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Gnadenfrist

28. August 2017 17:39; Akt: 31.08.2017 14:33 Print

Das passiert, wenn Sie Ihre Miete nicht bezahlen

von M. Siegenthaler - Egal, aus welchen Gründen man die Miete nicht bezahlt – das kann einen die Wohnung kosten. Aber bis man wirklich auf der Strasse steht, dauerts.

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Vielleicht haben Sie einfach grad kein Geld mehr auf dem Konto, vielleicht sind Sie wütend auf den Vermieter, oder sind Sie womöglich ein richtiger Mietnomade?

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Haben Sie Ihre Miete schon mal zu spät oder gar nicht bezahlt?
17 %
2 %
2 %
4 %
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Insgesamt 3886 Teilnehmer

Was passiert, wenn die Miete nicht rechtzeitig aufs Konto des Vermieters einbezahlt wird? Um es gleich vorwegzunehmen: Es dauert eine ganze Weile, bis ein säumiger Mieter seine Wohnung verlassen muss, denn das Gesetz schützt den Schwächeren. «Das ist dann gut, wenn ein Mieter vorübergehend in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät», sagt Barbara Mühlestein, Dossierspezialistin Mietrecht Hausverein Schweiz.

Der Mieter soll ja nicht noch mehr Probleme bekommen, weil er auch noch das Dach über dem Kopf verliert. «Wenn aber dieser Schutz böswillig oder von Mietnomaden systematisch ausgenutzt wird, ist das natürlich problematisch. Einerseits für den Vermieter – aber auch für ehrliche MieterInnen: Diese werden oft regelrecht durchleuchtet, weil sich der Vermieter ja auch zu schützen versucht.» Zum Glück handelt es sich gemäss Hausverein Schweiz bei zahlungsunwilligen Mietern nur um Einzelfälle.

Doch ob man nicht zahlen kann oder will, das sind die fünf Schritte, bis man definitiv ausziehen muss.

Erste Gnadenfrist

Bleibt der Mietzins aus, kann der Vermieter gemäss Art. 257d des Obligationenrechts OR vorerst eine 30-tägige Frist zur Zahlung ansetzen und gleichzeitig die ausserordentliche Kündigung androhen. Auch wenn Sie die Miete immer mal wieder etwas zu spät, also beispielsweise erst Mitte Monat, überweisen, kann der Vermieter kündigen, allerdings muss er die ordentliche Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten bzw. die vertraglichen oder gesetzlichen Kündigungstermine einhalten

Zweite Gnadenfrist

Wenn Sie innert dieser 30 Tage Zahlungsfrist die Miete immer noch nicht zahlen, kann Ihnen der Vermieter definitiv kündigen, und zwar als ausserordentliche Kündigung, wiederum mit einer Frist von 30 Tagen auf Ende eines Monats.

Dritte Gnadenfrist

Angenommen, Sie bekommen die ausserordentliche Kündigung, weil Sie die Miete nicht bezahlt haben. Dann haben Sie immer noch eine Chance: Wenn dem Vermieter nämlich ein Formfehler unterläuft, ist die Kündigung nicht gültig. So muss er beispielsweise bei einem Ehepaar in einer gemeinsamen Wohnung beide separat informieren.

Vierte Gnadenfrist

Wenn Sie als Mieter trotz gültiger Kündigung einfach nicht ausziehen, kann der Vermieter vor Gericht ein Ausweisungsbegehren stellen. Bei klarer Rechtslage stellt der Richter den Räumungsbefehl aus.

Letzte Gnadenfrist

Falls Sie trotz Räumungsbefehl die Wohnung nicht räumen, kann der Vermieter die Zwangsvollstreckung verlangen. In der Regel dauert der Prozess von der Klage bis zur Vollstreckung Monate oder sogar über ein Jahr, während dem Sie als Mieter in der Wohnung bleiben.

Update, 29.08.2017: Alle diese Fristen sind aber keineswegs eine Einladung zum Gratis-Wohnen. Wer mietet, der muss auch bezahlen und wenn Sie das nicht tun, dann müssen Sie damit rechnen, dass der Vermieter Sie für das ihm zustehende Geld betreibt. Mit Einträgen im Betreibungsregister wird die nächste Wohnungssuche entsprechend schwieriger.

In einer früheren Version des Artikels war dieser Umstand nicht klar ersichtlich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anderegg Rita am 28.08.2017 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Vermieter

    "Super Information" für alle, die ihre Miete nicht mehr bezahlen wollen. Wir können froh sein, dass es bei dieser Rechtslage überhaupt noch Vermieter gibt.

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  • John am 28.08.2017 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Muttis Wissen

    Meine Mutter hat schon immer gesagt: "Miete und KK immer Dauerauftrag", dann gibts auch nie Probleme

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  • Schlaubi Schlumpf am 28.08.2017 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Irreführender Artikel

    Was heisst hier vier und mehr Gnadenfristen??? Der Mieter, welcher nach der ersten Kündigungsandrohung nicht zahlt, bekommt (normalerweise) die Kündigung. Danach gibt's keine rechtlichen Gnadenfristen mehr und gegen die Kündigung kann man sich weder wehren, noch eine Erstreckung verlangen. Mit dem Artikel wird suggerriert, dass man als Mieter diverse Chancen hat. Das ist beim Zahlen der Mietzinse gerade NICHT der Fall. Also: immer rechtzeitig zahlen, sonst Aus die Maus. Für den Artikel gibt's mal wieder zwei Daumen runter....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • huwi am 29.08.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vermieter

    So viele Chancen hat ein Mieter, trotzdem wohnen zu blaeiben? Und wenn man an keinem Vermieter bezahlt sondern der Bank? Hat man ein Eigenheim, zahlt man regelmässig sein Hypo-Zins. Wenn man den nicht mehr bezahlen kann, gehts in der Regel schnell bis man auf der Strasse steht.

  • Peter Vogel am 29.08.2017 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wundert mich nicht

    Bei diesen Wuchermieten in der Stadt braucht es den Vermieter nicht zu wundern wenn dann doch mal einer auf Mietnomade macht

  • Nilaya Frei am 29.08.2017 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kurze Freude

    Diese "Werbung" hat vergessen zu erwähnen, dass der nächste seriöse Vermieter beim Vormieter Referenzen einholt. Ebenso wird die offene Miete betrieben, was einen meist verlangten Betreibungsauszug auch nicht attraktiv macht. Das heisst auf Deutsch, dass so ein Mieter kaum einmal mehr eine Wohnung finden wird. Jedenfalls nicht bei einer üblichen Immobilienverwaltung.

  • Kurt Z am 29.08.2017 07:49 Report Diesen Beitrag melden

    Warnung vor unseren Banken

    Stirbt der Ehepartner und wird die Miete und Krankenkasse per Dauerauftrag überwiesen so stellen die Banken die Zahlung ein und informieren niemanden (mir so geschehen). Bis das Geld wieder frei verfügbar ist dauert es mindestens 9 Monate. Die Miete kann nicht bezahlt werden und es beginnt ein Kampf um Wohnung und Versicherungsschutz.

  • Heinz B. am 29.08.2017 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Beratung für Mietnomaden

    Passt wieder einmal. Beratung für Zahlungsunwillige. Also noch mehr Deposit verlangen, noch mehr durchleuten, noch weniger Risiko beim Aussuchen der Mieter. Nur noch die Solventesten mit den besten Referenzen