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Doktor Sex

06. Februar 2017 08:24; Akt: 06.02.2017 08:24 Print

«Warum ist sexuelle Exklusivität so wichtig?»

Seit Livio herausgefunden hat, dass er Sex und Beziehung gut trennen kann, stellt er sich eine Grundsatzfrage.

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Unterschiedliche Standpunkte bezüglich Treue in der Beziehung können zu Streit führen. (Symbolbild: iStock) (Bild: Nd3000)

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Frage von Livio (34) an Doktor Sex: Ich lebe in einer Partnerschaft und liebe meine Freundin sehr. Wir können gut miteinander sprechen, haben eine ähnliche Weltanschauung und teilen gemeinschaftliche Interessen. Jedoch können wir auch unseren individuellen Vorlieben nachgehen oder uns mit Freunden und Kollegen treffen. Es läuft also alles rund und wir leben auf eine Art zusammen, wie viele andere Paare wohl auch.

Umfrage
Findest du sexuelle Treue in der Beziehung wichtig?
69 %
10 %
5 %
6 %
1 %
9 %
Insgesamt 7269 Teilnehmer

In meinen vergangenen Beziehungen war ich nicht immer treu und weiss daher, dass ich Sex und Beziehung gut auseinanderhalten kann. Nun frage ich mich, ob ich mit dieser Eigenheit zu einer – gegebenenfalls – krassen Minderheit gehöre und ob diese Fähigkeit geschlechterspezifisch ist? Ich würde meiner Partnerin das Recht auf Sex mit anderen auch einräumen. Aber sie scheint einfach keine Lust darauf zu haben.

Antwort von Doktor Sex

Lieber Livio

Ehrlichkeit und Treue sind Eigenschaften, die sich die meisten Menschen bei ihrem Gegenüber wünschen. Aus wissenschaftlicher Perspektive gibt es aber keinen Grund zur Annahme, dass wir von Natur aus monogam sind. Für die Arterhaltung ist es nicht entscheidend, in welcher Beziehungskonstellation der Nachwuchs gezeugt wird. Hauptsache, er wird gezeugt und kann danach überleben. Dies ist aber auch in anderen Formen des Zusammenlebens möglich als in der heterosexuell-monogamen Ehe des Bürgertums.

Dass Frauen insgesamt weniger zu Promiskuität neigen als Männer, hat letztlich wohl vor allem damit zu tun, dass sie es sind, die in einer auf der Kleinfamilie aufbauenden Gesellschaft die Folgen einer unerwünschten Schwangerschaft weitgehend allein tragen müssen. Vielleicht gibt es dafür aber auch eine genetische Veranlagung.

Monogamie ist ein romantisches Beziehungsideal, welches durch gesellschaftliche Strukturen und Sozialisation aufrechterhalten wird – auch in Form von Kitschromanen, Hollywoodfilmen und Schlagerschnulzen – und Paaren auf die Dauer das Zusammenleben zur Hölle macht. Wer seinem Impuls folgt, landet unweigerlich im Chaos. Und handelt er oder sie dann auch noch nach dem Motto «Wenn schon nicht treu, dann wenigstens ehrlich», ist die Katastrophe perfekt. Weil viele Menschen in einem Entweder-oder-Schema denken, wenn es um sexuelle Treue geht, beenden sie die Beziehung, sobald der Partner oder die Partnerin Sex mit jemand anderem hat. Auch dann, wenn sie auf allen Ebenen gut und wertvoll ist.

Egal, welches Geschlecht man hat: Unterschiedliche sexuelle Bedürfnisse zu haben, ist die Regel und nicht die Ausnahme. Über kurz oder lang ist kein Mensch gefeit davor, sexuelle Phantasien und Wünsche auf andere Personen als den Partner zu projizieren. Wegschauen hilft daher nicht. Sinnvoller ist vielmehr, in einer Beziehung von Anfang an davon auszugehen, dass Sex nach der anfänglichen Verliebtheit etwas ist, dass man auch mit anderen Menschen teilen könnte. Und entsprechende Regeln für den Umgang mit sexuellen Beziehungen ausserhalb der Partnerschaft zu installieren. Die Möglichkeit zu haben, bedeutet ja nicht zwingend, sie auch auszuleben. Und manchmal ist das Wissen, dass man etwas ganz und gar selbstbestimmt tun könnte, letztlich der Grund, es sich zweimal zu überlegen und möglicherweise danach nicht zu tun.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Von mir aus könnte mein Partner auch mit einer anderen Frau Sex haben, sofern ich das Gefühl habe, dass sein Herz auch noch für mich schlägt und sich in underer Beziehung nichts ändert. Ich möchte auch nicht damit konfrontiert werden oder darüber diskutieren. Warum nicht? Wenn es dazu beiträgt, dass alle ausgeglichener sind. – Langjährige Ehefrau

Polygamie ist nichts schlechtes. In einer Partnerschaft auf ewig treu zu sein (auch geistig) ist schwierig und führt dazu, dass man eine Beziehung mit diesen Gedanken belastet. Wenn man jemanden wirklich liebt, gibt man dieser Person auch die Freiheiten zu tun, was sie benötigt. Nur so kann eine Beziehung auf ewig bestehen. Es ist aber immer geboten, zu schauen, wie weit diese Freiheiten gehen dürfen. – Peter

Ich kann es nur aus meiner Sicht beschreiben: Für mich ist Sex etwas sehr intimes, das ich nicht mit allen teile. Ich brauche Vertrauen, bis ich mich auf jemanden einlasse. Da ich mir nicht vorstellen kann, Sex und Beziehung zu trennen, würde es mir schwerfallen, dies meinem Partner zuzugestehen. Aber wer weiss, vielleicht denke ich in ein paar Jahren anders. Schlussendlich müssen einfach alle Beteiligten einverstanden sein und die gleichen Rechte haben. – Claudia

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BEE24 am 06.02.2017 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    In einer Beziehung hat man treu zu sein, ausser es ist für beide Partner ok, Sex ausserhalb der Beziehung zu haben. Aber so wie es tönt, will sie das nicht.

  • Frida Meier am 06.02.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mein, mein, mein...

    Ich frage mich, warum gewisse Leute überhaupt eine "Beziehung" eingehen bei der es doch nur heisst mein Handy, mein Geld, meine Freunde, meine Freiheit. Unter Beziehung stelle ich mir einfach etwas anderes vor.

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  • Frau am 06.02.2017 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ratlos

    Die Antwort ist gut, aber der werte Mann wird weiterhin ratlos sein. Ich finde, dass er seine Frau gesundheitlichen Risiken aussetzt, wenn er fremd geht. Finde es nicht fair. Ich würde das nicht akzeptieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nati am 06.02.2017 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monogamie???

    Fortsetzung: Dass er selber entscheiden kann ob er das so möchte oder nicht. Ich persönlich kann beides leben.

  • Nati am 06.02.2017 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monogamie???

    Monogamie kommt aus einer Zeit wo die Menschen eine so kurze Lebensdauer hatten, dass eine Ehe vielleicht 7-8 Jahre gedauert hat. Weil dann einer von beiden gestorben ist. Das heisst, dass der Witwer oder die Witwe mit ziemlicher Sicherheit wieder einen anderen Partner hatte. Meiner Meinung nach sind Menschen nicht von Grund auf Monogam. Früher hat man das aber so gemacht um sich vor Krankheiten zu schützen. Heute gibt es Kondome. Ich finde wichtig, dass jeder für sich entscheiden muss. Aber wenn Sex ausserhalb der Beziehung dann Verhüten und der Partner sollte es wissen.

  • WaleLi am 06.02.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Wir Männer sind von der Natur nicht für die Monogamie programmiert, denn wir sollten unsere Gene möglichst breit verstreut weitergeben. Eigentlich sinnlos, denn in der Regel werden unsere Spermien eh durch die angewandten Verhütungsmittel vernichtet.

  • rocky53 am 06.02.2017 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht doch

    mann kann sich lieben,trotzdem fremden sex geniessen,muss aber beidseitig klappen,und nur ein spiel ohne weitere gefühle. klappt das so ist es eine bereicherung aber wirklich nur wenn beide die freiheit haben.

  • Melina am 06.02.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht hängt es mit dem Geschlecht zusammen

    Ich denke das hängt damit zusammen das der Mann wie bei den Tieren auch in den Urinstinkten leicht darauf getrimmt ist seine Gene weit zu verbreiten was sich mit Monogamie nicht ganz vereinbaren lässt, die Frau jedenfalls ist während der Schwangerschaft und dem darauf folgenden Kind auf Sicherheit und Schutz angewiesen von da her denke ich das der Urinstinkt der Frau auf die Monogamie und das "festhalten" des Partners ausgelegt ist. Es ist zwar nur eine Vermutung aber Sinn ergibt es trotzdem. Übrigens ich weis die meisten hier werden das nicht verstehen und nicht mögen aber am besten funktioniert es wenn man sich jemanden sucht mit dem man gemeinsam spass haben kann...

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bruno wermuth

Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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