Die Schweizer Autobahnen

Die Strassenbauer wollten sie einst gar mit Atom-Strom beleuchten: Die Timeline zeigt,  wie sich das Schweizer Autobahn-Netz seit den 1950er-Jahren entwickelt hat. Und wie sich die Nationalstrassen im Laufe der Jahrzehnte vom Symbol des Fortschritts zum Sinnbild der Umweltverschmutzung entwickelt haben.

2011

Die Umfahrung Moutier wird am 25. November eröffnet. Kernstück des neuen, 2,1 Kilometer langen Teilstücks der Autobahn A16 durch den Jura bildet der Tunnel von Moutier.

2009


Das Autobahndreieck Zürich West der neuen Westumfahrung (Bild: Keystone)

Am 13. November wird die A4 im Knonaueramt eröffnet. Das 15,9 Kilometer lange Strassenstück schliesst die Autobahnlücke zwischen Zürich und der Zentralschweiz.

Nach 28 Jahren Planungs- und Bauzeit wird die Zürcher Westumfahrung am 4. Mai in Betrieb genommen. Damit fliesst der Transitverkehr nicht länger durch die Stadt Zürich. «Das Jahrhundertbauwerk mit nationaler Bedeutung» kostete insgesamt über 2,8 Milliarden Franken.

2004


Anti-Avanti-Protest in Stans (Bild: Keystone)

Die Stimmberechtigten lehnen den Gegenvorschlag zur zurückgezogenen «Avanti-Initiative» klar ab. Der Gegenvorschlag sei wegen der Möglichkeit eines zweiten Gotthard-Strassentunnels abgelehnt worden, sagt Verkehrsminister Moritz Leuenberger.

2001

Nach 41 Jahren Bauzeit ist die A1 endlich vollendet: Am 5. April wird das Teilstück zwischen Murten und Yverdon eröffnet. Mit einer Gesamtlänge von 383 Kilometern macht die A1 rund einen Fünftel des Nationalstrassennetzes aus.

1996

Die Autobahnen werden von z.B. N wie Nationalstrasse auf A wie Autobahn umbenannt. Damit wird eine Anpassung an zahlreiche Nachbarländer vorgenommen.

1995

Das spektakulärste Teilstück der A5, die Stadtautobahn von Neuenburg, wird eröffnet.
Der längste Stau in der Geschichte der Schweizer Autobahn: Wegen des Ferienverkehrs und mehrerer Unfälle stauen sich die Autos auf der N1 zwischen Bern und Niederbipp auf einer Länge von sagenhaften 53 Kilometern.

1994


Abstimmungsplakate für und gegen die Initiative (Bild: Keystone)

Das Volk nimmt die «Alpeninitiative» mit 52 Prozent Ja-Stimmen an. Diese besagt, dass die Transitstrassen durch die Alpen nicht mehr ausgebaut werden dürfen. Damit ist die Verlagerungspolitik verfassungsmässig verankert.

1990

Das Volk lehnt die «Kleeblatt»-Initiative ab, die den Bau von mehreren Autobahnteilstücken zu stoppen versuchte. Zuvor ist bereits die Initiative «Demokratie im Nationalstrassenbau» von Franz Weber gescheitert.

1987

Der Bundesrat beschliesst aus Umweltschutzgründen und aus Rücksicht auf die Bahn 2000 den Bau des Autobahnnetzes nicht mehr weiter auszuweiten. Zudem wird bleifreies Benzin eingeführt.

1984


Eine Broschüre informiert über die Autobahn-Vignette (Bild: Keystone)

Das Schweizer Stimmvolk stimmt knapp der Einführung der Autobahnvignette zu. Sie kostet anfänglich 30 Franken.

1980


Eröffnung des Gotthardtunnels (Bild: Keystone)

Bundesrat Hans Hürlimann eröffnet am 5. September nach 10 Jahren Bauzeit den Gottard-Strassentunnel. Das 16,9 Kilometer lange Bauwerk bildet das Herzstück der N2 zwischen Basel und Chiasso. In seiner Rede bemerkt Hürlimann, der Tunnel sei nicht als Korridor für den Schwerverkehr gedacht – ein schwerer Irrtum, wie sich rasch zeigt. In den frühen 1980er-Jahren werden zudem die Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen vollendet.

1977

Ende der 1970er-Jahre wächst der Widerstand gegen die Nationalstrassen: In Morges VD oder Faido TI erzwingt die Bevölkerung eine neue Linienführung. Die geplante Autobahn durch das Knonauer Amt (zu der die Westumfahrung Zürich gehört), wird zumindest vorübergehend verhindert.

1973


Polizisten kontrollieren an einem autofreien Sonntag einen Wagen (Bild: Keystone)

Die Ölkrise trifft die Schweiz knüppelhart: Der Bundesrat verhängt für drei Sonntage ein Fahrverbot und stellt erstmals ein Tempolimit auf Autobahnen auf. Das Auto verliert seine Unschuld.

1970


Vier Venom DH-112 werden an einer Übung auf einem Abschnitt der A1 bei Oensingen betankt (Bild: Keystone)

Im Zeichen des Kalten Kriegs hat der Autobahnbau auch militärischen Zwecken zu folgen. So werden einige Strecken so geplant und angelegt, dass die Strasse im Kriegsfall als Start- und Landepiste für Militärflugzeuge dienen kann. An mehreren Truppenübungen wird dieses Szenario auch erprobt. Erst 1995 wird das Konzept der Autobahn-Flugpiste aufgegeben.
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1967

Bei der Eröffnung der Strecke Oensingen-Lenzburg lobt Bundesrat Tschudi die «solide schweizerische Qualitätsarbeit.» An einer Brücke hängt das Plakat «Kölliken dankt für die Autobahn.»
Viele Teilprojekte werden aufgeblasen: Statt zweispurige Autostrassen entstehen oftmals vierspurige Autobahnen. Die Auto-Euphorie täuscht nicht über eklatante Fehlprognosen hinweg: Die Planer rechnen für 1980 mit einer Million Fahrzeugen. Dieser Wert wird jedoch bereits 1963 überschritten. Zudem gibt es eine gewaltige Kostenexplosion: Zu Beginn rechnete man mit Gesamtkosten von insgesamt 3,8 Milliarden Franken – bis heute wurden gut 60 Milliarden Franken ausgegeben.

1964


Bundespräsident von Moos eröffnet die EXPO (Bild: Keystone)

Rechtzeitig zur Landesausstellung in Lausanne wird das N1-Teilstück zwischen Genf und Lausanne für den Verkehr freigegeben. Um die Bevölkerung zu animieren, an die Expo zu fahren, zeigt das Fernsehen Bilder leerer Parkfelder.


Der Grosse St. Bernhard (Bild: Keystone)

Als «epochemachendes Ereignis für ganz Europa» bezeichnet der Kommentator die Eröffnung des Strassentunnels durch den Grossen St. Bernhard. Dank der schneefreien Galerie bis zum Tunneleingang, dem Tunnel selbst und der Galerie auf italienischer Seite lassen sich die Alpen nun bedeutend schneller durchqueren.
Aus heutiger Sicht weniger verständlich ist der Hinweis am Schluss des Beitrags: «Die Gefahr, dass die Schweiz umfahren wird, ist vorläufig gebannt.»
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1962

Die Grauholzautobahn, das erste Teilstück der N1 Bern-Zürich, wird dem Verkehr übergeben. Die 7,5 Kilometer lange Strecke führt von Schönbühl bis zum Wankdorf. Die «Neue Zürcher Zeitung» jubiliert: «Die N1 ist nun ein Bestandteil der Europastrasse E4 (Lissabon-Bern-Helsinki)».

1960

Die Geburtsstunde der Schweizer Autobahnen: Am 21. Juni verabschiedet das Parlament das Nationalstrassengesetz. Alle wollen ein Stück Autobahn: Ursprünglich sollte das Netz nur 571 Kilometer umfassen – schliesslich werden daraus 1811 Kilometer. Zur Diskussion steht sogar, das gesamte Netz mit Atomstrom zu beleuchten.

1958

Das Schweizervolk stimmt mit 85 Prozent Ja-Stimmen dem Bau eines Nationalstrassennetzes zu; nur der Kanton Schwyz lehnt die Vorlage ab. Von Beginn an ist die N1 zwischen Genf und dem Bodensee als Hauptachse vorgesehen. Die «Automobil-Revue» jubelt: «Arbeiter können es sich leisten, ihrer Familie am Sonntag im eigenen Fahrzeug die Schönheiten unseres Landes zu zeigen.»

1955


Einweihung der Ausfallstrasse Luzern-Süd (Bild: StALU)

Die erste kreuzungsfreie Autostrasse der Schweiz entsteht im Kanton Luzern: Es handelt sich um das Teilstück zwischen Luzern-Süd und Ennethorw («Ausfallstrasse Luzern-Süd»), das heute zur A2 gehört.

1950er-Jahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt der Wohlstand rapide an. Immer weitere Bevölkerungskreise können sich ein Auto leisten, was zu Verkehrsproblemen führt. So fahren 1945 auf den Schweizer Strassen 18 279Autos herum. Zehn Jahre später zählt man bereits 700 000. Der Ruf nach Autobahnen wird immer lauter.