1945: Das Kriegsende

Der Krieg ist aus!

8. Mai 1945: Die deutsche Wehrmacht kapituliert bedingungslos, der Zweite Weltkrieg ist verloren. Insgesamt sind dem Krieg um die 55 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Deutschland hat an die sieben Millionen Todesopfer zu beklagen, davon über drei Millionen Soldaten.

Stunde Null

Brandenburger Tor

Mit der bedingungslosen Kapitulation hört das Deutsche Reich faktisch auf zu existieren; die Souveränität geht an die Alliierten Besatzungsmächte über. Von Anfang an gibt es unterschiedliche Interpretationen für diese Zäsur: Für die einen ist die Kapitulation eine bittere Niederlage; für die anderen die ersehnte Befreiung vom Nazi-Terror. Ebenso unterschiedlich fällt die Antwort auf die Frage aus, ob die Stunde Null einen kompletten Bruch mit der Vergangenheit markiert oder ob die Kontinuität überwog.

Deutschland in Trümmern

Deutschland in Trümmern

Die Alliierten finden nach Kriegsende eine regelrechte Trümmerwüste vor. Ein Fünftel der Wohnungen und Fabriken sowie zwei Fünftel der Verkehrsverbindungen sind zerstört. Die deutsche Luftwaffe hatte mit der Bombardierung von Warschau, Rotterdam und Coventry den Wind gesät, der als Sturm in Form eines gnadenlosen Bombenkriegs nach Deutschland zurückkehrte. Zahllose deutsche Städte wurden seit 1942 in den mit Absicht erzeugten Feuerstürmen grossflächig zerstört, wobei Zehntausende Zivilisten den Tod fanden.
Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg, der nahezu vollständig ausserhalb der Grenzen Deutschlands stattgefunden hatte, musste die deutsche Zivilbevölkerung die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren.

Die Trümmerfrauen

Trümmerfrauen

Nach dem Kriegsende beginnt der Wiederaufbau; den Anfang machen die «Trümmerfrauen», die in den zerstörten Innenstädten Deutschlands den Schutt der zerbombten Gebäude wegräumen - Schätzungen zufolge mehr als 400 Millionen Kubikmeter. Alle Frauen zwischen 15 und 50 Jahren - in Deutschland gibt es 1945 einen Frauenüberschuss von sieben Millionen - müssen sich auf Befehl der Alliierten Besatzungsmächte zu dieser Arbeit melden.

Oder-Neisse-Grenze

Schon nach dem Ersten Weltkrieg hatte das Deutsche Reich Gebietsverluste hinnehmen müssen: 13 Prozent des Staatsgebiet mussten damals abgetreten werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es erneut zu einer Verkleinerung: Rund ein Viertel des Territoriums von 1937 muss abgetreten werden. Diesmal sind jedoch vorwiegend deutschsprachige Gebiete betroffen: Sämtliche östlich der Oder-Neisse-Linie gelegenen Gebiete sowie Stettin und Swinemünde werden im Rahmen des Potsdamer Abkommens am 2. August 1945 unter polnische bzw. sowjetische Verwaltung gestellt. Die dort ansässige deutsche Bevölkerung, die nicht bereits während des Krieges geflohen oder vertrieben worden ist, muss ihre Heimat zum grössten Teil verlassen.

Die faktische Abtrennung der deutschen Ostgebiete - de iure wird sie erst 1992 völkerrechtlich wirksam - ist eine Folge der Westverschiebung Polens, das seine im Hitler-Stalin-Pakt der Sowjetunion zugedachten und nach Kriegsausbruch besetzten Ostgebiete nach dem Krieg nicht zurückerhielt. Insgesamt verliert Polen im Osten mehr, als es im Westen von Deutschland gewinnt.

Verlauf der Oder-Neisse-Linie

Oder-Neisse-Linie

Anerkennung der Ostgrenze

Bereits kurze Zeit nach ihrer Gründung 1949 erkennt die DDR im Görlitzer Abkommen vom 6. Juli 1950 die Oder-Neisse-Grenze an. Im offiziellen Sprachgebrauch der DDR wird die Grenze als «Oder-Neisse-Friedensgrenze» bezeichnet. Die Bundesrepublik hingegen erkennt die Oder-Neisse-Linie erst am 7. Dezember 1970 im Warschauer Vertrag als faktische unverletzliche Westgrenze Polens an, allerdings unter dem Vorbehalt einer Änderung im Rahmen einer Friedensregelung.

Als Voraussetzung für die Zustimmung der Siegermächte zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 wird die endgültige Anerkennung der Oder-Neisse-Grenze als rechtmässige Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen im Zwei-plus-Vier-Vertrag verankert und völkerrechtlich im Deutsch-Polnischen Grenzvertrag vom 14. November 1990 bekräftigt. Seit dieser Vertrag am 16. Januar 1992 in Kraft getreten ist, hat die Bundesrepublik Deutschland sämtliche Ansprüche auf vormalig deutsche Gebiete östlich der Oder-Neisse-Grenze aufgegeben.

Besatzungszonen

Schon Mitte 1943 beginnen die Alliierten damit, die Aufteilung des Deutschen Reichs in den Vorkriegsgrenzen von 1937 zu planen. 1944 nehmen diese Planungen Form an, wobei zu Beginn lediglich drei Zonen vorgesehen sind: eine sowjetische im Osten, eine amerikanische im Südosten (mit dem Hafen Bremen als Exklave) und eine britische im Nordwesten. Zugleich soll Berlin in Sektoren aufgeteilt werden. Gegen anfänglichen sowjetischen Widerstand erhalten schliesslich auch die Franzosen eine Besatzungszone im Südwesten, die aus Teilen der amerikanischen und britischen Zone geformt wird.

Bei der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 sind grosse Teile des deutschen Staatsgebiets bereits von alliierten Truppen besetzt. Ganz Berlin ist bei Kriegsende in der Hand der Roten Armee, dafür stehen amerikanische Truppen in Thüringen und Sachsen, also auf für die sowjetische Zone vorgesehenem Gebiet.
Bis Juli 1945 erfolgt nun der Rückzug der Truppen in die ihnen zugeteilten Zonen, wobei der britische Premier Churchill erfolglos den Abzug der Amerikaner aus dem besetzten Gebiet in der östlichen Zone verhindern will.

Als oberstes Regierungsorgan der Besatzungsmächte soll der Alliierte Kontrollrat fungieren, der aus den vier Oberbefehlshabern der Besatzungsarmeen besteht. Sie sollen in allen gesamtdeutschen Angelegenheiten gemeinsam und einstimmig entscheiden. Die Spannungen zwischen den Siegermächten lähmen das Gremium jedoch.

Die britische und die amerikanische Zone schliessen sich im September 1946 aufgrund der Schwierigkeiten der Briten, die Versorgung ihrer Zone zu gewährleisten, sowie der zunehmenden Differenzen der westlichen Siegermächte mit der Sowjetunion in der Bizone zusammen, die sich im März 1948 mit dem Beitritt der französischen Zone zur Trizone erweitert. Das französisch besetzte Saarland bleibt ausserhalb der Trizone.

Alliierte Besatzungszonen in Deutschland

Besatzungszonen

Geteilte Stadt: Berlin

Gross-Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches, die vollständig von der sowjetischen Zone umschlossen wird, aber nicht zu dieser gehört, wird in den seit 1920 geltenden Grenzen von allen vier Siegermächten gemeinsam verwaltet, die zu diesem Zweck eine Alliierte Kommandatur bilden und die Stadt in vier Sektoren aufteilen. Jeder der vier Sektoren wird einem Stadtkommandanten unterstellt.

Aus dem sowjetischen Sektor entwickelt sich in der Folge Ost-Berlin, die Hauptstadt der 1949 gegründeten DDR, während aus den drei westlichen Sektoren West-Berlin entsteht, das de facto - aber mit rechtlicher Sonderregelung - Teil der ebenfalls 1949 gegründeten BRD wird.

Alliierte Sektoren in Berlin

Sektoren Berlin

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