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Fashion Days Zurich
09. November 2012 10:48; Akt: 11.11.2012 09:44 Print
«Ich will türkische Frauen nicht verschleiern»
von Y. Di Mambro - Arzu Kaprol ist die erfolgreichste türkische Modedesignerin. Zum ersten Mal präsentiert sie ihre Kollektion in der Schweiz. 20 Minuten Online sprach mit ihr über ihre Karriere.
Frau Kaprol, Sie werden am 10. November 2012 an den Fashion Days Zurich Ihre Kollektion präsentieren. Was versprechen Sie sich von diesem ersten Auftritt in der Schweiz?
Arzu Kaprol: Ich wurde eingeladen, am Event teilzunehmen. Es ist eine neue Erfahrung und gleichzeitig die Chance, einen neuen Markt zu erobern. Bislang habe ich meine Kollektionen nur in Istanbul und an der Fashion Week Paris präsentiert.
Arzu Kaprol wurde 1972 in Bursa (Westtürkei) geboren. 1992 schloss sie ihr Studium an der Modeschule in Istanbul ab. 1994 bildete sie sich an der American Academy in Paris weiter. 1995 lancierte sie ihr eigenes Modelabel. Dank der Zusammenarbeit mit der türkischen Luxusgruppe Beymen konnte sie rasch expandieren. 2011 zeigte sie zum ersten Mal eine Kollektion an der Fashion Week Paris.
Arzu Kaprols Kollektionen werden in der Türkei sowie in London, Paris, Mailand, New York, Hongkong, Kuwait, Riad und Kairo verkauft. Ihre Kleider werden von VIPs wie Meg Ryan, Kelly Rowland and Gisele Bündchen getragen.
Waren Sie schon einmal in der Schweiz?
Ja, in den Skiferien in Zermatt. Es war wunderschön.
In der Türkei sind Sie die erfolgreichste Modedesignerin. 2011 haben Sie Ihre Kollektion auch einem internationalen Publikum in Paris präsentiert. Weshalb Paris und nicht Mailand oder New York?
In Paris findet meiner Meinung nach die wichtigste Fashion Week statt. Es ist auf jeden Fall der internationalste Event, da er am meisten Käufer und Journalisten anzieht.
Im Frühling 2013 wird es die ersten Fashion Days in Istanbul geben. Denken Sie, dass Istanbul eines Tages eine Modehauptstadt wie Paris, Mailand oder New York sein wird?
Wir brauchen keine neuen Fashion Weeks. Es gibt genug davon. Wünschenswert sind Fashion Weeks, die sich auf eine geografische Region beziehen. Istanbul könnte ein wichtiges Modezentrum für Russland und den Nahen Osten werden.
Der türkische Premierminister Erdogan propagiert ein sehr konservatives Frauenbild. Frauen sollen ein Kopftuch tragen und mindestens drei Kinder gebären. Könnten Sie sich vorstellen, eine Kollektion für diese konservativen Frauen zu entwerfen?
Es gibt konservative Frauen, die meine Kleider kaufen. Ich möchte jedoch keine Kollektionen für sehr konservative Frauen entwerfen. Frauenkörper sind schön. Ich will dazu beitragen, dass Frauen einen Teil ihres Körpers betonen statt ihn zu verhüllen. Ich will Frauen nicht verschleiern.
Sie verkaufen Ihre Kollektionen in Europa, Asien, den USA und in arabischen Ländern. Wo erzielen Sie die besten Verkäufe?
Obwohl zwischen den Ländern grosse geografische und klimatische Unterschiede bestehen, ist das Kaufverhalten ziemlich homogen. Meine Kollektions-Bestseller sind bei Harrods in London fast die gleichen wie bei Harvey Nichols in Hongkong. Ein sehr interessanter Aspekt.
Wie teuer sind Ihre Kleider?
Blusen aus der Prêt-à-porter-Kollektion kosten 500 bis 1200 Euro, Kleider um die 900 Euro. In der Türkei sind es Luxuspreise. Kleider aus der Atelier-Kollektion sind um einiges teurer. Atelier gilt als Pre-Couture. Kleider sind nicht massgeschneidert. Harrods verkauft meine Outfits in der Abendkleider-Abteilung - direkt neben Valentino. Die Preise beginnen bei 3800 Euro.
Sie entwerfen vier Kollektionen pro Jahr: zweimal Prêt-à-porter und zweimal Atelier, die Vorstufe zur Haute Couture. In der heutigen Zeit bieten dies fast nur grosse Modehäuser an.
Meine ersten Kollektionen waren ausschliesslich Haute Couture. Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen. Mit Prêt-à-porter habe ich erst vor sechs Jahren angefangen. In meinen Boutiquen werden beide Linien verkauft.
Weshalb sind Sie Fashion-Designerin geworden?
Ich bin in der Modewelt aufgewachsen. Meine Mutter und Grossmutter waren Schneiderinnen, mein Vater arbeitete im Lederhandel. Leder ist ein wichtiger Bestandteil meiner Kollektionen. Die Türkei ist in der Produktion und im Vertrieb von Leder sehr stark.
Balenciaga und Issey Miyake sind Ihre Designer-Ikonen. Weshalb?
Cristóbal Balenciaga war ein Meister des Schnitts. Issey Miyake ist ebenfalls ein Meister, da er Kreativität und Komfort vereint hat. Der Schnitt und der Komfort sind die zwei wichtigsten Kriterien meines Designs.
Was hat Sie zu Ihrer neuen Frühlings- und Sommerkollektion 2013 inspiriert?
Die perfekte Unvollkommenheit. Was wir als perfekt wahrnehmen, ist oft imperfekt, also unvollkommen. Für die Prints habe ich Designs und Farben gewählt, die ich aber deformiert und neu zusammengesetzt habe. Dadurch ist eine neue Perfektion entstanden. Auch die Architektur dient mir als Inspiration. Die Schnitte, Muster und Formen werden dadurch besser strukturiert.
Arzu Kaprols Frühlings- und Sommerkollektion 2013 (Video: YouTube, FatalefashionII)

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