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Fall Kampusch - Teil 6

21. Februar 2012 07:36; Akt: 11.04.2012 14:30 Print

Margit W., die grosse UnbekannteMargit W., die grosse Unbekannte

von K. Leuthold/F. Burch - H.s Schwester Margit W. organisierte Priklopils Begräbnis und schanzte seine Wohnungen ihrem Bruder zu. Sie verwaltete alle Geschäfte der ihr angeblich unbekannten Familie.

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Natascha Kampusch gelang am 23. August 2006 die Flucht. wurde Margit W. zum Fall befragt. Margit W. war am Abend nach der Flucht und nach dem Tod von Wolfgang Priklopil Dieser fragte Margit W., ob sie glaube, Priklopil habe Kampusch umgebracht. Aus einem vom 24. August 2006 geht hervor, dass Chefinspektorin Margit Wipfler Teile eines Gespräches zwischen Margit W. und Ernst H. mithören konnte. Am 30. August hielt Ernst H. eine Pressekonferenz ab. Der Inhalt der Erklärung war, wie sich später herausstellte, . Karl Kröll, der Bruder des verstorbenen ehemaligen SOKO-Ermittlers Franz Kröll, bezeichnet Margit W. als Powerfrau. Ihre Firma und ihr Wohnsitz lauten auf eine Adresse, wo steht. Darin soll Margit W. eine Wohnung gemietet haben. Aus einer Einvernahme mit Margit W. vom 27. September 2006 geht hervor, dass diese . Margit W. liess Priklopil beisetzen, obwohl sie den Kampusch-Entführer nicht gekannt haben will. Die umtriebige Schwester besuchte nach der Flucht . Margit W. sorgte dafür, dass die Priklopil-Mutter Waltraud . Am 2. Oktober, nur sechs Wochen nach Kampuschs Flucht erwirkte Margit W. bei der Priklopil-Mutter eine . Johann Rzeszut, Mitglied der Evaluierungskommission bezeichnete Margit W. in einem Schreiben vom 24. Juli 2009 als umtriebige Schwester. Unter anderem liess Margit W. von Priklopil auf ihren Bruder Ernst H. umschreiben. Dies geht aus einer Beschuldigungsvernehmung mit Ernst H. vom 9. September 2009 hervor. Warum Margit W. Waltraud Priklopil bei so vielen Geschäften vertrat, konnte Ernst H. nicht schlüssig beantworten. Ernst H. behauptet, Waltraud Priklopil sei mit dem Verkauf der Wohnungen einverstanden gewesen. Ernst H. sprach während einer Vernehmung am 9. September 2009 von Schulden, die Priklopil bei ihm gehabt habe. Laut Waltraud Priklopil war dies jedoch . Margit W. löste von Priklopil auf. Margit W. besuchte mit Natascha Kampusch . Dies sagte Ernst H. während einer Einvernahme am 18. Oktober 2010. Laut der österreichischen Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein gibt es Hinweise, dass Natascha Kampusch gehalten wurde. Deshalb reichte sie am 14. Dezember 2011 eine entsprechende Anfrage ein.

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Im Zuge der Ermittlungen gegen Priklopils Geschäftspartner und Freund Ernst H.* geriet auch dessen Schwester Margit W.* in den Fokus der Polizei. Sie wird von Karl Kröll, dem Bruder des verstorbenen ehemaligen SOKO-Leiters Franz Kröll, als erfolgreiche, resolute Powerfrau bezeichnet. Margit W. ist geschieden, hat Betriebswirtschaft studiert und wirkt unter anderem als Marketing-Beraterin und Veranstalterin von persönlichkeitsbildenden Seminaren. Die Frau, die in einer Wohnung in einem Schloss eingemietet ist (siehe Bildstrecke, Dok. 6), trat bereits kurz nach der Flucht Natascha Kampuschs vom 23. August 2006 erstmals aktenkundig in Erscheinung. Die Polizei war gerade dabei, Bruder Ernst H. zu kontaktieren. Den Angaben einer Beamtin zufolge wurde er dabei immer nervöser und stellte die damals auffällige Frage: «Hot ers umbrocht?»(siehe Bildstrecke, Dok. 2, 3). Da kam plötzlich Margit W. dazu und unterbrach das Gespräch.

Margit W. war danach dabei, als Bruder Ernst H. an einer von ihr mitorganisierten Pressekonferenz eine inhaltlich vollkommen unrichtige Erklärung verlas (siehe Bildstrecke, Dok. 4, 5). Sie war es, die die tatsachenwidrige Presseerklärung verfasst hatte. An jener Pressekonferenz forderte sie ihren Bruder zudem auf, einen Zettel mit dem angeblichen Abschiedswort Priklopils - «Mama» - zu präsentieren.

Die Frau blieb nach der Pressekonferenz aktiv. Johann Rzeszut, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs in Wien, spricht gegenüber 20 Minuten Online von insgesamt atypischen Aktivitäten der Margit W. rund um das Folgegeschehen nach der Flucht Natascha Kampuschs. Sie organisierte das Begräbnis des Kampusch-Entführers Priklopil und liess ihn unter abgeändertem Namen in «ihrem» Familiengrab beisetzen. Sie war es auch, die laut polizeilichen Ermittlungen erstmals eine Einäscherung von Priklopils Leiche zur Sprache brachte. Dies lasse den Verdacht zu, dass man mögliche Beweismittel schnell habe vernichten wollen. Nachdem inzwischen offen ist, ob sich Priklopil allenfalls nicht selber getötet hat, sondern möglicherweise umgebracht wurde, ist der Verdacht umso brisanter.

Margit W. schanzt Priklopils Wohnungen ihrem Bruder zu

Den Kampusch-Peiniger habe sie «aus Menschlichkeitsgründen» beim Familiengrab beigesetzt, sagte sie in der Einvernahme vom 27. September 2006 (siehe Bildstrecke, Dok. 7). Die Priklopil-Mutter Waltraud habe ihr leid getan, deshalb habe sie ihr Hilfe angeboten. Ebenfalls kümmerte sie sich um die Formalitäten einer Namensänderung für Frau Priklopil – angeblich um sie vor den Medien zu schützen. Trotz all der Handlungen will sie Priklopil kaum gekannt haben. Margit W. behauptet, ihn 1996 kennen gelernt und ihn seither nur ein einziges Mal gesehen zu haben (siehe Bildstrecke, Dok. 8) Natascha Kampusch will sie vor deren Flucht ebenfalls noch nie gesehen haben. Trotzdem fuhr Margit W. gemeinsam mit Kampusch zum Friedhof (siehe Bildstrecke, Dok. 17).

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Doch es gibt noch weitere merkwürdige Verbindungen zwischen der umtriebigen Schwester und der Familie Priklopil. So erwirkte sie bereits am 2. Oktober 2006, also sechs Wochen nach Kampuschs Flucht, bei Priklopils Mutter die Erteilung einer weitgehenden Vollmacht (siehe Bildstrecke, Dok. 11) Damit sorgte sie dafür, dass zwei Wohnungen von Wolfgang Priklopil an Ernst H. überschrieben wurden. Dies, obwohl Ernst H. bei Priklopil Schulden gehabt haben soll (siehe Bildstrecke, Dok. 12, 14). Auch löste sie ein Aktiendepot Priklopils auf (siehe Bildstrecke, Dok. 16)

Margit W. übernimmt die Geschäfte der Prikopils

Die österreichische Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein sagt: «Margit W. hat nach dem Tod Priklopils alle Familiengeschäfte der Priklopils in die Hand genommen.» Insbesondere betreffe das eine Vollmacht, die W. von der Mutter des Täter bekommen habe. «Sie hat die psychische Ausnahmesituation der Frau Priklopil ausgenutzt.» Deshalb reichte Belakowitsch-Jenewein eine parlamentarische Anfrage ein, mit welcher sie beantwortet haben will, was genau die Hintergründe der Umverteilung des Priklopil-Vermögens waren.

Zudem möchte Belakowitsch-Jenewein durch eine weitere parlamentarische Anfrage vom 14. Dezember 2011 geklärt haben, warum Margit W. seit dem Jahr 2002 versucht, ein Ferienhaus auf der brasilianischen Insel Itaparica zu verkaufen (siehe Bildstrecke, Dok. 18). Es gibt laut der Abgeordneten Hinweise – insbesondere im Zusammenhang mit dem aus dem Reisepass der Natascha Kampusch entfernten Passfoto – die andeuteten, dass Kampusch längere Zeit im Ausland gefangen gehalten wurde. Eine weitere mysteriöse Tatsache ist, dass - wenn man in der Google-Suchfunktion ‹makemehot› eingibt - direkt auf die M. GmbH* verlinkt wird. Diese Firma gehört Margit W. Sie ist alleinige Gesellschafterin und gibt an, die Firma beschäftige sich mit Seminaren und Marketing im Wirtschaftsbereich (siehe Bildstrecke, Dok. 8).

Wie passt das alles zusammen? Kannte Margit W. Priklopil wirklich nur flüchtig? Was für eine Rolle spielt die «umtriebige Schwester» im Fall Kampusch? Karl Kröll, der Bruder des verstorbenen SOKO-Leiters, meint: «Sie merkte, dass ihr Bruder der Schwachpunkt ist, da hat sie alles übernommen.» Wird sie nun weiter in den Fokus der Ermittler geraten? Rzeszut resümiert, was die Polizei- und vor allem auch die Justizarbeit im Zusammenhang mit Margit W. angeht: «… an sich ist es richtig, dass eine ganze Menge an konkreten Ermittlungsansätzen vorhanden wären, die bisher nicht aufgegriffen wurden.»

Margit W. - für die die Unschuldsvermutung gilt - konnte für eine Stellungnahme weder per E-Mail noch telefonisch erreicht werden.

Ernst H. - für den die Unschuldsvermutung gilt - nahm zum Fall keine Stellung. Sein Anwalt Manfred Ainedter sagte zu 20 Minuten Online: «Dazu können und wollen wir uns zurzeit nicht äussern.»

*Namen der Redaktion bekannt

Video: Mathieu Gilliand/20 Minuten Online (Mitarbeit: Guido Grandt, Udo Schulze)

Lesen Sie am Mittwoch Teil 7 «Kampusch und Priklopil – die Beziehung»

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  • Matthias Egle am 23.02.2012 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Ich komme aus Österreich und muss mich bei 20 min bedanken das sie den Fall aufarbeiten, unsere Presse und Justiz ist dazu kaum in der Lage, genau so wenig wird jetzt nachdem sich 20min mit dem Fall beschäftigt darüber berichtet, alles Tot geschwiegen, armes Österreich.

  • jp aus S am 22.02.2012 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weitere Immobilien

    Auf der Webseite der M. GmbH wurden aber im Jahre 2002 auch noch eine 5-Zimmer-Wohnung im Wiener Stadtteil Mödling und 2003 eine 2-Zimmer-Wohnung im Zentrum von Wien ausgeschrieben. Sind das eventuell Wohnungen bei denen Kampusch bei Renovationsarbeiten mitgeholfen hat.

  • pascal hofer am 21.02.2012 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    evt doch alles wie ghabt

    na ja vieleicht stimmt ja doch alles, so wie es kampusch erzählt hat. den alles andere sind nur geschichten. sollte es wirklich alles anders gewesen sein, so wäre wohl es an die tage gekommen. evt möchte man einfach eine andere geschichte hören, damit man das ganze in den medien weiterverkaufen kann. also ich denke da wird wieder mal zuviel verschwöhrungstheorien aufgestellt.

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