Plastische Chirurgie

28. Mai 2012 11:24; Akt: 28.05.2012 11:25 Print

«Schönheits-OPs liegen auch bei Jungs im Trend»

von Yolanda Di Mambro - Was, wenn Minderjährige unters Messer wollen? Wann sollte man mit Anti-Aging beginnen? Was taugen Anti-Cellulite-Crèmes? Chirurg Michel Pfulg über Botox, Lippen und das Altern.

Bildstrecke im Grossformat »
Schönheitsoperationen liegen weltweit hoch im Trend. Auch bei Minderjährigen. Im Jahr 2011 wurden in den USA 230 617 Eingriffe an Teenagern vorgenommen, u. a. Nasenkorrektur (33 892), Brustreduktion bei Jungs (14 371), Botox-Injektion (16 160) und Brustvergrösserung (8892). Er hat das Soft-Lifting erfunden: Dr. Michel Pfulg ist ein renommierter ästhetischer und plastischer Chirurg sowie Gründer der Laclinic in Montreux. Helena Rubinstein hat zusammen mit dem Experten die neue Anti-Aging-Linie «Re-Plasty» entwickelt, die auf Behandlungen der ästhetischen Medizin basiert. Helena Rubinstein (1870-1965), die Gründerin des gleichnamigen Labels, begann mit 18 Jahren ein Medizinstudium in Krakau und danach in Zürich. Sie brach es ab, wanderte nach Australien aus und eröffnete 1902 ihren ersten Schönheitssalon. Sie eröffnete zwei weitere Schönheitssalons - und zwar in London (1908) und Paris (1912). 1914 wanderte Rubinstein in die USA aus und baute sich ein Kosmetik-Imperium auf. Bis zu ihrem Tod umfasste ihr Unternehmen 100 Niederlassungen in 14 Ländern und rund 30 000 Beschäftigte. Das Label gehört auch heute noch zu den führenden Marken im Luxus-Beauty-Segment. In Hollywood gibt es wohl kaum einen Star, der sich nicht durch ästhetische und plastische Chirurgie hat verschönern lassen. Megan Fox (26) hat sich mehrmals unters Messer gelegt - und zwar für eine Augenlid- und Nasen-Korrektur. Zudem hat sie sich Lippen und Wangen aufspritzen lassen. Scarlett Johansson (27) hat sich die Nase verkleinern und die Lippen aufspritzen lassen. Schauspielerin Cameron Diaz (39) hat sich 2011 die Brust vergrössern lassen. Gemäss Aussage mehrerer plastischer Chirurgen hat sich Miley Cyrus (19) die Brüste vergrössern lassen. Hollywood-Beau George Clooney (51) legte sich vor einigen Jahren zwecks einer Augenlid-Korrektur unters Messer. Dies hat er auch öffentlich zugegeben. Sandra Bullock lässt sich durch Hyaluronsäure- und Botox-Injektionen verjüngen. Michelle Pfeiffer (54) hat einen guten Beauty-Doc gewählt. Sie hat sich mehrmals unters Messer gelegt (u. a. für eine Nasen-OP) und sich auch Lippen und Wangen aufspritzen lassen. In «Dark Shadows», dem neuen Film von Tim Burton, sieht sie auch in Nahaufnahmen fantastisch aus. Bevor sie als Rachel Green in «Friends» internationalen Ruhm erlangte, liess sich Jennifer Aniston (43) ihre Nase operieren. Jennifer Garner (40), die Ehefrau von Ben Affleck, liess sich Lippen und Falten aufspritzen und den Busen vergrössern. Für die Schönheit legte sich auch Filmstar Ryan Gosling (31) unters Messer. Seine grosse Hakennase störte ihn. In der Schweiz wird jede fünfte Schönheits-OP an einem Mann durchgeführt. Erfolgreiche Männer wie Sylvester Stallone (65) und Arnold Schwarzenegger (64) zeigen sich in der Öffentlichkeit weiterhin sehr gepflegt und immer stylish angezogen. Gemäss Dr. Richard Ellenbogen aus Beverly Hills hat sich Schwarzenegger einiges machen lassen: Facelifting, Halsstraffung, Kinnkorrektur und Faltenaufspritzung. Auch Schauspielerin Blake Lively (24) hat sich einer Nasen-OP unterzogen. Hier der Vergleich: Die Hakennase (links) ist einer perfekten Nase gewichen. Dita von Teese (40) hat sich den Busen vergrössern lassen. Ihr Markenzeichen ist ihre makellose Porzellanhaut. Da sie die Sonne immer gemieden hat, hat sie fast keine Falten. Die Australierin Nicole Kidman lässt sich seit Jahren Botox spritzen. Schauspieler Matt Dillon (48) hat sich einer Nasen-OP unterzogen. Seine Nase war früher breiter. Auch Oscar-Preisträgerin Halle Berry hat sich die Nase verkleinern lassen. La Toya Jackson (55) war als junge Frau sehr hübsch. Ende der 80er-Jahre begann jedoch ihr Beauty-OP-Marathon: Nasen-OP, Kinn-OP, Brustvergrösserung, Lidstraffung, Wagen-Aufspritzung, Botox, Filler usw. Der grösste Feind der Haut? Die Sonne. 80 % der Falten sind auf UV-Strahlen zurückzuführen. Donatella Versace (57) hat sich nie einen Deut darum geschert. Sie ist eine Sonnenanbeterin. Die durch die Sonne verursachten Hautschäden können jedoch nicht mehr rückgängig gemacht werden. Faltenlos um jeden Preis: Entertainerin Joan Rivers (79) ist ein bekennender Beauty-OP- und Botox-Fan. Das Gesicht wirkt allerdings unnatürlich und maskenhaft. Am schlechtesten wurde die Augenpartie-Straffung durchgeführt. Mickey Rourke war als junger Mann sehr attraktiv. Leider hat er sich in die Hände unprofessioneller Beauty-Docs begeben. Die Transsexuelle Amanda Lepore gehört zu den meistoperierten Möchtegern-Stars der Welt. Ihr Alter gibt sie mit 44 an. Wers glaubt, wird selig.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Dr. Pfulg, im Iran sind Nasen-OPs bei Jugendlichen sehr gefragt. Haben Sie minderjährige Patienten?
Es kommt vor, dass mich Eltern mit ihren Kindern aufsuchen. Eine Nasen-OP nehme ich aber bei Patienten unter 16 oder 17 Jahren nicht vor. Für eine Brustvergrösserung setze ich ein Mindestalter von 19 Jahren fest.

Umfrage
Sollen Brust-OPs auch hierzulande für Minderjährige verboten werden?
84 %
16 %
Insgesamt 1533 Teilnehmer

In New York gehen schon Teenager zum Beauty-Doc, um sich Botox spritzen zu lassen. In welchem Alter beginnt man am besten mit Anti-Aging?
Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, von den Genen, der Hautfarbe, der Kultur und dem Wohnort. Es gibt Gründe, weshalb man früh beginnen sollte und warum Botox aus medizinischen Gründen sinnvoll sind. Hat eine junge Person von ihren Eltern eine markante Stirnfalte geerbt, kann ein Arzt mit Botox verhindern, dass der Muskel zu viel arbeitet. Injiziert man hingegen einem 15-jährigen Mädchen Botox, weil es seine Mutter zum Beauty-Doc begleitet und es mal Botox probieren will, ist das sicher anders abzuwägen.

In der Schweiz wird jede fünfte Schönheitsoperation an einem Mann durchgeführt. Was lassen Schweizer Männer an sich verschönern? Und in welchem Alter sind sie?
Die Spanne reicht von 20 bis 80 Jahren. Beauty-OPs sind nicht nur bei älteren Männern gefragt, sie sind auch bei Teenagern im Trend. An erster Stelle der Eingriffe steht ganz klar die Haartransplantation, gefolgt von Fettabsaugung am Bauch und Thorax, die sich Männer um die 45 machen lassen, weil sie über die Jahre zugenommen haben. Männer zwischen 50 und 60 wünschen sich vor allem eine Lidkorrektur und ein Facelifting.

Wie reagieren Sie, wenn eine Patientin sagt: «Ich will die Lippen von Angelina Jolie, den Busen von Scarlett Johansson und den Po von Jennifer Lopez»?
Es kommt immer wieder vor, dass sich Patientinnen an einem Star orientieren. Wenn sich eine Frau voluminöse Lippen à la Angelina Jolie wünscht, muss ich zuerst Lippenform, Volumen und Zahnstellung der Patientin untersuchen. Im entspannten Zustand müssen beide Schneidezähne zu sehen sein. Spritze ich in eine bereits tief hängende Lippe, werden die Zähne verdeckt. Wenn die Patientin also nach dem Eingriff lacht und die Zähne nicht mehr sichtbar sind, wird sie hässlich sein.

Lippen à la Angelina Jolie sind bei Ihnen aber nicht a priori ausgeschlossen?
Es kommt selten vor, dass ich dem Wunsch einer Patientin genau entsprechen kann. Je nach Mund wird es unmöglich sein, ihr einen Schmollmund zu machen. Hat sie jedoch dünne Lippen, kann ich ihr mehr Volumen geben. Ich muss der Patientin klarmachen, dass ich als Chirurg nicht das Recht habe, gewisse Eingriffe bei ihr vorzunehmen. Sonst wird sie nach dem Eingriff schlechter aussehen als vorher. Die Wahl eines guten Arztes ist deshalb wichtig. Ein ausgezeichneter Arzt ist nicht nur ein guter Techniker, er hat auch das Auge eines Künstlers.

Ärzte, die eine Nase à la Jennifer Aniston oder Lippen à la Angelina Jolie versprechen, sind unseriös?
Ja, es zeugt von einem Mangel an Professionalität, wenn ein Arzt solche Versprechen abgibt. Voluminöse Lippen wie diejenigen von Angelina Jolie oder Scarlett Johansson passen in einem von zwanzig Fällen. In allen anderen neunzehn Fällen nicht.

Ihre Kundschaft ist sehr international. Welche Unterschiede gibt es zwischen Amerikanerinnen und Europäerinnen?
Amerikanerinnen sind oft stolz darauf, wenn andere sehen, dass sie sich unters Messer gelegt haben. Sie haben kein Problem, eine Schönheitsoperation zuzugeben. In den USA sind grosse Silikon-Brüste und sehr straffe Gesichter im Trend. Die Referenzkriterien der ästhetischen Chirurgie haben sich in den USA geändert. Meiner Meinung nach geht das in die falsche Richtung. Europäer sind viel vernünftiger. Sie bevorzugen einen natürlichen Look mit entspannten Zügen, wie wenn sie gerade aus den Ferien gekommen wären.

Haben Asiatinnen und Araberinnen einen anderen Bezug zu Anti-Aging?
In Asien verwenden auch Mädchen Sonnenschutzprodukte, um ihre Haut zu schützen. Ihre Haut altert folglich besser. In muslimischen Ländern schützen sich Frauen mit Schleier oder Tschador vor schädlicher Sonneneinwirkung und freien Radikalen. Deshalb haben Muslimas eine schönere Haut als westliche Frauen. Operiere ich Frauen zwischen 50 und 60 Jahren, sehe ich sofort, dass jene, die sich immer gepflegt, sich vor der Sonne geschützt und nie geraucht haben, eine viel schönere Haut haben als jene, die nie Crèmes verwendet haben und seit ihrer Teenagerzeit an der Zigarette hängen.

Derzeit läuft im TV ein Werbespot, der eine Wundercrème anpreist, mit welcher sich angeblich der Bauchumfang in nur 4 Wochen um bis zu 3,6 cm verringern lässt. Auch Anti-Cellulite-Crèmes werden als Wundermittel angepriesen.
Man sollte diese Art von Lügenwerbung aufmerksamer verfolgen. Konsumenten müssen vorsichtig sein. Es ist unmöglich, mit einer Crème den Bauchumfang zu reduzieren. Für die Bekämpfung der Cellulite gibt es viele mechanische Methoden. Bis heute gibt es aber keine einzige Wundercrème, die Cellulite eliminiert. Wer das Gegenteil behauptet, lügt.

Das Luxuslabel La Prairie verkauft eine Gesichtscrème (50 ml) für 1424 Franken. Für diesen Preis kann man sich mehrmals Botox spritzen lassen. Ist dieser Preis reine Geldmacherei?
Natürlich gibt es auch gute Crèmes, die nicht teuer sind. Man kann aber davon ausgehen, dass teure Crèmes sehr gut sind. Ein hoher Preis kann auf exklusive Inhaltsstoffe wie Kaviar, Gold- oder Diamantpuder zurückzuführen sein. Ich kenne die Inhaltsstoffe der La-Prairie-Crème nicht. Deshalb kann ich Ihnen auch nicht sagen, ob der Preis gerechtfertigt ist oder nicht.

Sie haben in Zusammenarbeit mit dem Beauty-Label Helena Rubinstein eine Pflegelinie lanciert. Weshalb keine eigene Linie?
Als ich 2002 meine Klinik eröffnete, habe ich zwei Crèmes auf den Markt gebracht. Ich merkte aber schnell, dass der Vertrieb einer Beauty-Linie für ein Familienunternehmen zu schwierig ist. Dazu braucht es Experten. Es hat sich herausgestellt, dass Rubinstein und ich Gemeinsamkeiten haben: die wissenschaftliche und medizinische Basis, die realistische Vision der Schönheit und die Leidenschaft für die Kunst.


Der französische Fernsehsender M6 begleitet eine ehemalige Hoteldirektorin, die sich in einer Klinik mehreren Schönheits-OPs unterziehen will (Video: YouTube, M6)