Russland
Bevölkerung: 140,7 Mio. (2008, geschätzt)
Fläche: 17 075 400 km²
BIP: 1290 Mia. $ (2007)
BIP/Einwohner: 9075 $
Militär: 1 027 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 3,7 %

Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion hat von dieser den Sitz im Uno-Sicherheitsrat und die nukleare Bewaffnung geerbt. Den Status als Supermacht verlor das Land jedoch mit der Auflösung der Sowjetunion, die von vielen Russen auch heute noch als traumatischer Vorgang gesehen wird. Zahlreiche ethnische Russen fanden sich plötzlich als Minderheit in den unabhängig gewordenen Sowjetrepubliken wieder.
In der Ära Jelzin erlebte Russland einen starken wirtschaftlichen Rückgang, der sich auch als aussenpolitische Schwäche manifestierte.
Seit dem Amtsantritt von Präsident Putin (2000) hat sich Russland ökonomisch zusehends erholt. Die Wirtschaft des öl- und erdgasreichen Landes profitiert von den stark gestiegenen Energiepreisen.
Innenpolitisch ist die Ära Putin von einer starken Hinwendung zu autokratischen Verhältnissen geprägt. Aussenpolitisch zeigt sich das wiedererstarkte Selbstbewusstsein in einem aggressiveren Vorgehen gegen das als Einkreisung wahrgenommene Vorrücken der Nato in ehemals sowjetisch dominierte Gebiete. Beispiele für Interventionen in westlich orientierten ehemaligen Sowjetrepubliken sind das Erdgas-Embargo gegen die Ukraine (2006) und – bereits unter Präsident Medwedjew – die Militäroffensive in Georgien 2008.
2010 unterzeichnete Medwedew mit US-Präsident Obama den Start-Nachfolgevertrag zur atomaren Abrüstung.
Der geplante Aufbau eines Abwehrschilds in Europa durch die USA, der iranische Raketen abfangen soll, belastet seit der zweiten Hälfte der 2000er Jahre die Beziehungen Moskaus und Washingtons. 2009 gaben die USA ein erstes Projekt in Polen und Tschechien aufgrund des russischen Widerstands auf. In der Folge konnten sich die beiden Supermächte nicht auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Errichtung eines Raketenschildes einigen. Im November 2011 erneuerte Russland die Drohung, als Gegenmassnahme zu einem Abwehrschild Atomraketen in seiner Exklave Kaliningrad an der Ostsee zu stationieren.
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Kasachstan
Bevölkerung: 15,23 Mio.
Fläche: 2 717 300 km2
BIP: 103,84 Mia. $
BIP/Einwohner: 6868 $
Militär: 65 800 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,1 %

Kasachstan, das zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt gehört, wurde am 16. Dezember 1991 unabhängig. Vor allem im Norden des Landes lebt eine grosse russische Minderheit (30%), die jedoch in letzter Zeit durch Rückwanderung kleiner geworden ist. Der Staatspräsident ist gemäss Verfassung sieben Jahre im Amt und kann nur einmal wiedergewählt werden; diese Regelung gilt aber nicht für Nursultan Nasarbajew, der seit 1991 ununterbrochen als Staatsoberhaupt fungiert. Der Regierungsstil des Präsidenten ist sehr autoritär, die Opposition ist in ihren Rechten stark eingeschränkt; für internationales Aufsehen sorgte der Mord am Oppositionspolitiker Altynbek Sarsenbajew im Februar 2006. Auch die Medien stehen unter ständiger Beobachtung und werden drangsaliert.
Aussenpolitisch schwankt Kasachstan zwischen enger Anlehnung an Russland – etwa durch die Mitgliedschaften in der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft und in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit – und Emanzipationsbestrebungen gegenüber dem grossen Bruder durch eine engere Verbindung mit den USA. Nach dem 11. September stellte sich das Land klar auf die Seite der Anti-Terror-Allianz und bot Hilfe in Form von Überflugs-, Lande- und Stationierungsrechten an, wovon die USA und ihre Verbündeten jedoch keinen Gebrauch machten. Zudem sind viele amerikanische Ölfirmen in Kasachstan präsent.
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Usbekistan
Bevölkerung: 26,5 Mio. (2006)
Fläche: 447 400 km2
BIP: 22,3 Mia. $
BIP/Einwohner: 815 $
Militär: 55 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 0,5 %

Das zentralasiatische Land erlangte nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 die Unabhängigkeit und wird seither von Präsident Islam Karimow mit harter Hand regiert. Eine Opposition existiert nicht, da sämtliche Oppositionellen vom Präsidenten ins Exil gedrängt wurden oder «verschwanden».
Im Mai 2005 wurden in der Stadt Andischan bei einer Demonstration zwischen 400 und 600 Menschen erschossen. Das Regime von Karimow schrieb die Unruhen den Islamisten von der Hizb ut Tahrir (Partei der Befreiung) zu und behauptete, ihre Unterdrückung sei Teil des Kampfs gegen den Terror gewesen. In Wahrheit waren die Ursachen wohl soziale Missstände wie Armut, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot. Die EU erliess nach diesen Vorkommnissen Sanktionen, die aber Ende 2007 vor allem auf Drängen Deutschlands wieder gelockert wurden.
Ursprünglich unterstützte Usbekistan den amerikanischen Feldzug in Afghanistan, indem es den US-Streitkräften den Stützpunkt Karschi-Chanabad, kurz K2 genannt, für militärische Operationen zur Verfügung stellte. Als nach dem Massaker von Andischan aber auch Washington Kritik übte, verfügte Karimow die sofortige Räumung des Stützpunktes. Seitdem sind die Beziehungen zwischen den beiden Staaten auf dem Nullpunkt.
Mitte November 2005 unterzeichneten Karimow und sein russischer Kollege Wladimir Putin in Moskau einen militärischen Beistandspakt, in dem sich die beiden Parteien gegenseitig versichern, einen Angriff auf einen der beiden Staaten als «Aggression» gegen beide Seiten aufzufassen. Diese Vereinbarung macht deutlich, dass sich Usbekistan in Zukunft wieder mehr an Russland orientieren und amerikanische Interessen weniger stark gewichten wird, obwohl sich das Land nach wie vor als Mitglied der internationalen Koalition gegen den Terror sieht. Die russische Minderheit im Land ist mit 5,5 % nicht sehr gross.
Usbekistan schloss im Juni 2010 seine Grenze zu Krigistan, als zahlreiche in Kirgistan lebende Usbeken vor den gewalttätigen Auseinandersetzungen in diesem Nachbarland nach Usbekistan flohen.
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Aserbaidschan
Bevölkerung: 8,47 Mio.
Fläche: 86 600 km2
BIP: 31,32 Mia. $
BIP/Einwohner: 3663 $
Militär: 66 740 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 2,1 %

Das am östlichen Rand des Südkaukasus gelegene Land erklärte am 18. Oktober 1991 seine Unabhängigkeit. Das Land ist sehr ölreich, ca. 67 Prozent des BIP werden durch Ölexporte erwirtschaftet. Seit den Parlamentswahlen vom Oktober 2003 ist Ilham Alijev Staatspräsident. Internationale Beobachter berichteten, dass es bei diesen Wahlen massive Einschüchterungsversuche gegeben habe.
1992 bis 1994 tobte ein verlustreicher Krieg um die Region Bergkarabach, die in Aserbaidschan liegt, aber vor allem von Armeniern bewohnt wird, nach massiven ethnischen Säuberungen im Lauf des Konflikts sogar fast ausschliesslich. Derzeit laufen Verhandlungen über den endgültigen Status des Gebietes.
In der Aussenpolitik betrachtet Aserbaidschan die USA als wichtigen Partner, auch weil Russland als Schutzmacht für Armenien eintritt. Im Zentrum des amerikanischen Interesses steht die Ölpipeline, die von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku über Georgien zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan führt. Für die USA ist Aserbaidschan ein wichtiger Bestandteil der Energieaussenpolitik, die das Ziel verfolgt, unter Umgehung Russlands grössere Unabhängigkeit von den Staaten am Persischen Golf zu erlangen. Ausserdem macht Aserbaidschan, das zudem Mitglied der losen prowestlichen GUAM-Gruppe ist, auch in der «Koalition der Willigen» mit und hat kleine Kontingente in Afghanistan und im Irak stationiert.
Die Beziehungen zu Russland, die nach dem Bergkarabach-Konflikt nicht gut waren, haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert. In Aserbaidschan lebt eine kleine russische Minderheit (1,8%).
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Armenien
Bevölkerung: 2,99 Mio.
Fläche: 29 800 km2
BIP: 7,97 Mia. $
BIP/Einwohner: 2297 $
Militär: 48 160 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 2,7 %

Das sehr gebirgige Land im Kaukasus erklärte sich im September 1991 für unabhängig. Bald darauf begann ein Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Bergkarabach, die in Aserbaidschan liegt, jedoch mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Der Krieg, bei dem Armeneien massgeblich von Russland unterstützt wurde, kostete schätzungsweise 17 500 Armenier und 25 500 Aserbaidschaner das Leben. Im Mai 1994 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, doch die Situation hat sich seither nicht wesentlich verbessert.
Armenien legt Wert auf gleichermassen gute Beziehungen zu Russland, der EU, den USA und dem Iran. Die Beziehungen zum Nachbarland Türkei sind aufgrund des Völkermordes im Jahr 1915, bei dem über eine Million Armenier ermordet wurden, stark belastet. In Armenien lebt heute nur noch eine kleine russische Minderheit (0,9%).
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Georgien
Bevölkerung: 4,65 Mio.
Fläche: 69 700 km2
BIP: 10,29 Mia. $
BIP/Einwohner: 2355 $
Militär: 11 320 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 3,1 %

Das südlich des Kaukasus gelegene Land erklärte sich am 9. April 1991 für unabhängig. Der erste Präsident, Swiad Gamsachurdia, wurde durch einen Putsch gestürzt. Sein Nachfolger wurde der frühere sowjetische Aussenminister Eduard Schewardnadse. Er leitete demokratische Reformen ein, die Wirtschaft stagnierte jedoch auf niedrigem Niveau; zudem gab es eine weitverzweigte Korruption und regelmässige Wahlfälschungen. Im November wurde Schewardnadse durch die «Rosenrevolution» von der Macht verdrängt. Seit Januar 2004 ist Michail Saakaschwili Präsident. Letztmals wurde er durch die von ausländischen Beobachtern als weitgehend fair empfundenen Parlamentswahlen vom Mai 2008 im Amt bestätigt; die Opposition sieht das allerdings anders und boykottiert das Parlament.
Saakaschwili möchte sich vollständig vom Einfluss Russlands befreien und lehnt sich daher sehr stark an den Westen, insbesondere die USA an. Georgien ist Mitglied in der «Koalition der Willigen» und hatte bis zur russischen Intervention im August 2008 2500 Soldaten im Irak stationiert. Schon unmittelbar nach der Unabhängigkeit 1991 unterstützte Russland separatistische Bewegungen in Abchasien, Adscharien und Südossetien, was zu einem ständigen Konflikt zwischen den beiden Ländern führte. Anfang August 2008 eskalierte die Lage nach einem georgischen Angriff auf das südossetische Zchinwali. Nach mehrtägigen Kämpfen besetzten russische Truppen Teile Georgiens. Am 12. August einigten sich die Parteien auf einen Plan zur Konfliktbeilegung, der von der EU vermittelt worden war.
Georgien ist Kandidat für einen Nato-Beitritt, was aus russischer Sicht inakzeptabel ist. Seit in Aserbaidschan und Turkmenistan verstärkt Öl gefördert wird, ist es für den Westen als Transitland für das schwarze Gold von grosser Bedeutung. Die russische Minderheit in Georgien ist klein (1,5%).
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Estland
Bevölkerung: 1,3 Mio.
Fläche: 45 227 km²
BIP: 21,3 Mia. $
BIP/Einwohner: 13 200 $
Militär: 4934 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,6 %
Estland hat sich wie die beiden anderen baltischen Staaten nach dem Zerfall der Sowjetunion um eine starke Anbindung an den Westen bemüht. Seit 2004 gehört die ehemalige Sowjetrepublik zur EU und zur NATO, seit 2007 ist sie Teil des Schengener Raums. Estland ist an der «Koalition der Willigen» beteiligt und hat ein Truppenkontingent im Irak stationiert. Damit reihte sich das Land — im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland — in die pro-amerikanische Phalanx der osteuropäischen Staaten ein.
Estland hat die russische Intervention in Georgien scharf verurteilt.
In Estland lebt nach wie vor eine starke russische Minderheit (26-28%), die teilweise nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt angesiedelt worden war. Viele russischstämmige Einwohner fühlen sich diskriminiert, weil sie nach der Unabhängigkeitserklärung plötzlich als Ausländer galten. Die Politik der baltischen Staaten, die autochthone Bevölkerung zu stärken, verstärkt dieses Gefühl der Diskriminierung.
Im Frühjahr 2007 kam es zu gewaltsamen Protesten, als in Tallinn ein Ehrenmal aus der Sowjetzeit demontiert wurde. Für viele Esten symbolisierte es die Unterdrückung während der sowjetischen Besatzung; für die Russen war es ein Symbol des Sieges über Nazi-Deutschland.
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Lettland
Bevölkerung: 2,3 Mio.
Fläche: 64 589 km²
BIP: 27,3 Mia. $
BIP/Einwohner: 9930 $
Militär: 5238 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,7 %

Lettland ist wie die beiden anderen baltischen Staaten seit der Auflösung der UdSSR stark westlich orientiert. 1991 versuchten sowjetische Truppen vergeblich, die Unabhängigkeit der Republik zu verhindern. 2004 wurde die ehemalige Sowjetrepublik NATO-Mitglied und trat der EU bei. Seit 2007 ist Lettland Teil des Schengener Raums.Das Land ist an der «Koalition der Willigen» beteiligt und hat ein Truppenkontingent im Irak stationiert. Damit reihte sich das Land — im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland — in die pro-amerikanische Phalanx der osteuropäischen Staaten ein.
Lettland hat mit scharfer Kritik auf die russische Intervention in Georgien reagiert.
Im Land lebt nach wie vor eine starke russische Minderheit (28-30%), die teilweise nach dem Zweiten Weltkrieg gezielt angesiedelt worden war. Viele russischstämmige Einwohner fühlen sich diskriminiert, weil sie nach der Unabhängigkeitserklärung plötzlich als Ausländer galten. Die Politik der baltischen Staaten, die autochthone Bevölkerung zu stärken, verstärkt dieses Gefühl der Diskriminierung.
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Litauen
Bevölkerung: 3,4 Mio.
Fläche: 65 300 km²
BIP: 48,1 Mia. $
BIP/Einwohner: 14 273 $
Militär: 13 510 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,8 %
Wie die beiden anderen baltischen Staaten hat Litauen sich nach dem Zerfall der Sowjetunion stark nach Westen orientiert. 1991 versuchten sowjetische Truppen vergeblich, die Unabhängigkeit der Republik zu verhindern. 2004 wurde die ehemalige Sowjetrepublik NATO-Mitglied und trat der EU bei. Seit 2007 ist Litauen Teil des Schengener Raums.
Litauen gehörte zu der «Koalition der Willigen» und stellte bis 2007 Unterstützungstruppen für den Einsatz im Irak. Damit reihte sich das Land — im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland — in die pro-amerikanische Phalanx der osteuropäischen Staaten ein.
Die russische Intervention in Georgien wurde von Litauen scharf kritisiert, das auch die NATO-Mitgliedschaft dieser Kaukasus-Republik befürwortet.
Im Gegensatz zu den anderen baltischen Republiken lebt in Litauen keine starke russische Minderheit; es sind lediglich rund 6%.
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Belarus
Bevölkerung: 9,8 Mio. (2004)
Fläche: 207 595 km²
BIP: 44,8 Mia. $
BIP/Einwohner: 4641 $
Militär: 72 940 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,2 %
Belarus wurde 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion unabhängig. Der Anteil der ethnischen Russen an der Bevölkerung beträgt noch immer rund 11 %. Heute ist das Land in Europa wirtschaftlich und politisch stark isoliert; der wichtigste politischen und wirtschaftliche Partner ist Russland. Mit dem grossen Nachbarn im Osten wurde eine Zoll- und Verteidigungsgemeinschaft gegründet, eine weitergehende Union mit gemeinsamer Währung und gemeinsamer Aussenpolitik kam seit den 90er-Jahren trotz wiederholter Ankündigungen nie vom Fleck und wurde nach wiederholten Konflikten mit Russland wegen des Gaspreises und des Öltransits zunehmend illusorisch.
Belarus, das sich unter der Herrschaft von Präsident Alexander Lukaschenko zunehmend zur Diktatur entwickelt hat, unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Venezuela, zum Iran, zu Nordkorea, zur Volksrepublik China und zu Kuba. Die Beziehungen zu den NATO-Staaten hingegen sind eher gespannt, diejenigen zur Ukraine ambivalent. Nachdem Russland die Vorzugsbehandlung von Belarus bei den Rohstofflieferungen beendete, lehnte sich das Land stärker an Venezuela an, von dem es Öl bezieht. 2010 drosselte Moskau die Gaslieferungen nach Belarus erneut wegen offener Rechnungen.
Russland hat 2007 als Reaktion auf den US-Raketenschild in Polen mit der Stationierung von Atomwaffen in Belarus gedroht.
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Ukraine
Bevölkerung: 46,0 Mio. (2008)
Fläche: 603 700 km²
BIP: 140,5 Mia. $
BIP/Einwohner: 3046 $
Militär: 187 600 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 2,4 %
Der nach Russland grösste Flächenstaat Europas, früher die Kornkammer und die Waffenschmiede der Sowjetunion, ist ein gespaltenes Land: Der westlich geprägte Landesteil – die Westukraine (Ost-Galizien mit Lemberg) war früher Teil Polens und dann Österreich-Ungarns – befürwortet den Beitritt zur EU; der östliche lehnt dies ab. Der Graben zwischen den Landesteilen trat auch während der so genannten «Orangen Revolution» 2004 deutlich zutage, als der mehrheitlich ukrainischsprachige Landeswesten und die Zentralukraine gegen den industriell geprägten, von einer grossen russischen Minderheit bewohnten Osten sowie den Süden mit der Krim und Odessa standen. Die russische Minderheit im Land, je nach Schätzung zwischen 17% und 40%, betrauert in der Regel die Trennung von Russland beim Untergang der Sowjetunion.
Bis zum Amtsantritt von Präsident Janukowytsch (2010) verfolgte das Land einen prononcierten Westkurs. So entsandte die Ukraine als Teil der «Koalition der Willigen» Truppen in den Irak. Zudem ist sie Mitglied der losen prowestlichen GUAM-Gruppe, die ausserdem Georgien, Moldau und Aserbaidschan umfasst und eine Annäherung an die NATO verfolgt. Zur Zeit bildet die Ukraine militärisch eine neutrale Pufferzone zwischen der NATO und Russland.
Die russisch-ukrainischen Beziehungen waren in dieser Zeit gespannt. Moskau hat mit der Einstellung der Gaslieferung 2006 starken Druck auf das Land ausgeübt. Die Ukraine hat demgegenüber die russische Intervention in Georgien scharf verurteilt; Kiew befürchtete eine russische Annexion des östlichen Landesteils und insbesondere der Krim, wo Russland einen Flottenstützpunkt unterhält.
Nach dem Sieg der prorussischen «Partei der Regionen» und der Machtübernahme von Janukowytsch hat sich das Verhältnis zum übermächtigen Nachbarn im Osten entspannt. Im Juni 2010 verabschiedete sich die Ukraine von der Politik, längerfristig den NATO-Beitritt anzusteuern.
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Moldau
Bevölkerung: 3,8 Mio.
Fläche: 33 800 km²
BIP: 4,3 Mia. $ (ohne Transnistrien)
BIP/Einwohner: 1260 $
Militär: 6750 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 0,3 %
Die ehemalige Sowjetrepublik ist das Armenhaus Europas. Als Mitglied der losen prowestlichen GUAM-Gruppe, die ausserdem Georgien, die Ukraine und Aserbaidschan umfasst, verfolgt die Republik Moldau einen Kurs der Annäherung an die NATO. In der letzten Zeit hat sich Moldau aber wieder Moskau angenähert.
Etwa 13% der Moldauer sind ethnische Russen, 14% Ukrainer und 3,5% Gagausen. Die mehrheitlich von Gagausen bewohnte Region geniesst seit 1995 Autonomiestatus. Nach wie vor ungelöst ist aber der Konflikt um die abtrünnige Dnjestr-Republik (Transnistrien). Diese separatistische Region, die mehrheitlich von ethnischen Russen und Ukrainern bewohnt wird, hat 2006 in einem Referendum für die Unabhängigkeit und die künftige Angliederung an Russland votiert. Transnistrien wird bisher von keinem anderen Staat als souveräner Staat anerkannt, ist aber seit dem bewaffneten Konflikt 1992 de facto unabhängig.
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Bulgarien
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Rumänien
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Ungarn
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Tschechien
Bevölkerung: 10,4 Mio. (2008)
Fläche: 78 864 km²
BIP: 175,3 Mia. $
BIP/Einwohner: 17 070 $
Militär: 45 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,8 %

Der Staat wurde 1999, acht Jahre nach Auflösung des Warschauer Pakts, Mitglied der NATO und trat am 1. Mai 2004 der Europäischen Union bei. Die Regierung verfolgt einen prononciert proamerikanischen Kurs und beteiligte sich an der «Koalition der Willigen», entsandte jedoch bisher keine Truppen in den Irak. Von der Bevölkerung wird dieses Engagement mehrheitlich abgelehnt.
Im Juli 2008 unterzeichneten die amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice und ihr tschechischer Amtskollege Karel Schwarzenberg einen Grundsatzvertrag über die Stationierung einer Radaranlage im böhmischen Brdy, die einen Teil des geplanten Raketenabwehrsystems gegen Angriffe von Terroristen oder Staaten wie dem Iran bilden soll. Nachdem im August 2008 Polen der Stationierung von zehn Abfangraketen im Norden des Landes zugestimmt hatte, drohte der Kreml, Atomwaffen in Weissrussland und der Exklave Kaliningrad (dem ehemaligen Königsberg) zu installieren und auf Europa zu richten. 2009 geben die USA das Projekt auf und verfolgen seither den Aufbau eines seegestützten Raketenschilds. Ende November 2011 hat Russland deshalb erneut mit der Stationierung von Atomwaffen in Kaliningrad gedroht.
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Slowakei
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Deutschland
Bevölkerung: 82,24 Mio.
Fläche: 357 114 km²
BIP: 3322 Mia. $
BIP/Einwohner: 40415 $
Militär: 247 011 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,4 Prozent

Deutschland löste den Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) aus und beging während dieser Zeit beispiellose Verbrechen. Die Folge davon war eine Teilung des Landes in zwei Staaten, die bis 1990 Bestand hatte. Die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen war der wesentlich grössere Staat und prosperierte ab den 50er-Jahren in erstaunlichem Ausmass. Die Deutsche Demokratische Republik (DDR), der kleine Bruder im Osten, galt zwar ebenfalls als Musterstaat innerhalb des Warschauer Paktes, war aber im Vergleich zur BRD bettelarm. Dies führte zu einem Massenexodus ihrer Bürger, den die Führung in Ost-Berlin durch den Bau der Mauer (1961) zu verhindern versuchte. Nachdem diese 1989 gefallen war, gab es auch keinen Grund mehr, die Teilung aufrechtzuerhalten; am dritten Oktober 1990 vereinigten sich die beiden Länder erneut.
Während des kalten Krieges standen die beiden Staaten im Brennpunkt der Aufmerksamkeit, da die beiden politischen Systeme dort aufeinandertrafen. Die BRD war seit 1955 Mitglied der Nato, die DDR wurde im selben Jahr in den Warschauer Pakt aufgenommen. In beiden Staaten wurde im Lauf der Zeit eine erhebliche Zahl von Atomraketen stationiert, was im Westen zu einer ausgeprägt pazifistischen Haltung der Bevölkerung führte, die sich insbesondere in den «Ostermärschen» für die nukleare Abrüstung manifestierte. Die jeweiligen Regierungen folgten allerdings treu der Linie, die von ihrer Führungsmacht vorgegeben wurde.
Nach der Wiedervereinigung verfolgte Deutschland eine eigenständigere aussenpolitische Linie. 2003 zog man sich den Zorn der Neokonservativen in Washington zu, als die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte rot-grüne Regierung sich weigerte, in der «Koalition der Willigen» gegen den Irak mitzumachen. Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld prägte damals die Wendung «altes Europa», womit er die kriegsunwilligen Deutschland und Frankreich, also Verbündete der ersten Stunde, meinte. Das neue Europa bestand nach seiner Lesart aus osteuropäischen Staaten wie Polen oder Tschechien, die sich aus Angst vor dem ehemaligen Unterdrücker Russland den USA gegenüber erheblich willfähriger zeigten.
Nach wie vor ist Deutschland ein verlässlicher Verbündeter der USA, doch es versucht normalerweise zugleich, gute Kontakte zu Russland zu pflegen und bleibt dessen wichtigster Ansprechpartner innerhalb der EU.
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Polen
Bevölkerung: 38,1 Mio.
Fläche: 312 685 km²
BIP: 420,2 Mia. $
BIP/Einwohner: 11 041 $
Militär: 141 500 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 1,8 %

Polen ist das grösste Land des ehemaligen Warschauer Pakts, das jetzt NATO-Mitglied (seit 1999) ist. In Osteuropa sieht sich Polen, das in seiner Geschichte traumatische Erfahrungen sowohl mit Deutschland als auch mit Russland machte, als Anwalt der Ukraine in den Beziehungen zu NATO und EU. Als Teil der «Koalition der Willigen» hat Polen Truppen in den Irak entsandt. Das polnische Kontingent ist eines der grössten und Polen verwaltet im Irak eine eigene Militärzone. Damit reihte sich das Land — im Gegensatz zu Frankreich und Deutschland — in die pro-amerikanische Phalanx der osteuropäischen Staaten ein, die ihr Heil eher in amerikanischen Sicherheitsgarantien suchten und der europäischen Aussenpolitik misstrauen. Zudem hat Polen im Februar 2007 rund 1000 Soldaten nach Afghanistan zur Verstärkung der NATO-Truppen geschickt. Die russische Intervention in Georgien wurde von Polen scharf kritisiert.
Im August 2008 hatte Polen das Abkommen über die Stationierung eines US-Raketenschilds unterzeichnet, das den Aufbau eines US-Stützpunkts mit zehn Abfangraketen im Norden des Landes vorsah. Eine Radarstation in Tschechien sollte die Daten für einen Abschuss fremder Raketen liefern. Das System sollte 2015 einsatzfähig sein. Aufgrund massiven Drucks von Russland wurde das Projekt 2009 aufgegeben. Seither verfolgen die USA den Aufbau eines seegestützten Abwehrschildes. Moskau betrachtet jede Art von Raketenschild als Provokation und hat Ende 2011 zum zweiten Mal nach 2007 gedroht, in der Exklave Kaliningrad Atomwaffen zu stationieren.
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Irak
Bevölkerung: 27 Mio.
Fläche: 437 072 km²
BIP: keine Angaben
BIP/Einwohner: keine Angaben
Militär: 227 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): k. Angaben

Im März und April 2003 beendete eine Invasion der «Koalition der Willigen» unter Führung der USA die 24-jährige Schreckensherrschaft Saddam Husseins. Der Einmarsch wurde vor allem mit Saddams angeblichen Massenvernichtungswaffen begründet, von denen sich allerdings bisher keine Spur fand. Zudem wurde behauptet, der Irak habe Al Kaida unterstützt, was ebenfalls nicht überzeugend belegt werden konnte. Schliesslich wurde die Invasion als erster Schritt auf dem Weg zur Demokratisierung des Nahen Ostens bezeichnet.
Seit dem offiziellen Ende des Irakkrieges sind erheblich mehr US-Soldaten durch Anschläge von Widerstandsgruppen und islamistischen Terroristen umgekommen als in den eigentlichen Kampfhandlungen, insgesamt über 3000. Dazu kommen Zehntausende irakischer Zivilisten und Sicherheitskräfte, etwa vier Millionen Iraker sind auf der Flucht, davon zwei Millionen im eigenen Land.
Al Kaida verfolgt offenbar die Strategie, einen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zu provozieren, um so die Entstehung einer funktionsfähigen staatlichen Ordnung im Irak zu verhindern. Todesschwadronen greifen gezielt Mitglieder der gegnerischen Religionsgruppe an. Staatspräsident ist der Kurde Dschalal Talabani, Ministerpräsident der Schiit Nuri al-Maliki. Überhaupt besteht die Regierung hauptsächlich aus Schiiten und Kurden, was dazu führt, dass sich die Sunniten benachteiligt fühlen. Die Provinzen (Schiiten im Süden, Kurden im Norden, Sunniten im zentralen Landesteil) geniessen weitgehende Autonomie.
2007 erhöhten die USA ihren Truppenbestand um 30 000 auf insgesamt 160 000 Mann; seitdem hat sich die Lage etwas beruhigt, ist aber nach wie vor sehr unsicher. 2010 wurden die meisten ausländischen Truppen abgezogen, bis 2012 sollen die übrigen folgen.
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Iran
Bevölkerung: 75,47 Mio.
Fläche: 1 648 195 km²
BIP: 212 Mia. $
BIP/Einwohner: 3045 $
Militär: 545 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 4,5 %

Bis 1979 war der Iran ein Kaiserreich, dann wurde der letzte Schah von einer Volksbewegung unter Führung des charismatischen Ayatollah Chomeini gestürzt. Anschliessend erfolgte die Transformation in eine islamische Republik, deren Politik von einer schiitisch-fundamentalistischen und stark antiwestlichen Linie geprägt ist.
Von 1980 bis 1988 befand sich das Land im Krieg mit dem Nachbarn Irak; Grenzstreitigkeiten hatten den Konflikt ausgelöst, der beiden Seiten enorme Verluste brachte und schliesslich durch einen Waffenstillstand beendet wurde.
Das Verhältnis des Iran zu den USA ist seit der Islamischen Revolution 1979 zerrüttet. Die beiden Länder unterhalten keine diplomatischen Beziehungen, seit 1979/80 amerikanische Botschaftsangehörige 444 Tage lang in der US-Botschaft in Teheran festgehalten worden waren. Der Iran wird von Präsident Bush zur «Achse des Bösen» gezählt und fühlt sich durch die amerikanische Truppenpräsenz im Irak und in Afghanistan bedroht. Die USA wiederum befürchten, das offiziell nur zivilen Zwecken dienende Atomprogramm des Iran habe insgeheim die Entwicklung von Nuklearwaffen zum Ziel. Diese Bedenken werden von der EU geteilt, die daher Wirtschaftssanktionen gegen die islamische Republik ergriffen hat.
Ebenfalls nicht gerade zur Entspannung trugen Äusserungen des gegenwärtigen Präsidenten Ahmadinedschad bei, mit denen er das Existenzrecht Israels in Frage stellte. Der Iran fördert auch die israelfeindlichen, radikalislamischen Bewegungen Hamas und Hisbollah finanziell und mit Waffenlieferungen.
Iran versteht sich als regionale Grossmacht und übt in den Nachbarländern Irak und Afghanistan grossen Einfluss aus, insbesondere im Irak, der zu 70 Prozent von Schiiten bewohnt wird.
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Afghanistan
Bevölkerung: 30 Mio.
Fläche: 652 225 km²
BIP: 8,4 Mia. $
BIP/Einwohner: 335 $
Militär: 27 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): k. Angaben
1979 marschierten sowjetische Truppen in den gebirgigen Vielvölkerstaat ein und installierten ein kommunistisches Regime. Dieses wurde in den 80er-Jahren von Widerstandskämpfern, die von Pakistan aus operierten und von den USA und Saudi-Arabien finanziert wurden, bekämpft, die Sowjets mussten schliesslich abziehen. Die Sieger waren sich aber alles andere als einig, weitere Kämpfe folgten. 1996 kamen schliesslich die radikal-islamischen Taliban an die Macht, die eine extrem konservative Interpretation des Korans und insbesondere die Scharia, das islamische Recht, mit aller Härte durchsetzten. Da sie auch Osama Bin Laden und seiner Al Kaida Unterschlupf gewährten, marschierte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eine von den USA angeführte und vom UNO-Sicherheitsrat legitimierte Koalition ein und besetzte das Land.
Präsident des Landes ist der paschtunische Stammesführer Hamid Karsai. Die Sicherheitslage hat sich seit 2005 wieder verschlechtert, Bombenanschläge und Selbstmordattentate, die in Afghanistan zuvor unbekannt waren, sind an der Tagesordnung. Eine wichtige Rolle im Widerstand spielen wieder die Taliban, die sich neu formieren konnten. Im Süden und Osten des Landes existieren Gebiete, die sowohl von Hilfsorganisationen als auch von ausländischen Truppen gemieden werden. Nach den langen Jahren des Krieges ist die Wirtschaft weitgehend zerstört. Afghanistan zählt heute zu den ärmsten Ländern der Welt, Hungersnöte sind nicht selten. 46 Prozent des BIPs werden mit dem Anbau von Schlafmohn, der Grundlage von Opium und Heroin, erwirtschaftet.
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Turkmenistan
Bevölkerung: 5,04 Mio.
Fläche: 488 100 km²
BIP: 26,91 Mia. $
BIP/Einwohner: 5189 $
Militär: 26 000 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): keine Angaben
Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde Turkmenistan 1991 ein eigenständiger Staat. Nach wie vor befinden sich noch viele ethnische Russen im Land (ca. 7-10%). Der frühere Vorsitzende der kommunistischen Partei, Sapermurat Nijassow, übernahm das Präsidentenamt, welches er bis zu seinem Tod im Dezember 2006 sehr autokratisch ausübte. 1999 liess er sich vom Parlament sogar zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen. Um seine Person entstand ein grotesker Personenkult.
Nach Nijassows Tod am 21. Dezember 2006 übernahm der vormalige Vizepräsident Gurbanguly Berdimuhammedow die Präsidentschaft zunächst interimistisch; 2007 wurde er dann durch Wahlen mit grosser Mehrheit im Amt bestätigt. Er kündigt an, Reformen im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie beim Wohnungsbau durchzuführen, bekannte sich ansonsten aber zum Programm seines Vorgängers.
Turkmenistan hat sich aussenpolitisch für neutral erklärt. Das Land befindet sich – nicht zuletzt wegen seiner Regierungsform – in relativer Isolation, verfügt aber über riesige Gasreserven, die es über Wasser halten.
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DDR
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Sowjetunion
Die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UDSSR) wurde am 30. Dezember 1922 gegründet und am 26. Dezember 1991 durch Beschluss des Obersten Sowjets wieder aufgelöst. Sie war mit über 22 Millionen Quadratkilometern der flächenmässig grösste Staat der Welt und zählte 1991 gegen 300 Millionen Einwohner. Sie bestand aus 15 formell gleichberechtigten Sowjetrepubliken (Räterepubliken), doch die Dominanz der russischen Republik war so eklatant, dass der Vielvölkerstaat sprachlich häufig mit Russland gleichgesetzt wurde. Die offizielle Ideologie war der Marxismus-Leninismus, verkörpert durch die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU), deren Generalsekretär zugleich der wichtigste Mann im Staat war.
Der letzte Zar wurde 1917 durch die Februarrevolution gestürzt. Wenige Monate später ereignete sich ein zweiter Umsturz, die Oktoberrevolution, die die Kommunisten an die Macht brachte. Im bis 1922 dauernden russischen Bürgerkrieg setzte sich schliesslich deren Mehrheitsfraktion, die Bolschewiki («Mehrheitler»), unter Führung von Wladimir Lenin durch, der zugleich der erste Staatschef der Sowjetunion wurde. Nach seinem Tod im Jahr 1924 kam der despotisch veranlagte Georgier Josef Stalin an die Macht. Unter seiner Führung wurde die Landwirtschaft zwangskollektiviert, was als Voraussetzung für den Aufbau einer Schwerindustrie galt. Diese Vorgänge kosteten Millionen Menschen das Leben, ebenso wie die von Stalin in den 30er-Jahren initiierten «Säuberungen» der Partei und Armee. Das ganze Land wurde mit einem System von Gefangenenlagern («Archipel Gulag») überzogen. Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlerdeutschland die Sowjetunion. Der anschliessende Krieg kostete das Land zwar ungeheuer viele Menschenleben, brachte ihm am Ende aber einen triumphalen Sieg, der durch den Einmarsch in Berlin 1945 gekrönt wurde. Die Sowjetunion war nun die neben den USA stärkste Macht der Welt.
Bald nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten die beiden «Supermächte», wie sie nun genannt wurden, in einen Konflikt um weltweiten Einfluss, der sich durch den ideologischen Gegensatz noch verschärfte. Beide Grossmächte gründeten Verteidigungsbündnisse: Die Sowjetunion den Warschauer Pakt, der aus den von ihr besetzten osteuropäischen Staaten bestand; die USA die NATO («North Atlantic Treaty Organisation»), die heute noch existiert und der neben einer Reihe von westeuropäischen Staaten auch die Türkei und Kanada angehören. Es kam nie zu direkten Kampfhandlungen zwischen den beiden Blöcken, sondern lediglich zu Stellvertreterkriegen und einem konventionellen wie atomaren Rüstungswettlauf; man sprach daher vom «Kalten Krieg». An den Rand einer bewaffneten Auseinandersetzung geriet man im Oktober 1962, als die Sowjetunion Atomraketen auf Kuba stationierte. Diese als «Kubakrise» bekannt gewordene Auseinandersetzung wurde schliesslich dadurch beigelegt, dass die USA als Gegenleistung für den sowjetischen Rückzug ihre in der Nordtürkei stationierten Raketen abzogen.
1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPDSU. Er leitete wirtschaftliche und politische Reformen ein («Perestroika» und «Glasnost»), die den sowjetischen Staat demokratisieren, den Sozialismus als offizielle Doktrin jedoch unangetastet lassen sollten. Das ging gründlich schief. Gorbatschows Öffnungsmassnahmen entwickelten eine starke Eigendynamik, die schliesslich zum Untergang der Sowjetunion führte.
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Warschauer Pakt
Dabei handelt es sich um ein Militärbündnis von ursprünglich acht osteuropäischen, sozialistischen Staaten, das am 14. Mai 1955 in der polnischen Hauptstadt Warschau besiegelt wurde. Der kommunistische Block reagierte damit auf die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in das westliche Verteidigungsbündnis NATO, die neun Tage zuvor Tatsache geworden war. Albanien, das eines der Gründungsmitglieder war, trat 1968 wieder aus.
Der Warschauer Pakt bleibt vor allem durch die brutale Unterdrückung der Aufstände in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 in unrühmlicher Erinnerung. Dieses Vorgehen wurde nachträglich durch die Breschnew-Doktrin gerechtfertigt, die besagte, dass die sozialistischen Staaten nur beschränkt souverän seien; sollte in einem von ihnen der Sozialismus gefährdet sein, hätten die übrigen das Recht, militärisch zu intervenieren. Daran wird deutlich, dass der Warschauer Pakt im Wesentlichen ein Instrument zur Sicherung des Hegemonialanspruches der Sowjetunion gegenüber den restlichen Mitgliedern war.
Nach dem Umbruch des Jahres 1989 hatte das Bündnis seine Existenzberechtigung endgültig verloren; folgerichtig löste es sich am 1. Juli 1991 auf.
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NATO
Die NATO («North Atlantic Treaty Organisation», «Nordatlantikvertrag-Organisation») ist ein militärisches Bündnis europäischer und nordamerikanischer Staaten. Es wurde durch die Unterzeichnung des Nordatlantikpakts am 4. April 1949 ins Leben gerufen. Dieser sieht ein Defensivbündnis ohne automatische militärische Beistandspflicht der Mitglieder vor. Für den Fall eines bewaffneten militärischen Angriffs auf einen der Mitgliedstaaten verpflichten sich die übrigen allerdings zur sogenannten kollektiven Selbstverteidigung; dieser Paragraf wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zum bisher einzigen Mal wirksam.
Das Bündnis sollte ursprünglich der Abwehr eines Angriffs der Roten Armee dienen. Das Hauptquartier befand sich bis 1966 in Paris; dann trat Frankreich aus den militärischen Strukturen der NATO aus, da sein damaliger Präsident De Gaulle die Organisation als ein Instrument zur Durchsetzung amerikanischer Interessen sah und zudem die französische Entscheidungsfreiheit im Ernstfall gewahrt wissen wollte. Seit 1967 ist der Hauptsitz nun in Brüssel.
Im Jahr 1979 wurde der NATO-Doppelbeschluss gefasst, der die Nachrüstung von Mittelstreckenraketen in Europa, insbesondere Westdeutschland, vorsah. Dies führte zu zahlreichen Protestkundgebungen und gab der Friedensbewegung enormen Auftrieb, vor allem in der BRD.
Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks bestand die Hauptbedrohung der NATO-Staaten nicht mehr, die Organisation musste sich daher neu ausrichten. Sie wird nun als ein Instrument für friedenserhaltende Massnahmen der UNO und der OSZE gesehen. Seit 1992 sind auch Einsätze ausserhalb des eigentlichen Bündnisgebietes («out of area») möglich. Ein solcher wurde 1999 mit den Luftangriffen auf Jugoslawien im Rahmen des Kosovo-Krieges durchgeführt. Diese Aktion ist allerdings bis heute sehr umstritten, da weder ein Angriff auf einen Mitgliedstaat der NATO noch ein Mandat des UNO-Sicherheitsrats vorlag.
Für den von den USA forcierten Einmarsch in den Irak im Jahr 2003 wollten sich viele NATO-Staaten, allen voran Frankreich und Deutschland, nicht instrumentalisieren lassen, was zu einer heftigen transatlantischen Verstimmung führte.
In letzter Zeit gab es wieder vermehrt Spannungen mit dem alten Gegner, dem durch seinen Rohstoffreichtum erneut erstarkten Russland. Dieses goutiert die Pläne in Europa ein Raketenabwehrsystem gegen «Schurkenstaaten» zu installieren, ganz und gar nicht. Die Russen halten diese vermeintlich rein defensive Massnahme für eine Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit. Ähnlich skeptisch sehen sie die NATO-Osterweiterung in den Jahren 1999 und 2004, durch die der alte Gegner bis an die Grenze Russlands vorgerückt ist. NATO-Bestrebungen, Georgien aufzunehmen, werden von Moskau abgelehnt.
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Tadschikistan
Bevölkerung: 7,32 Mio.
Fläche: 143 200 km²
BIP: 3,71 Mia. $
BIP/Einwohner: 578 $
Militär: 7600 Mann
Militärausgaben: (Anteil am BIP): 2,2 %
Das gebirgige, von Viehwirtschaft geprägte Land erklärte sich 1991 für unabhängig. Sogleich brach ein Bürgerkrieg zwischen den Anhängern von Präsident Emomalii Rahmon und islamischen Fundamentalisten aus, der mit einer Regierungsbeteiligung der Aufständischen endete. Rahmon liess sich zuletzt 2006 wiederwählen. Es bestanden starke Zweifel an der demokratischen Qualität dieser Wahl, da der Präsident rigoros gegen die Opposition vorzugehen pflegt und drei Gegenkandidaten zum Rückzug nötigte. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden US-Truppen in der Hauptstadt Duschanbe und in Chorugh stationiert, doch auch Russland, das ebenfalls Soldaten im Land hat, spielt eine erhebliche Rolle und bleibt die wichtigste regionale Ordnungsmacht. Die Grenzsicherung nach Afghanistan erfolgte bis zum Sommer 2005 sogar ausschliesslich durch russische Truppen. Die russische Minderheit in Tadschikistan ist klein (1,1%).
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Kirgistan
Bevölkerung: 5,26 Mio. (2005)
Fläche: 199 900 km²
BIP: 3,75 Mia. $
BIP/Einwohner: 713 $
Militär: 12 500 Mann
Militärausgaben (Anteil am BIP): 2,8 %
Das stark agrarisch geprägte zentralasiatische Land wurde am 31. August 1991 unabhängig. Der zunächst sehr liberal regierende Präsident Akajew wandelte sich mit der Zeit immer mehr zu einem Autokraten, was schliesslich zu seinem Sturz nach den Parlamentswahlen vom Februar 2005 führte («Tulpenrevolution»). Präsident war seither Kurmanbek Bakijew, unter dem jedoch keine Wende zum Besseren eintrat: Nach Einschätzung der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) waren die Parlamentswahlen vom 16. Dezember 2007 weder frei noch fair. Im April 2010 wurde Bakijew in einem blutigen Umsturz aus dem Amt gejagt. In der Folge stimmte das Volk einer Verfassungsänderung zu, wodurch Kirgistan zur parlametarischen Republik wurde. Es folgten freie Parlamentswahlen und seit Dezember 2010 regiert eine Dreierkoalition das Land.
Die USA unterhalten nahe Bischkek den für die Nato in Aghanistan wichtigen US-Luftwaffenstützpunkts Manas. Russland und China drängen Kirgistan seit langem dazu, die US-Basis zu schliessen.
Unruhen im Land führten 2002 dazu, dass auch wieder eine Truppenbasis der russischen Armee eingerichtet wurde. Trotz der beträchtlichen Präsenz der Amerikaner bleibt Russland die wichtigste Ordnungsmacht in der Region. Noch immer leben zahlreiche ethnische Russen im Land (ungefähr 12,5%).
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