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Doktor Sex

08. April 2013 12:00; Akt: 08.04.2013 12:46 Print

«Ich bin ein Mann und fühle mich als Frau!»

Seit seinem 10. Lebensjahr trägt Toni regelmässig Frauenkleider. Biologisch ist er eindeutig ein Mann, dennoch empfindet er sich selber als Frau. Ist er transsexuell?

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Geschlecht ist mehr als das, was äusserlich sichtbar ist. (Bild: Colourbox.com)

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Frage von Toni (26) an Doktor Sex: Ich trage seit meinem 10. Lebensjahr regelmässig Frauenkleider. Was meine Persönlichkeit und meine Einstellung anbelangt, fühle ich mich als Frau, auch wenn ich körperlich eindeutig ein Mann bin. Mehr und mehr wächst in mir der Wunsch, meinen Körper mit einer Operation anzupassen. Bin ich transsexuell? Und wo kann ich mich beraten lassen?

Antwort von Doktor Sex:

Lieber Toni

Von Transsexualität spricht man bei Menschen, deren Genderidentität – also die «gefühlte», für sich selbst im Innersten wahrgenommene Geschlechtlichkeit - oder das nach aussen gelebte Erscheinungsbild nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Transsexualität betrifft also die Identität eines Menschen. Man könnte auch sagen, dass eine männliche Identität in einem weiblichen Körper geboren wird - und umgekehrt. Viele Transmenschen lehnen den Begriff «Transsexualität» ab, da ihrer Meinung nach Identität nichts mit Sexualität zu tun hat.

Ob du transsexuell bist, kann dir niemand sagen, das musst du mit dir selber herausfinden. Du scheinst dich aber ziemlich genau so zu erleben, wie ich eben beschrieben habe, und es ist daher aus meiner Sicht richtig, wenn du deinen Wahrnehmungen nach 16 Jahren auf den Grund gehst, dich vertieft damit auseinandersetzt und dir auch über weiterführende Schritte Gedanken machst. Am besten tust du das im Prozess mit einer spezialisierten Fachperson. Es gibt in der Schweiz einige seriöse Beratungsangebote zu Transsexualität, und ich empfehle dir, eines davon zu nutzen. Entsprechende Links findest du am Ende meiner Antwort.

Noch in den 80er-Jahren galt trans zu sein als psychische Krankheit. Heute weiss man, dass Transmenschen körperlich und seelisch absolut gesund sind. Dennoch beanspruchen manche von ihnen medizinische Unterstützung, um ihre äussere Erscheinung möglichst ihrem Geschlechtsgefühl anzugleichen. Zu diesem Zweck nehmen sie gegengeschlechtliche Hormone ein und lassen im Rahmen des Möglichen ihren Körper chirurgisch den eigenen Wünschen und Vorstellungen anpassen. Diese plastisch-chirurgischen Operationen werden nur von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. Weil Eingriffe im Genitalbereich schwierig und die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen hoch sind, verzichten manche Transmenschen lieber auf einen Eingriff.

Genaue Zahlen darüber, wie gross der Anteil der Transsexuellen in der Gesamtbevölkerung ist, existieren nicht. Statistisch werden nur jene erfasst, die eine Geschlechtsanpassung vornehmen lassen oder in eine Psychotherapie gehen. Die Dunkelziffer ist also vermutlich hoch. Schätzungen zufolge beträgt die Zahl der Mann-zu-Frau-Transmenschen ungefähr eine Person auf 30'000. Auf die Schweiz übertragen wären demnach rund 265 Männer von diesem Phänomen betroffen. Bei den Frau-zu-Mann-Transmenschen geht man von etwa einer Person auf 200'000 aus, was etwa 40 Schweizerinnen entsprechen würde.

Warum Menschen trotz eines eindeutigen biologischen Geschlechts trans sind, ist unklar. Die Wissenschaft geht davon aus, dass es sich um eine Anlage handelt, also dass das Phänomen angeboren ist. Man vermutet, dass mehrere Faktoren zusammenspielen und Gene ebenso eine Rolle spielen wie Umwelteinflüsse. Viele Transmenschen sind sich schon als Kind bewusst, dass sie innerlich etwas sind, als das man sie äusserlich nicht wahrnimmt. Oft haben sie dafür aber noch keine genauen Worte. Trotzdem gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen einem scheinbar geschlechtsuntypischen Verhalten eines Kindes und einer tatsächlich vorhandenen Transsexualität. Mit anderen Worten: Jungen, die darauf bestehen, als Mädchen gekleidet in den Kindergarten zu gehen oder Mädchen, die keine Röcke tragen und nur Cowboy spielen wollen, sind nicht zwangsläufig transsexuell.

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hannes Rudolph am 08.04.2013 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment

    Wow, Gratulation zu dieser kompetenten und respektvollen Antwort auf die Frage, die sich mehr Menschen stellen, als man gemeinhin so glaubt. Selbst als Berater von Transmenschen tätig, freue ich mich, dass Sie das Thema so gut aufgreifen! Danke!

  • Maria Ferberg am 08.04.2013 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lügen

    "nicht dem biologischen Geschlecht entspricht" ein Unfug, der hier verbreitet wird. Transsexuelle Menschen sind Menschen, deren körperliche Merkmale entgegengeschlechtlich ausgeprägt sind. "Warum Menschen trotz eines eindeutigen biologischen Geschlechts" Das ist auch falsch. Denn in der Regel deutet einer von Aussen, der andere, nämlich der Betroffene auch... damit ist es schon nicht mehr eindeutig. Diese dumme Psychopathologiserung und diese ewig gleichen Lügengeschichten sollten diese Psycho-Leute endlich mal sein lassen.

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  • Horst B. am 10.04.2013 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Existenzialistische Weltsicht

    Wir sind alle in diese Welt hineingeworfen, einige sogar in einem falschen Körper. Warum dieser Körper, warum dieses Land, diese Zeit? Das Leben an sich ist absurd und unverständlich. Es gilt die Leere auszuhalten oder zu gehen. We are all prisoners in here ... singen die Eagles im Lied "Hotel Californa". Nur weil man operieren kann, heisst das nicht, dass man muss. Das Ertragen der ganzen Sinnlosigkeit ist unser Ziel und unsere Bestimmung! Kein Skalpell kann neuen Sinn einhauchen oder die Sinnlosigkeit unseres Daseins wegschneiden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Horst B. am 10.04.2013 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Existenzialistische Weltsicht

    Wir sind alle in diese Welt hineingeworfen, einige sogar in einem falschen Körper. Warum dieser Körper, warum dieses Land, diese Zeit? Das Leben an sich ist absurd und unverständlich. Es gilt die Leere auszuhalten oder zu gehen. We are all prisoners in here ... singen die Eagles im Lied "Hotel Californa". Nur weil man operieren kann, heisst das nicht, dass man muss. Das Ertragen der ganzen Sinnlosigkeit ist unser Ziel und unsere Bestimmung! Kein Skalpell kann neuen Sinn einhauchen oder die Sinnlosigkeit unseres Daseins wegschneiden.

    • Mike am 10.04.2013 11:05 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Wir wollen immer, was andere haben. Wir wollen wie andere sein. Darum vergleichen wir uns immer krankhaft mit anderen, was uns nur unglücklich macht. Wir sollten lernen, uns so zu akzeptieren wie wir sind!

    • Anni am 10.04.2013 14:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Butcher

      Wie wahr!! Gute Zeilen. Genau so ist es doch: Jeder Mensch trägt irgendein Rucksack und hat etwas auszuhalten bzw. zu ertragen. Deine Kommentare sind immer klar, direkt, schnörkellos, und haben Tiefgang. Danke.

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  • Isabelle Wyler am 09.04.2013 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lebe Dein Leben

    Lieber Toni, lebe Dein Leben, so wie Du es fühlst und es für richtig hälst. Es ist einfacher als Du denkst.... lieber Gruss einer Betroffenen.

  • Niggi am 09.04.2013 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Trans ist ein Individueller Weg.

    Erst Mal an Toni: Hallo Toni. Ich Bin Selber Transsexuell oder wie auch immer man es nennen will. Im Moment bin ich in der Phase der Transition, das heisst Konkret ich hab mit Hormontherapie angefangen und bereite mich so auf eine Operation vor. Trans* ist nach meiner Erfahrung ein Thema bei dem es für Betroffenen , behandelnde Fachleute und Ärtzte soviele Meinungen wie Transpersonen gibt. Es ist Dein Individueller Weg. Es ist im Endeffekt eine Selbstdefinition. Ein finden deines Platzes in der Gesellschaft. Mich hat es Befreit aus einem Dahinvegetieren, einem Schatten leben. Hör auf Dein Herz

  • Maria Ferberg am 08.04.2013 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lügen

    "nicht dem biologischen Geschlecht entspricht" ein Unfug, der hier verbreitet wird. Transsexuelle Menschen sind Menschen, deren körperliche Merkmale entgegengeschlechtlich ausgeprägt sind. "Warum Menschen trotz eines eindeutigen biologischen Geschlechts" Das ist auch falsch. Denn in der Regel deutet einer von Aussen, der andere, nämlich der Betroffene auch... damit ist es schon nicht mehr eindeutig. Diese dumme Psychopathologiserung und diese ewig gleichen Lügengeschichten sollten diese Psycho-Leute endlich mal sein lassen.

    • Isabelle Wyler am 09.04.2013 08:52 Report Diesen Beitrag melden

      Lügen

      Tatsache ist, dass die moderne Psychiatrie heute Verfahren hat, um eine echte Transidentität von einer Psychose zu unterscheiden. Und glaube mir, mit Deutung hat das Gefühl der TS herzlich wenig zu tun. Der Entscheid, gegengeschlechtliche Massnahmen einzuleiten und sozusagen sein angeborenes Geschlecht zu ändern, ist kein leichter Entscheid. Bereits die Eingriffe durch Hormone sind schwerwiegend und nach einiger Zeit nicht mehr rückgängig zu machen. Und solches macht man nicht einfach, weil einem jemand solches gedeutet hat.

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  • Ronnie am 08.04.2013 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    ob Mann oder Frau...

    dies ist in den Chromosomen jeder einzelnen Zelle unveränderbar codiert, mit dem Chromosomenpaar XX- oder XY. Das lässt sich weder mit einer Operation noch mit Medikamenten ändern. Sorry, ist nun aber einfach so.

    • Tina am 09.04.2013 00:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Weiteres

      Und was wäre dann XXY ? Das gibts ja schliesslich auch.

    • Bernd am 09.04.2013 09:27 Report Diesen Beitrag melden

      Aber nein ...

      Dann lesen Sie doch mal was über XY-Frauen, XX-Männer und Intersexualität. Aber Vorsicht, es könnte ihr schwarz/weiße Welt einfärben.

    • Mike am 09.04.2013 10:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronnie

      Ach ja, dann geh doch mal nach Thailand. Dort siehst du viele Geschöpfe mit Schniedel und Brüsten. Aber Achtung, das könnte dein bisheriges Weltbild gewaltig ins wanken bringen.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


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