Haute Couture 2011/12

28. Juli 2011 15:35; Akt: 09.08.2011 16:47 Print

Die Retro-Magie der Coco Chanel

von Yolanda Di Mambro - Eine Hommage an eine Fashion-Ikone: Chefdesigner Karl Lagerfeld setzt für die kommende Herbst- und Wintersaison auf eine Neuinterpretation des klassischen Tailleurs, das Markenzeichen Chanels seit 1954.

(Video: YouTube)
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Unter der Glaskuppel des Grand Palais in Paris präsentierte das Modehaus Chanel kürzlich die Haute-Couture-Kollektion für den kommenden Herbst und Winter. Statt auf dem klassischen Catwalk schritten die Models über eine nachgebaute achteckige Place Vendôme mit schwarzem Glitzerboden, klassischen Strassenlaternen und einer meterhohen Triumphsäule aus Glas. Auf dessen Spitze thronte aber nicht Napoleon, wie im Original, sondern Coco Chanel als Glasstatue.

Femininität statt Garçonne-Look

Der darke Garçonne-Look der letzten Saison ist passé! Karl Lagerfeld begibt sich auf eine modische Zeitreise in die Vergangenheit und präsentiert das klassische Bouclé- und Tweed-Kostüm, das Markenzeichen von Coco Chanel, als moderne und luxuriöse Version. Bordierte, mit Schmuckknöpfen verzierte Doppelreiher, die gerade geschnitten oder zwecks Betonung der Taille mit einem Godet versehen sind. Kennzeichnend für das Kostüm ist auch der ausgestellte oder leicht trapezförmige Rock.

Glitzer-Chic und Jackie-O-Stil

Die dominierenden Farben der Kollektion sind Schwarz, Grau, Weiss, Dunkelblau und Fuchsia. Das pinkfarbene Chanel-Kostüm, das Jackie Kennedy bei der Ermordung von JFK trug, wird neu interpretiert und als modernes Kostüm in Fuchsia präsentiert. Die mit Glitzerfäden durchzogenen Kostüme und die dunkelblauen, mit Swarovski-Applikationen versehenen Tailleurs sind purer Luxus. Wie Coco Chanel einst sagte: «Luxus ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern das Gegenteil von Gewöhnlichkeit.»

Glitzer-Stiefel, Tüll-Handschuhe, Canotier und abgeschnittene Ärmel

Mit einer Reihe origineller Accessoires setzt Chanel funkelnde Akzente. Ein Eye-Catcher sind die knielangen Stiefel in Schwarz und Weiss mit Glitzerpartikeln und farbiger Stiefelspitze aus Lack. Ultrafeminin wirken die fingerlosen, oft ellbogenlangen Handschuhe aus Spitze, Tüll oder schwarzem Leder mit Swarovski-Applikationen. Trendy sind auch die Canotier-Hutkreationen aus Tweed mit applizierten Federn. Etwas gewöhnungsbedürftig finden wir hingegen die abgeschnittenen Ärmel der Bouclé- und Tweed-Jacken.

Schwarzer Spitzen-Schleier: Claudia Schiffer und Charlotte Casiraghi machens vor

Ein Highlight für die kommende Saison setzt der schwarze Spitzen-Schleier, der den Models einen geheimnisvollen Blick verleiht. Das Accessoire aus Spitze avancierte in wenigen Tagen zum neuen Must-have für Fashionistas und animierte auch Charlotte Casiraghi dazu, sich in Monaco bei der kirchlichen Hochzeit von Fürst Albert und Charlene Wittstock vor den Kameras der ganzen Welt mit Chanels schwarzem Spitzen-Schleier über den Augen in Szene zu setzen. Sehr angetan vom neuen Must-have aus Paris ist auch die deutsche «Vogue»: Für das Cover ihrer August-Ausgabe «verschleierte» sie Claudia Schiffer chanel-mässig und inszenierte sie als Femme fatale.

Das Luxushotel Ritz und das symbolträchtige Oktagon

Statt des klassischen Catwalks präsentierte Chanel seine Kollektion auf einer nachgebauten achteckigen Place Vendôme. Die luxuriöse Kulisse hätte sich auch für eine gigantische Operninszenierung geeignet. «Zwischen Chanel und der Place Vendôme gibt es eine sehr enge Verbindung», erklärt Karl Lagerfeld. Einst wohnte Coco Chanel im Ritz. Es gibt viele Fotos von ihr, die auf der Place Vendôme aufgenommen wurden. Der Ort ist sehr typisch für Paris.»

Der geschichtsträchtige Platz ist die erste Adresse für Juweliergeschäfte der Luxusklasse – unter anderem auch des Labels Chanel Haute Joaillerie. Von 1937 bis zu ihrem Tod im Jahre 1971 bewohnte Mademoiselle Chanel eine Suite im dritten Stock des Luxushotels Ritz, das sich auf der Westseite der Place Vendôme befindet. In der Nähe befindet sich auch die erste, 1919 eröffnete Chanel-Boutique in der Rue Cambon.

Für Gabrielle Chanel war die Place Vendôme eine Inspirationsquelle. So weist der Verschluss des meistverkauften Parfums der Welt, «Chanel N° 5», eine achteckige Form wie die Place Vendôme auf. Das Oktagon wurde später auch als Vorlage für das Zifferblatt der legendären Chanel-Damenuhr «Première» genommen.