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Doktor Sex

17. März 2017 08:45; Akt: 17.03.2017 08:45 Print

«Ich kann ohne seine Bestätigung nicht leben!»

Ohne die Aufmerksamkeit ihres Freundes macht Nina sich Sorgen. Er hingegen nervt sich über ihre Schwarzmalerei.

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Sich von einem anderen Menschen abhängig zu machen, kann für alle Beteiligten zu einer grossen Belastung werden. (Szene aus «Badlands», Warner Bros. Pictures)

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Frage von Nina (19) an Doktor Sex: Ich habe seit ungefähr zwei Monaten einen Freund. Er liebt mich, was für mich eine total neue Erfahrung ist. Ich brauche aber sehr viel Aufmerksamkeit und Bestätigung von ihm. Wenn ich diese nicht erhalte, sehe ich sofort schwarz und habe das Gefühl, unsere Beziehung sei zum Scheitern verurteilt. Auch insgesamt blicke ich nicht wirklich optimistisch auf unsere gemeinsame Zukunft und den Verlauf unserer Beziehung. In meiner Vorstellung tauchen eigentlich nur Probleme auf.

Umfrage
Fühlst du dich von der Bestätigung deines Partners oder deiner Partnerin abhängig?
6 %
16 %
15 %
34 %
18 %
11 %
Insgesamt 2243 Teilnehmer

Obschon ich es manchmal mit ein wenig Abstand betrachte und dabei erkenne, dass es sicher nicht so schlimm kommen wird, wie ich jeweils denke, ändert sich nichts an meiner Haltung. Mein Freund versucht, mich immer wieder aufzuheitern oder abzulenken. Jedoch gab er mir unterdessen auch ein paarmal zu verstehen, das meine Schwarzmalerei ihn manchmal schon auch nervt. Ich weiss nicht mehr weiter und habe keine Ahnung, was ich tun könnte, damit sich dies ändert. Hast du mir Tipps?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Nina

Du scheinst geradezu fixiert zu sein auf deinen Freund. Ohne seine ständige Zuwendung ist es dir offenbar nicht möglich, eure Beziehung als etwas wahrzunehmen, das Kontinuität hat und auch dann noch existiert, wenn ihr euch gerade nicht seht. Es ist, als ob es die Liebe deines Freundes für dich nur geben würde, solange er physisch anwesend ist und dir fortwährend bestätigt, dass du geliebt bist. Andernfalls fällst du sofort in eine emotionale Leere.

Die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen, sie aufrechtzuerhalten und sich darin als selbstwirksam zu erfahren – also zu erleben, von einem Gegenüber gehört und gesehen zu werden und dass andere auf meine Existenz und meine Handlungen in einer Art reagieren, die meinen Wünschen und Wollen entspricht – lernen wir Menschen in der frühen Kindheit.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der sogenannten Objektkonstanz. Sie liegt dann vor, wenn ein Kind eine innere Sicherheit hat dafür, dass die Mutter auch dann noch für es da ist, wenn sie nicht in Sichtweite ist. Die Fürsorglichkeit der Mutter existiert für das Kind weiter, weil es für sich, quasi in Form eines Spiegelbilds der physisch vorhandenen so etwas wie eine «innere Mutter» errichtet hat.

Mit diesem Entwicklungsschritt verbunden ist die vom Kind empfundene Sicherheit in die eigene Existenz, ohne die Befürchtung zu haben, verlassen zu werden, was für es gleichbedeutend wäre mit dem eigenen Untergang. Diese innere Sicherheit ist letztlich die Basis dafür, dass ein Kind Vertrauen in sich selbst und die Gewissheit aufbauen kann, über sich bestimmen und sein eigenes Leben führen zu dürfen.

Ich erachte es aufgrund deiner Schilderungen als ziemlich wahrscheinlich, dass du in der beschriebenen Entwicklungsphase deiner Kindheit vonseiten der für dich verantwortlichen Bezugspersonen unklare Signale erhalten hast. Dadurch wurdest du als kleines Mädchen wohl ziemlich verwirrt, was deine primären Beziehungen angeht, und konntest in der Folge einzelne Lernschritte nicht oder nur unzureichend bewältigen. Um diese so weit wie zum jetzigen Zeitpunkt noch möglich nachzuholen, empfehle ich dir, eine Psychotherapie zu machen. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Diese Gefühle hatte ich am Anfang meiner jetztigen Beziehung auch. Es war das erste Mal, dass ich mich wirklich geliebt und vom Mann nicht nur benutzt fühlte, da ich die Tendenz hatte, mir solche Männer auszusuchen. Damit konnte ich anfangs nicht umgehen und hatte grosse Angst, dass er doch wie meine bisherigen Exfreunde ist und mich am Ende verlassen würde. Diese Ängste kamen von Mobbing, sozialen Phobien und schlechten Erfahrungen. Da ich zu dieser Zeit ohnehin in Therapie war, konnte ich dies direkt ansprechen und bearbeiten. Es hat wirklich geholfen. – Jela

Aufmerksamkeit und Bestätigung braucht der Teil in uns, den man auch Ego nennen kann. Dazu gehört auch das ständige Denken. Es wird zwar etwas länger dauern und nicht sofort funktionieren, doch du kannst dich in diesen Situationen selber immer wieder beobachten. Was geht in dir vor? Gedanken? Gefühle? Lasse sie zu ohne zu beurteilen. So wirst du dich besser kennenlernen und merkst vielleicht auch, dass du Aufmerksamkeit und Bestätigung nicht so sehr brauchst, wie du meinst. Vielleicht findest und erkennst du auch noch vieles mehr, tief in dir drin. – Dust1

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nogo am 17.03.2017 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindheit

    Ich kenne das Gefühl.. Hatte eine grässliche Kindheit. Ohne Therapie hätte ich es nicht grschafft mein denken zu ändern. Alles Gute!

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  • [HazE]Büsi am 17.03.2017 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Angst

    Ich habe dafür immer Angst alles falsch zu machen, Angst dass ich verlassen werde, Angst dass meine Wünsche nie in erfüllung gehen. All diese "Gefühle" verdanke ich meiner Familie als Ganzes. Vom Grossvater sexuell missbraucht, die Mutter die danach mein Verhalten kritisiert hat und immer nur sagte :"benimm dich wieder normal!", mein Bruder missbrauchte mich ebenfalls und da er immer alles bekam was er wollte und ich nie, wusste ich dass ich dort nie glücklich werde. Mein Freund (sind jetzt 4 Jahre zusammen) kennt meine Geschichte und findets aber toll wie ich heute auf meine Wünsche beharre, er sagte mir dies sei Wichtig. Ebenso habe ich durch ihn gelernt nicht an allem und jedem zu zweifeln. Es ist ein Schwieriger Weg, doch wenn du das mit deinem Freund in angriff nihmst, dann wird das auf jeden Fall wieder gut :) Ich wünsch Dir nur das Beste

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  • Leo am 17.03.2017 09:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstakzeptanz

    Es geht auch anders: Wichtig ist zu erkennen, dass man als erwachsener Mensch nicht direkt von Anderen abhängig ist. Dein Freund ist nicht verantwortlich für dich da zu sein, er ist eher eine Bereicherung in deinem Leben. Um dies zu erreichen, musst du aber eine gewisse Selbstakzeptanz erreichen und dich auch akzeptieren können, selbst wenn du ganz alleine wärst. Dann kann sich diese Spannung lösen, was die Beziehung ausserdem bereichert. Hatte auch mal eine ähnliche Situation. Viel Glück!

Die neusten Leser-Kommentare

  • 2lbox am 17.03.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe ist...

    Liebe ist, dem Partner das zu geben, was er/sie braucht und was ihn/sie glücklich macht. Wenn Dich Dein Partner liebt, sollte er Dir einfach die (viele) Bestätigung geben, die Du brauchst. Dadurch wird mit der Zeit und steigendem Alter hoffentlich auch Dein (Selbst-)Vertrauen steigen, so dass Du nicht mehr auf stetige Bestätigung angewiesen bist.

  • Sergio am 17.03.2017 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Partner als Mittelpunkt 

    Manche Menschen stellen ihren Partner in den Mittelpunkt und machen ihr Glück von der Partnerschaft abhänging. In erster Linie muss man sein Glück aber über sich selbst definieren und nicht von Dingen abhängig machen, die man nicht kontrollieren kann. Ich liebe meine Freundin, doch sollte sie die Beziehung beenden, wird mein Leben genau so gut weitergehen wie vor der Beziehung.

  • Sergio am 17.03.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab zum Psychologen 

    Ich hatte auch mal eine ähnliche Partnerin. Nichts kann das schwarze Loch stopfen, auch nicht die Liebe deines Freundes. Du wirst ihn vertreiben, und das schwarze Loch wird noch hungriger werden. Du brauchst professionelle Hilfe. Hat meine Ex-Partnerin auch gemerkt. Heute ist sie beziehungsfähig.

  • Jela am 17.03.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Therapie

    Diese Gefühle hatte ich am Anfang meiner jetztigen Beziehung auch. Es war das erste Mal, dass ich mich wirklich geliebt und vom Mann nicht nur benutzt fühlte, da ich die Tendenz hatte, mir solche Männer auszusuchen. Damit konnte ich anfangs nicht umgehen und hatte grosse Angst, dass er doch wie meine bisherigen Exfreunde ist und mich am Ende verlassen würde. Diese Ängste kamen von Mobbing, sozialen Phobien und schlechten Erfahrungen. Da ich zu dieser Zeit ohnehin in Therapie war, konnte ich dies direkt ansprechen und bearbeiten. Es hat wirklich geholfen.

  • Dust1 am 17.03.2017 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstbeobachtung und Erkennung

    Aufmerksamkeit und Bestätigung braucht der Teil in uns, den man auch Ego nennen kann. Dazu gehört auch das ständige Denken. Es wird zwar etwas länger dauern und nicht sofort funktionieren, doch du kannst dich in diesen Situationen selber immer wieder beobachten. Was geht in dir vor? Gedanken? Gefühle? Lasse sie zu ohne zu beurteilen. So wirst du dich besser kennenlernen und merkst vielleicht auch, dass du Aufmerksamkeit und Bestätigung nicht so sehr brauchst, wie du meinst. Vielleicht findest und erkennst du auch noch vieles mehr, tief in dir drin.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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