Fashion Days Zurich

09. November 2012 10:48; Akt: 11.11.2012 09:44 Print

«Ich will türkische Frauen nicht verschleiern»

von Y. Di Mambro - Arzu Kaprol ist die erfolgreichste türkische Modedesignerin. Zum ersten Mal präsentiert sie ihre Kollektion in der Schweiz. 20 Minuten Online sprach mit ihr über ihre Karriere.

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Eleganz, Sexyness, Raffinesse im Schnitt und ein Touch Futurismus: Arzu Kaprol entwirft Kleider für selbstbewusste moderne Frauen. Die türkische Designerin Arzu Kaprol wurde 1972 in Bursa (Westtürkei) geboren. Zusammen mit Hussein Chalayan und Hakan Yildirim gehört sie zu den international erfolgreichsten türkischen Modedesignern. Der Bosnier Andrej Pejic in einem Kleid von Arzu Kaprol. Arzu Kaprols Herbst- und Winterkollektion 2012/13. Schwarz und Signalrot - für Frauen, die gerne auffallen. Arzu Kaprols Stärke: Outfits aus Leder. Die Details und die Verarbeitung ihrer Leder-Kleidungsstücke sind hohe Kunst. Arzu Kaprol setzte sich schon als Kind mit Leder und Mode auseinander. Ihre Mutter und Grossmutter waren Schneiderinnen. Ihr Vater arbeitete im Lederhandel. Arzu Kaprols Frühlings- und Sommerkollektion 2013. Ein elegantes Deux-Pièce mit Schimmer-Effekt. Leder kann durch die Schnittführung und die Details sehr feminin wirken. Die perfekte Unvollkommenheit, lautet das Motto der neuen Kollektion. Weshalb dieses ungewöhnliche Motto? «Was wir als perfekt wahrnehmen, ist oft imperfekt, also unvollkommen», erklärt Arzu Kaprol gegenüber 20 Minuten Online. Für die Prints hat Arzu Kaprol Designs und Farben gewählt, die sie deformiert und neu zusammengesetzt hat. Dadurch ist eine neue Perfektion entstanden. Auch die Architektur dient der türkischen Designerin als Inspiration Am 10. November 2012 zeigt Arzu Kaprol ihre Kollektion erstmals in der Schweiz - und zwar an den Fashion Days Zurich. Der Fashion-Event findet im Schiffbau in Zürich statt. Arzu Kaprol ist bereits am 8. November 2012 in die Schweiz gereist, um an den Vorbereitungen für die Fashionshow teilzunehmen. Eine Neuinterpretation des New Looks von Dior? Arzu Kaprol, eine sehr sympathische und warmherzige Karrierefrau. Arzu Kaprols Atelier-Kollektion Herbst/Winter 2012/13. Arzu Kaprol checkt die Auswahl der Models, die für ihre Fashionshow gebucht wurden. Arzu Kaprol mit Starvisagist Tom Pécheux. Atelier gilt als Pre-Couture. Die Preise für Atelier-Kleidungsstücke von Arzu Kaprol beginnen bei 3800 Euro.

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Frau Kaprol, Sie werden am 10. November 2012 an den Fashion Days Zurich Ihre Kollektion präsentieren. Was versprechen Sie sich von diesem ersten Auftritt in der Schweiz?
Arzu Kaprol:
Ich wurde eingeladen, am Event teilzunehmen. Es ist eine neue Erfahrung und gleichzeitig die Chance, einen neuen Markt zu erobern. Bislang habe ich meine Kollektionen nur in Istanbul und an der Fashion Week Paris präsentiert.

Waren Sie schon einmal in der Schweiz?
Ja, in den Skiferien in Zermatt. Es war wunderschön.

In der Türkei sind Sie die erfolgreichste Modedesignerin. 2011 haben Sie Ihre Kollektion auch einem internationalen Publikum in Paris präsentiert. Weshalb Paris und nicht Mailand oder New York?
In Paris findet meiner Meinung nach die wichtigste Fashion Week statt. Es ist auf jeden Fall der internationalste Event, da er am meisten Käufer und Journalisten anzieht.

Im Frühling 2013 wird es die ersten Fashion Days in Istanbul geben. Denken Sie, dass Istanbul eines Tages eine Modehauptstadt wie Paris, Mailand oder New York sein wird?
Wir brauchen keine neuen Fashion Weeks. Es gibt genug davon. Wünschenswert sind Fashion Weeks, die sich auf eine geografische Region beziehen. Istanbul könnte ein wichtiges Modezentrum für Russland und den Nahen Osten werden.

Der türkische Premierminister Erdogan propagiert ein sehr konservatives Frauenbild. Frauen sollen ein Kopftuch tragen und mindestens drei Kinder gebären. Könnten Sie sich vorstellen, eine Kollektion für diese konservativen Frauen zu entwerfen?
Es gibt konservative Frauen, die meine Kleider kaufen. Ich möchte jedoch keine Kollektionen für sehr konservative Frauen entwerfen. Frauenkörper sind schön. Ich will dazu beitragen, dass Frauen einen Teil ihres Körpers betonen statt ihn zu verhüllen. Ich will Frauen nicht verschleiern.

Sie verkaufen Ihre Kollektionen in Europa, Asien, den USA und in arabischen Ländern. Wo erzielen Sie die besten Verkäufe?
Obwohl zwischen den Ländern grosse geografische und klimatische Unterschiede bestehen, ist das Kaufverhalten ziemlich homogen. Meine Kollektions-Bestseller sind bei Harrods in London fast die gleichen wie bei Harvey Nichols in Hongkong. Ein sehr interessanter Aspekt.

Wie teuer sind Ihre Kleider?
Blusen aus der Prêt-à-porter-Kollektion kosten 500 bis 1200 Euro, Kleider um die 900 Euro. In der Türkei sind es Luxuspreise. Kleider aus der Atelier-Kollektion sind um einiges teurer. Atelier gilt als Pre-Couture. Kleider sind nicht massgeschneidert. Harrods verkauft meine Outfits in der Abendkleider-Abteilung - direkt neben Valentino. Die Preise beginnen bei 3800 Euro.

Sie entwerfen vier Kollektionen pro Jahr: zweimal Prêt-à-porter und zweimal Atelier, die Vorstufe zur Haute Couture. In der heutigen Zeit bieten dies fast nur grosse Modehäuser an.
Meine ersten Kollektionen waren ausschliesslich Haute Couture. Ich bin in diesem Umfeld aufgewachsen. Mit Prêt-à-porter habe ich erst vor sechs Jahren angefangen. In meinen Boutiquen werden beide Linien verkauft.

Weshalb sind Sie Fashion-Designerin geworden?
Ich bin in der Modewelt aufgewachsen. Meine Mutter und Grossmutter waren Schneiderinnen, mein Vater arbeitete im Lederhandel. Leder ist ein wichtiger Bestandteil meiner Kollektionen. Die Türkei ist in der Produktion und im Vertrieb von Leder sehr stark.

Balenciaga und Issey Miyake sind Ihre Designer-Ikonen. Weshalb?
Cristóbal Balenciaga war ein Meister des Schnitts. Issey Miyake ist ebenfalls ein Meister, da er Kreativität und Komfort vereint hat. Der Schnitt und der Komfort sind die zwei wichtigsten Kriterien meines Designs.

Was hat Sie zu Ihrer neuen Frühlings- und Sommerkollektion 2013 inspiriert?
Die perfekte Unvollkommenheit. Was wir als perfekt wahrnehmen, ist oft imperfekt, also unvollkommen. Für die Prints habe ich Designs und Farben gewählt, die ich aber deformiert und neu zusammengesetzt habe. Dadurch ist eine neue Perfektion entstanden. Auch die Architektur dient mir als Inspiration. Die Schnitte, Muster und Formen werden dadurch besser strukturiert.


Arzu Kaprols Frühlings- und Sommerkollektion 2013 (Video: YouTube, FatalefashionII)