwei Bronzeskulpturen auf den Tisch, eine futuristische Variante der bekannten Kinderpuppen Barbie und Ken. Dazu gehört ein kurzer Text: «Ken denkt nach …» Wen interessiert da schon ein Heizkonzept?

Den 1. Teil des Porträts lesen Sie hier.

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