BERATUNG
Herz & SexDoktor Sex

Probleme im Bett? Unsicher beim Stellungsspiel? Fragen zum Sexualleben? Liebeskummer oder Beziehungsprobleme? Bruno Wermuth weiss Rat!

Blog Übersicht

Doktor Sex

23. Februar 2015 10:29; Akt: 23.02.2015 10:29 Print

«Kann eine Prostituierte Liebe empfinden?»

Xaver interessiert sich dafür, wie sich Sexarbeit auf das Privatleben der betroffenen Frauen und ihren Umgang mit Intimität auswirkt. Sind Huren überhaupt beziehungsfähig?

storybild

Auch Sexarbeiterinnen haben ein Privatleben und intime Beziehungen, die nichts mit ihrem Beruf zu tun haben. (Symbolbild: Colourbox.de)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Frage von Xaver (33) an Doktor Sex: Das Thema Prostitution ist allgegenwärtig. Deshalb mache ich mir immer wieder Gedanken dazu. Selber habe ich zwar nichts damit zu tun und auch meine Frage hat keinen persönlichen Hintergrund. Trotzdem interessiert mich, wie Sexarbeiterinnen mit Intimität umgehen und welche Auswirkungen ihre Tätigkeit auf ihr Privatleben hat. Kann eine (Ex-)Prostituierte echte Liebe und die Gefühle eines Mannes überhaupt «ernst» nehmen? Und sind diese zu einem Grossteil offenbar sehr hübschen Frauen eigentlich noch beziehungsfähig? Oder ist für sie eine persönliche Beziehung spätestens dann zum Scheitern verurteilt, wenn Intimität und Verbindlichkeit ins Spiel kommen?

Umfrage
Hat dein Arbeitsalltag negative Auswirkungen auf deine Fähigkeit, liebe- und verständnisvoll mit anderen Menschen umzugehen?
18 %
14 %
12 %
48 %
8 %
Insgesamt 4988 Teilnehmer

Antwort von Doktor Sex

Lieber Xaver

Prostitution ist für viele Frauen ein Beruf. Dass dieser in den Augen der meisten Menschen aussergewöhnlich erscheint, ist zum einen auf die gesellschaftliche Doppelmoral im Umgang mit Sexualität zurückzuführen und zum anderen einem eklatanten Mangel an Faktenwissen zum Thema Sexarbeit geschuldet.

In weiten Teilen der Bevölkerung herrscht die Meinung vor, dass alle Frauen zu dieser Tätigkeit gezwungen werden und sie Opfer von Menschenhandel sind. Dass dies auf einen Teil der Prostituierten tatsächlich zutrifft, ist zwar schrecklich und muss so gut wie nur irgendmöglich verhindert werden. Jedoch darf die Empörung über dieses Unrecht nicht dazu führen, dass wir die grosse Mehrheit vergessen – die Frauen also, die ihre Dienstleistungen freiwillig erbringen und damit ihren Lebensunterhalt selbständig verdienen.

Es ist naheliegend, dass der Beruf der Sexarbeiterin, so wie alle anderen Berufe auch, Auswirkungen auf das Privatleben und die Beziehungen der Frauen hat, die diesen ausüben. Jedoch wäre es überheblich und vermessen, diese Frage pauschal, also für alle Frauen, die sexuelle Dienstleistungen erbringen, beantworten zu wollen. Denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es beides: Prostituierte, die Probleme haben damit, ihre private und intime Liebesbeziehung von ihrem beruflichen Alltag eindeutig abzugrenzen, und solche, denen dies leichtfällt. Und genauso gibt es wohl auch solche, die durch ihre Tätigkeit emotional abstumpfen.

Der Versuch, Beruf und Privatleben zu vereinbaren und dabei trotz teilweise fast unerträglicher Verhältnisse am Arbeitsplatz menschlich zu bleiben, fällt vielen Menschen – Männern und Frauen – zunehmend schwer. Statt Spekulationen anzustellen über eine Gruppe von Frauen, die aufgrund ihrer Tätigkeit scheinbar besonders herausgefordert ist und Gefahr läuft, komplett überfordert zu werden, scheint es mir daher sinnvoller, wenn wir uns alle immer wieder die Frage stellen, wie wir als Einzelne etwas zu einer lebenswerteren Welt und einem wertschätzenderen und liebevolleren Umgang mit anderen beitragen können.

(wer)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rollton am 23.02.2015 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Sind auch Menschen

    Ich habe die Frau meines Lebens in einem Bordell kennen gelernt und habe mich verliebt. Es war eine lange und schwere Arbeit ihr Vertrauen zu gewinnen, da sie sehr von Männern verletzt war. Sie hat jetzt einen normalen Job im Verkauf, wir haben 2 wunderschöne Kinder, lieben uns mehr als alles andere auf dieser Welt und sind seit 7 Jahren glücklich verheiratet. Man darf nicht nur aus Vorurteilen sprechen.

  • Serge am 23.02.2015 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen sind Menschen

    Hallo Xaver Nein, Prostituierte sind keine normalen Menschen, sie haben keine Gefühle und Bedürfnisse, man kann sie einfach aus dem Regal nehmen und nach Gebrauch abgeben. Was soll denn diese Frage? Natürlich sind Prostituierte beziehungsfähig, haben Träume, Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit und Wünsche wie jeder andere Mensch auch, der einen Beruf ausübt. Und wenn der Beruf auch endlich als normal gelten und in allen Bereichen der Gesellschaft als normal und notwendig akzeptiert werden würde, dann würde auch niemand mehr eine solche Frage stellen!

    einklappen einklappen
  • Rüdiger Mälzer am 23.02.2015 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Direkt fragen. Erfahrung sammeln.

    Seit dem Tod meiner Gefährtin vor einigen Jahren, nehme ich gelegentlich die Dienstleistungen von Prostituierten in Anspruch. Von denen, die ich bisher getroffen habe, wurde keine dazu gezwungen. Höchstens durch die Lebensumstände im Herkunftsland und den schnellen Verdienst hier. Dabei habe ich Frauen getroffen, die sehr emotional waren. Und mit denen der Kontakt auch über das geschäftliche hinaus bestehen blieb. Und andere wie Maschinen. Traurig. Es gibt wohl alles. Und es ist sehr individuell, wie Frauen damit umgehen. Das hängt auch davon ab, wie offen in ihrem Umfeld umgehen können.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cinderella am 23.02.2015 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Ich denke, die Frauen können sich schon abgrenzen, das müssen sie wohl, wenn nicht ein gepflegter Mann ihren Dienst in Anspruch nimmt. Mal abgesehen von der Frage und den Antworten möchte ich hier meinen grossen Respekt vor den Frauen, die anschaffen, kundtun. Denn ich denke, alleine mit Selbstbefriedigung können Männer nicht auf ihre Kosten kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass es viel mehr gewaltsame Übertritte gäbe, wenn Männer sich nicht so die Befriedigung holen könnten. Diese Meinung kann falsch sein, trotzdem verdienen Prostituierte höchsten Respekt.

  • Senfdazugeber am 23.02.2015 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Also Herr Wermuth ...

    .. Sie gehen davon aus, dass Prostitution ein ganz normaler Beruf wie jeder andere auch ist? Dann stellen Sie sich einfach mal vor, ihre eigene Ehefrau, ihre Mutter, ihre Schwester ihre Tochter wüdern diesen Beruf ausführen. Dann beantworten Sie sich selbst gegenüber ganz ehrlich ob Sie dann immer noch von einem Beruf wie jeder andere ausgehen würden?

  • suzie am 23.02.2015 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten machen das NICHT gern

    es stimmt nicht, dass ein Grossteil der Frauen freiwillig als Hure arbeitet! Keine, die im Bordell oder auf der Strasse anschafft, macht das freiwillig - sie wird vielleicht nicht durch Waffengewalt gezwungen, aber das Ernähren der Familie, weil sonst keine Möglichkeit zu einem anderen Beruf besteht, ist ein Zwang. Nur die, die sich die Freier aussuchen können, machen das freiwillig. Dr Sex verschliesst hier die Augen vor extremer Ausnutzung.

  • Hans Meister am 23.02.2015 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht

    Menschen die für sex Geld haben sind egoistisch. Darum können Sie keine Liebe empfinden. Sie denken zu sehr an sich. Man sollte darum nicht zu solchen Frauen gehen. Ist nur enttäuschend.

    • Missverstanden am 23.02.2015 14:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sex für Geld

      Wir reden von Sex für Geld und nicht von Liebe

    einklappen einklappen
  • Miss x am 23.02.2015 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Liebt

    Es ist schwierig "normal" zu leben als Prostituierte. Das hängt schon damit zusammen das es ja nicht nur nette Freier gibt. Und auch die Vorurteile die es von allen Seiten gibt. Es ist nun mal eine Arbeit die nicht ins "gutbürgerliche" Leben passt. Und trotzdem sehnt sich jeder nach der Liebe. Und zwar der "richtigen" Liebe. Wo man nicht nur auf den "Dienst" reduziert wird. Also ganz klar ja. Aber der Weg ist unglaublich steinig und schwierig. Und trotzdem wen man wirklich liebt dann lohnt sich dieser Weg.

Ihre Frage an Doktor Sex
Blog Archiv

Durchstöbere das Monatsarchiv von Doktor Sex.

Monat
Anzeigen
Blog Suche

Suche nach einer Doktor-Sex-Story.

Volltextsuche
Suchen
bruno wermuth

Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

RSS-Feed RSS-Feed