Parfumeur Roja Dove

23. April 2013 19:07; Akt: 24.04.2013 21:26 Print

«Am Anfang steht der Name: ‹Fetish›, ‹Scandal›»

von Yolanda Di Mambro - Er kreiert Parfums für Königshäuser und führt die exklusivste Parfumerie der Welt: Roja Dove über seine Liebe zu Diamanten, arabische Düfte und den exorbitanten Kilopreis von Jasmin.

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Für Grossbritannien ist Roja Dove ein Superstar. Zusammen mit renommierten Künstlern wie Elton John, Vivienne Westwood und Victoria Beckham ist der Parfümeur derzeit in der «Britain is GREAT»-Kampagne zu sehen. Roja Dove wuchs in Sussex, England auf. In Cambridge studierte er Medizin. Seine Karriere in der Duftbranche begann 1981 beim legendären Parfumhaus Guerlain in Paris. Er wurde damit beauftragt, Parfum-Trainingskurse und später auch Kurse für Beauty-Journalisten zu erarbeiten. 2004 eröffnete er im Luxuswarenhaus Harrods in London die Roja Dove Haute Parfumerie. Es handelt sich dabei um die exklusivste Parfümerie der Welt. Die Parfümerie verkauft nicht nur Luxus-Parfums von Roja Dove, sondern auch exklusive Nischen-Parfums anderer Labels. In der Schweiz sind die Parfums von Roja Dove in der in Zürich erhältlich, die zu den exklusivsten Nischen-Parfümerien der Welt gehört. Der junge Mexikaner Carlos Huber, der 2012 von 20 Minuten Online interviewt wurde, gehört zu den glücklichen Auserwählten, die ihre Parfum-Kollektion in der Parfümerie von Roja Dove verkaufen dürfen. Roja Dove mit dem englischen Model David Gandy, der oft als Muse von Dolce & Gabbana bezeichnet wird. Roja Dove in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar. In Doha eröffnete Roja Dove 2012 eine Luxus-Parfümerie. Seine drei Oud-Parfums sind die Bestseller seiner Kollektion. In Arabien kennt man den intensiven Duftstoff schon seit über 2000 Jahren. Das Oud-Öl wird aus dem Harz des Adlerholzbaumes gewonnen. Auch Schauspielerin Joan Collins («Der Denver Clan») mag seine Düfte. Der Parfümeur mit einem Teil seines Teams. Die Modezeitschrift «Vogue» stellt oft exklusive Parfums vor, u. a. diejenigen von Roja Dove. Für Macallan entwickelte Roja Dove mit der Aroma-Box ein innovatives Werkzeug zur Würdigung einzelner Aromen im Whisky. Macallan ist eine Whiskybrennerei in Schottland. Ein 50 Jahre alter Macallan ist das Lieblingsgetränk von James Bond im Film «Skyfall». Links: Roja Dove bei der Lancierung seines Parfums «Fetish» im «Savoy Hotel» in London. Rechts: Für seine Kerze «Rose De Mai» erhielt er den Fifi-Award 2012 (eine Art Oscar der Parfumbranche) für die beste Duftkerze des Jahres. Für das Victoria & Albert Museum in London kreierte Dove einen Duft für die Ausstellung «Diaghilev und das Goldene Zeitalter des Russischen Balletts». Roja Dove mit einer Burlesque-Künstlerin bei der Lancierung seines Parfums «Scandal». Roja Dove ist einer der wenigen Parfümeure, die Duftkerzen mit einem Deckel verkaufen.

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Herr Dove, ist Roja Dove ein Künstlername oder Ihr richtiger Name? In der Parfumszene konnte mir niemand eine Antwort auf diese Frage geben.
Roja Dove: Mein bürgerlicher Name ist Roger Dove. Für meinen Vater war ich jedoch ein Mensch ohne Namen. Bis zum Tod meiner Mutter vor drei Jahren hat mein Vater kein einziges Mal meinen Namen ausgesprochen. Als Kind konnte ich nicht verstehen, weshalb mich mein Vater nie bei meinem Namen nannte. Also begann ich mit zehn oder elf Jahren, meinen Vornamen phonetisch zu schreiben. So entstand Roja.

Auf Ihrer Website verwenden Sie oft den Superlativ: Der renommierteste Parfümeur, die beste Jasmin-Kerze, die besten Duftstoffe ...
Der Superlativ begründet sich durch die Inhaltsstoffe. Jasmin beziehe ich aus Grasse in Südfrankreich. Für ein Kilo dieses exklusiven Duftstoffs bezahle ich etwa 48'500 Franken, doppelt so viel wie für Gold. Ich kann also objektiv behaupten, dass meine Jasmin-Kerze die beste ist, auch wenn das für einige arrogant klingen mag. Aus kreativer Sicht hingegen ist der Duft der Kerze subjektiv. Sie allein bestimmen, ob meine Kerze grossartig ist oder nicht.

Die Namen Ihrer Parfums suggerieren Leidenschaft: «Fetish», «Scandal», «Risqué», «Enslaved» ...
Meine Parfums beginnen immer mit dem Namen. Einen guten Namen zu finden ist das Schwierigste überhaupt. Mein Lebensgefährte Peter und ich sitzen jeweils im Garten mit einer Tasse Tee und denken uns Parfumnamen aus. Peter lässt dann beim Markenanwalt prüfen, ob der Name verwendet werden kann. Erst dann beginne ich mit der Kreation des Parfums.

Was inspirierte Sie zum Parfum «Reckless»?
Der Geistesblitz kam mir beim Lesen eines Romans, in dem eine selbstbewusste Frau sagt: «Ich mag vielleicht leichtsinnig (reckless) sein, aber töricht? Niemals!» Welch wunderbare Aussage! Ich habe mir eine Frau vorgestellt, die noch die Leidenschaft besitzt, ihrem Herzen zu folgen. Sie lässt aber nicht mehr zu, dass man sie verletzt. Im Gegensatz zu den anderen drei Blumendüften meiner Kollektion ist «Reckless» ein Parfum für die Nacht. Es ist dunkler – ein Parfum für eine Frau, nicht für ein Mädchen. Ich stelle mir die Frau im Theater oder in der Oper vor – im Halbdunkeln. Sie trägt ein elegantes, tief ausgeschnittenes Abendkleid. Auf ihrem Décolleté funkelt ein grosser Diamant. Nach der Vorstellung fährt sie nach Hause und zieht sich aus. Ihr Liebhaber nimmt das Kleid, hängt es auf und riecht daran. «Reckless» ist der Inbegriff einer stilvollen und glamourösen Frau, die in einer Luxuswelt lebt.

Auch Sie lieben Diamanten. Sie tragen drei schöne Diamant-Ringe.
Als kleiner Junge begleitete ich meine Mutter in Schmuckgeschäfte. Wenn wir uns die Diamant-Schmuckstücke ansahen, sagte sie zu mir: «Kannst du die vielen Farben darin sehen?» So lernte ich, die wirklich wertvollen Diamanten zu erkennen. Wenn ich mich selbst überfallen müsste, dann würde ich es auf meinen Schmuck absehen. Edelsteine haben eine hypnotisierende Wirkung auf mich. Ich könnte den ganzen Tag Bijouterien besuchen, ohne mich zu langweilen, auch wenn ich am Ende des Tages keinen Penny mehr hätte.

Sie haben 2004 im Londoner Luxuswarenhaus Harrods die exklusivste Parfümerie der Welt eröffnet. Wie laufen die Geschäfte?
Sehr gut. Im Bereich Parfum und Kosmetik sind wir bei Harrods die Nummer-1-Marke mit dem höchsten Umsatz. Dies ist erstaunlich, zumal wir im Gegensatz zu den grossen Labels keine Werbung machen. Die meisten Kunden, die Harrods betreten, wissen nicht, wer Roja Dove ist. Doch beim Anblick unserer Parfümerie merken sie, dass sie anders ist – luxuriös, schön dekoriert und mit einem theatralischen Touch. Wenn sie dann ein Parfum riechen, entspricht oder übertrifft es ihre Erwartungen.

Sie haben viele reiche Kunden aus den Arabischen Emiraten. Was halten die Araber von Ihren drei Oud-Parfums?
Wir beliefern fast alle arabischen Königshäuser. Araber können kaum glauben, dass die drei Parfums von einem Nicht-Araber kreiert wurden. Während drei Jahren habe ich jeden Monat zwei Wochen im den Vereinigten Arabischen Emiraten verbracht, um so viel wie möglich über den orientalischen Duftstoff Oud zu erfahren. Ich wohnte jeweils im «Grand Hyatt» in Dubai, wo auch grosse arabische Hochzeiten gefeiert werden. Anhand des Oud-Dufts, der jeweils durch das Hotel strömte, wusste ich, ob es eine gute oder aber eine luxuriöse Hochzeit war. Oud-Düfte sind seit einigen Jahren auch in der westlichen Welt Mode. Doch meine arabischen Kunden mögen sie nicht, da sie entweder das Oud darin nicht riechen oder es schlecht verarbeitet ist.

Sind die drei Oud-Parfums Ihre Bestseller?
Ja. Und sie sind auch das am häufigsten verkaufte Beauty-Produkt bei Harrods.

Sie sind der einzige Parfum-Professor der Welt. Waren am Hof von Königin Elisabeth I. die gleichen Parfums Mode wie bei Caterina de' Medici oder Eleonore von Kastilien?
Königin Elisabeth I. hatte in ihrem Schloss ein Parfum-Zimmer, in welchem Düfte gemischt wurden. Parfums dufteten aber zu jener Zeit ganz anders als heute, da es damals noch keine Extraktion gab. Diese wurde erst 1882 mit dem Beginn der modernen Parfümerie eingeführt. In meinem Büro steht ein Duft von Marie Antoinette, der auf der Grundlage des Original-Rezepts nachkreiert wurde. Englische Journalisten sind immer enttäuscht, wenn sie ihn riechen. Das Museum of London besitzt die grösste Schmucksammlung aus der Herrscherzeit von Jakob II. und VII. von England und Schottland (1509-1625). Dazu gehört auch ein einzigartiger Parfumflakon, der unbezahlbar ist. Er wird das Leitmotiv der Ausstellung sein, die im Herbst gezeigt wird. Ich wurde beauftragt, für die Ausstellung ein Parfum dieser Zeit zu kreieren. Ich werde in den nächsten Wochen eingehende Nachforschungen zur Parfumkunst dieser Zeit anstellen. Ihre Frage werde ich somit in Kürze ausführlich beantworten können.



Roja Dove über die Bedeutung und die Geschichte von Oud (Video: YouTube, Guardian)