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Ruine von Lacoste

05. Oktober 2017 12:05; Akt: 05.10.2017 12:05 Print

Villa des Marquis de Sade gehört Promi-Designer

In der Französischen Revolution zerstört, wird die Ruine von Lacoste jetzt wieder aufgebaut. Von einem prominenten Designer.

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Wir haben bereits über das Haus des Marquis geschrieben. Die ausschweifendsten Feste fanden allerdings nicht im Château de Mazan statt, sondern im Château Lacoste.

Von der Revolution zerstört

Die De-Sade-Familie besass das Schloss auf dem Hügel beim französischen Dorf Lacoste schon seit 1716. Und während das Château de Mazan die französische Revolution unbeschadet überstand, wurde Lacoste mehrheitlich zerstört: Häuser wurden niedergebrannt, Wände eingerissen und Möbel zerstört. Dabei hat das Schloss historisch durchaus Relevanz.

Es war dieses Schloss, in das sich der Marquis flüchtete, nachdem er aus dem Gefängnis in Miolans ausgebrochen war. In Miolans sprang er aus dem Fenster – aber nicht, ohne vorher einen Entschuldigungsbrief an die Wachen zu hinterlassen. In diesem Schloss fanden die rauschendsten Feiern des so berühmten Marquis statt.

Vorlage für «120 Tage von Sodom»?

Es wird spekuliert, dass die Ereignisse an den Partys im Schloss die Vorlage für das berühmteste Werk des Marquis de Sade waren: Das Buch handelt von vier Adligen und ihren perversen, sadistischen und teilweise bizarren sexuellen Vorlieben. Es könnte dieser verruchte Ruf sein, der das Schloss während der Revolution zu einem Angriffsziel machte.

Designer kauft halbe Stadt auf

Noch heute sind die Ruinen von Lacoste ein kontroverses Thema in der Gegend. Derzeit gehören sie dem französischen Designer Pierre Cardin, der eine beeindruckende Figur ist: Er gilt nicht nur als der am längsten im Modegeschäft tätige Mensch (seit 1944!), er war auch Chefdesigner bei Dior und der Erste, der Prêt-à-Porter-Mode herstellte.

Cardin machte übrigens auch die Uniformen für chinesische Polizisten, Soldaten und Angestellte der Post. Uniformaufträge für andere Länder folgten. Das Schloss des Marquis kaufte er 2001 – zusammen mit diversen weiteren Immobilien im Ort Lacoste. Er plante in der Schlossruine Konzerte und kulturelle Veranstaltungen, was bei den Dorfbewohnern aber nicht besonders gut ankam.

«Ein rücksichtsloser Immobilienhai»

Dass die Bewohner von Lacoste wenig Verständnis für die Pläne des grossen Designers aufbrachten, lag aber wohl auch an der Planung einer Privatresidenz im Schloss. Cardin wollte den kleinen Ort zu einem «St. Tropez der Kultur» machen – die Einwohner des Dorfes sahen aber nur das Auftreten eines feudalen Grossgrundbesitzers.

Aber nicht alle sind gegen Cardins Pläne: In Lacoste wohnen rund 500 Menschen und viele von Ihnen freuen sich über die künftigen Veranstaltungen. Cardin selbst fühlt sich missverstanden: «Ich möchte zwar ein kulturelles St. Tropez machen, aber ohne das ganze Showbiz. Ich möchte Lacoste wieder authentisch und trotzdem glamourös machen», sagt der 95-Jährige.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • giorgio1954 am 05.10.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Regime am Ende

    Immer wenn Bücher verboten oder vebrannt wurden, teigt das spöter die Ohnmacht und Einfallslosigkeit eines Regimes am Ende.

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  • Mamabär am 06.10.2017 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    eingewandert und eingebürgert

    In Italien geboren als Pietro Costante Cardin ist er seit 1944 in Frankreich. Und dort als Designer gross geworden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mamabär am 06.10.2017 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    eingewandert und eingebürgert

    In Italien geboren als Pietro Costante Cardin ist er seit 1944 in Frankreich. Und dort als Designer gross geworden.

  • giorgio1954 am 05.10.2017 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Regime am Ende

    Immer wenn Bücher verboten oder vebrannt wurden, teigt das spöter die Ohnmacht und Einfallslosigkeit eines Regimes am Ende.

    • Lars am 05.10.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      @giorgio

      Eigentlich ist es immer das erste was gemacht wird, nämlich die Zerstörung der Kultur, inkl. Bücher, um die Identität der Leute auszulöschen und nie das letzte was aus Ohnmacht oder Einfallslosigkeit getan wird vor dem Ende eines Regimes. Da haben Sie etwas total missverstanden. Erkundigen Sie sich mal bei der Hotline vom IS, dort erklärt man Ihnen dann genau weshalb es immer das erste ist was sie tun, wenn sie eine neue Stadt oder ein neues Gebiet einnehmen.

    • D. Graf am 05.10.2017 23:23 Report Diesen Beitrag melden

      Die Bücher von de Sade

      brennen von selbst, die muss man nicht anzünden.

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