Fashion Weeks Backstage

21. November 2011 17:10; Akt: 21.11.2011 17:30 Print

Berner Hairstylist erobert New York und Paris

von Yolanda Di Mambro - Er stylt Supermodels wie Gisele Bündchen und Naomi Campbell für Louis Vuitton und Marc Jacobs. Enrico Bizzarro über seinen Durchbruch im internationalen Fashionbusiness.

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Topmodel Julia Saner, gestylt von Enrico Bizzarro. Die beiden jungen Berner haben den Durchbruch im internationalen Fashionbusiness geschafft. (Fotos: Enrico Bizzarro und Michael Schär) Der 26-jährige Berner gilt als Shootingstar der Hairstyling-Szene. Topmodel Julia Saner hat er auch schon an Fashionshows in Paris gestylt. Einer New Yorker Agentur hat er sein Portfolio geschickt. Und prompt wurde er für fünf grosse Fashionshows in Big Apple gebucht. Enrico Bizzarro mit Brooke Shields in New York. Enricos Schnappschuss von Gisele Bündchen, die er schon gestylt hat. Gestylt hat er auch Mónica Cruz, die Schwester von Penélope Cruz, sowie ... ... Til Schweiger, ... ... Ronja Furrer, ... ... Naomi Campbell ... ... und Julia Saner. Bei den Vögele Fashion Days vom 9. bis 12. November 2011 in Zürich übernahm er den Lead im Hairstyling-Team von Paul Mitchell. Gemäss Bizzarro bietet Paul Mitchell jungen Hairstylisten eine gute Plattform ... ... und eine gute, international ausgerichtete Weiterbildung. Enrico mit Designer Julien Macdonald an den Vögele Fashion Days. Enrico mit seinem Idol Guido Palau, dem meistgebuchten Hairstylisten an den internationalen Fashion Weeks. Bizzarro mit Alexander Wang, einem der erfolgreichsten jungen Designer der New York Fashion Week. Enrico Bizzarro bei einer Fashionshow in Paris. Bei den Fashionshows von Marc Jacobs und Marc by Marc Jacobs herrscht backstage eine sehr familiäre Atmosphäre. Für Bizzarro steht der Kunstaspekt des Designers im Vordergrund ... ... sowie die Kreativität ... ... und das Handwerk des Hairstylings. Bei den Fashionshows wird oft auf kleinstem Raum gearbeitet. Die Vögele Fashion Days in Zürich haben Bizzarro sehr überzeugt. Die Abwechslung verschiedener Designer innert kürzester Zeit war sehr gross. Innerhalb einer Stunde mussten die Hairstylisten verschiedene Looks stylen. Dies im Gegensatz zu den internationalen Fashion Weeks, wo sie allen Models der Show den gleichen Look verpassen. Enrico Bizzarros Coiffeursalon in der Lorraine in Bern. Trotz seines Erfolgs verlangt er keine überrissenen Preise.

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Nach Topmodel Julia Saner mischt ein weiterer Berner die internationale Fashionszene auf: Enrico Bizzarro, 26, wird seit Herbst 2010 von zahlreichen Luxuslabels in Paris und New York für die Fashion Weeks gebucht: Louis Vuitton, Marc Jacobs, Yves Saint Laurent, Alexander MacQueen, Céline und Loewe. Sein internationaler Erfolg ist dem sympathischen Hairstylisten aber keineswegs zu Kopf gestiegen. In einem Exklusiv-Interview mit 20 Minuten Online gibt er uns Einblick in sein derzeit bewegtes Leben.

Du hast Naomi Campbell, Gisele Bündchen, Karolina Kurkova, Julia Saner, Karlie Kloss, Lindsay Ellingson und andere Topmodels gestylt ...
Enrico Bizzarro: Ich kenne ehrlich gesagt nicht die Namen aller Supermodels, die ich gestylt habe. Oft wird mir erst bewusst, dass sie bekannt sind, wenn ich sie im Fernsehen sehe. Ihr Promistatus ist mir nicht wichtig. Mir geht es in erster Linie um den Kunstaspekt des Designers und das Handwerk des Hairstylings.

Erzähl uns von deiner Begegnung mit Kate Moss ...
Backstage bei Louis Vuitton in Paris ging ich in einen Hinterhof, um eine Zigarette zu rauchen. Dort war auch Kate Moss. Ich bat sie um Feuer. Sie verhielt sich ganz natürlich. Keine Spur von Allüren ... sie ist nicht einfach nur das weltberühmte Supermodel, das man in Metropolen auf riesengrossen Plakaten sieht.

Und wie wars mit Naomi Campbell?
Ein Hairstylist und ich haben sie in einem Séparée gestylt. Dummerweise habe ich dort mein Glätteisen liegengelassen. Ich habe es nie wieder gesehen. Aber ich möchte das Verschwinden des Geräts niemandem anlasten. Ich bin ja selber schuld. Also komm schon gar nicht auf die Idee, in deinem Artikel so etwas zu schreiben wie ‹Naomi Campbell klaute das Glätteisen eines Coiffeurs›. (lacht)

Stimmt es, dass Naomi Campbell in der Regel Perücken und Hairextensions trägt?
Bei der Show von Louis Vuitton im März haben wir fast alle Models mit Hairextensions gestylt. Models müssen dabei oft auf die Zähne beissen. An ihren Haaren wird oft gezogen und herumgezupft. Das gehört zum Hairstyling. Das führt aber auch dazu, dass sich ihr Haar mit der Zeit lichtet. Models haben einen der härtesten Jobs der Welt. Ich bewundere sie. Sie sind sehr tough.

Bizzaro ist dein Künstlername. Wie bist du darauf gekommen?
Als ich mein Coiffeurgeschäft eröffnet habe, war mir klar, dass ich unmöglich einen Schriftzug mit meinem richtigen Namen Zbinden ans Schaufenster kleben konnte. Also habe ich Bizzarro gewählt. Vor Jahren habe ich einmal in Deutschland ein Seminar für eine italienische Gruppe geleitet. Die Italiener konnten meinen Nachnamen Zbinden nicht aussprechen. Bei einem Drink an der Bar kam ihnen die Idee mit dem Namen Bizzarro. Er gefiel mir und ich habe ihn übernommen.

Mit nur 22 Jahren hast du dich selbständig gemacht. Wie hast du deinen Coiffeursalon in Bern finanziert?
Das ist eine witzige Story. Als ich erfahren habe, dass das Coiffeurgeschäft meines Arbeitgebers kurz vor der Schliessung stand, machte ich mir Gedanken über meine Zukunft. Ein Kollege meinte, ich solle mich doch selbständig machen. Ich lachte ihn aus und antwortete, ich hätte nur 60 Franken auf dem Bankkonto. Er entpuppte sich jedoch als gewiefter Geschäftsmann. Er rief seine Familie, Bekannte und Freunde an und im Handumdrehen hatte er mein Startkapital von rund 40 000 Franken zusammen. Wir unterschrieben einen 5-jährigen zinslosen Darlehensvertrag. Nach nur eineinhalb Jahren hatte ich meinen Gläubigern sämtliche Darlehen inklusive 5 Prozent Zins zurückbezahlt. Mein Salon erwies sich somit als gute Investition. (lacht)

Du hast dich bei der New Yorker Agentur Art & Commerce als Hairstylist für Fashionshows beworben. Was hat dich dazu bewogen?
Ich habe mir schon immer gerne Backstage-Videos von internationalen Fashionshows angesehen. Es ist spannend, weil dort das Frisieren in eine ganz andere Richtung geht. Ich wollte unbedingt für das Team von Guido Palau arbeiten. Er ist der meistgebuchte Hairstylist an den Fashion Weeks. Seine Kreationen sind genial. Also bewarb ich mich bei der Agentur, die auch Palau betreut. Ihr gefiel mein Portfolio und ich wurde für fünf Shows in New York verpflichtet – unter anderem für Marc Jacobs und Marc by Marc Jacobs.

Wie lukrativ ist der Einsatz als Hairstylist bei den Fashionshows bekannter Luxuslabels?
Wenn man für mehrere Shows pro Tag gebucht wird, lohnt es sich. Man kann auch davon leben. Zum festen Team von Guido Palau gehören etwa zwölf Personen. Hinzu kommen externe Freelancer wie ich. In Paris verdienen wir 300 bis 400 Euro pro Show, in den USA weniger. Den Flug und die Unterkunft bezahlen wir aber selbst. Wer hingegen zum festen Team gehört, verdient etwa so viel wie der Besitzer eines Coiffeurgeschäfts. Meine Motivation ist jedoch die Inspiration und nicht das Geld. Denn mit Fashionshows wirst du als Hairstylist gewiss nicht reich.

Würdest du deinen Salon in Bern aufgeben, um nur noch in der Fashionszene zu arbeiten oder um ein internationales Hairstyling-Label wie Paul Mitchell aufzubauen?
Nein, niemals. Ich habe mein Herzblut in den Salon gesteckt. Er ist wie ein eigenes Kind. Würde man mir aber zusätzlich noch zwei Wochen Fashionshows pro Jahr anbieten, würde ich natürlich zusagen. In der Schweiz verfolge ich jedoch nicht das Ziel eines riesengrossen Salons. Wir arbeiten zu zweit und werden nächstes Jahr noch eine Lehrtochter anstellen.

Trotz deines steigenden Marktwerts bist du also noch bezahlbar ...

Ja. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. 200 bis 300 Franken für einen Haarschnitt zu bezahlen ist doch unrealistisch. Das wäre auch unserer Kundschaft gegenüber nicht fair, die uns jahrelang treu geblieben ist.

Welches sind deine Zukunftsprojekte?
Mir fehlen noch Editorials und Covers. Das ist das nächste Projekt, das ich in Angriff nehmen will. Es braucht jedoch eine gewisse Zeit, bis man so weit ist. Es gibt feste Hierarchien und Etappen, die man nicht einfach überspringen kann.

Welche Stars würdest du am liebsten für ein Cover stylen?
Gwyneth Paltrow oder Scarlett Johansson. Letztere fand ich in der Werbekampagne von Moët & Chandon sensationell. Die Inszenierung und das Styling waren der Hammer.


Enrico Bizzarro stylte mehrere Models an der Marc-Jacobs-Fashionshow Frühling/Sommer 2011 in New York. Er ist bei 1:00 Min. zu sehen. Es war seine Lieblingsshow. (Video: YouTube, nymag.com)


Enrico Bizzarro zeigt, wie man mit dem Glätteisen Locken macht (Video: YouTube, Enrico Bizzarro)

Enrico Bizzarros Website finden Sie hier. Seine Facebook-Seite finden Sie hier.

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