Starfotograf Albert Watson

21. Januar 2013 09:31; Akt: 21.01.2013 10:30 Print

«Modemagazine sind reine Fantasie – wie Superman»

von Yolanda Di Mambro - Supermodels, Rockstars, Politiker, Hollywood-Legenden – alle haben sie für Albert Watson posiert. Der Superstar der Fotografie über Photoshop, Jack Nicholson und Hitchcocks Gans.

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Albert Watson hat Millionen von Fotos aufgenommen. Links Mick Jagger als Leopard, rechts Topmodel und Schauspielerin Laetitia Casta. Mit diesem Foto gelang Albert Watson 1973 der internationale Durchbruch. Alfred Hitchcock mit der toten Gans für die Weihnachtsausgabe der amerikanischen Modezeitschrift «Harper's Bazaar». Zu Watsons berühmtesten Fotos gehört auch die Porträtaufnahme von Steve Jobs. Jobs wählte das Foto u. a. für sein Profil als CEO von Apple. Die Todesanzeige von Steve Jobs, der am 5. Oktober 2011 in Palo Alto verstarb. Starfotograf Albert Watson ist auch heute noch sehr aktiv. 20 Minuten Online traf ihn zu einem Exklusiv-Interview in Zürich, wo er sich nur einen Tag aufhielt, um an der Photo13 einen Vortrag zu halten. In seiner Karriere nahm Albert Watson über 250 «Vogue»-Covers auf - ein Rekord. Für die Stilbibel «Vogue» fotografierte er auch die Schauspielerinnen Isabelle Adjani (links) und Brooke Shields (rechts). Zwei Topmodels, die auch heute noch von der Klatschpresse geliebt werden: Yasmin Le Bon und Jerry Hall. Eine legendäre Aufnahme vom Christy Turlington beim Rauchen. Watson nahm auch unzählige Stars für das Cover von «Rolling Stone» auf: Mariah Carey und Prince, ... ... Whitney Houston und Tom Cruise, ... ... Mick Jagger, Keith Richards und Bruce Springsteen. Michael Jackson David Bowie Pamela Anderson Jack Nicholson Beyoncé Knowles Clint Eastwood Sean Connery Dennis Rodman Snoop Dogg Johnny Depp Tommy Lee Mike Tyson Kate Moss Naomi Campbell Monica Bellucci Titelbild des Katalogs zu Albert Watsons Ausstellung in der Kunsthalle Rostock im Jahr 2002. Dolph Lundgren und Grace Jones Kate Moss Johnny Depp Das Fotografieren schöner Frauen war mit ein Grund, weshalb sich Watson für die Modefotografie entschied. Watson hat sich auch einen Namen als Reportage-Fotograf gemacht. Dieses Cover wählte er für seinen Bildband «Maroc». Der Bildband wurde vom marokkanischen König Mohammed VI. in Auftrag gegeben. Die Bildgestaltung der Fotos ist - wie immer bei Watson - graphisch. Ein Schlangenbeschwörer in Marrakesch. Foto mit dem Titel «Hamid. Road to Taroudant. Morocco.» 1998 Für das Projekt Cotton Made in Africa bereiste Watson während zwei Wochen Benin.

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Herr Watson, Sie haben 1973 Alfred Hitchcock mit einer toten Gans in der Hand fotografiert und wurden über Nacht weltberühmt. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Bild?
Alfred Watson:
Alfred Hitchcock war ein Gourmet. Wenn er keine Filme drehte, stand er am liebsten in der Küche und kochte, wobei er gerne experimentierte. In der Weihnachtsausgabe von «Harper's Bazaar» sollte er sein Rezept für die gebratene Gans vorstellen. Der vorgegebene Original-Titel lautete «Alfred Hitchcock Cooks His Own Goose». Das Wortspiel traf den Nagel auf den Kopf, denn «to cook his own goose» [deutsch: seine eigene Gans kochen] bedeutet «sich selber in Schwierigkeiten bringen». Die Frage lautete deshalb: Bringt sich Hitchcock in Schwierigkeiten, weil er die Gans nach seinem eigenen Rezept kocht und nicht einen Chefkoch dafür einstellt? Das Team von «Harper's Bazaar» wollte die Gans auf einem Teller präsentieren, aber ich fand es lustiger, wenn Hitchcock die tote Gans in der Hand halten würde, als hätte er sie soeben erwürgt. Hitchcock fand die Idee genial und spielte mit. Er liebte es, fotografiert zu werden.

Unzählige Hollywood-Stars haben für Sie posiert. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?
Jack Nicholson und Johnny Depp. Sie sind lustig, charmant und interessant zu fotografieren. Sie wissen, wie wichtig Fotos für ihre PR-Arbeit sind, vor allem wenn ein Magazin eine Millionen-Auflage hat. Jack Nicholson ist faszinierend, weil er sehr charismatisch und intelligent ist. Bei ihm hat man nicht das Gefühl, dass er schauspielert. Für ihn scheint Posieren das Natürlichste der Welt zu sein.

Sie hatten auch alle Supermodels vor der Kamera. Wer war Ihre Favoritin?
Ich habe so viele unterschiedliche Frauen fotografiert: Veruschka, Christy Turlington, Kate Moss, Naomi Campbell. Viele von ihnen waren sehr gute Models, wie zum Beispiel Christy Turlington – ich liebte es, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Weshalb? Weil sie so wandlungsfähig ist?
Wenn man Nicole Kidman fotografiert, stellt man fest, dass sie kein besonders gutes Model ist. Weshalb sollte sie? Sie ist ja schliesslich Schauspielerin. Christy Turlington und andere Models hingegen wissen sehr gut, wie eine Fotokamera funktioniert. Sie haben ein Gespür für Bewegung und Räumlichkeit. Deshalb sind sie einfacher zu fotografieren.

Hatten Sie nie Streit mit Chefredaktoren von Modemagazinen? Zum Beispiel weil sie Ihre Fotos zu sehr mit Photoshop bearbeiten liessen?
Ich stritt mich sehr oft mit Chefredaktoren. Photoshop war jedoch nie der Grund dafür, die Fotos von meinem Studioteam bearbeitet werden. Ein Modemagazin ist reine Fantasie – wie Superman und andere Comicfiguren. Wir sehen Superman im Film fliegen und akzeptieren das, obwohl wir wissen, dass kein Mensch fliegen kann. Mode basiert auf dem Unerreichbaren und dem Perfekten. Das Gesicht und der Körper sind perfekt – dank Photoshop, das diese Fantasiewelt ermöglicht und fördert.

Sie haben 250 «Vogue»-Covers fotografiert und gelten als einer der grössten Modefotografen. Wie sehen Sie sich selbst?
Ich bin kein Modefotograf, sondern ein Fotograf, der im Modebusiness arbeitet. Auch Richard Avedon und Irving Penn würde ich als Fotografen und nicht als Modefotografen bezeichnen. Dies im Gegensatz zu Steven Meisel, der aus Liebe zur Mode Fashionfotograf geworden ist und auch das Talent eines Art Directors besitzt. Es war nicht die Liebe zur Mode, die mich zur Modefotografie geführt hat, sondern die vielen Möglichkeiten, die sie bot. In erster Linie das Fotografieren schöner Frauen und die Zusammenarbeit mit Menschen. Als Location boten sich nicht nur Studios an, ich reiste um die ganze Welt – auch in die Wüste oder auf Berge. Ich habe mich jedoch zuerst in die Materie eingearbeitet und mich intensiv mit Modegeschichte, Designern, Stoffen usw. befasst.

Auch Ihre Fotoreportagen aus Marokko und Benin sind faszinierend. Die Menschen aus einfachen Verhältnissen strahlen Stolz, Würde und Selbstsicherheit aus. Wie kam es zu dieser Arbeit?
Der Bildband «Maroc» wurde vom heutigen marokkanischen König Mohammed VI., der damals noch Prinz war, in Auftrag gegeben. Als er das Foto eines Gepäckträgers im Souk in Marrakesch sah, drehte er sich zu mir und sagte: «Auf Ihrem Foto sieht er aus wie ein König.» Das war ein schönes Kompliment.


Albert Watson im Interview bei seiner Ausstellung in Hamburg im Jahr 2012 (Video: YouTube, Kulturjournal, NDR)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michel Pernet, Produzent photo13 am 21.01.2013 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ehre, wem Ehre gebührt

    Tolle Story. WATSON war Stargast der photo13 - und hatte am Fr 04.01.2013 vor 1000 Fotointeressierten genau das, nur viel ausführlicher und mit Bildern illustriert, erzählt. Gleichwohl: Er bleibt einer der besten Fotografen der Welt. Und wir sind sehr stolz, dass er uns an der photo13 mit einem Besuch beehrte und diese auch noch in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens lobte. Da sind wir doch einigermassen unter Druck, dass wir an der photo14 ähnlich grosse Namen präsentieren können.

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  • Paul Hansen am 21.01.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenpornos?

    Laufen Modemagazine genau genommen nicht in Richtung Frauenpornos? Darüber sollte man mal nachdenken. Nicht nur wir Männer haben unsere Pornographie...

  • Samantha am 21.01.2013 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stunning

    Wunderschöne Bilder! Vielen Dank, dass auch solche Stories noch Platz haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve am 22.01.2013 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Photo13 - ein türkischer Bazar

    Watson ist ein sensationeller Fotograf. Schade, dass an der Photo13 in Zürich kein einziges Foto von ihm ausgestellt wurde. Die Ausstellung bietet meiner Meinung nach viel Quantität und wenig Qualität. Es fehlt ein roter Faden und man sieht grösstenteils Fotos, die man schon tausend Mal gesehen hat. Etwas mehr Originalität wäre wünschenswert.

  • S. Vauthier am 21.01.2013 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Modefotografie

    ist grosse Kunst - und wird leider oft unterschätzt. Toll, dass 20 Minuten mit einem grossen Künstler wie Albert Watson ein so ausführliches Interview geführt hat.

  • Samantha am 21.01.2013 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stunning

    Wunderschöne Bilder! Vielen Dank, dass auch solche Stories noch Platz haben.

  • Paul Hansen am 21.01.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Frauenpornos?

    Laufen Modemagazine genau genommen nicht in Richtung Frauenpornos? Darüber sollte man mal nachdenken. Nicht nur wir Männer haben unsere Pornographie...

  • Michel Pernet, Produzent photo13 am 21.01.2013 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ehre, wem Ehre gebührt

    Tolle Story. WATSON war Stargast der photo13 - und hatte am Fr 04.01.2013 vor 1000 Fotointeressierten genau das, nur viel ausführlicher und mit Bildern illustriert, erzählt. Gleichwohl: Er bleibt einer der besten Fotografen der Welt. Und wir sind sehr stolz, dass er uns an der photo13 mit einem Besuch beehrte und diese auch noch in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens lobte. Da sind wir doch einigermassen unter Druck, dass wir an der photo14 ähnlich grosse Namen präsentieren können.

    • Christian von Matt am 21.01.2013 23:59 Report Diesen Beitrag melden

      Eigenlob stinkt

      Herr Pernet, es zeugt ehrlich gesagt von wenig Stil und grosser Arroganz, dass Sie sich hier als Produzent der Photo 13 in den Himmel loben und noch darauf hinweisen, dass Watson die photo 13 in der Tagesschau gelobt hat. Ich war selber am Vortrag von Watson und kann Ihnen versichern, dass nie und nimmer tausend Personen anwesend waren. Ein Bruchteil davon. Watson ist und bleibt einer der besten Fotografen der Welt. Da haben Sie mit der Organisation eines Vortrags, bei dem Watson ohne irgendwelche Hilfe oder Anweisung sehr unterhaltsam war, in keiner Weise dazu beigetragen.

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