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Doktor Sex

31. März 2017 10:31; Akt: 31.03.2017 10:31 Print

«Soll ich mich von meinem kranken Freund trennen?»

Andreas Partner war stark depressiv. Seither ist auch die Beziehung in einer Krise.

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Eine akute Depression stellt das Leben, wie es bisher war, komplett infrage. (Szene aus «Her», Warner Bros. Pictures)

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Frage von Andrea (35) an Doktor Sex: Ich bin seit drei Jahren mit meinem Freund zusammen. Er litt im letzten Jahr an einer starken Depression, was dazu führte, dass auch unsere Beziehung unter Druck kam. Sex, Zärtlichkeiten und Küsse gibt es seit sechs Monaten nicht mehr. Und auch vorher kam es nur dazu, wenn ich die Initiative ergriff. Meine Gefühle für ihn kann ich nicht einordnen und ich weiss nicht, ob ich ihn noch liebe. Wir wohnen eigentlich wie in einer WG zusammen. Seit knapp einem Jahr schläft er auf dem Sofa.

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Nach einer langen Pause, arbeitet er nun wieder und geht auch in eine Therapie. Ich weiss aber trotzdem nicht, ob jetzt wieder alles gut kommt. Wir sind so distanziert. Sex zu haben mit ihm kann ich mir momentan nicht einmal in den kühnsten Gedanken vorstellen. Trotzdem fehlt mir die körperliche Nähe sehr. Soll ich einen Schlussstrich ziehen? Die Vorstellung, in meinem Alter wieder bei null anzufangen und zuerst einmal allein zu sein, macht mir sehr zu schaffen.

Antwort von Doktor Sex

Liebe Andrea

Das Leben richtet sich selten nach den Wünschen der Menschen. Oft tauchen genau in dem Moment Herausforderungen auf, wenn man es sich gemütlich gemacht hat und alles so eingerichtet ist, dass man denkt, so könnte man nun in Ruhe alt werden.

Physische und psychische Erkrankungen können eine Beziehung massiv erschüttern. Zu erleben, dass ein Familienmitglied ernsthaft krank ist, führt bei vielen Betroffenen zu einem Gefühl der Ohnmacht. Für manche ist Trennung dann die einzige Möglichkeit, um die eigene Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen.

In die Depression kann man sich wohl am ehesten einfühlen, da jeder Mensch ab und zu depressiv verstimmt ist. Jedoch ist eine solche Episode nicht zu vergleichen mit einer tiefergehenden Erkrankung. Diese verschwindet nicht von allein, durch genügend Ruhe oder psychotherapeutische Behandlung. Meist sind zur Heilung Medikamente nötig. Und deren Inhaltsstoffe können, zusätzlich zu den Krankheitssymptomen, vorübergehend massive Auswirkungen auf die Persönlichkeit und das Verhalten eines Menschen haben.

Ich vermute, dass es – neben der ganzen Belastung und dem eingangs beschriebenen Ohnmachtsgefühl – solche Veränderungen sind, die dazu geführt haben, dass du im von dir geschilderten Zustand gelandet bist und dich nun auch mit der Frage auseinandersetzt, die Beziehung zu beenden und zu neuen Ufern aufzubrechen. Auch wenn dein Fluchtreflex verständlich ist: Ich rate dir zu einem langsamen und bewussten Vorgehen.

Ich denke, du solltest dir externe Unterstützung holen. Beispielsweise bei der Vereinigung von Angehörigen psychisch Kranker (VASK). Sie bietet Informationen an und unterstützt Angehörige von psychisch kranken Menschen. Auf der Website des Dachverbands findest du die Adressen der regionalen Niederlassungen, weiterführende Infos, hilfreiche Links, Erfahrungsberichte von betroffenen Angehörigen aber auch ausführliche Beschreibungen von psychischen Erkrankungen und den ihnen entsprechenden Therapien. Die regionalen Stützpunkte bieten auch Beratungen an und organisieren Selbsthilfegruppen. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich war auch stark depressiv, habe es aber durch Psychotherapie und Medikamente geschafft, dass ich wieder schöne und glückliche Momente erleben darf. Meinem Mann machte meine Krankheit auch stark zu schaffen und es war/ist nicht einfach für ihn. Allerdings hat er immer zu mir gehalten, was mir Kraft gegeben hat. Mein Tipp: Kämpfe und informier dich, wie man am besten mit einem geliebten Menschen umgeht, der an einer Depression erkrankt ist. Ich wünsche dir viel Glück, Mut und Kraft. – Anonym

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave Schurek am 31.03.2017 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt bei ihm...

    Dein Freund wird es dir danken, wenn du ihn in dieser schwierigen Phase unterstützt, zuhörst und verständnis zeigst. Sex ist nicht alles in einer Beziehung...

  • Uschi am 31.03.2017 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kranken Freund 

    Es heisst: In guten und schlechten Tagen. Wie wäre es wenn Sie krank werden und ihr Parter sie verlassen würde. Zwei gebrochne Herzen ... nicht so toll.

  • Anonym am 31.03.2017 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Antwort 

    Ich war auch stark depressiv, habe es aber durch Psychotherapie und Medikamente geschafft, dass ich wieder schöne und glückliche Momente erleben darf. Meinem Mann machte meine Krankheit auch stark zu schaffen und es war/ist nicht einfach für ihn. Allerdings hat er immer zu mir gehalten, was mir Kraft gegeben hat. Mein Tipp: Kämpfe und informier dich, wie man am besten mit einem geliebten Menschen umgeht, der an einer Depression erkrankt ist. Ich wünsche dir viel Glück, Mut und Kraft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Anna am 31.03.2017 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir geht es sehr ähnlich!!! 

    Liebe Andrea, ich kann deine Wünsche + Ängste so gut verstehen! Ich bin in einer ähnlichen Sitation, allerdings hat mich mein Freund in die Wüste geschickt, weil er ein Burnout hat und sagt, er kann mir nicht das geben, was ich brauche und verdiene. Er ist jetzt weg, ich höre nichts von ihm, ich weiss nicht, wies ihm geht. Das zerreisst mich und macht mich unendlich traurig. Ich bin in deinem Alter, wollte Kinder. Jetzt wieder bei Null anzufangen schaffe ich nicht, weil ich ihn liebe.

  • Anonym am 31.03.2017 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Antwort 

    Ich war auch stark depressiv, habe es aber durch Psychotherapie und Medikamente geschafft, dass ich wieder schöne und glückliche Momente erleben darf. Meinem Mann machte meine Krankheit auch stark zu schaffen und es war/ist nicht einfach für ihn. Allerdings hat er immer zu mir gehalten, was mir Kraft gegeben hat. Mein Tipp: Kämpfe und informier dich, wie man am besten mit einem geliebten Menschen umgeht, der an einer Depression erkrankt ist. Ich wünsche dir viel Glück, Mut und Kraft.

  • SRG am 31.03.2017 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja 

    Also wenn der Gedanke, ihn zu verlassen, da ist, bist du eh nicht die Richtige für ihn. In so einer Situation zeigt sich eben was wirkliche Liebe ist.

  • [HazE]Büsi am 31.03.2017 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mies und Egoistisch 

    Ich hätte ein ziemlich mieses Gewissen wenn ich meinen Freund in solch einer Lage alleine lassen würde.

  • Uschi am 31.03.2017 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kranken Freund 

    Es heisst: In guten und schlechten Tagen. Wie wäre es wenn Sie krank werden und ihr Parter sie verlassen würde. Zwei gebrochne Herzen ... nicht so toll.

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bruno wermuth

Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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