Francis Kurkdjian

24. März 2013 19:48; Akt: 26.03.2013 06:04 Print

«Ein Parfum für Deneuve machte mir Angst»

von Yolanda Di Mambro - Er gilt als Superstar der jungen Parfumeur-Generation: Francis Kurkdjian über geplatzte Berufsträume, Schauspielerin Catherine Deneuve und das perfekte Ende seiner Karriere.

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Francis Kurkdjian hat in seiner 20-jährigen Karriere viele Erfolgsdüfte für renommierte Designer und Luxuslabels kreiert. Francis Kurkdjian mit seinem schönen Parfumeur-Koffer, den er auch auf Geschäftsreisen mitnimmt. Für ihn ist ein Parfum Kunst. Seine drei neuen intensiven Duftkreationen sind eine Neuinterpretation des kostbaren Duftstoffs Oud: «Oud Silk Mood», «Oud Velvet Mood» und «Oud Cashmere Oud». In der Schweiz sind sie in der in Zürich erhältlich. Parfums als Seifenblasen: An «Les bulles d'Agathe» von Francis Kurkdjian erfreuen sich nicht nur Kinder. Der Parfumeur interessiert sich sehr für Kunst, Musik, Literatur und Ballett. Das Sortiment seines Parfumhauses umfasst auch parfümiertes Waschmittel (links) sowie parfümierte Leder-Armbänder (Mitte). Die Dekoration im Schaufenster seines kleinen Parfumladens in Paris ist eine Hommage an die Stadt Paris. Von seinen Düften gibt es auch zwei Körpercrèmes. Die Entdeckung seiner kostbaren Parfums muss nicht teuer sein: In seinem Parfumladen in Paris (5, rue d'Alger) können sich Parfumliebhaber für 12 Euro ein Set mit 4 Duftproben zusammenstellen. Seine Duftkreationen lassen die Kassen von Designern und Luxuslabels klingeln. In seiner 20-jährigen Karriere hat Francis Kurkdjian Erfolgsdüfte für zahlreiche Modedesigner und Luxuslabels kreiert, z. B. für Lancôme, ... ... Juliette Has A Gun, Jean-Paul Gaultier, ... ... Christian Dior, ... ... Davidoff, Elizabeth Arden, Narciso Rodriguez, ... ... Elie Saab, ... ... Lanvin und Salvatore Ferragamo. Für Jean-Paul Gaultier hat Francis Kurkdjian seit 1993 alle Herrendüfte kreiert. Für Parfumliebhaber: Duftkerzen ... ... und Weihrauch-Papier. Für seine drei neuen Düfte hat er Oud aus Laos verwendet.

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Herr Kurkdjian, was ist für Sie ein Parfum? Einfach ein Duft – oder mehr?
Ein Parfum ist eine Geschichte. Wie sie in einem Buch oder Film erzählt wird.

Sind es Geschichten aus Ihrem Leben?
Ja. Der Ausgangspunkt ist immer eine persönliche Geschichte, die oft im Zusammenhang mit meiner Familie steht. Die Geschichte meiner Familie ist eng mit der Mode verbunden.

Als Teenager träumten Sie davon, Modedesigner zu werden und besuchten mit nur 15 Jahren eine Modeschule in Paris.
Mein Grossvater war Herrenschneider und hatte ein Geschäft in Paris. Ich verbrachte viel Zeit bei meinen Grosseltern und wuchs sozusagen mit der Mode auf. Dieses Handwerk habe ich immer sehr bewundert. An der Modeschule stellte sich jedoch bald heraus, dass ich kein guter Zeichner war. Also gab ich den Traum auf.

Dann entschieden Sie sich, Frauen mit Düften einzukleiden.
Ja. Ein Parfum ist etwas sehr Persönliches, fast Intimes. Liebt man ein Parfum, ist es genauso unerlässlich wie die Kleidung. Ich parfümierte mich schon als Jugendlicher. Ging ich mal unparfümiert aus dem Haus, kehrte ich kurz darauf wieder zurück, um mich zu parfümieren. Parfums wecken in mir Emotionen aus meiner Kindheit.

Dior, Versace, Gaultier, Armani und Elie Saab haben Sie mit der Kreation von Parfums beauftragt. Warum vertrauen Ihnen die Modeschöpfer?
Als Parfumeur arbeite ich wie ein Theaterschauspieler, der für das Publikum in eine Rolle von Molière oder Brecht schlüpft. Die Kreation eines Parfums ist ein Dialog. Wenn ein Designer einen neuen Duft wünscht, will ich seine Kollektionen und seine Technik sehen und wissen, warum er Modeschöpfer geworden ist. Designer haben alle die gleiche Vorstellung der perfekten Frau: sie ist feminin, sinnlich und strahlt Glamour aus. Eine Elie-Saab-Frau hat aber einen ganz anderen Stil als eine Gaultier-Frau.

2009 haben Sie Ihr eigenes Parfumhaus gegründet. Warum?
Ich hatte keine andere Wahl. Meine Karriere ist seit jeher mit Niederlagen verbunden. Ich wurde Parfumeur, weil ich es in der Mode nicht geschafft habe. Für mich wäre es einfacher gewesen, für ein Parfumhaus wie Guerlain oder Hermès zu arbeiten. Doch ich wurde nie angefragt.

Sie kreieren sowohl Parfums für Luxuslabels als auch für Ihr eigenes Parfumhaus. Sind die Erwartungen bei Ihren eigenen Düften nicht viel grösser?
Bei einem Duft für mein Parfumhaus kann ich mich nicht hinter dem Namen eines Designers verstecken. Es ist viel komplizierter, denn ich bin für alles verantwortlich. Ich bin somit einer Art kreativen Nacktheit ausgesetzt, die zuweilen belastend ist. Viele denken, ich sei frei. Aber im Leben ist man nie frei. Das Urteil fällen letzten Endes die Kunden. Einige meiner Düfte wurden von Kritikern hochgelobt, verkaufen sich aber nicht.

An welchen Ihrer Parfums hängen Sie besonders?
Ich liebe sie alle – sonst hätte ich sie nicht geschaffen. Am meisten mag ich diejenigen, die sich nicht gut verkaufen. Sie sind wie das schwarze Schaf in der Familie, zum Beispiel «Cologne Pour le Matin» und «Cologne Pour le Soir». Vielleicht liegt es daran, dass sie als Kreationen zu persönlich sind.

Welche Geschichte steckt hinter «Cologne Pour le Soir»?
Mein Vater parfümierte sich immer, bevor er zu Bett ging. Das tut er noch heute. Gleichzeitig ist es eine Erinnerung an meine Mutter. Am Sonntag, wenn wir in unserer grossen Limousine ausfuhren, trug sie einen langen Pelzmantel. Ich kuschelte mich auf dem Rücksitz an sie, atmete den Duft ihres Parfums ein und fühlte mich in ihren Armen geborgen.

Für eine exklusive Kundschaft bieten Sie auch Parfums nach Mass an. Wie war es, für eine Film-Ikone wie Catherine Deneuve ein Parfum zu kreieren?
Die Vorstellung machte mir Angst. Ich habe Mademoiselle Deneuve erst getroffen, als das Parfum schon fertig war. Sie ist eine sehr warmherzige und humorvolle Person. Ihr Parfum, das ich «Lumière Noire» (schwarzes Licht) genannt habe, steht für die Gegensätze, die sie verkörpert: einerseits die kühle Blonde, andererseits die warmherzige Frau mit ausgeprägtem Mutterinstinkt.

Was möchten Sie als Parfumeur noch erreichen?
Ich mag kreative Herausforderungen. Ich suche nach dem perfekten Parfum, mit dem ich meine Karriere beenden werde.


Francis Kurkdjian im Interview in seinem Parfumladen in Paris (Video: YouTube, LibertyStoreTV)


Francis Kurkdjian erklärt eine seiner letzten Kreationen, «Carven Le Parfum» (Video: YouTube, Carven)