Arabisches Supermodel

24. März 2012 20:20; Akt: 26.03.2012 11:40 Print

Das neue Gesicht des Islam

von Yolanda Di Mambro - Hanaa Ben Abdesslem ist seit kurzem Lieblingsmannequin vieler grosser Designer. Die Tunesierin wirbt als erste Muslima für ein westliches Luxuslabel.

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Hanaa Ben Abdesslem ist eines der gefragtesten internationalen Models. Wird sie als erstes arabisches Supermodel in die Geschichte eingehen? Hanaa wurde am 18. Oktober 1990 in Nabeul (Tunesien) geboren. 2010 wurde sie Zweite beim Modelwettbewerb «Mission Fashion», der im libanesischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die renommierte Modelagentur IMG World in Paris nahm sie im Juli 2010 unter Vertrag. Seit Herbst 2010 läuft sie für renommierte Designer an den Fashion Weeks in Paris, Mailand, London und New York, u. a. für Givenchy, ... ... Jean-Paul Gaultier, ... ... und Chanel. 2011 wurde sie für eine Werbekampagne von Lancôme für das Anti-Aging-Konzentrat «Visionnaire» verpflichtet. Die Kampagne war so erfolgreich, dass Hanaa kurz darauf einen Vertrag für weitere Werbekampagnen für Lancôme unterschrieb. Um den Bedürfnissen von Frauen mit dunklerer Haut nachzukommen, lancierte Lancôme Anfang 2012 die neue Foundation «Teint Idole Ultra 24h» in 18 Farben. Hanaa präsentiert die Frühlingskollektion 2012, «Roseraie des Délices», von Lancôme. Die Kollektion zeichnet sich durch starke Farben aus, die sich bei arabischen Frauen grosser Beliebtheit erfreuen. Mit der farbenfrohen Kollektion will Lancôme auch afrikanische Frauen ansprechen, die starke Farben lieben. Hanaa (rechts) erinnert sehr an Isabella Rossellini (links), Lancômes Werbegesicht von 1982 bis 1993. Isabella (links) war in den Achtzigern eines der wenigen Topmodels, das sein Haar kurz trug. Hanaa (rechts) kennt man bislang nur mit kurzen Haaren. Fashion-Insider sehen auch eine grosse Ähnlichkeit zwischen Hanaa (links) und Talisa Soto (rechts), die in den Achtzigerjahren als Topmodel grosse Erfolge feierte. Sotos Eltern stammen aus Puerto Rico. Hanaa hat gut lachen. Sie ist das erfolgreichste arabische Model. Als gläubige Muslimin trinkt sie keinen Alkohol und raucht nicht. Sie will, dass in ihrem Land die Vorurteile gegenüber der Modelszene abgeschafft werden.

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Als Lancôme Mitte Januar 2012 verlauten liess, eine Muslima als offizielles Werbegesicht für die kommenden Jahre verpflichtet zu haben, ging die Meldung in Windeseile um die Welt. Noch nie in der Geschichte der Mode hatte ein westliches Luxuslabel mit einer Araberin geworben. Arabische Supermodels gibt es nicht, arabische Topmodels auch nicht.

Mit einer Ausnahme: Hanaa Ben Abdesslem. Seit ihrem Debüt im Herbst 2010 reissen sich die renommiertesten Fashiondesigner um die Tunesierin und buchen sie für die Fashion Weeks in Paris, Mailand, London und New York: Chanel, Jean-Paul Gaultier, Givenchy, Mugler, Hermès, Giambattista Valli, Alexandre Vauthier, Ralph Lauren, Oscar de la Renta, Vivienne Westwood und viele mehr.

Der Arabische Frühling als Befreiungsschlag

Hanaas Modelkarriere begann 2010, wenige Monate bevor der Arabische Frühling in Tunesien seinen Anfang nahm. Beim libanesischen TV-Model-Wettbewerb «Mission Fashion» lernte sie drei Monate lang das Posing und Walking und entledigte sich gleichzeitig ihrer Komplexe, die sie jahrelang aufgrund ihrer Grösse von 1.79 Meter und ihrer schlanken Figur hatte.

Zwar ging Hanaa nicht als Siegerin aus dem Wettbewerb hervor, sondern wurde «nur» Zweite. Ihr Heimatland Tunesien feierte sie dennoch als Star. Journalisten interviewten sie zur Forderung des Volkes nach mehr Demokratie und kurz darauf zum Arabischen Frühling, eine Bewegung, die Hanaa mit voller Überzeugung unterstützte, da sie darin auch die Chance auf einen Befreiungsschlag für die arabische Frau sah.

Androgyner Look, kurzes Haar, exotische Schönheit

Ihre Managerin, die Araberin Sophie Galal, flog mit ihr nach dem Finale nach Paris und stellte sie am 10. Juli 2010 der renommierten Modelagentur IMG World vor. Diese erkannte sofort Hanaas Potenzial und stellte sie am nächsten Tag der «Vogue Paris»-Chefin Carine Roitfeld vor, die ihr einen Termin bei Riccardo Tisci, Kreativdirektor von Givenchy, verschaffte. Tisci buchte sie als exklusives Model für seine Prêt-à-porter-Show, die er am 3. Oktober 2010 in Paris präsentierte.

Hanaas androgyner Look, ihr kurzes Haar und ihre exotische Schönheit faszinierten innert kürzester Zeit die grössten Fashiondesigner der Welt und Chef-Redaktorinnen von Hochglanz-Magazinen wie «Vogue Paris», «Vogue Italia», «Harper’s Bazaar», «V-Magazine» und «New York Times T Magazine».

Millionenvertrag mit Lancôme

Der erste Werbedeal liess nicht lange auf sich warten. 2011 wählte Lancôme die Tunesierin als eines von vier Models für die Werbekampagne des Anti-Aging-Produkts «Visionnaire». Hanaa kam bei Frauen auf der ganzen Welt so gut an, dass ihr Lancôme kurz darauf einen exklusiven Vertrag als internationale Werbebotschafterin anbot. Als Werbegesicht des französischen Luxuslabels wird sie für eine Zeitdauer von mehreren Jahren einen Millionenbetrag kassieren.

Diese Zusammenarbeit ist eine Premiere, denn noch nie zuvor hat ein westliches Luxuslabel eine Muslima als internationale Werbebotschafterin verpflichtet. «Es ist unglaublich, wie sehr mich Hanaa an Isabella Rossellini erinnert», erklärt Youcef Nabi, Präsident von Lancôme International. «Ihre universelle Schönheit widerspiegelt das gewisse Etwas, das die Einzigartigkeit, die Stärke und den Charme einer jeden Lancôme-Frau ausmacht.»

Als gläubige Muslima trinkt Hanaa keinen Alkohol und raucht nicht. Nacktfotos von ihr gibt es nicht. Sie setzt sich dafür ein, dass in ihrem Heimatland die Vorurteile gegenüber dem Modeln als Frauenkarriere abgeschafft werden. «In Tunesien hat man eine falsche Vorstellung des Modelns», erklärte Hanaa kürzlich dem «New York Magazine». Gleichzeitig weist wie darauf hin, dass sie sehr stolz auf ihr Heimatland ist: «Mein Land ist reich an Tradition und Geschichte. Es wurde von zahlreichen Kulturen beeinflusst: von Berbern, Phöniziern, fatimidischen Arabern und Osmanen. Ich wuchs mit all diesen Einflüssen auf und bin stolz darauf, Teil dieser Kultur zu sein.»

Ob es Hanaa als Botschafterin gelingen wird, den Westen für die Schönheit arabischer Frauen zu begeistern? 35 Jahre nachdem Yves Saint Laurent als erster grosser Designer den Weg für schwarzafrikanische Models ebnete, wäre es höchste Zeit, dass sich die einflussreiche Fashionszene Europas und der USA auch gegenüber der arabischen Welt öffnet.

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Starfotograf Alexi Lubomirski fotografiert Hanaa Ben Abdesslem für eine Werbekampagne von Lancôme (Video: YouTube, Lancôme)
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Werbespot für die Frühjahrskollektion 2012 von Lancôme (Video: YouTube, Lancôme)
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Das tunesische Model im Interview mit models.com im Dezember 2011 (Video: YouTube, models)