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Doktor Sex

12. Januar 2018 07:36; Akt: 12.01.2018 08:38 Print

«Ich finde, Sex ist total überbewertet!»

Seit er in einer Beziehung ist, denkt Jon anders über den Stellenwert der körperlichen Interaktion. Aber ganz hat er die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

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Ein eingeengter Blick auf Sex kann zu Unstimmigkeiten führen. (Michelle Williams als Cindy and Ryan Gosling as Dean in «Blue Valentine»/Bild: The Weinstein Company)

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Frage von Jon (36) an Doktor Sex: Ich dachte früher immer, Sex sei das Wichtigste im Leben. Daher beschäftigte ich mich gedanklich Tag und Nacht damit. Mit der Zeit begann ich, Symptome einer Sex- und Masturbationssucht zu entwickeln. Seit zwei Jahren lebe ich nun aber in einer Beziehung. In dieser ist jedoch schon seit einiger Zeit der Wurm drin, was den Sex angeht. Meine Partnerin ziert sich, gewisse Praktiken mit mir zu machen.

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Denkst du auch, dass Sex überbewertet ist?

Auch darum bin ich zum Schluss gekommen, dass Sex total überbewertet ist. Zwar wird dauernd darüber gesprochen, so dass man denken könnte, alle hätten überall und zu jeder Zeit Sex. In Tat und Wahrheit geht es aber den meisten so wie mir: Sie haben kaum Sex und vor allem viele endlose Diskussionen darüber in der Beziehung. Darum meine Frage: Was kann ich tun, um aus dieser Misere herauszukommen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Jon

Wenn du mit dem Begriff Sex den eindringenden Geschlechtsverkehr meinst – also die Penetration der Vagina oder des Anus durch den Penis des Mannes oder einen Dildo – stimme ich dir zu: Diese Form der sexuellen Interaktion wird auch aus meiner Sicht überstrapaziert. Bei mir entsteht manchmal der Eindruck, dass es – insbesondere für viele Männer – neben dieser keine auch nur annähernd befriedigende Form von körperlicher Nähe zu geben scheint.

Es ist dieser eingeengte Blick auf Sex, der zu den endlosen Diskussionen führt, die du erwähnst. Und dass diese nicht enden, ist dem Umstand geschuldet, dass die beteiligten Personen meist keinen Zoll von ihren Positionen abweichen wollen und stattdessen mantraartig ihre Interessen wiederholen.

Meine Erfahrungen aus den Paarberatungen in meiner Praxis zeigen: Sobald die Sache an sich – also das beidseitige Bedürfnis nach körperlicher Nähe – ins Zentrum der Gespräche rückt, kommt sofort Bewegung hinein. Es geht dann nämlich plötzlich nicht mehr darum, die Egoschiene zu fahren, in der Überzeugung, genau zu wissen, was guter und «richtiger» Sex ist.

Um echte Lösungen zu finden, braucht es oft auch noch eine Sensibilisierung für die Tatsache, dass es bei solchen Streitereien häufig gar nicht um Sex geht, sondern dieser eine Stellvertreterfunktion ausübt. Weil viele Männer auf Dauer nicht ohne Sex sein wollen, ist es für ihre Partnerinnen ein Leichtes, diese Abhängigkeit zu instrumentalisieren – nach dem Motto: Gibst du mir dies oder das, kriegst du dafür Sex.

Ich denke, dass du die geschilderten Erkenntnisse in deiner Beziehung einbringen kannst, indem du deine Partnerin zu einem Gespräch einlädst und mit ihr über eure konkreten Bedürfnisse bezüglich körperlicher Nähe sprichst und was es braucht, damit diese realisiert werden können. Idealerweise sprecht ihr dabei nicht primär über sexuelle Praktiken, denn sonst landet ihr wohl sofort dort, wo ihr immer landet.

Beschreibt vielmehr, was euch an der körperlichen Nähe mit dem Partner wichtig ist und insbesondere, was diese bei euch bewirkt. So könnt ihr nämlich feststellen, worum es neben der Lustbefriedigung beim Sex auch noch geht. Macht euch danach gemeinsam Gedanken darüber, wie man das alles bei einer Form von Sex erreichen könnte, die über ein paarmal Rein-Raus, Abspritzen und Einschlafen hinausgeht.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn ich höre oder lese, wie manche Leute offenbar jeden Tag Sex haben und am besten gleich mehrmals, frage ich mich manchmal, ob diese Leute arbeitslos sind oder sonst sehr viel Freizeit haben. Bei mir und meinem Freund ist es immer mal wieder so, dass entweder er oder ich schlicht zu müde sind nach einem langen Arbeitstag. Aber auch wenn es mal nicht für Sex reicht, kuscheln wir zumindest und küssen uns und geniessen die Nähe des jeweils anderen. Nähe und das Gefühl, einander bedingungslos vertrauen und alles sagen zu können, gehört für mich mindestens ebenso zum Sex wie der Sex selbst. – jenny

Diesen Satz dachte ich mir auch als ich 21 war und soeben mein erstes mal hinter mir hatte. Ich war absolut enttäuscht, habe mir so viel mehr erhofft und erwartet. Schliesslich hört und liest man überall von Sex. Mittlerweile bin ich zwei Jahre älter, habe bereits einiges ausprobiert und gemerkt, dass Sex so vielseitiger Begriff ist. Denn schlussendlich ist der "wirkliche Sex", also das Eindringen und die Penetration (gerade für uns Frauen) nur ein kleiner Teil. Doch das rundherum macht es aus: Ein schönes Vorspiel, intensive Küsse, Petting, anschliessend zusammen kuscheln, etc. – Melanie1994

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mina_J am 12.01.2018 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überbewertet..ja, schlecht.. nein!! 

    Ich finde auch, dass Sex heutzutage überbewertet wird. Das heisst aber nicht, dass es nicht trotzdem ein wunderschöne Sache ist. Wenn ich allein nur an den Akt von "rein.. raus" denke, fange ich an zu gähnen.. Die wirklich schöne Sache dabei ist, wie man zu diesem "Rein..Raus" kommt. Man kriegt kein Sahnehäubchen ohne den Boden darunter. Beim Sex nur auf die eigenen Bedürfnisse zu achten, ist schon mal total falsch. In Filmen, nicht unbedint nur Pornos, oder auch in Büchern, wird der Sex oft sehr fantasievoll dargestellt, was heisst, dass die Frau so wie der Mann, mehrmals will und kann. Im wahren Leben passiert das einem sehr selten.. und wenn man sich dem bewusst ist, wird man vom richtigen Sex nicht enttäuscht sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Leute durch all diese Medien, Filmen,.. einen zu hohe Erwartung haben was den Sex betrifft und dadurch dann die Enttäuschung in der Realität.

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  • jenny am 12.01.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Viel mehr

    Wenn ich höre oder lese, wie manche Leute offenbar jeden Tag Sex haben und am besten gleich mehrmals, frage ich mich manchmal, ob diese Leute arbeitslos sind oder sonst sehr viel Freizeit haben. Bei mir und meinem Freund ist es immer mal wieder so, dass entweder er oder ich schlicht zu müde sind nach einem langen Arbeitstag. Aber auch wenn es mal nicht für Sex reicht, kuscheln wir zumindest und küssen uns und geniessen die Nähe des jeweils anderen. Nähe und das Gefühl, einander bedingungslos vertrauen und alles sagen zu können, gehört für mich mindestens ebenso zum Sex wie der Sex selbst.

  • Tina am 12.01.2018 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Redet darüber

    Meiner Meinung nach ist das Hauptproblem, es wird in einer Beziehung entweder gar nicht oder nicht offen über die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse geredet. In meiner letzten Beziehung wurde darüber nie geredet. Mein Ex war wohl der Meinung der eigentliche Akt ist das Wichtigste, darüber muss man nicht reden. Mit dem Resultat das wir irgendwann keinen Sex mehr hatten. In meiner jetzigen Beziehung reden wir total offen und unkompliziert über dieses Thema. Jeder kann seine Wünsche und Bedürfnisse äussern. Dies wirkt sich sehr positiv auf das Sexleben aus. Und es geht nicht nur um den Akt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 32 am 12.01.2018 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sex wichtig

    Ich persönlich finde Sex wird nicht überbewertet Sex ist für mich sehr wichtig!

  • jenny am 12.01.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Viel mehr

    Wenn ich höre oder lese, wie manche Leute offenbar jeden Tag Sex haben und am besten gleich mehrmals, frage ich mich manchmal, ob diese Leute arbeitslos sind oder sonst sehr viel Freizeit haben. Bei mir und meinem Freund ist es immer mal wieder so, dass entweder er oder ich schlicht zu müde sind nach einem langen Arbeitstag. Aber auch wenn es mal nicht für Sex reicht, kuscheln wir zumindest und küssen uns und geniessen die Nähe des jeweils anderen. Nähe und das Gefühl, einander bedingungslos vertrauen und alles sagen zu können, gehört für mich mindestens ebenso zum Sex wie der Sex selbst.

  • R. R. am 12.01.2018 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für mich auch überbewertet 

    Früher war Sex für mich das absolut Wichtigste. Seit ich nun eine feste Freundin habe, ist Kuscheln für mich wichtiger geworden. Jedes Mal, wenn ich von der Schule komme und meine Freundin treffe, reden wir über unsere gemeinsamen Ziele.

  • Marc am 12.01.2018 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin enttäuscht

    Ich dachte auch, dass Sex das wichtigste sei, und das eine Frau die mich liebt, öfters in der Woche Lust hätte. Bei meiner Frau, muss ich leider immer Bitte beten, damit sie wenigstens 1x der Woche Sex mit mir hat. Hat tausende Ausrede! Irgendwann werde ich es mir halt anders holen. Sicher ist Sex nicht das wichtigste, aber gehört in einer Beziehung/Ehepaar dazu.

    • Vreni am 12.01.2018 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marc 

      Man heiratet nicht wegen Sex, sonder weil man die Frau bzw. den Mann liebt und eine Familie gründen will. Aber wenn du nicht glücklich bist, dann verlass Sie und geniesse dein Leben!

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  • Martin am 12.01.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht überbewerted...

    ..sondern einfach aufs übelste langweilig immer mit der selben Person. War bei mir in Beziehungen bisher immer so. Die ersten ein, zwei Monate konnte ich nicht genug kriegen, danach verschwand die Lust auf sie rasant. Da halfen auch Spielzeuge, Rollenspiele, Kamasutra, Reizwäsche, Sexualtherapien etc. nichts. Monogamie liegt schlicht und einfach nicht in unseren Genen, vor allem nicht in den männlichen Genen. Bin nun seit 6 Jahren Single, habe Sex ohne Ende (ONS und wechselnde Friend with Benefits) und es ist jedes Mal ein Hammererlebniss.

    • Antonov am 12.01.2018 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Ok, das sehe ich aber ganz anders. Uns hat man ja beigebracht von sich nicht auf andere zu schliessen.

    • l.isa am 12.01.2018 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Ich kann mir vorstellen dass es Ihnen so geht, allerdings dürfen Sie nicht aberkennen dass es tatsächlich Menschen gibt die Sex mit der "immergleichen" Person am schönsten finden, da intimer, vertrauter etc. Viele (vorallem Frauen) haben nunmal keine Lust darauf, jede Woche einem neuen Typen zu erklären wie es für sie am schönsten ist, und aufgrund der Vielfältigkeit der Bedürfnisse ist es höchst unwahrscheinlich dass er zufällig genau deine trifft..

    • Tina am 12.01.2018 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Das geht aber auch in einer Beziehung ;-) Auch nach über 10 Jahren ;-)

    • Martin am 12.01.2018 11:43 Report Diesen Beitrag melden

      @Antonov

      Genetik ist nun mal nichts was man(n) mit Mentalitätsunterschieden anfechten kann. Genetische Veranlagungen sind wie sie sind. Bei Frauen ist der Mutter- und Beschützerinstinkt genetisch ausgeprägter, so stimmt, aus der Sicht einer Frau, auch was Lisa sagt. Monogamie ist ein Konzept ist dass uns von den Religionen aufgezwungen wurde. Vor dem Christentum und den daraus folgenden Religionen war die Familie je ein Oberhaupt und beide pflegten ein reges (LOL, Wortspiel) Kommen und Gehen von verschiedenen Sexualpartnern und Affären.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


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