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Doktor Sex

13. Oktober 2014 10:15; Akt: 13.10.2014 10:58 Print

«Ich hatte eine Affäre mit unserem Trauzeugen»

Genau einmal hatte Gerda Sex mit dem besten Freund ihres Mannes. Seither nagt das schlechte Gewissen an ihr. Soll sie ein Geständnis ablegen?

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Auch die Ehe schützt nicht vor Geheimnissen. (Symbolbild: Colourbox.de)

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Frage von Gerda (29) an Doktor Sex: Zwei Jahre ist es nun her, seit ich kurz vor der Hochzeit eine Affäre mit unserem Trauzeugen – einem sehr guten Freund meines Mannes – hatte. Seither sterbe ich zwar manchmal fast vor Sehnsucht und am liebsten würde ich mich auch wieder mit ihm treffen, aber ich halte strikt Abstand, seit ich verheiratet bin. Ich liebe meinen Mann wirklich sehr. Sexuell hat er mich aber nie wirklich angezogen. Irgendwie sehe ich keinen Sinn mehr in unserer Ehe. Mein Verhalten ist verlogen. Ich habe das Gefühl, meinen Mann deshalb gar nicht zu verdienen. Soll ich ihm alles gestehen oder einfach mit dieser Lüge weiterleben? Ich wäre froh um eine externe Beurteilung der Situation, weil ich sehr verwirrt bin.

Umfrage
Hast du auch schon einmal deinen Partner | deine Partnerin angelogen?
52 %
44 %
4 %
Insgesamt 5489 Teilnehmer

Antwort von Doktor Sex

Liebe Gerda

Ja, du hast deinen Mann nicht verdient. Weil man sich die Liebe eines Menschen, seine Zuwendung und auch die Beziehung, die daraus möglicherweise entsteht, nicht verdienen kann. Und: Du lebst nicht mit einer Lüge, sondern mit einem Geheimnis aus der Zeit, bevor du mit deinem Mann verheiratet warst. Oder hat er dich vielleicht danach gefragt, ob du mit seinem Freund eine Affäre hattest und du hast ihm nicht die Wahrheit gesagt?

Geheimnisse zu haben, und damit die Freiheit, zu wählen, wem man was mitteilt, ist nicht nur legitim, sondern geradezu ein Signum dafür, Mensch zu sein und einen freien Willen zu haben. Daran ändert auch die Ehe oder eine andere Beziehungsform nichts. Wer etwas anderes behauptet, leidet an komplett überhöhten Vorstellungen bezüglich dessen, was in einer Beziehung möglich und notwendig ist. Und sehr wahrscheinlich auch an einem beeinträchtigten Selbstwertgefühl.

Anhänger einer radikal moralischen Lebensführung propagieren immer wieder lauthals die «bedingungslose Ehrlichkeit». Sie behaupten, diese sei für eine Beziehung geradezu die Grundvoraussetzung. Sie würde diese überhaupt erst zu einer «echten» Beziehung machen und sei zugleich auch noch Bedingung dafür, dass «echte» Liebe entstehen könne. Ich kann solchen Aussagen nichts abgewinnen. Sie implizieren, dass Menschen und ihre Beziehungen wie Computer nach dem Entweder-oder-Prinzip funktionieren und daher willkürlich gesteuert und verändert werden können.

Das Verhalten von Menschen ist aber genauso wenig voraussagbar, wie es der Verlauf und die Entwicklung einer Beziehung sind. Weil Menschen eben keine seelenlosen Roboter sind, die sich, ihrem Programm ausgeliefert, immer genau gleich verhalten. Menschen machen Fehler. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Menschen können auch verzeihen. Und das, denke ich, hat mehr mit Liebe zu tun als die geradezu stupide Ehrlichkeit um jeden Preis. Vielleicht magst du dich an dieser Möglichkeit orientieren bei der Antwort auf die Frage, ob du ein Geständnis ablegen oder dein Geheimnis für dich behalten sollst.

Ich habe den Eindruck, dass ihr über eure Sexualität und insbesondere den Umstand reden solltet, dass dein Mann sexuell nie wirklich anziehend für dich gewesen ist. Man kann auch eine erfüllende Liebes- und Paarbeziehung leben, ohne miteinander Sex zu haben. Ein solches Beziehungsmodell bedarf aber einer offenen Gesprächskultur und eines entspannten Umgangs mit der Möglichkeit, dass beide Partner allfällige sexuelle Bedürfnisse ausserhalb der Beziehung befriedigen.

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • igor neuffer am 13.10.2014 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Was?

    Lieber Doktor Sex, ihre Antwort finde ich - äh - voll daneben. Einerseits offene Gesprächskultur und handumdreh soll jeder seine Geheimnisse haben. Klartext: Die Frau hat ihren Ehemann betrogen, bevor es mit der Ehe überhaupt losging und das mit dem besten Freund. Was ich tun würde? Beiden den Stiefel geben. Aber so schnell wie möglich.

  • Dreist am 13.10.2014 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vertrauen

    Kurz vor der Hochzeit eine Affäre mit dem Trauzeugen? Also sorry, das ist ja das Hinterletzte. Ich bin überhaupt kein Moralist aber das geht ja gar nicht. Du und der beste Freund deines Mannes sind schlicht Feiglinge und habt das Vertrauen deines Mannes verletzt und zwar aufs übelste. Dass das hier noch schöngeredet wird ist unerträglich.

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  • Valnes am 13.10.2014 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kurz vor der Hochzeit

    Ich nehme an, dass Gerda "kurz vor der Hochzeit", als sie ihre Affäre mit dem Trauzeugen hatte, bereits mit ihrem heutigen Ehemann zusammen war. Dass sie ihm die Treue vorgaukelt, ist sehr wohl eine Lüge und nicht nur ein "Geheimnis" aus der Zeit vor der Ehe. Auch wenn er nie explizit danach gefragt hat und sie ihn nicht direkt angelogen hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Aline Schneider am 17.10.2014 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlichkeit das Wichtigste

    Ich kenne beim besten Willen kein wichtigerer Aspekt in einer Beziehung, als die Ehrlichkeit. Das Verhalten der jungen Frau ist meiner Meinung nach sehr fragwürdig und die Antwort des sogenannten "Doktor Sex" noch mehr. Mit dieser Antwort unterstellt er eigentlich, dass es garkeine ehrlichen Beziehungen geben kann da ja sowieso alle lügen würden.. Traurige Welt wenns wirklich so wäre - Faupax lieber Dr. Sex.

  • Isabel am 13.10.2014 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Antwort

    Wow, eine super Antwort. Es tut unheimlich gut, auch mal intelligente Sichtweisen in dieser Angelegenheit zu lesen. Ein grosses Bravo an den Doktor Sex.

  • Fred H. am 13.10.2014 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also hört mal Leute...

    Bevor ihr euch alle über diesen Fall aufregt, frage ich mich ernsthaft, ob dieser und viele Fälle von Dr. Sex nicht konstruiert sind. Es geht doch hier auch um "Leserbindung"! Je mehr Leserinnen und Leser, umso grösser die Werbeplattform. Je dreister der Fall, umso mehr stürzen sich drauf. Wenn "20 Minuten" darauf verzichtet, diesen Kommentar zu veröffentlichen, dann kann ich daraus ableiten, dass viel Wahrheit in meinem Kommentar steckt.

  • Johnny Hügel am 13.10.2014 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Absolution

    Wahrscheinlich haben sie sich von den 20-Minuten-Lesern/innen die Absolution erhofft, die sie entlastet und wieder "reinen" Herzens schlafen lässt, aber weit gefehlt. Sie haben sich darauf eingelassen und damit müssen sie leben, ob sie nun reden oder nicht. Eine Trennung von ihrem Gatten hätte vermutlich den gleichen Grund, wie sie mit ihrem Fehlritt an Dr. Sex und das Publikum gelangen und diente aussliesslich dazu, sich aus der Schusslinie zu stehlen.

  • susi lichtsteiger am 13.10.2014 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    wichtige info

    @dr. sex: auch der ehepartner hat einen freien willen und er soll selber entscheiden dürfen, ob er so einen betrug verzeihen will oder nicht! wer so etwas verheimlicht nimmt dem partner jede würde und der schaden wird irreparabel sein, wenn es dann mal rauskommt! es könnte durchaus sein, dass der partner damit zurecht kommt und die ehe das übersteht. ich kenne jedenfalls fälle, in denen nach einem seitensprung alles wieder gut wurde, dies aber nur dank der ehrlichkeit des betreffenden. wer seinen partner jahrelang anlügt hat ihn tatsächlich nicht verdient.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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