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Schweizer Fotografin

28. Mai 2018 21:27; Akt: 28.05.2018 21:27 Print

«Das Warten ist eine Form von Meditation»

Daisy Gilardini erklärt, wie ihr die besten Aufnahmen gelingen – und wieso die Schweiz kein besonders gutes Gebiet für die Wildtier-Fotografie ist.

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Daisy Gilardini, was fasziniert Sie an den Polarregionen?
Alles begann mit einer Baby-Robbe. Ich bekam das Stofftier geschenkt, als ich vier Jahre alt war, und wünschte mir ab diesem Zeitpunkt, diese Tiere in freier Wildbahn sehen zu können. Heute würde ich sagen, dass ich geradezu besessen von den Polarregionen bin. Die Antarktis ist wie ein anderer Planet auf unserem Planeten. Alles harmoniert perfekt, ist pur und rein. Es ist einer der wenigen Orte, an denen die Tiere keine Angst vor dir haben: Pinguine nähern sich dir, Robben wollen mit dir spielen, Vögel fliegen nicht vor dir davon.

Was ist die Herausforderung für Sie als Fotografin?
Die extremen Bedingungen. Die Kälte ist sowohl für die Ausrüstung als auch für den Körper ein grosses Problem. Wenn du dich nicht wohlfühlst, kannst du dich nicht aufs Fotografieren konzentrieren. Und wenn man so dicke Handschuhe trägt, muss man die Kamera blind bedienen können. Dann kann man nur noch losschiessen und aufs Beste hoffen.

Und genügend Sitzfleisch braucht man auch, oder?
Für die Tierfotografie sind Geduld und Durchhaltewillen enorm wichtig. Ich liebe die Isolation. Das Warten ist für mich eine Form von Meditation. Im Gelände kann ich mich ganz ohne Ablenkung auf die Tiere konzentrieren. Mich aus dem Drama der modernen Welt ausklinken und eins mit Mutter Natur sein zu können: Das ist es, was mich Jahr für Jahr in diese Regionen zurückbringt.

Braucht ein gutes Foto immer viel Zeit?
Vielleicht hat man mal Glück und es gelingt ein toller Schnappschuss, aber das ist die absolute Ausnahme. Seine Sujets und das Ökosystem, in dem sie leben, zu kennen, ist absolut zentral, um das Verhalten antizipieren und die Action im richtigen Moment festhalten zu können. Jedes Jahr an dieselben Orte zurückzukehren, macht es erst möglich, einzelne Individuen besser kennen zu lernen und etwas Neues zu schaffen. Es braucht Zeit und Wissen, um ihre Persönlichkeiten einzufangen und in dem Bruchteil einer Sekunde einen Ausdruck festzuhalten, der beim Betrachter etwas auslöst.

Kam es jemals zu gefährlichen Situationen?
Mir war nur zweimal unwohl. Einmal mit einem jungen, neugierigen Eisbären und einmal mit einer Grizzly-Mutter und ihren zwei Jungen. In beiden Fällen liessen mich die Tiere sehr genau spüren, dass ich eine Grenze überschritten hatte. Nachdem ich mich direkt darauf zurückgezogen hatte, konnte ich beruhigt weiterfotografieren.

Sie stammen ursprünglich aus dem Tessin, leben inzwischen aber in Kanada. Ist die Schweizer Natur nicht spannend genug für Sie?
Ich liebe meine Heimat, vor allem die Berge. Aber wenn es um die Wildtiere geht – besonders die grossen Raubtiere wie Wolf, Bär und Luchs –, ist die Schweiz leider kein sehr einladendes Gebiet. Ich glaube, dass auf politischer Ebene mehr geschehen müsste, um aufzuzeigen, wie friedlich wir mit diesen wundervollen Kreaturen zusammenleben können.

Die Wildtierfotografie ist eine Männerdomäne. Weshalb ist das so?

Weil es physisch ein sehr herausfordernder Job ist. Als Frau schätze ich meine mentale Stärke und den Durchhaltewillen, aber ich wünschte mir manchmal, ich hätte die Muskeln eines Mannes – besonders dann, wenn ich mit einem schweren Teleobjektiv hantiere.

Welches ist Ihr absolutes Lieblingsfoto?
Während meiner ersten Reise in die Antarktis fotografierte ich 1997 einen Eisberg, der eine Herzform hatte. Das Foto hat einen Symbol-Charakter. Ich glaube, dass ich auf dieser ersten Reise ein Stück meines Herzens in der Antarktis verloren habe und es Jahr für Jahr wieder dort suche.
 
Und welches Traumfoto konnten Sie noch nicht schiessen?
Das eines Eisbären, das ich im Jahr 2068, also in 50 Jahren, schiessen werde. Es würde bedeuten, dass die Menschheit es geschafft hat, den Klimawandel zu stoppen und die sensiblen Ökosysteme in den Polarregionen zu retten.

(sei)

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