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Sexbuch für Sechsjährige

15. Oktober 2012 13:13; Akt: 15.10.2012 19:39 Print

Bienchen, Blümchen oder Bumsen?

Die meisten Aufklärungsbücher für Kinder sind bieder und krampfhaft darum bemüht, dem Thema Sex auszuweichen. «DAS machen?» ist anders - und schreckt auch nicht davor zurück, Teddybären beim Sex zu zeigen.

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«DAS machen?», ein Bilderbuch für die Sexualaufklärung von Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren. Zum Vorlesen und Selberlesen. Von Christine Aebi (Illustrationen) und Lilly Axster (Text), erschienen im de'A Verlag. «Ich gehe in die Volksschule, Klasse 4c. Die letzten fünf Tage waren anders als sonst. Wir hatten keine normalen Stunden, sondern Projektunterricht: Sexualerziehung. Das meiste vom Projekt wusste ich schon. Fast alles. Also fast. Nicht ganz. Das meiste. Vieles.» «Carol dachte, Sexualität bedeutet, zwei Verliebtet schauen Videos.» «Tami meinte, Unterhosen und BHs seien irgendwie wichtig, aber sie wusste nicht, warum genau. Andi musste andauernd runterschlucken. Svetlana und Silv haben sich amüsiert: » « Die Lehrerin hat unsere Material- und Fotoschachteln in der Mitte des Klassenraums aufgestellt und eine Art Briefkasten aus einem gelb beklebten Schuhkarton.» «Wer wollte, konnte dort eine Frage hineinwerfen. Die Fragen wurden jeden Tag in der letzten Stunde vorgelesen und besprochen.» «Im Briefkasten gab es an dem Tag drei Zettel und ein Zeichenblatt mit selbst entworfenen Binden zum Ausschneiden: manche gemustert, andere einfarbig, mit oder ohne Flügel, und alle mit einem Stück Klebestreifen auf der Rückseite.» «Nach der Babystunde war der Briefkasten voll mit Fragen übers Kribbeln und Kratzen und über Kitzler und Katzen und Felle und Wolle und Flecken in Decken und vorne und hinten und wie das ist, wenn die Ohren sausen und Gefühle durcheinanderwirbeln und das Herz ankurbeln.» «Meine Freundinnen und ich haben uns während der Woche einen Comic ausgedacht, aber nicht unsere eigenen Namen verwendet.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Das meiste wusste ich schon. Fast alles. Also fast. Nicht ganz. Das meiste. Vieles.» So beginnt die aus der Sicht einer Viertklässlerin erzählte Geschichte über eine Projektwoche zum Thema Sexualität. Ich persönlich hingegen, ich wusste gar nichts in diesem Alter. Höchstens ein klein wenig. Und dafür, genauer gesagt für den verstohlenen Blick auf das Äussere des Geschlechtsorgans eines Mädchens aus der Nachbarschaft, ging mindestens die Hälfte des sauer verdienten Lohns für den täglichen Abwasch drauf.

Rote Ohren im Bio-Unterricht

Das Aufklärungsbuch, das später wie zufällig aber gleichzeitig höchst appellativ auf dem Wohnzimmertisch lag und von dem weder ich noch meine Brüder wussten, was es damit auf sich hatte und ob es sich um eine Falle handeln könnte, brachte keine Klarheit. Oder höchstens ein bisschen. Jedenfalls über das Paarungsverhalten von Blumen, Bienen, Hühnern und Hunden. Was die Menschen machen, blieb von einem Laken bedeckt und mir daher schleierhaft. Lange Zeit glaubte ich, dass Babys durchs Küssen entstehen.

Über das «Warum» wurde ich ungefähr mit 14 informiert. Von einem Biologielehrer mit roten Ohren. Die Qual stand ihm ins Gesicht geschrieben, dennoch gab er sich betont ungezwungen. Das «Wie» erschloss sich mir etwa zur gleichen Zeit. Die dafür notwendigen Informationen lieferten mir einschlägige Magazine. Ich entdeckte sie – gepriesen sei die Kindheit auf dem Lande – zusammen mit meinen Kollegen in der Papiersammlung. Projektwochen gab es keine, damals. Und auch kein Handy. Dafür die «Bravo». Und viel Freiraum für Experimente. Da waren aber auch Ängste. Und da war Scham. Irgendwie habe ich die Klippen der Pubertät trotzdem heil umschifft. Und irgendwie bin ich erwachsen geworden. Trotzdem: Ein wenig wünschte ich, ich wäre noch einmal zehn. Und ich wünschte, es würde «DAS machen?» auf dem Wohnzimmertisch liegen.

Aufklärung ist mehr als Biologie

«DAS machen?» ist kein herkömmliches Aufklärungsbuch. Und dennoch ist es im besten Sinne aufklärerisch. Souverän, unaufgeregt und ohne Berührungsängste erschliessen Christine Aebi (Illustration) und Lilly Axster (Text) aus dem Blickwinkel der 10-jährigen Ich-Erzählerin Zugänge zum sensiblen Thema Sexualität und zeigen auf, dass kindliche Sexualerziehung zwar durchaus auch biologische Aspekte beinhalten kann und soll, letztlich aber weit über die medizinisch-technische Sicht auf Sex hinausgeht. Es werden Gesprächsräume geschaffen, ohne dabei Themen auszugrenzen, richtige und falsche Fragen zu unterscheiden oder Wissende und Unwissende zu separieren. Den Kindern wird in diesem Buch auch nicht erklärt, wie etwas aus der Erwachsenenperspektive ist oder sein wird, in Zusammenhang mit Sexualität. Vielmehr werden behutsam die Gefühle und Gedanken der an der Projektwoche beteiligten Schülerinnen und Schüler aufgezeigt – humorvoll, mit Respekt, aber ohne zu verniedlichen.

Die Autorinnen scheuen sich nicht davor, die Dinge beim Namen zu nennen. Dabei bleibt die Sprache stets angemessen und dem Alter der Zielgruppe entsprechend. Auch die Bilder wirken - trotz ihres teilweise expliziten Charakters – nie pornografisch oder brüskierend. So hebt sich «DAS machen?» wohltuend von der weitgehend eher biederen, humorlosen und von moralischer Korrektheit geprägten Aufklärungsliteratur für das Alterssegment der 6- bis 12-jährigen Kinder ab.

Teddybären beim Sex zuschauen

Wer als Vater oder Mutter mit seinen Kindern über Schmetterlingen im Bauch sprechen möchte und sich nicht davor fürchtet, beim betrachten eines Bilderbuchs plötzlich auf Teddybären zu stossen, die Sexstellungen ausprobieren; wer Worte wie Pariser, Koitus interruptus, Gruppensex, transsexuell, Samenerguss oder Jungfernhäutchen nicht per se gefährlich findet und der Meinung ist, dass auch Sinnlichkeit und Zärtlichkeit Themen sind, über die man mit Vor- und Grundschulkindern sprechen sollte; wer als Erziehungsbeauftragter Vielfalt auch dann noch cool findet, wenn es um Sexualität und Beziehung geht oder wer als Lehrperson auf der Suche nach Impulsen zum Thema Sexualerziehung zwischen Kindergarten und Oberstufe ist, dem seien dieses Buch und die übersichtliche und reichhaltig mit Tipps und Hintergründen angereicherte Webseite sehr empfohlen.

(bwe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pino Croce am 15.10.2012 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gutes aufklären baut vertrauen auf!

    Bitte die Kinder so früh wie möglich richtig Aufklären! Ich glaubte meiner Mutter dass sie durch die Augen meines Vater schwanger geworden ist und sie mich dann aus dem Mund geboren hat. Ich glaubte daran bis ich 13 war! Schrecklich ... Ich liebe meine Eltern trotzdem:-)

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  • tina am 16.10.2012 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das beste 

    das beste aufklärungsbuch ist "warum die menschen einen Nabel haben". Es ist die Geschichte eines Papageis, der aus der Stadt im Urwald landet und dort auf ein Urvolk trifft und wundert sich über deren "Löchlein" im Bauch. Er erlebt das heranwachsen von 2 Kindern, wie sie verlieben und "ganz nah" zusammen sind. Ein Käfer der durch alles hindurchsieht, sieht und erklärt den eigentlichen Geschlechtsakt liebevoll und einfühlsam. Dieser steht aber nicht im Vordergrund, sondern die Tatsache, dass der Papagei nach der Geburt des Babys plötzlich versteht, warum die Menschen einen Nabel haben.....

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  • comp am 15.10.2012 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Lernen

    Das Buch ist doch sinlos den die heutige Jugend lernt das alles über FACEBOOK - TWITTER oder anderen Internetbeiträgen!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Debbie S am 18.10.2012 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung ahoi

    Dank meinen Eltern und dem alten Lehrer, die uns ohne rote Ohren aufklärten! Gerade das liebe Mami beantwortete gern aufkommende Fragen, denn Sex ist was Normales und trägt/trug zu unser allen Leben bei.

    • MR. Writer am 18.10.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

      HAHAHA

      Das hat sich bei mir selbst erklärt :)

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  • Mino am 17.10.2012 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    gleich 3mal

    Bei mir war es irgendwie total anders. Ich wurde im Progymnasium, denk ich, relativ gut aufgeklärt. Unsere Biologielehrerin kam mal mit einem Riesenkoffer gefüllt mit Kondomen, Pillen, Spiralen und allem Pipapo an und erklärte uns in zwei Wochen in den Biostunden die Sexualität, sogar ohne rote Ohren zu bekommen (respekt). Dann geriet ich durch Umzug an eine andere Schule, die dann ebenfalls das Thema behandelten und der Lehrer war etwas verklemmt, aber ich wusste einen guten Teil zum Glück schon. Und später am Gym hatten wir es eine Woche im letzten Semester.

  • blog monsta am 16.10.2012 11:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    trugschluss

    die aufklärung findet heute leider über youporn & co statt, eine eher bedenkliche entwicklung.

  • tina am 16.10.2012 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das beste 

    das beste aufklärungsbuch ist "warum die menschen einen Nabel haben". Es ist die Geschichte eines Papageis, der aus der Stadt im Urwald landet und dort auf ein Urvolk trifft und wundert sich über deren "Löchlein" im Bauch. Er erlebt das heranwachsen von 2 Kindern, wie sie verlieben und "ganz nah" zusammen sind. Ein Käfer der durch alles hindurchsieht, sieht und erklärt den eigentlichen Geschlechtsakt liebevoll und einfühlsam. Dieser steht aber nicht im Vordergrund, sondern die Tatsache, dass der Papagei nach der Geburt des Babys plötzlich versteht, warum die Menschen einen Nabel haben.....

    • Nikki am 16.10.2012 11:35 Report Diesen Beitrag melden

      süss!

      das klingt wirklich süss! :)

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  • Sam M am 16.10.2012 05:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hm

    Ich bin 19 und wurde nie aufgeklärt :) nicht mal in der schule... Naja haben sich nicht so drum gekümmert. Aber gut das es solche bücher gibt.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


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