Der Libanon erklärt sich unabhängig

Französische Schiffe in Beirut

Nach der Besetzung durch britische und freifranzösische Truppen im Zweiten Weltkrieg erklärt der Libanon am 26. November seine Unabhängigkeit. Das Land war nach dem Ersten Weltkrieg aus der Konkursmasse des Osmanischen Reiches als Völkerbundsmandat unter französische Herrschaft gekommen.
Frankreich zieht sich zurück

Place des Martyrs in Beirut

Frankreich anerkennt am 22. November die Unabhängigkeit des Libanon und erklärt sich bereit, die Macht am 1. Januar 1944 an die libanesische Regierung zu übertragen. Die politische Macht wird unter
den Konfessionen verteilt: Die maronitischen Christen - 54% der Bevölkerung nach der Volkszählung von 1932 - dominieren im Parlament und stellen den Präsidenten, die Sunniten den Premierminister, die Schiiten den Parlamentssprecher.
Die Palästinenser kommen
Palästinensische Flüchtlinge

Ein libanesisches Truppenkontingent nimmt nach der israelischen Staatsgründung am Ersten Arabisch-Israelischen Krieg teil. Seither herrscht zwischen den beiden Staaten formal der Kriegszustand. Der Zustrom von palästinensischen Flüchtlingen verändert in der Folge allmählich die konfessionelle Balance des Libanon zuungunsten der Christen.

US-Marines in Beirut

US-Truppen in libanesischem Dorf

Zunehmende Spannungen zwischen Christen und Moslems nach der erfolgreichen Revolution im Irak münden in Bürgerkriegsähnliche Verhältnisse. Präsident Camille Chamoun bittet die USA um Hilfe; Intervention von US-Marines.
Die PLO nistet sich ein

Junge PLO-Kämpfer im Libanon

Nach dem Schwarzen September infiltrieren aus Jordanien vertriebene Freischärler der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) den Süden des Landes, um von dort aus Angriffe auf Israel zu unternehmen. Die PLO errichtet mit Billigung muslimischer Libanesen einen Staat im Staate.
Der Bürgerkrieg beginnt

Strassenkampf in Beirut

Mit dem Ausbruch offener Kämpfe zwischen der maronitischen Phalange-Miliz und der PLO beginnt im April der libanesische Bürgerkrieg (1975-1990).
Syrien mischt sich ein

Syrische Panzer in Beirut

Syrien interveniert im Juni mit 20'000 Mann zugunsten der Maroniten und drängt die palästinensische Guerilla zurück. Der Bürgerkrieg dauert an und kompliziert sich durch Kämpfe zwischen schiitischen und sunnitische Milizen.
Israel greift ein

Israelische Truppen im Südlibanon

Israel besetzt im März den Süden des Libanon bis zum Litani-Fluss, um die Stützpunkte der PLO zu zerschlagen. Am 19. März fordert der Uno-Sicherheitsrat Israel zum Rückzug auf und beschliesst die Entsendung von Uno-Truppen (Unifil) in den Südlibanon.
Operation «Frieden für Galiläa»

PLO-Chef Arafat in Beirut

Israel interveniert im Juni erneut. Diesmal dringt die Armee bis Beirut vor und belagert die Stadt. Die PLO wird zum Abzug aus dem Libanon gezwungen.
Am 14. September wird der eben erst gewählte Präsident Baschir Gemayel ermordet. Israel besetzt am Folgetag Westbeirut und vom 16. bis 18. September richten phalangistische Milizen ein Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila an. Am 21. September wird Baschirs älterer Bruder Amin Gemayel zum Präsidenten gewählt. Darauf treffen die ersten Kontingente einer Internationalen Friedenstruppe ein.
Hisbollah bombt Friedenstruppen weg

"Time"-Cover : Anschlag auf Marines

Im September beschiesst die US-Navy syrische Stellungen in der Nähe von Beirut. 241 US-Marines und 56 französische Fallschirmjäger sterben am 23. Oktober bei zwei Bombenexplosionen in Beirut. Als Urheberin der Anschläge gilt die Hisbollah. Anfang 1984 ziehen sich die Friedenstruppen wieder aus dem Libanon zurück.
Pufferzone im Südlibanon

Panzer der Südlibanesischen Armee

Israel zieht seine Truppen grösstenteils zurück, richtet aber im Südlibanon eine Sicherheitszone ein. Als Puffer dient eine neue, mehrheitlich christliche Miliz (Südlibanesische Armee, SLA).
Das Land zerfällt

Amin Gemayel, Michel Aoun

Bei seinem Rücktritt ernennt Präsident Amin Gemayel am 22. September den maronitischen Generalstabschef Michel Aoun zum Kopf einer interimistischen Militärregierung. Nach der Bildung einer muslimischen Gegenregierung in West-Beirut zerfällt das Land in verschiedene Machtbereiche.
Der Bürgerkrieg ist vorbei

Trümmerlandschaft in Beirut

Aoun ruft im März 1989 zum Befreiungskrieg gegen Syrien auf. Im Oktober kommt es schliesslich zu einem Friedensabkommen. Fortan soll das Parlament paritätisch mit Christen und Moslems besetzt sein. Die anti-syrischen libanesischen Streitkräfte unter Aoun widersetzen sich dem Abkommen, werden aber von der syrischen Armee vernichtet. Der Bürgerkrieg endet nach 15 Jahren.
Bomben auf Beirut

Beirut nach israelischem Luftangriff

Im April bombardiert die israelische Luftwaffe Hisbollah-Basen in Südbeirut und im Südlibanon. Palästinensische und Hisbollah-Kämpfer erklären sich bereit, auf Angriffe auf Zivilisten in Nord-Israel zu verzichten.
Israel zieht ab

Israelische Panzer auf dem Rückzug

Israel zieht sich im Mai einseitig aus der Pufferzone im Südlibanon zurück. Die Südlibanesische Armee kollabiert, die Hisbollah rückt in deren Positionen vor. Die «Partei Gottes» erklärt sich zum Sieger über Israel.
Syrien zieht ab

Krater nach dem Anschlag auf Hariri

Im Februar stirbt der ehemalige anti-syrische Premierminister Rafik Hariri bei einem Anschlag. Massive Demonstrationen («Zedernrevolution») führen zum Rücktritt der pro-syrischen Regierung. Syrien zieht im April seine Truppen nach 29 Jahren aus dem Libanon ab. Eine anti-syrische Allianz gelangt unter Premierminister Fouad Siniora an die Macht.
Neuer Krieg und düstere Aussichten

Israelischer Luftangriff

Zwei israelische Soldaten werden am 12. Juli von der Hisbollah entführt. Israel antwortet mit massiven Luftschlägen gegen die libanesische Infrastruktur, die Hisbollah feuert hunderte von Raketen auf Nordisrael ab. Eine verlustreiche israelische Bodenoffensive kann die Raketenangriffe nicht stoppen. Nach dem Waffenstillstand vom 14. August beginnt die Stationierung einer Internationalen Friedenstruppe (Unifil) entlang der libanesischen Südgrenze.
Am 21. November wird der einflussreiche christliche Politiker Pierre Gemayel erschossen. Das Land droht erneut im Bürgerkrieg zu versinken.
Dschihad im Lager

Das zerstörte Lager Nahr el Bared

Vom Mai bis zum Juni liefern sich die libanesischen Streitkräfte und die Miliz der islamistischen Fatah al Islam in der palästinensischen Flüchtlingssiedlung Nahr el Bared erbitterte Gefechte. Über 70 libanesische Soldaten kommen dabei ums Leben. Die Kämpfe enden mit der Zerstörung des Lagers und der Vertreibung der palästinensischen Islamisten.
Die Hisbollah probt den Aufstand

Schiitischer Kämpfer bei Beirut

In den schwersten Kämpfen seit 20 Jahren bringt die schiitische Miliz im Mai nahezu alle sunnitischen Viertel von Beirut unter ihre Kontrolle und fügt auch den Drusen eine Niederlage zu. Die Hisbollah bricht damit ihr Versprechen, ihre Waffen nur gegen Israel einzusetzen. Mit diesem Argument hatte sich die Miliz nach dem Waffenstillstand 2006 der Entwaffnung entzogen.
Die pro-westliche Regierungskoalition gibt dem Druck der von Syrien und Iran unterstützten Hisbollah nach und räumt der Opposition ein Veto-Recht im Kabinett ein. Der Weg für die Wahl von Armeechef General Michel Suleiman zum Präsidenten ist frei.
Niederlage für Aoun

Aoun-Wählerinnen mit Nasrallah-Porträt

Bei der Parlamentswahl am 8. Juni setzt sich das pro-westliche Lager überraschend gegen die islamistische Hisbollah sowie deren christlichen Verbündeten Michel Aoun durch. Aoun, Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und die Schiitengruppe Amal räumen die Niederlage ein.
Die Machtbestrebungen Syriens und des Iran in der Region erleiden damit einen herben Rückschlag.
Hisbollah gegen Hariri

Premierminister Hariri

Der sunnitische Premierminister Saad Hariri wird von der Hisbollah gedrängt, die Zusammenarbeit mit dem UNO-Sondertribunal, das den Mord an seinem Vater Rafik Hariri untersucht, zu beenden. Es wird allgemein erwartet, dass auf der Angeklagtenliste auch Mitglieder der Hisbollah stehen werden. Diese wiederum beschuldigt Israel, für den Mord verantwortlich zu sein. Die Differenzen werden durch den Besuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Oktober verschärft. Am 12. Oktober zieht die Hisbollah ihre Minister aus der Regierung zurück und bringt so Hariri zu Fall, der geschäftsführend im Amt bleibt.
Mikati wird Premier

Premierminister Mikati

Am 19. Januar übergibt der Chefankläger des UNO-Sondertribunals seine erste Anklageschrift im Mordfall Rafik Hariri. Wer auf der Anklageliste steht, wird allerdings nur dann veröffentlicht, falls es tatsächlich zu einem Prozess kommt.
Am 25. Januar wird der von der Hisbollah unterstützte Sunnit Nadschib Mikati zum Regierungschef ernannt.
Ende Juni erhebt das UNO-Tribunal im Fall Hariri Anklage gegen vier Verdächtige, darunter hochrangige Hisbollah-Mitglieder. Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah schliesst kurz darauf eine Auslieferung der vier Hisbollah-Mitglieder aus.
Bürgerkrieg in Syrien

Panzer in Tripoli

Die Gewalt aus Syrien greift zunehmend auf den Libanon über. Im Mai liefern sich Gegner und Anhänger des Assad-Regimes blutige Strassenschlachten in Beirut. Im August kommt es in der nordlibanesichen Stadt Tripoli zu Zusammenstössen zwischen salafistischen Sunniten und Alewiten. Die libanesische Armee interveniert mit Panzern.
Am 19. Oktober kommen bei einem Bombenanschlag im Christen-Viertel Aschrafijeh in Beirut acht Menschen ums Leben, darunter Geheimdienstchef Wissam al-Hassan, ein Vertrauter des libanesischen Oppositionschefs Saad Hariri und ein Kritiker der Hisbollah. Das Attentat bringt das Land an den Rand des Bürgerkriegs.
Die Hisbollah mischt sich ein

Hisbollah-Kundgebung

Die vom Iran unterstützte schiitische Hisbollah-Miliz kämpft im syrischen Bürgerkrieg auf der Seite von Präsident Assad. Besonders bei den Gefechten um die Grenzstadt Al-Kusair unterstützt die Miliz die syrischen Regierungstruppen. Im Mai greifen die Kämpfe auch auf den Libanon über; Gefechte in der Bekaa-Ebene zwischen Hisbollah-Kämpfern und Milizionären der dschihadistischen Al-Nusra-Front aus Syrien fordern mehrere Tote.
Die konfessionelle Balance verschiebt sich