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01. April 2017 12:32; Akt: 01.04.2017 12:32 Print

Französischer Pöstler baut ein Schloss aus Steinen

von M. Steiger - Auf seiner Route stolperte der Pöstler Ferdinand Cheval immer wieder über Steine. Einer hat ihn dazu inspiriert, sein Traumhaus zu bauen.

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Der Pöstler Ferdinand Cheval lief tagtäglich die gleiche Route ab. Eines Tages im Jahr 1879 stolperte der Franzose über einen aussergewöhnlich geformten Stein – und wurde inspiriert. Cheval beschloss an diesem Tag, sich selbst ein Traumhaus zu bauen. Das es einst ein Schloss werden würde, ahnte er wohl selbst nicht.

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Viele kleine Steine für ein grosses Haus

Künftig sammelte Cheval jeden Tag auf seiner Route weitere kleine Steine. Anfangs noch in den Hosentaschen, später, als es immer mehr wurden, in einem Korb, und irgendwann sogar in einer Schubkarre.

20 Jahre lang baute der hingebungsvolle Pöstler allein an den Aussenwänden seines Palastes in Hauterives im Département Drôme. Er nutzte dafür ausschliesslich seine gefundenen Steine, Zement, Kalk und Mörtel. Cheval machte die ganze Arbeit allein – nach seinem Arbeitstag, im Dunkeln, mit einer Öllampe.

Das Haus ist mehr ein Tempel

Der fertige Palast zeigt Einflüsse aus dem Christentum und dem Hinduismus, lässt sich aber sonst keiner Kunst- oder Architekturform zuordnen. Durch seine unvergleichliche Bauweise zog das Gebäude das Interesse vieler grosser Künstler auf sich – Picasso und Anaïs Nin, beispielsweise, die Chevals Arbeit in einem Essay erwähnte.

Ferdinand Cheval war aber noch nicht fertig. Als der Pöstler bereits über 70 Jahre alt war, hat er weitere acht Jahre damit verbracht, ein beeindruckendes Mausoleum auf dem nahen Dorffriedhof zu bauen. Er wurde dort 1924 beerdigt.

Späte Ehre für den ehrgeizigen Pöstler

1969 wurde sein Palast unter Denkmalschutz gestellt. 1986 kam Cheval post mortem zu landesweitem Ruhm: Sein Gesicht wurde auf die französische Briefmarke gedruckt. Das hat er aber auch verdient: Ferdinand Cheval war der Sohn eines Farmers, hatte keinerlei künstlerische oder architektonische Ausbildung – sondern einfach nur unfassbar viel Talent und Durchhaltevermögen.

Der Palast kann heute noch besucht werden. Informationen und weitere Bilder finden Sie auf der Website.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin J. am 01.04.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Cool! Und was machen wir heute...

    ...mit unserer Zeit? Sitze im Facebook und Twitter und basteln an einem sozialen Profil, das kurz nach uns in Vergessenheit gerät. Dieser Mann hat etwas bleibendes geschaffen - Respekt! Es zeigt sich immer wieder: Wenn man konsequent seine Träume verfolgt, dann erreicht man, was man will. Glaubt ihr es nicht? Lest beispielsweise auch die Biografie von Henry Ford. Live your dream und arbeitet für das Wohl aller.

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  • Thomas am 01.04.2017 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Böse aber Wahr

    Das nenn ich Kunst und Schaffungskraft! Nicht wie all die 99.999 Porzent pseudo Kulttuschaffenden die nichts anderes produzieren als Absonderungen kleinintelektuellens Durchfalls. Aber ge au dieser Mann wird sicher von der Kulturszene ausgegrenzt da er ja nicht auf gleucher evolutionärer Stufe sei wie dieser Wohlstandsauswurf.

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  • Mika am 01.04.2017 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Magisch

    Da fühlt man sich wohl wie in einer anderen Welt, ausserhalb unserer Zeit. Man stelle sich vor, jeder von uns würde in seiner kleinen Lebensspanne etwas Magie erschaffen, bevor er geht...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dieog am 02.04.2017 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man heute nicht mehr

    machen! Da würden einen die Nachbarn schon mit Klagen überhäufen und ohne Baubewilligung wäre auch bald die Gemeinde und der Kanton da und würden Bussen verhängen und das Ding abreissen! Soviel zu unserer hoch besungenen Freiheit! Freiheit, das ich nicht lache! Goethe sagte ja schon: Jener der fälschlicher Weise glaubt Frei zu sein, ist der grösste Sklave von Allen! Wir haben ein Ökonomisches Gefängnis geschaffen und wenn wir nicht aufpassen, enden wir in der Leibeigenheit! Wenn wir nicht schon dort angekommen sind.

  • Michele am 02.04.2017 02:33 Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre gewesen, wenn?

    Es zeigt vor allem eins : In jedem von uns steckt ein Genius, der sich nur allzu sehr leider eines Beamtenjobs bedienen musste, um Geld zu verdienen. Heute ist es noch schlimmer, er war wenigstens an der frischen Luft. Am Tag Beruf, am Abend Berufung. Was er wohl hätte schaffen können, hätte man ihm ein bedingungsloses Grundeinkommen ausbezahlt?

  • parmalino am 02.04.2017 01:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Kunst-Genie...

    Ich finde, es sieht komisch aus. Speziell, aber komisch:) Hut ab vor seiner Ausdauer und davor, dasser das alleine geschafft hat, aber so ganz künstlerisch begabt war er nicht wirklich...

  • Martin am 01.04.2017 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Toll! Nicht so langweilig und fantasielos wie unseren typischen viereckigen Einfamilienhäuser wie das in der Ch leider Gang und gebe geworden ist!!

    • Anderswo am 01.04.2017 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Was da wohl die Gemeinde zum Thema Erhalt des Ortsbilds sagen würde...

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  • Sylvia am 01.04.2017 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hindu Tempel und doch nicht.

    Habe das vor ca. 30 Jahren gesehen. Sehr eindrücklich. Der Pöstler war verheiratet und war dann mal 10 oder 20 Jahre weg und plötzlich wieder da und baute diese art von Tempelanlage. Es gibt nicht etwa Zimmer da drin,drum empfand ich es eher als Tempel. Übrigens niemand wusste wo er in der Zwischenzeit war. Dan war er erst Pöstler. Phenomenal.