Ho Chi Minh

Der Name bedeutet «Der die Erleuchtung bringt». Er nahm ihn erst 1942 an. Geboren wurde er unter dem Namen Nguyen Sinh Cung am 19. Mai 1890 in dem kleinen Dorf Kim Lien in der Provinz Nghe An. Sein Vater war Lehrer. Ho Chi Minh besuchte eine französische Schule, von der er aber verwiesen wurde, weil er sich an einer Bauerndemonstration gegen die französischen Kolonialherren beteiligt hatte. Danach zog er nach Saigon und heuerte 1911 auf einem französischen Dampfer an. Danach lebte er vermutlich einige Zeit in England und New York, bevor er 1917 nach Frankreich zurückkehrte. Dort gründete er die «Gemeinschaft der annamitischen Patrioten», die sich an die in Frankreich lebenden Vietnamesen richtete. 1918 veröffentlichte die Gemeinschaft eine Petition, die mehr politische Rechte für die Vietnamesen, nicht aber die Unabhängigkeit forderte. Durch die Lektüre der Schriften Lenins wurde Ho Chi Minh zum Marxisten und gehörte 1920 zu den Gründungsmitgliedern der kommunistischen Partei Frankreichs. 1923 folgte er einer Einladung der Komintern nach Moskau, wo er eine Ausbildung an der «Stalinschule» absolvierte. 1930 gründete er in Hongkong die Kommunistische Partei Indochinas, die heutige Kommunistische Partei Vietnams.
1941 kehrte er nach Vietnam zurück, wo er die Befreiungsbewegung Viet Minh führte und gegen die japanischen Besatzer, danach auch gegen die Franzosen kämpfte, die das Land ab 1946 erneut besetzten. Nach der Teilung des Landes wurde Ho Chi Minh 1954 Präsident der Demokratischen Republik Nordvietnam. Da ein vereinigtes Vietnam sein Ziel blieb, unterstützte er in den Sechzigerjahren die südvietnamesischen Kommunisten in ihrem Kampf gegen das südvietnamesische Regime und die Amerikaner. Der durch Laos und Kambodscha führende Nachschubpfad wurde nach ihm benannt.

Am 2. September 1969 starb Ho Chi Minh an Herzversagen. 1975 wurde Saigon zu seinen Ehren in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt. (Mehr ...)

Le Duc Tho

Le Duc Tho wurde als Phan Dinh Kai am 14. Oktober 1911 geboren. 1930 war er einer der Gründer der kommunistischen Partei Indochinas. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde er mehrmals inhaftiert. 1945 begründete er den Viet Minh mit und wurde einer der Organisatoren des Kampfes gegen die französische Kolonialmacht. 1954 wurde er nach der Teilung des Landes Mitglied des Politbüros in Hanoi. Von dort aus steuerte er den Widerstand gegen das südvietnamesische Regime. Ab 1968 war er nordvietnamesischer Chefunterhändler bei den Friedensgesprächen in Paris. Nachdem man sich 1973 schliesslich auf ein Friedensabkommen geeinigt hatte, wurde ihm der Friedensnobelpreis zuerkannt, den er (im Gegensatz zu seinem amerikanischen Verhandlungspartner Henry Kissinger) jedoch ablehnte.

Le Duc Tho starb am 13. Oktober 1990 in Hanoi.

Zhou Enlai

Zhou Enlai wurde am 5. Mai 1898 in einer chinesischen Provinzstadt geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, was ihm Studien in Japan, Frankreich und Deutschland ermöglichte. 1924 wurde er politischer Leiter der Militärakademie Whampoa. Bald erlangte er auch Zugang zum Führungszirkel der Kommunistischen Partei Chinas: 1927 wurde er Mitglied des Zentralkomitees, von 1928 bis zu seinem Tod sass er auch im Politbüro. 1934/35 nahm er am Langen Marsch teil, dem Rückzug der Kommunistischen Truppen vor den vorrückenden Nationalisten Chiang-Kai-sheks. Während des chinesisch-japanischen Krieges in den späten 30er-Jahren fungierte Zhou als Verbindungsmann der kommunistischen Führung zu den Nationalisten.

Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 war er bis zu seinem Tod Ministerpräsident, bis 1958 auch Aussenminister. In dieser Funktion nahm er 1954 an der Genfer Indochinakonferenz teil. Während der Kulturrevolution und der nachfolgenden chaotischen Zustände sorgte Zhou, der sich als Aussenpolitiker grossen Respekt erworben hatte, für ein Mindestmass an Kontinuität in Verwaltung und Wirtschaft. Allerdings stellte er die Autorität des Parteiführers Mao Zedong nie in Frage. Eine wichtige Rolle spielte er bei der vorsichtigen Annäherung Chinas an die Vereinigten Staaten, die in Präsident Nixons Staatsbesuch 1972 gipfelte.

1973 wurde bei Zhou Krebs diagnostiziert; er gab daher viele seiner Funktionen an den als Reformer geltenden Deng Xiaoping ab. In seinen letzten Lebensjahren wurde er von der politisch einflussreichen Viererbande um Maos Ehefrau attackiert und verlor möglicherweise auch das Vertrauen des Grossen Vorsitzenden. Nach seinem Tod am 8. Januar 1976 wurde ein offizielles Trauerverbot verhängt, was den so genannten Tiananmen-Zwischenfall auslöste: Die Bevölkerung feierte Zhou und seinen Vertrauten Deng Xiaoping demonstrativ.

Ngo Dinh Diem

Diem wurde am 3. Januar 1901 in der alten Kaiserstadt Hue geboren. Seine Familie gehörte zur katholischen Oberschicht Vietnams. In den späten Zwanzigerjahren arbeitete er sich in der französischen Kolonialverwaltung hoch. 1933 war er unter Kaiser Bao Dai kurze Zeit Innenminister, trat jedoch nach einem Kompetenzstreit mit den Franzosen bald wieder ab. Danach zog er sich zunächst aus der Politik zurück. Nach dem Krieg versuchte Ho Chi Minh ihn zur Mitarbeit zu bewegen, was der überzeugte Antikommunist Diem aber ablehnte. Nach einigen Jahren in den USA wurde er 1954 von Bao Dai zum Premierminister von Südvietnam ernannt. Ein Jahr später liess er sich in einem Referendum zum Präsidenten wählen. Sein Regierungsstil war äusserst autoritär. Als er eine christliche Bekehrungskampagne durchführte, riefen die Buddhisten zum Widerstand auf. Weil er eine Bodenreform ablehnte, wurde er in der Bevölkerung zunehmend unpopulär. Als die Amerikaner erkannten, dass Diem die erhoffte Stabilität nicht garantieren konnte, liessen sie ihn schliesslich fallen. Am 1. November 1963 wurde er durch einen von Präsident Kennedy abgesegneten Militärputsch gestürzt und am folgenden Tag hingerichtet. Die Macht in Südvietnam übten fortan Generäle aus.

Nguyen Van Thieu

Nguyen Van Thieu wurde am 5. April 1923 in Phan Rang geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss er sich kurzfristig dem Viet Minh an, verliess die Bewegung jedoch wegen ihrer kommunistischen Ausrichtung bald wieder. Bis 1954 kämpfte er an der Seite Frankreichs gegen den Viet Minh. Nach der Teilung stieg er in der südvietnamesischen Armee auf und wurde 1962 General. 1963 war er einer der Drahtzieher des Putsches gegen Präsident Ngo Dinh Diem. 1967 gewann er die Präsidentschaftswahlen. Bis 1975 führte er ein sehr autoritäres Regime, das sich jeder Annäherung an Nordvietnam oder die NLF widersetzte. Kurz vor der endgültigen Niederlage Südvietnams trat Thieu zurück und ging ins Exil, zunächst nach Taiwan, dann nach England und schliesslich in die USA. Am 29. September starb er in Boston.

Pol Pot

Pol Pot, dessen eigentlicher Name Saloth Sar lautete, wurde vermutlich am 19. Mai 1928 geboren. Sechs Jahre seiner Kindheit verbrachte der Bauernsohn angeblich in einem buddhistischen Kloster. In der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh machte er anschliessend eine Lehre als Zimmerer. 1946 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Kambodschas. 1949 bis 1953 studierte er Radioelektronik in Paris, allerdings ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr unterrichtete er an einer Privatschule in Phnom Penh. Als 1963 die Repression gegen die Kommunisten einsetzte, verbarg sich Pol Pot im Dschungel an der vietnamesischen Grenze, wo er eine Guerillaorganisation aufzubauen begann, die Roten Khmer.

1975 marschierten seine Truppen in Phnom Penh ein; mit der Vertreibung der Stadtbevölkerung aufs Land begann die Schreckensherrschaft der Roten Khmer, die innerhalb von vier Jahren gegen zwei Millionen Kambodschaner das Leben kostete.

Nach mehreren Angriffen der Roten Khmer auf vietnamesisches Gebiet marschierten die Vietnamesen Ende 1978 in Kambodscha ein. Pol Pot floh mit seinen Getreuen in den Dschungel an der thailändischen Grenze und begann einen erbitterten Guerillakrieg gegen die vietnamesischen Besatzer, der trotz amerikanischer Unterstützung letztlich erfolglos blieb.

Im Juni 1997 wurde Pol Pot von seinem Konkurrenten Ta Mok von der Spitze der Roten Khmer verdrängt und einen Monat später von einem «Volkstribunal» als Verräter zu lebenslanger Haft verurteilt. Im April 1998 starb er schliesslich an einer Überdosis von Medikamenten; obwohl Gerüchte kursierten, er sei ermordet worden, ist davon auszugehen, dass er Selbstmord begangen hat.

Norodom Sihanouk

Norodom Sihanouk wurde am 31. Oktober 1922 in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh geboren. Seine Ausbildung absolvierte er in seiner Heimatstadt, in Vietnam und in Frankreich. 1941 wurde er im Alter von 18 Jahren mit Unterstützung der Kolonialmacht Frankreich zum König ausgerufen. Nach der Besetzung Kambodschas durch die Japaner rief Sihanouk die Unabhängigkeit aus, arrangierte sich aber wieder mit den Franzosen, als diese nach der Niederlage Japans zurückkehrten. Dennoch war es weiterhin seine Absicht, Kambodscha mittelfristig in die Unabhängigkeit zu führen. 1952 setzte er die Verfassung ausser Kraft und ernannte sich selbst zum Regierungschef; bereits ein Jahr später proklamierte er einseitig die Unabhängigkeit. 1955 dankte er zugunsten seines Vaters ab und gründete eine eigene Partei, mit der er die Wahlen klar gewann. Er leitete nun eine umfangreiche Verstaatlichungspolitik ein und erklärte Kambodscha für neutral. Bis 1970 regierte er praktisch als Alleinherrscher; dann wurde er mit Unterstützung der USA von General Lon Nol entmachtet. Den Amerikanern war es ein Dorn im Auge gewesen, dass Sihanouk den Vietkong Rückzugsgebiete im Osten Kambodschas zugestand. Der gestürzte Herrscher floh nun nach China. Von dort aus arrangierte er sich mit den kommunistischen Roten Khmer und kehrte nach deren Sieg als nominelles Staatsoberhaupt zurück. Nachdem er es gewagt hatte, Kritik an den neuen Machthabern zu üben, wurde er von 1976 bis 1979 unter Hausarrest gestellt. Als die Vietnamesen Kambodscha 1979 besetzten, ging er erneut ins chinesische Exil und gründete dort eine neue Partei.

1993 fanden Wahlen unter UN-Aufsicht statt. Kambodscha war nun eine konstitutionelle Monarchie, deren erster König erneut Sihanouk wurde. Im Oktober 2004 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück. Sein Sohn Norodom Sihamoni wurde als sein Nachfolger inthronisiert. Sihanouk soll nach wie vor erheblichen Einfluss auf den neuen König ausüben.

Lyndon B. Johnson

Lyndon Baines Johnson wurde am 27. August 1908 auf der Farm seines Vaters in der Nähe von Stonewall (Texas) geboren. Er liess sich zunächst zum Lehrer ausbilden und unterrichtete auch für kurze Zeit. Während des Zweiten Weltkriegs diente er als Offizier in der Marine. Harte Arbeit und texanisches Ölgeld brachten Johnson 1955 den Posten des Mehrheitsführers im Senat ein. 1960 beteiligte er sich an den Vorwahlen zur demokratischen Präsidentschaftskandidatur, unterlag aber John F. Kennedy, dessen Vizepräsident er anschliessend wurde.
Nach der Ermordung Kennedys am 22. November 1963 wurde Johnson noch am selben Tag als 36. Präsident der USA vereidigt. 1964 besiegte er bei den Präsidentschaftswahlen den Republikaner Barry Goldwater mit einer überwältigenden Mehrheit. Innenpolitisch widmete sich der Präsident seinem Lieblingsprojekt der «Great Society», also einer Gesellschaft, die frei von Armut und Diskriminierung sein sollte.
Wenig Glück war Johnson in seiner Vietnampolitik beschieden. Obwohl er in der Wahlkampagne noch versprochen hatte, keine Bodentruppen nach Indochina zu schicken, tat er ab 1965 genau dies. Ende 1964 hatte er sich durch die Tonkin-Resolution des Kongresses dazu ermächtigen lassen. Trotz massiver Bombenangriffe und einer Erhöhung der amerikanischen Truppen auf über 500 000 Mann war ein Sieg nicht absehbar. Als die Proteste gegen den Krieg anschwollen und zudem Rassenunruhen in den Innenstädten tobten, kündigte Johnson im März 1968 an, für eine neue Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Nach dem Ende seiner Präsidentschaft zog er sich auf seine Ranch in Texas zurück, wo er am 22. Januar 1973 an einem Herzanfall starb.

John F. Kennedy

John Fitzgerald Kennedy wurde am 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts, in eine einflussreiche irischstämmige Familie geboren. Am Zweiten Weltkrieg nahm Kennedy als Kommandant eines Schnellbootes teil. 1952 wurde er Senator, acht Jahre später gewann er knapp die Präsidentschaftswahl gegen Richard Nixon.
In Vietnam stockte Kennedy die Zahl der amerikanischen Militärberater massiv auf (von ursprünglich 700 auf 16 870 im November 1963). Ebenso wurde die Militär- und Wirtschaftshilfe an Diems Regime beträchtlich erhöht (um 42 Millionen Dollar), und die südvietnamesischen Selbstverteidigungskräfte erhielten moderne Waffen. Zudem autorisierte er Planungen für verstärkte geheime Militäraktionen gegen Nordvietnam. Andererseits widersetzte er sich aber immer der Entsendung von Bodentruppen, die von vielen Militärs gefordert wurde.
Bereits 1962 liess Verteidigungsminister McNamara auch Pläne für den gestaffelten Abzug aller amerikanischen Berater ausarbeiten. Diese widersprüchliche Politik hat Spekulationen hervorgerufen, Kennedy habe das amerikanische Engagement in Südvietnam eigentlich beenden wollen. Der Historiker John H. Newman meint sogar, nach einem (zu erwartenden) Sieg bei den Wahlen 1964 hätte er den vollständigen Rückzug angeordnet. Da Kennedy aber das amerikanische Engagement insgesamt erheblich steigerte, kann man genauso gut spekulieren, dass die spätere Eskalation auch unter ihm erfolgt wäre.
Am 22. November 1963 wurde Kennedy in Dallas (Texas) erschossen. Mehrere Verschwörungstheorien über die Hintergründe des Attentats sind nach wie vor in Umlauf.

Richard M. Nixon

Richard Milhous Nixon wurde am 9. Januar 1913 in Yorba Linda (Kalifornien) geboren. Seine Eltern waren strenggläubige Quäker. Nach dem Studium der Rechte und Kriegsdienst bei der Marine wurde er 1946 für die Republikaner ins Repräsentantenhaus, 1950 in den Senat gewählt. Unter Dwight D. Eisenhower war Nixon acht Jahre lang Vizepräsident. 1960 unterlag er bei den Präsidentschaftswahlen nur ganz knapp John F. Kennedy. Als er 1968 erneut kandidierte, gewann er gegen Hubert Humphrey.
In Vietnam war er um eine «Vietnamisierung» des Konflikts bemüht: Grosse Teile der amerikanischen Bodentruppen wurden abgezogen, gleichzeitig wurde jedoch die Bombardierung Nordvietnams intensiviert und zeitweise auf Kambodscha und Laos ausgeweitet. Der Bodenkrieg fiel nun weitgehend in die Zuständigkeit der südvietnamesischen Armee. 1973 wurde in Paris ein Friede mit Nordvietnam ausgehandelt, der auf eine Kapitulation auf Raten hinauslief.
Zum Verhängnis wurden Nixon schliesslich seine illegalen Aktivitäten. Während der Präsidentschaftskampagne (Nixon wurde 1972 mit einem Erdrutschergebnis im Amt bestätigt) waren fünf Männer im Auftrag Nixons in den Watergate-Gebäudekomplex eingebrochen, der das Hauptquartier der Demokraten beherbergte, um dort Wanzen zu installieren und Dokumente zu fotografieren. Als diese Aktion und weitere Gesetzesverstösse 1973 ans Licht kamen, leitete das Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren (impeachment) gegen den Präsidenten ein. In der Folge musste Nixon am 9. August 1974 als erster und bisher einziger Präsident in der Geschichte zurücktreten. Sein Vizepräsident und Nachfolger Gerald Ford begnadigte ihn schon einen Monat später.
Seinen Lebensabend verbrachte Nixon mit dem Schreiben von Büchern, darunter seinen Memoiren. Am 22. April 1994 starb er an den Folgen eines Schlaganfalls.

Robert S. McNamara

Robert Strange McNamara wurde am 9. Juni 1916 in San Francisco geboren. Er studierte Wirtschaft und Philosophie an der Universität Berkeley. Nachdem er zunächst bei Price Waterhouse gearbeitet hatte, ging er 1940 als Dozent nach Harvard. Während des Zweiten Weltkriegs diente er bei der Luftwaffe im Stab von General Curtis LeMay. Dort entwickelte er mathematische Modelle für die Bombardierung japanischer Städte mit Brandbomben.

1946 übernahm McNamara eine leitende Tätigkeit bei der Ford Motor Company, deren Präsident er 1960 als erstes Nicht-Mitglied der Ford-Familie wurde.

1961 trat er als Verteidigungsminister dem Kabinett von John F. Kennedy bei. In Vietnam setzte er auf einen Abnutzungskrieg, dessen Erfolg der Statistikfetischist McNamara in der Anzahl getöteter Gegner («Body Count») gemessen sehen wollte. 1967 erkannte er aber, dass seine Strategie falsch war: Er empfahl Präsident Johnson daher, die Zahl der amerikanischen Soldaten zu reduzieren, die Bombardierung Nordvietnams einzustellen und den Bodenkrieg den Südvietnamesen zu überlassen («Vietnamisierung»). Johnson lehnte ab.

1968 bis 1981 amtierte er als Präsident der Weltbank. Während dieser Zeit setzte er sich für eine verstärkte Kreditvergabe an die Länder der Dritten Welt ein; die absolute Armut sollte beseitigt werden, um den Vormarsch des Kommunismus zu stoppen. Da aber grosszügige Kredite für Prestigeprojekte (etwa Staudämme) vergeben wurden, stiegen die Schulden der armen Staaten ins Unermessliche. Ab 1979 wurde daher das «Strukturanpassungsprogramm» eingeleitet, das Kredit nehmende Länder zu Haushaltsdisziplin, Deregulierung und Privatisierung von Staatsbetrieben verpflichtete.

McNamara übte in seinem Buch «Vietnam – das Trauma einer Weltmacht» Selbstkritik und trat bis zu seinem Tod im Juli 2009 für eine weltweite atomare Abrüstung ein.

Henry Kissinger

Henry Kissinger wurde am 27. Mai 1923 als Heinz Alfred Kissinger in Fürth geboren. 1938 floh die jüdische Familie vor den Nationalsozialisten in die USA. 13 seiner Verwandten wurden ermordet.
1943 erhielt Kissinger die US-Staatsbürgerschaft und leistete Militärdienst. Nach Kriegsende arbeitete er in Deutschland bei der Entnazifizierung mit. 1947 kehrte Kissinger in die USA zurück. Bis 1952 studierte er an der Universität Harvard, zu deren Lehrkörper er von 1954 bis 1971 gehörte. In die Politik stieg er 1957 als Berater des New Yorker Gouverneurs Nelson A. Rockefeller ein.
1968 unterstützte er im Verborgenen Nixons Präsidentschaftskandidatur und wurde nach dessen Wahl Nationaler Sicherheitsberater. Während des Vietnamkriegs traf er sich als Sonderbotschafter immer wieder mit der nordvietnamesischen Führung und handelte mit Le Duc Tho 1973 das Pariser Friedensabkommen aus. Im selben Jahr erhielt er den Friedensnobelpreis. 1971 unternahm er zwei geheime Reisen in die Volksrepublik China, die der Vorbereitung von Nixons Besuch im folgenden Jahr dienten. Im selben Jahr bereiste er auch die Sowjetunion, wo er die ersten Rüstungsbegrenzungsabkommen zwischen den beiden Supermächten einfädelte. Im September 1973 stieg Kissinger zum Aussenminister auf; dieses Amt übte er nach Nixons Rücktritt auch im Kabinett von Gerald Ford aus. Während dieser Zeit vermittelte er den Waffenstillstand zwischen Israel und den arabischen Staaten nach dem Jom-Kippur-Krieg (1973). Nach Jimmy Carters Amtsantritt im Januar 1977 zog er sich aus der aktiven Politik zurück, wirkte aber weiterhin als Berater der Republikanischen Präsidenten.
Kissinger wird eine Verwicklung in zahlreiche umstrittene US-Aktionen während des Kalten Krieges vorgeworfen, beispielsweise die Unterstützung des Militärputsches in Chile 1973. Verschiedentlich ist daher gefordert worden, er müsse vor Gericht gestellt werden. Henry Kissinger lebt heute mit seiner zweiten Frau in Washington DC und berät Konzerne und Regierungen.

William C. Westmoreland

William Childs Westmoreland wurde am 26. März 1914 in Spartanburg County (South Carolina) geboren. 1932 begann er eine Ausbildung in der Militärakademie West Point, die er 1936 beendete. Im Zweiten Weltkrieg kommandierte er ein Artilleriebataillon in Nordafrika und Sizilien. Im Koreakrieg (1950 – 1953) führte er ein Fallschirmjägerbataillon und stieg zum Kommandant der 101. US-Luftlandedivision auf. 1964 wurde Westmoreland zum General befördert und zum Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in Vietnam ernannt. Dort setzte er auf überlegene Feuerkraft und massive Luftangriffe, was jedoch den im Stil von Guerillas operierenden Feind nicht im gewünschten Mass zermürben konnte; spätestens die Tet-Offensive Anfang 1968 machte dies deutlich. Als er 200 000 Mann zusätzlich zu den bereits 500 000 in Vietnam stationierten Soldaten forderte und eine Ausweitung des Krieges auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha sowie einen nuklearen Angriff auf Hanoi empfahl, berief ihn Präsident Johnson ab. Bis zu seiner Pensionierung 1972 diente Westmoreland als Generalsstabschef der Armee. 1974 kandidierte er für das Gouverneursamt in seinem Heimatstaat South Carolina, wurde jedoch nicht gewählt.

William Westmoreland starb am 18. Juli 2005 in Charleston, South Carolina.

Chinesische Strafexpedition gegen Vietnam

Als vietnamesische Truppen Anfang 1979 in Kambodscha einmarschierten und das mit China verbündete Regime der Roten Khmer stürzten, befürchteten die Chinesen eine Vorherrschaft Vietnams in Indochina. Die Vietnamesen waren ihrerseits mit der Sowjetunion, der Hauptrivalin Chinas innerhalb des kommunistischen Lagers, verbündet. Die Chinesen entschlossen sich daher zu einer militärischen Aktion, mit der Vietnam zum Rückzug aus Kambodscha gezwungen werden sollte; offiziell begründet wurde der Feldzug mit Zwischenfällen an der Grenze zwischen den beiden Staaten, deren genauer Verlauf seit langem strittig war.

Am 17. Februar 1979 griffen die Chinesen mit 200 000 Mann und einem Fünftel ihrer Luftwaffe an. Da die Elitedivisionen der Vietnamesen in Kambodscha gebunden waren, konnten sie der Streitmacht des Gegners zunächst nur wenig entgegensetzen. Sie nutzten aber geschickt das noch aus dem Krieg gegen die Amerikaner vorhandene Bunker- und Stollensystem, so dass die chinesischen Bodentruppen immer wieder aufgehalten wurden. Bis zum 5. März konnte die Volksbefreiungsarmee mehrere Grenzorte erobern. Moskau protestierte heftig und lieferte den Vietnamesen Waffen, griff aber selbst nicht ins Kampfgeschehen ein.

Am 16. März zogen sich die chinesischen Angreifer wieder zurück. Die Angaben zu den Opfern sind widersprüchlich: Vietnamesische Quellen sprechen von 20 000 Gefallenen und 60 000 Verletzten auf chinesischer Seite, während sie zu den eigenen Verlusten keine Angaben machen. Die chinesischen Angaben gehen von 20 000 bis 30 000 eigenen Opfern aus und unterstellen dem Gegner 40 000 bis 60 000 Gefallene. Im April und im Mai verhandelten die beiden Länder in Hanoi und in Peking, was jedoch zu keinem Ergebnis führte. Immerhin kam es zum Austausch der Kriegsgefangenen.

Viet Minh

Der Viet Minh (Kurzform für «Viet Nam Doc Lap Dong Minh Hoi»; «Liga für die Unabhängigkeit Vietnams») entstand 1941 in Südchina aus verschiedenen nationalistischen und kommunistischen Gruppierungen. Die politische Führung lag bei Ho Chi Minh; die militärische bei Vo Nguyen Giap. Die militärischen Verbände der Unabhängigkeitsbewegung führten von 1941 bis 1945 einen Guerillakrieg gegen die japanische Besatzungsmacht und die vichy-französische Kolonialmacht, die mit den Japanern kollaborierte. Unterstützt wurde der Viet Minh dabei vom amerikanischen Office of Strategic Services, dem Vorläufer des CIA. Da Frankreich nach dem Krieg - entgegen dem Abkommen vom März 1946, das der Demokratischen Republik Vietnam den Status eines freien Staates innerhalb der Französischen Union zuerkannte - in seinen ehemaligen Besitzungen eine Rekolonialisierungspolitik betrieb, bekämpfte der Viet Minh ab Dezember 1946 auch die französischen Kolonialtruppen. Zusammen mit laotischen Befreiungskräften des Pathet Lao befreite der Viet Minh 1951/52 weite Teile des Nordens. Nach der entscheidenden Niederlage der französischen Truppen bei Dien Bien Phu im Mai 1954 kam es zur Genfer Indochina-Konferenz, auf der die provisorische Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrades beschlossen wurde. Das französische Expeditionskorps zog sich nach Südvietnam zurück, der Viet Minh nach Nordvietnam, wo er die Kontrolle übernahm. Viele ehemalige Guerilla-Kämpfer des Viet Minh wurden später Mitglieder des Viet Cong.

Dien Bien Phu

Nach beinahe acht Jahren Krieg gegen die Guerilleros des Viet Minh wollte Henri Navarre, der Oberkommandierende der französischen Streitkräfte in Indochina, den Gegner in eine offene Feldschlacht zwingen. Zu diesem Zweck wurde ab November 1953 im Tal von Dien Bien Phu, das auf drei Seiten von Bergen umschlossen und nur Richtung Laos geöffnet war, eine Festung erbaut, die die Vietnamesen zum Angriff provozieren sollte. Tatsächlich setzte der Kommandant des Viet Minh, General Vo Nguyen Giap, sogleich 50 000 Mann in Richtung Dien Bien Phu in Marsch. Was die Franzosen nicht wussten: Darunter befand sich auch die einzige «schwere» Division der Vietnamesen, zu deren Bewaffnung 200 Artilleriegeschütze und Granatwerfer gehörten, die der chinesische Staatschef Mao Tse-tung den Aufständischen geschenkt hatte. Diese Waffen wurden nun, in ihre Einzelteile zerlegt, mühselig durch den Gebirgsdschungel befördert und in Stellung gebracht. Am 13. März 1954 gab General Giap den Befehl zum Angriff. Vom Trommelfeuer ihrer Geschütze gedeckt, überrannten die Vietnamesen unter hohen Verlusten eine französische Stellung nach der anderen. Am 7. Mai, 57 Tage nach Beginn der Kampfhandlungen, kapitulierten die Franzosen. Der Viet Minh hatte über 20 000 Mann verloren, auf französischer Seite starben rund 6000 Soldaten, darunter hunderte von deutschen Fremdenlegionären. Ebenso viele überlebten die harte vietnamesische Gefangenschaft nicht.

Vietnamesische Invasion in Kambodscha
Am 25. Dezember 1978 drangen 100 000 vietnamesische Soldaten in Kambodscha ein und besiegten die kambodschanische Armee innert zehn Tagen. Am 7. Januar wurde die Hauptstadt Phnom Penh erobert, die nach der vierjährigen Schreckensherrschaft der Roten Khmer nahezu menschenleer war. Die Vietnamesen setzten eine Regierung aus Exilkambodschanern ein, meist früheren Roten Khmer, die in Ungnade gefallen waren. Die Volksrepublik China, die USA und die ASEAN-Staaten erkannten die neue Regierung nicht an und betrachteten weiterhin die Roten Khmer als legitime Herrscher; auf Druck dieser Staaten machte sich auch die UNO diese Haltung zueigen, die Wirtschaftssanktionen gegen Vietnam wurden auf Kambodscha übertragen. Die Situation besserte sich erst, als sich die vietnamesischen Truppen 1989 zurückzogen. 1993 konnten schliesslich freie Wahlen durchgeführt werden. Die Vietnamesen marschierten wohl kaum nur aus humanitären Überlegungen ein, sondern sie wollten vor allem den dauernden Übergriffen der Roten Khmer auf vietnamesisches Territorium ein Ende setzen.
Bombenkrieg

Nachdem bereits im August 1964 nordvietnamesische Häfen als Vergeltung für einen angeblichen Angriff auf einen amerikanischen Zerstörer bombardiert worden waren, lief 1965 eine systematische Bombenkampagne an, die den Decknamen «Operation Rolling Thunder» trug. Sie sollte eigentlich nach acht Wochen beendet sein, dauerte aber schliesslich drei Jahre. Die Amerikaner wollten damit die nordvietnamesische Wirtschaft schwächen und den Nachschub für den Vietkong unterbrechen. Noch stärker wurden Gebiete im Süden bombardiert, die unter Kontrolle des Vietkong standen. Der Effekt war allerdings nur geringfügig, da der Gegner seine Infrastruktur und Logistik grösstenteils unter die Erde verlegte; getroffen wurden hauptsächlich Zivilisten. Dabei kam das berüchtigte Napalm in grossen Mengen zum Einsatz, ein Benzingemisch, dem weisser Phosphor als Zündmittel beigefügt wurde. Es fügte den Opfern schwere, schlecht heilende Verbrennungen zu und sollte die Moral der Zivilbevölkerung brechen.

Von März 1969 bis Mai 1970 wurden Stellungen des Vietkong in Kambodscha angegriffen («Operation Menu»). Dadurch sollten feindliche Stützpunkte zerstört und Truppentransporte unterbunden werden. Die Öffentlichkeit und die meisten Politiker waren nicht über diese Aktion informiert; erst nach vier Jahren kamen Details ans Licht, ein Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Der Ho-Chi-Minh-Pfad konnte durch die Angriffe nicht unterbrochen werden, sie hatten jedoch schwere Sachschäden und grosse Verluste an Menschen zur Folge.

Unter Präsident Nixon wurde die Strategie der «Vietnamisierung» verfolgt, das heisst, die USA zogen grosse Teile ihrer Bodentruppen ab, da nun die südvietnamesische Armee die Hauptlast des Bodenkrieges tragen sollte, flogen aber weiterhin Luftangriffe auf Kambodscha und Vietnam.

Zwischen 1965 und 1973 warfen amerikanische Bomber insgesamt acht Millionen Tonnen Bomben auf Vietnam ab, mehr als dreimal so viel wie im gesamten Zweiten Weltkrieg; das entspricht etwa 300 Tonnen pro Bewohner des Landes.

Pathet Lao

Die ursprünglich anti-japanische Widerstandsbewegung wurde 1944 als «Vereinigte Volksfront» gegründet und stand von Anfang an unter kommunistischer Führung. Ab 1945 kämpfte der Pathet Lao («Land der Lao») gegen die Franzosen, die ihre Kolonialherrschaft über Laos erneut etablieren wollten. Von 1954 bis 1973 eroberte der Pathet Lao rund die Hälfte des laotischen Territoriums. Am Ende des Zweiten Indochinakriegs 1975 übernahm die Guerilla die Macht in Laos. Nach der Verschmelzung mit der Volkspartei kontrolliert der Pathet Lao als Laotische Revolutionäre Volkspartei (LRVP) nach wie vor die politischen Geschicke des mausarmen südostasiatischen Binnenlandes.

Tonkin-Zwischenfall

Am 30. Juli 1964 griffen mit den USA verbündete südvietnamesische Einheiten zwei nordvietnamesische Inseln im Golf von Tonkin an. Einen Tag später stiess der amerikanische Zerstörer «USS Maddox» zu den Südvietnamesen, um Aufklärungsdaten über die vietnamesische Abwehr zu sammeln. Am Mittag des 2. August griffen angeblich drei nordvietnamesische Schnellboote die «Maddox» an, scheiterten gemäss der amerikanischen Darstellung jedoch kläglich: Der Zerstörer habe eines der Schnellboote manövrierunfähig geschossen und die beiden anderen stark beschädigt. Präsident Johnson sandte darauf eine Protestnote an Nordvietnam.

Die «Maddox» wurde angewiesen, ihre Aufklärungsmission fortzusetzen; als Unterstützung wurde ihr ein zweiter Zerstörer, die «USS Turner Joy», zur Seite gestellt. Am Abend des 4. August meldete Admiral Ulysses S. Grant Sharp, der Kommandant der amerikanischen Pazifikflotte, an Verteidigungsminister Robert McNamara, dass die beiden Schiffe erneut unter Beschuss stünden. McNamara reichte die Meldung an Präsident Johnson weiter. In seinen Memoiren bekannte er später, dass er nie präzise Informationen aus dem Konfliktgebiet erhalten und sich völlig auf die Lagebeurteilung Sharps verlassen habe, die ihrerseits auf Informationen des Geheimdienstes NSA («National Security Agency») vom Nachmittag beruhte. Der NSA-Historiker Robert Hanyok wies in einer 2001 veröffentlichten Studie nach, dass diese Informationen falsch waren; die NSA-Mitarbeiter wollten damit vermutlich von eigenen Fehlleistungen ablenken.

Am 7. August verabschiedete der Kongress die Tonkin-Resolution; das Repräsentantenhaus hiess sie einstimmig gut, im Senat gab es lediglich zwei Gegenstimmen. Die Regierung hatte damit die Vollmacht, in Vietnam sämtliche militärischen Massnahmen zu ergreifen, die sie für nötig hielt, ohne dass eine offizielle Kriegserklärung ausgesprochen worden wäre.

1971 verfasste der Pentagon-Angestellte Daniel Ellsberg einen ausführlichen Bericht über den Verlauf des Vietnamkriegs, der später unter dem Namen «Pentagon-Papiere» bekannt wurde. Darin zeigte er, dass die Regierung die Tonkin-Ereignisse falsch dargestellt hatte; vermutlich fanden die Angriffe (zumindest der zweite) gar nie statt. Dokumente des Geheimdienstes NSA, die 2005 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, bestätigen Ellsbergs Version.

Khe Sanh

Unweit des Dorfes Khe Sanh, das in der Nähe der laotischen Grenze liegt, richteten die Marines 1962 eine Basis ein. Am 21. Januar 1968 griffen Truppen der nordvietnamesischen Armee diesen Stützpunkt an, der von da an unter ununterbrochenem Artilleriebeschuss lag. Die vollkommen eingeschlossene Basis musste aus der Luft versorgt werden. Gleichzeitig wurden die nordvietnamesischen Stellungen in den umliegenden Hügeln von amerikanischen Bombern angegriffen; sie warfen im Lauf der 77-tägigen Belagerung rund 50 000 Tonnen Bomben und 10 000 Tonnen Napalm auf das Umland von Khe Sanh ab. Ende März zogen die Nordvietnamesen einen Grossteil ihrer Truppen ab, lediglich 5000 Mann verblieben. Im Rahmen der «Operation Pegasus», die am 31. März begann und bis zum 14. April dauerte, konnten die 1. US-Kavalleriedivision, die den Eingeschlossenen zu Hilfe geeilt war, und ihre südvietnamesischen Verbündeten das Hochplateau wieder unter Kontrolle bringen.

Auf amerikanischer Seite fielen 199 Mann, während die Schätzungen der nordvietnamesischen Verluste zwischen 1500 und 10 000 Soldaten schwanken. Für die Nordvietnamesen endete die Belagerung also mit einer Niederlage. Allerdings sind manche Experten der Meinung, sie hätten die Basis gar nicht erobern, sondern nur amerikanische Kräfte binden wollen, um Luft für die Tet-Offensive zu bekommen. Als sich abzeichnete, dass es unter Präsident Johnson keine Ausweitung des Konflikts auf das angrenzende Laos geben würde, gaben die Amerikaner die Basis am 23. Juni 1968 endgültig auf. Aufgrund dieser Tatsache gilt die Schlacht um Khe Sanh als Symbol der Vergeblichkeit des amerikanischen Vietnam-Engagements: Man hatte zwar einen Sieg errungen, musste sich aber schliesslich dennoch zurückziehen.

Tet-Offensive

Am 30. Januar 1968 wurde Tet begangen, das vietnamesische Neujahrsfest, das den Beginn des «Jahrs des Affen» markierte. Der grösste Teil der südvietnamesischen Armee befand sich im Heimaturlaub. Genau an diesem Tag attackierten rund 80 000 Vietkong-Kämpfer und einige Tausend Soldaten der nordvietnamesischen Armee fünf der sechs grossen Städte im Süden, 36 von 44 Provinzkapitalen und 64 lokale Verwaltungszentren. Ein Selbstmordkommando drang sogar bis zur amerikanischen Botschaft in Saigon vor. Die Hauptstadt wurde innert Stunden zurückerobert, doch die alte Kaiserstadt Huê blieb drei Wochen lang in der Hand der Angreifer. Dort richteten der Vietkong und die Nordvietnamesen ein übles Massaker an: Zirka 5700 der 150 000 Einwohner wurden ermordet, insbesondere Intellektuelle, Polizisten und Beamte.

Während der Offensive und der vierwöchigen Rückeroberung der Stellungen durch die Amerikaner starben 15 000 Zivilisten, 20 000 wurden verwundet. Eine Million Menschen wurden in die Flucht getrieben und verbrachten die folgende Zeit in Flüchtlingslagern. Huê lag danach ebenso in Trümmern wie die Stadt Ben Tre, über die ein Major der US-Luftwaffe sagte: «Wir mussten diese Stadt zerstören, um sie zu retten.» Die herbsten Verluste musste jedoch der Vietkong hinnehmen: Bei einer Gesamtstärke von 240 000 Kämpfern verlor er zwischen 50 000 und 100 000 Mann. Fortan traten reguläre nordvietnamesische Einheiten an die Stelle der Guerilleros.

Obwohl die Kommunisten eigentlich eine schwere Niederlage erlitten hatten, bewirkte die Tet-Offensive aus amerikanischer Sicht psychologisch eine Wende zum Negativen. Die US-Armee hatte sich von einem Gegner zeitweise überrumpeln lassen, den man bereits für geschlagen hielt; Präsident Johnsons Popularität sank ins Bodenlose. Grosse Teile der amerikanischen Öffentlichkeit gelangten nun zur Überzeugung, dass dieser Krieg nicht mehr zu gewinnen war.

Agent Orange

Die Bezeichnung rührt von einem militärischen Codename für ein hochgiftiges Entlaubungsmittel her. «Agent» bedeutet «Mittel», «Wirkstoff» und «Orange» bezieht sich auf die Farbe, mit der die Fässer gekennzeichnet waren. Das Herbizid wurde Ende 1963 im Vietnamkrieg bei der Operation Ranchhand zum ersten Mal eingesetzt. Hauptzweck war die Zerstörung des dichten Laubdachs über ausgedehnten Dschungelgebieten, das den gegnerischen Truppen Tarnung bot. Betroffen waren bis 1971 grosse Teile Zentralvietnams und jene Gebiete an der Grenze zu Laos und Kambodscha, durch die der Ho-Chi-Minh-Pfad verlief. Auch Nutzpflanzen wurden mitunter vernichtet. Nach nordvietnamesischen Angaben wurden 76 Millionen Liter des Pflanzenvernichtungsmittels versprüht.

Das Herbizid enthielt wegen Verunreinigungen Dioxin, was zur Erkrankung zahlreicher Bewohner der betroffenen Gebiete führte. Auch US-Soldaten wurden kontaminiert. Die Kontaminierung schädigt das Erbgut, was dazu führen kann, dass schwer behinderte Kinder geboren werden. Der Boden im Zielgebiet ist nach wie vor mit Rückständen verseucht. Das Vietnamesische Rote Kreuz schätzt, dass ungefähr 500 000 Vietnamesen an den Spätfolgen von Agent Orange leiden. Regierung und Armee der USA anerkennen bis heute keinen kausalen Zusammenhang zwischen Agent Orange und den Krankheitsfällen.

Rote Khmer

Die Roten Khmer waren eine kommunistische Guerillaorganisation, die aus der 1951 entstandenen Kommunistischen Partei Kambodschas (KPK) hervorging. Benannt sind sie nach der Volksgruppe der Khmer, die in Kambodscha die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung stellen.
Kambodscha hatte sich aus dem Indochinakrieg (1946–1954), der zum Abzug der Franzosen führte, weitgehend heraushalten können. König Norodom Sihanouk gelang es auch danach lange, das Land durch geschicktes Lavieren zwischen den USA und Nordvietnam aus dem Krieg herauszuhalten. Am 18. März 1970 wurde er aber mit Billigung der USA während eines Auslandaufenthaltes gestürzt und durch General Lon Nol ersetzt. Die Partisanen der Roten Khmer bekämpften das neue Regime; unterstützt wurden sie dabei von Nordvietnam und dem Vietkong, der den Osten des Landes als Nachschubroute (Ho-Chi-Minh-Pfad) und Rückzugsgebiet nutzte. Um dies zu unterbinden, bombardierten die Amerikaner Kambodscha massiv. Die Bombenkampagne trieb den Roten Khmer zahlreiche neue Anhänger zu.
Am 17. April 1975 marschierten die siegreichen Roten Khmer in der Hauptstadt Phnom Penh ein. Die überwiegende Mehrheit der etwa zwei Millionen Einwohner wurde aufs Land getrieben. Diese Massnahme war Bestandteil der maoistisch geprägten Ideologie der Roten Khmer: Da die Städte mit Korruption und Ausbeutung in Verbindung gebracht wurden, sollte die Bevölkerung auf dem Land leben und ausschliesslich landwirtschaftlich tätig sein. 95 Prozent der Leute lebten und arbeiteten nun auf Kollektivfarmen, die Arbeitstage dauerten meist länger als zwölf Stunden. Der knapp vierjährigen Schreckensherrschaft der Steinzeitkommunisten fielen Millionen von Menschen zum opfer.
Am 25. Dezember 1978 marschierten vietnamesische Truppen in Kambodscha ein und stürzten das Regime der Roten Khmer. Pol Pot, die Nummer eins der Roten Khmer, ging mit seinen Getreuen in den Untergrund, von wo sie noch eine Weile aktiv waren. Am 15. April 1998 starb Pol Pot unter ungeklärten Umständen.
Seit dem 31. Juli 2007 gibt es das Rote-Khmer-Tribunal, einen Strafgerichtshof für die Verfolgung der Verbrechen der Roten Khmer, der nach kambodschanischem Recht urteilt, jedoch auch ausländische Richter beizieht.

Killing Fields

Darunter versteht man eine Reihe von Orten in der Nähe der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, an denen während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer zwischen 1975 und 1979 Tausende von Menschen umgebracht wurden. Die wohl bekannteste dieser Stätten befindet sich in Choeung Ek, einem ehemaligen Obstgarten und chinesischen Friedhof etwa 17 Kilometer südlich von Phnom Penh. Nach dem Sturz der Roten Khmer wurden dort Massengräber mit rund 9000 Leichen entdeckt; die meisten der Opfer waren vermutlich im berüchtigten Sicherheitsgefängnis Tuol Sleng ermordet worden. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte in Form einer buddhistischen Stupa (Denkmal, Grabmal), die mit mehr als 5000 Totenschädeln gefüllt ist. «Killing Fields» wird heute gelegentlich auch als Synonym für den Massenmord der Roten Khmer verwendet. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Begriff durch den gleichnamigen Film (1984) von Roland Joffé geläufig.
Insgesamt dürften während der knapp vierjährigen Schreckensherrschaft der Steinzeitkommunisten zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Menschen umgekommen sein. Kambodscha hatte 1970 etwas weniger als acht Millionen Einwohner – es handelt sich also um den massivsten Bevölkerungsschwund, den ein Land nach 1945 erlitten hat.

Amerikanisch-südvietnamesische Invasion in Kambodscha

Die Nixon-Regierung wollte den Vietkong in seinen Rückzugsgebieten in Kambodscha treffen und den durch das Nachbarland Vietnams verlaufenden Ho-Chi-Minh-Pfad unterbrechen. Zu diesem Zweck wurde das Land in den Jahren 1969/70 schwer bombardiert (Operation «Menu»). Bei 3800 Angriffen wurden über 100 000 Tonnen Bomben abgeworfen.
1970 marschierte die südvietnamesische Armee mit 43 000 Mann in Kambodscha ein; unterstützt wurde sie von 31 000 US-Soldaten. Das in Kambodscha vermutete Hauptquartier des Vietkong wurde jedoch nicht gefunden, und der Nachschub über den Ho-Chi-Minh-Pfad konnte nur unwesentlich beeinträchtigt werden. Dafür wurde der Druck auf die Vietkong-Einheiten in Vietnam gelockert, da grosse Truppenverbände in Kambodscha gebunden waren. Trotz der Vernichtung zahlreicher feindlicher Stützpunkte und Waffendepots war die zunächst geheim gehaltene Aktion insgesamt ein Fehlschlag und musste nach massiven Protesten in den USA 1971 eingestellt werden.

Vietnamesische Invasion in Kambodscha
Am 25. Dezember 1978 drangen 100 000 vietnamesische Soldaten in Kambodscha ein und besiegten die kambodschanische Armee innert zehn Tagen. Am 7. Januar wurde die Hauptstadt Phnom Penh erobert, die nach der vierjährigen Schreckensherrschaft der Roten Khmer nahezu menschenleer war. Die Vietnamesen setzten eine Regierung aus Exilkambodschanern ein, meist früheren Roten Khmer, die in Ungnade gefallen waren. Die Volksrepublik China, die USA und die ASEAN-Staaten erkannten die neue Regierung nicht an und betrachteten weiterhin die Roten Khmer als legitime Herrscher; auf Druck dieser Staaten machte sich auch die UNO diese Haltung zueigen, die Wirtschaftssanktionen gegen Vietnam wurden auf Kambodscha übertragen. Die Situation besserte sich erst, als sich die vietnamesischen Truppen 1989 zurückzogen. 1993 konnten schliesslich freie Wahlen durchgeführt werden. Die Vietnamesen marschierten wohl kaum nur aus humanitären Überlegungen ein, sondern sie wollten vor allem den dauernden Übergriffen der Roten Khmer auf vietnamesisches Territorium ein Ende setzen.
Vietkong

Der Vietkong war der militärische Flügel der «Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams» (englisch «National Liberation Front», NLF). Beim Wort handelt es sich um eine Zusammenziehung der vietnamesischen Wörter für «vietnamesischer Kommunist». Es wurde in Saigoner Zeitungen ab 1956 verwendet. Die NLF bezeichnete ihren bewaffneten Arm als «Volksbefreiungsarmee» («People’s Liberation Armed Forces», PLAF). Viele Politiker und Medien setzten die NLF mit der kommunistischen Partei gleich, was der Realität jedoch nicht ganz gerecht wird. Die südvietnamesischen Kommunisten (und indirekt das Regime in Hanoi) übten zwar einen erheblichen Einfluss auf die Bewegung aus, doch in ihr waren auch Vertreter religiöser Gruppierungen (Buddhisten, Sekten) sowie bürgerliche Oppositionelle, Intellektuelle und Katholiken vertreten. Es handelte sich also um eine durchaus heterogene Koalition, die bis 1968 unabhängig von Nordvietnam agierte und eigene Ziele verfolgte. Ihre Legitimation und ihre Popularität bezog sie daraus, dass vor allem die ländliche Bevölkerung sie als Nachfolgeorganisation des Viet Minh betrachtete, der Vietnam vom französischen Kolonialjoch befreit hatte.

Die Vietkong-Kämpfer führten hauptsächlich Guerilla-Attacken durch. Sie trugen keine eigenen Uniformen, sondern kleideten sich gleich wie die ortsansässigen Bauern. Ihre Hauptwaffen waren Sprengfallen, Minen und überraschende Attacken aus dem Hinterhalt. Dank ihrer hervorragenden Kenntnis des Geländes waren sie Meister der Tarnung und blieben für die amerikanischen Soldaten die meiste Zeit unsichtbar, was bei diesen ein diffuses Gefühl ständiger Bedrohung hervorrief. Einen ihrer spektakulärsten Erfolge errangen die Vietkong im Januar 1963, als sie beim südlich von Saigon gelegenen Dorf Ap Bac einer achtfach überlegenen Einheit der südvietnamesischen Armee eine empfindliche Niederlage beibrachten. Ihre Bedeutung sank rapide nach der Tet-Offensive 1968, die ihnen enorme Verluste (rund 40 000 Tote) einbrachte. Von da an trug die reguläre nordvietnamesische Armee die Hauptlast der Kämpfe.

Fall von Saigon

Am 27. Januar 1973 wurde in Paris ein «Abkommen zur Beendigung des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens» unterzeichnet; es war das Ergebnis eines langen Feilschens zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater Henry Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho. Beide wurden später dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Es enthielt folgende Bestimmungen: Die Kampfhandlungen wurden eingestellt, und die USA verpflichteten sich zum vollständigen Rückzug innerhalb von 60 Tagen. Die nordvietnamesischen Truppen konnten im Süden bleiben, dafür versprach Hanoi, sämtliche amerikanischen Kriegsgefangenen freizulassen. Für Südvietnam wurde ein «Nationaler Rat der Versöhnung und Einheit» geschaffen, in dem die Saigoner Regierung, die von der NLF ausgerufene «Revolutionäre Volksregierung» und neutrale Gruppierungen gleichgewichtig vertreten waren. Die entmilitarisierte Zone um den 17. Breitengrad erhielt den Status einer provisorischen Demarkationslinie und bildete somit keine international anerkannte Grenze.

Allerdings hielten sich beide Seiten nicht an den Waffenstillstand und versuchten, das noch vom Gegner dominierte Territorium unter ihre Kontrolle zu bringen. Die südvietnamesische Regierung geriet immer mehr unter Druck, weil der Kongress in Washington den Geldhahn abdrehte; zahlreiche Soldaten desertierten aus der südvietnamesischen Armee. Im März 1975 begann schliesslich die entscheidende Offensive der Nordvietnamesen. Am 21. April floh Nguyen Van Thieu, der Präsident Südvietnams, ins Ausland und machte einer kompromissbereiten Regierung unter General Duong Van Minh Platz. Hanoi und die NLF ignorierten jedoch dessen Friedensangebote und liessen ihre Truppen am 1. Mai 1975 in Saigon einmarschieren. Obwohl die Evakuierung zu spät eingeleitet wurde, gelang es den US-Streitkräften, die sich noch im Land befindenden 9000 Amerikaner und rund 150 000 Vietnamesen auszufliegen. Viele Ausreisewillige mussten jedoch zurückbleiben. Bilder von verzweifelten Menschen, die sich an einen amerikanischen Hubschrauber klammerten, gingen um die Welt.

Boat people

Nach der Einnahme Saigons wurde die Hauptstadt des Südens in Ho Chi Minh-Stadt umbenannt, und im Juli 1976 rief die kommunistische Führung die «Sozialistische Republik Vietnam» aus. Der Bevölkerung des Südens wurde versichert, dass Besitz und Vermögen von Privatpersonen unangetastet bleiben würden. Doch im März 1978 begann die Verstaatlichung der Wirtschaft und die Überführung der Landwirtschaft in Kooperativen, was bei vielen Südvietnamesen Unmut auslöste. Zudem mussten Hunderttausende einige Zeit in Umerziehungslagern verbringen und Zwangsarbeit verrichten. Unter diesen Umständen zogen es bis zu 1,5 Millionen Menschen vor, Vietnam zu verlassen. Da sie häufig in kleinen Schiffen nach China, Hongkong oder auf die Philippinen flohen, wurden sie «boat people» («Bootsleute») genannt. Unter den Flüchtlingen waren ethnische Chinesen, die zuvor das Wirtschaftsleben des Südens dominiert hatten, besonders zahlreich vertreten. Viele ertranken auf der gefährlichen Reise oder wurden Opfer von Piraten. Diejenigen, die es nach Hongkong verschlagen hatte, verbrachten lange Jahre in Lagern, bevor sie wieder nach Vietnam abgeschoben wurden. Eine Entspannung der Lage setzte erst in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre ein, als sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Vietnam zu liberalisieren begannen.

My-Lay-Massaker

Am 16. März 1968 landeten die drei Züge der «Charlie-Kompanie» der 11. US-Brigade sowie ein Fotograf der Armeezeitschrift «Stars & Stripes» in der Nähe des Dorfes My Lay. Der Kommandant des Trupps, der 24-jährige Leutnant William Calley, hatte den Auftrag, das Dorf einzunehmen und dort vermutete Vietkong-Kämpfer aufzuspüren. Nachdem die Soldaten keine Guerilleros gefunden hatten, trieben sie die Bewohner des Ortes zusammen. Zunächst vergewaltigten sie die Frauen und Mädchen, anschliessend erschossen oder erstachen sie ihre Opfer, ohne Ausnahme Zivilisten, wahllos. Schliesslich wurden sogar die Häuser niedergebrannt und das Vieh abgeschlachtet. Der Hubschrauberpilot Hugh Thompson, der mit seiner Crew während eines Aufklärungsflugs Zeuge des Gemetzels wurde, konnte zehn Vietnamesen retten, indem er drohte, mit der Bordkanone auf die Soldaten schiessen zu lassen; anschliessend brachte er die Leute in Sicherheit. Insgesamt wurden in My Lay 504 Männer, Frauen und Kinder innerhalb von drei Stunden ermordet.

Thompson erstattete Bericht über den Massenmord, wurde aber ignoriert. Erst als der Veteran Ronald Ridenhour am 29. März 1969 einen Brief an Kongressabgeordnete schrieb, in dem er auf das Geschehen aufmerksam machte, setzte das Pentagon einen Sonderermittler ein, der einen detaillierten Bericht verfasste und Anklagen wegen Mordes, Vergewaltigung und Vertuschung empfahl. Dem Militär gelang es jedoch, die Gräueltaten weitere 18 Monate zu verschleiern. Am 13. November erschien jedoch ein Artikel des Journalisten Seymour Hersh, der für das unbedeutende Pressebüro «Dispatch News Service» arbeitete, in 36 Zeitungen; darin wurden die Vorgänge in den Grundzügen korrekt dargestellt. 25 an den Morden beteiligte Offiziere und Soldaten wurden nun angeklagt, doch nur Leutnant Calley wurde verurteilt. Das Urteil lautete eigentlich auf lebenslänglich, wurde aber von Präsident Nixon sogleich in Hausarrest umgewandelt. 1974 begnadigte ein Richter Calley, der heute Geschäftsführer eines Juwelierladens im Bundesstaat Georgia ist.

Vo Nguyen Giap

Der am 25. August 1911 geborene Giap wurde bereits als 18-Jähriger von den Franzosen verhaftet, weil er sich an Studentenprotesten beteiligt hatte.

Nach einem Studium der Rechte und der Volkswirtschaftslehre arbeitete er zunächst in Hanoi als Lehrer für Geschichte und Geographie; 1940 emigrierte er nach China. Dort wurde er Mitglied des Viet Minh und war massgeblich am Aufbau der Guerillaarmee beteiligt, die die japanischen Besatzer Indochinas bekämpfte. 1944 kehrte er nach Vietnam zurück und wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst Innenminister. Ab 1946 befehligte er die neu gegründete Nordvietnamesische Volksarmee, die die mittlerweile zurückgekehrten französischen Kolonialherren bekämpfte. Am 7. Mai 1954 brachten Giaps Truppen den Franzosen bei Dien Bien Phu die entscheidende Niederlage bei. Nach dem Abzug der Besatzer wurde er Verteidigungsminister und war schon bald einer der Organisatoren des Krieges, der nun in Südvietnam gegen die Amerikaner geführt wurde. Er gilt als geistiger Vater der Tet-Offensive (Tet-Offensive), die zwar militärisch erfolglos war, psychologisch aber einen Wendepunkt bedeutete. 1980 trat er als Verteidigungsminister zurück und schied zwei Jahre später auch aus dem Politbüro aus, blieb aber bis 1991 Stellvertretender Ministerpräsident.

Jean de Lattre de Tassigny

Jean Joseph-Marie Gabriel de Lattre de Tassigny wurde am 2. Februar 1889 in der Vendée geboren. Nach einer militärischen Ausbildung an der Akademie von Saint-Cyr nahm er als Infanteriehauptmann am Ersten Weltkrieg teil und wurde viermal verwundet. 1924/25 kämpfte er als Generalstabsoffizier im Rifkrieg in Marokko. 1939 wurde er zum Brigadegeneral befördert und war im folgenden Jahr bis zur Kapitulation der französischen Armee am Kampf gegen die deutschen Invasoren beteiligt. Zunächst diente er danach in der Armee des mit Nazideutschland kollaborierenden Vichy-Regimes, begann aber nach der alliierten Landung in Nordafrika 1942 die Deutschen zu bekämpfen. Dafür wurde er von der Regierung Pétain vor Gericht gestellt und zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im September 1943 gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis; es gelang ihm, sich nach Nordafrika durchzuschlagen, wo ihm von General de Gaulle das Kommando über die französische B-Armee übertragen wurde. Nach der Landung in der Provence kämpften sich Lattres Truppen nordwärts, befreiten das Elsass und stiessen schliesslich bis ins Tirol vor. Bei der Einnahme von Freudenstadt sollen seine Soldaten zahlreiche Frauen vergewaltigt haben.

Nach dem Krieg repräsentierte er zunächst Frankreich im alliierten Kontrollrat in Berlin. 1950 wurde er dann zum Hochkommissar und militärischen Oberbefehlshaber in Indochina ernannt, wo er wesentlich am Aufbau der nationalen vietnamesischen Armee beteiligt war. Eine Krebserkrankung zwang ihn jedoch schon bald zur Rückkehr nach Frankreich. Am 11. Januar 1952 starb Lattre de Tassigny an den Folgen einer Operation.

Postum wurde ihm der Ehrentitel «Marschall von Frankreich» verliehen.