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DIY-Projekt

15. April 2017 16:01; Akt: 15.04.2017 16:01 Print

Wohnen auf dem Dampfschiff

von Meret Steiger - Hier wird jede Mahlzeit zum «Captain's Dinner»: Für rund 190'000 Franken können Sie ein umgebautes Hausboot kaufen.

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Die SS Davenham an ihrem derzeitigen Lageplatz im Fluss Medway nahe dem englischen Kent. Das ehemalige Dampfschiff ist rund 30 Meter lang, 8 Meter breit und nicht ganz seetüchtig. Während des Umbaus (am Boden liegen die Bullaugen für den Rest des Schiffes) sah es im Bug noch so aus: die Wände marode, der Boden unregelmässig. Aber dafür gab es endlich Tageslicht. Die bisherige Besitzerin Fleur Levene hat über 126'000 Franken und mehrere Jahre Arbeit investiert, aber hauptsächlich im Innenraum. Hier gibt es einen Ofen ... ... ein gemütliches Esszimmer mit Strom ... ... und sogar zwei Badezimmer mit Dusche und fliessend Wasser. Ausgebaut hat Levene auch das Arbeitszimmer neben dem Maschinenraum ... ... und zwei Schlafzimmer. Die Bullaugen wurden nachträglich eingebaut und stammen aus einem Italienischen Schiff. Fleur Levene hat aber nicht nur Bullaugen eingebaut, sondern auch den Holzboden im Bug verlegt. Dieser lädt heute zu Partys und Festessen mit Familie und Freunden. In der Küche gibt es neben fliessend Wasser auch einen voll funktionstüchtigen Herd und einen Kühlschrank. Aussen allerdings sieht es schlecht aus. Das Boot braucht dringend einen neuen Anstrich. Und auch um die ehemalige Steuerkabine steht es schlecht: Das Holz löst sich langsam auf und müsste dringend ersetzt werden. Die gute Nachricht: Der Diesel-Motor muss nur gereinigt werden, ansonsten sei er voll funktionstüchtig. Gefällt Ihnen? Für 190'000 Franken könnte die SS Davenport ganz Ihnen gehören.

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Das ehemalige britische Dampfschiff wurde bereits in den Sechzigern ausgemustert und war mit zwei Schwesternschiffen auf dem Weg zum Schrottplatz. Doch die SS Davenham wurde von einem Unbekannten vor diesem unrühmlichen Schicksal bewahrt.

Heute gehört der Dampfer Fleur Levene. Sie hat zwei Jahre in Um- und Aufbauten investiert, um daraus ein funktionierendes Hausboot zu machen. Zwar hat die SS Davenham bereits Heizung, Strom und fliessend Wasser – der künftige Käufer müsste aber trotzdem noch einiges investieren, um das Schiff wieder seetauglich zu machen.

Levene hat in den letzten zwei Jahren über 100'000 Pfund (rund 126'000 Franken) in das Projekt investiert. Fast alles davon ins Interieur – entsprechend viel Arbeit ist an der Aussenfassade des Schiffes noch zu erledigen. Das erklärt auch den vergleichsweise niedrigen Kaufpreis von 190'000 Franken.

Ein Hausboot mit Geschichte

Die SS Davenham ist etwas mehr als 30 Meter lang, 8 Meter breit und liegt derzeit im Fluss Medway nahe dem englischen Kent. Gebaut wurde es 1946 von Yarwood and Sons. Es war eines von drei Schiffen, die für Imperial Chemical Industries, damals der grösste britische Chemieunternehmen, Farbe und andere Chemikalien transportieren sollte.

1960 wurde es ausgemustert. Während die beiden Schwesternschiffe der SS Davenham verschrottet wurden, wurde beim Dampfer ein Dieselmotor eingebaut. Seit da hatte das Schiff verschiedenste Besitzer, zuletzt Fleur Levene.

Interieur aus anderen Schiffen

Levene legte grossen Wert auf Authentizität. Die Lehrerin liess einen Holzboden auslegen und kaufte 24 Bullaugen aus einem anderen Schiff, um das Licht im Bug zu verbessern.

«Ich wollte schon immer auf einem Schiff leben. Ich habe diesen Dampfer gesehen, und es war Liebe auf den ersten Blick», sagt die Lehrerin gegenüber Medien. «Am Anfang war es ein bisschen wie campen. Es gab ja kein Licht, keinen Strom und kein fliessendes Wasser. Das Interieur war nicht vorhanden, es war mehr wie ein Skelett.»

Durch persönliche Umstände zum Verkauf gezwungen

Levene liegt viel an ihrem Schiff. «Ich habe jetzt jahrelang daran gearbeitet und habe es trotzdem noch nicht zum Motor geschafft. Ich habe ihn aber überprüfen lassen, nach einer Reinigung sollte er funktionieren.»

Sie wird sich aber nicht darum kümmern können: Levene sieht sich durch persönliche Umstände zum Verkauf gezwungen. Der Käufer müsste sich neben dem Motor auch noch der Aussenseite des Bootes widmen: Sie braucht dringend einen Anstrich. Auch das Holz im Steuerhaus zerfällt und muss ersetzt werden.

Mehr Platz als in mancher Wohnung

Das Schiff bietet 180 Quadratmeter Lebensraum – mehr, als Schweizer Wohnungen im Durchschnitt haben. Es gibt eine offene Küche mit einem Ess-/Wohnzimmer, ein Zwischengeschoss, das derzeit als Bibliothek genutzt wird, und sogar ein zweites Wohnzimmer.

Ausserdem hat die SS Davenport zwei Schlafzimmer, zwei Duschen und ein Arbeitszimmer neben dem Maschinenraum. Dazu kommen Lagerräume und natürlich das Steuerhaus. Dieses ist natürlich nicht mehr auf dem neusten Stand. «Es gibt keine Kommunikations- oder Navigationssysteme. Der Kapitän müsste schon erfahren sein», sagt Fleur Levene.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Noldi Schwarz am 15.04.2017 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Öffne nicht die Pandorabox!

    Sehr schön gemacht. Nur eben... Das wird nie enden. Wenn das Schiff in ein Drockendock kommt wird es erst richtig teuer. So wie andere Bilder zeigen hat das Schiff einen Stahlrumpf. Und jeder weiss was geschieht, wenn Eisen für Jahre im Wasser liegt, ohne etwas gegen Rost zu unternehmen. Schade.

  • Desillusioniert am 16.04.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Scheizer Parkplätze

    Super, und wo parkiere ich mein Haus dann? In Basel am Rheinknie? Ich seh die Schweiz schon aufschreien: HAUSBOOT! Achdu meine Güte das geht aber gar nicht...

  • Bootbesitzer am 16.04.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht in der CH

    Leider kannst du in der CH nicht auf einem Boot wohnen (ausser du hast eine andere offizielle Adresse) sonst hätte ich schon längst ein Hausboot.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bootbesitzer am 16.04.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht in der CH

    Leider kannst du in der CH nicht auf einem Boot wohnen (ausser du hast eine andere offizielle Adresse) sonst hätte ich schon längst ein Hausboot.

  • Lichtgestalt am 16.04.2017 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Dunkel

    Wenn auf den Fotos die elektrische Beleuchtung gleich hell scheint wie das Licht durch die Luken, ist es recht dunkel im Schiff und die Fotos wurden lang belichtet. Definitiv nichts für mich.

  • Desillusioniert am 16.04.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Scheizer Parkplätze

    Super, und wo parkiere ich mein Haus dann? In Basel am Rheinknie? Ich seh die Schweiz schon aufschreien: HAUSBOOT! Achdu meine Güte das geht aber gar nicht...

  • Realist am 15.04.2017 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kein SS mehr

    Das MS hat den Status des SS verloren, als es umgebaut auf Diesel wurde. Nun ist es nur noch ein MS. Was war für eine Dampfmaschine drin?

    • Mecker Ziege am 15.04.2017 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      SCHLEPPSCHIFF

      Das war nie ein Dampfschiff, wohl eher ein Schleppschiff.

    • was soll das am 16.04.2017 18:16 Report Diesen Beitrag melden

      Mecker, mecker

      Auch ein Schlepper kann (könnte) mit einer Dampfmaschine betrieben werden.

    einklappen einklappen
  • Svdg am 15.04.2017 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würd es gleich kaufen

    Eine ausenrenowazion werd noch nötig und dann würde ich es kaufen, wenn ich Geld hette