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Weltenbummler-Blog

25. Januar 2018 16:34; Akt: 25.01.2018 16:34 Print

«Einst waren sie Fischer, jetzt sind sie Foto-Huren»

von Claudio Sieber - Burmas Inle-See gehört zu den Hauptattraktionen des Landes. Trotz des riesigen Besucheransturms haftet dem Gewässer ein Zauber an.

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Kalaw, Shan Territorium. Ein verschwenderischer Sternenhimmel überzieht das Dorf. Gastgeberin Aung Min Oo führt mich zum lokalen Kartenspiel-Turnier und stellt mich dem Rest der Danu vor. Im zweiten Stock eines müffelnden Kuhstalls kauern bereits alle dicht beisammen. Knapp 60 Landwirte, aufgeteilt in Fünfer- oder Sechser-Grüppchen, füllen den Raum, die grüne Zigarre fest am Lippenrand verankert, ein Betelnusspäckchen in der Backe versteckt. Unisono heisst man mich willkommen. Da ich das Spiel nach zwei Stunden Whisky und Feldstudie immer noch nicht durchblicke, darf ich von dannen torkeln.

Traumtrunken äuge ich auf die Familienälteste, die gerade neben meinem Bettprovisorium zum buddhistischen Morgengebet angetreten ist. Ich verabschiede mich und ziehe weiter. Am Horizont zeigt sich bereits ein Zipfel von Burmas bekanntestem Gewässer. «Der Inle-See steht kurz vor einer ökologischen Katastrophe», warnte kürzlich der auf nachhaltigen Tourismus spezialisierte Reiseexperte Arild Molstad. Die von der ansässigen Intha-Ethnie (die «Söhne des Sees») benutzten Textilfarben vergiften das Ökosystem, ihre ungeregelte Landwirtschaft verursacht Erosionen, der Fischbestand schrumpft und invasive Pflanzen verstopfen die Wasserwege. Dazu kommt, dass der See schon seit Jahrzehnten auf der To-do-Liste jedes Burma-Package-Touristen steht. Man darf nicht böse sein, denn die Stelzendörfer entlang des Ufers sind atemberaubend schön, selbst nach Jahren der touristischen Penetration.

Fischer werden zu reinen Foto-Sujets

Ich verzichte auf die übliche Tour, wobei man an einem Tag durch bis zu 14 – 14! – Sehenswürdigkeiten geschleust wird, und buche meine eigene Schaluppe samt Kapitän. Er steuert im gemächlichen Tempo zur Seemitte, wo die südostasiatischen Gondolieri noch die letzten Schuppen aus dem Wasser ziehen. Ein Fuss balanciert auf dem Bug, der andere umschlingt akrobatisch das Paddel und stösst das Boot mit Hilfe einer Hand in Richtung Tatort. Bleibt eine freie Hand für das Fischernetz. Da gäbe es noch die Bambuskorb-Akrobaten. Pünktlich um sieben Uhr morgens und fünf Uhr abends warten die hampelnden Clowns an der Kanalenge auf die Spenden von Touristen. «Einst haben sie mit ihrer speziellen Technik tatsächlich Fische gefangen, heute sind sie Foto-Huren», höhnt Lo They.

Wir rudern stattdessen durch seinen schwimmenden Tomaten-Garten. Für die vielseitigen Gemüsegärten werden auf einen Teppich aus Wasserhyazinthen so lange Schichten von Schlamm aufgetragen, bis sich über die Jahre schwimmender Humus bildet. Mittels Bambuspfählen wird das ganze schliesslich befestigt. Gepflanzt und gepflückt wird vom Boot aus. Inle hat noch eine andere Rarität zu bieten: die wertvolle Lotusfaser. In diversen Fabriken am Ende des Sees klappern nostalgisch anmutende Webstühle. Für einen Meter Stoff ackern die Weberinnen knapp eine Woche. Dafür werden bis zu 13'000 Lotuspflanzen geopfert. Lotus wärmt im Winter und kühlt im Sommer. Ein Effekt, den man teuer bezahlt.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eric Sanchez am 25.01.2018 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    not a must

    been there done that... myanmar hat mehr zu bieten aber trotzdem müssen alle an den inlesee, am authentischsten bei einer 3 tage wanderung, in einer 50er gruppe selfie knipsender teenies die alles mit thailand vergleichen, und dann auch wieder dahin zurückfahren um noch etwas beach urlaub zu machen... würg, travellen war auch mal anders

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  • Te Rasse am 25.01.2018 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überleben

    Das Recht jedes Menschen

  • leser!n am 26.01.2018 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    gute Erinnerungen

    Ich war auch vor 3 Jahren dort, bei weniger schönem Wetter, aber immer noch sehr beeindruckend. Leider sind Fotos & Artikel nicht aufeinander abgestimmt. Der Artikel ist sehr kritisch (korrekt) geschrieben inkl reiserischer Überschrift, während die Fotos eine paradisische Welt zeigen. (und wo ist das Foto und die Story über den Tempel der Katzen). Doch eines ist wichtig, es ist ein sehr schönes Land trotz angespannter politischer Situation.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Supertramp am 04.02.2018 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ist schon schoen da aber...

    man stelle sich vor jeder Tourist nimmt ein eigenes Boot...

  • Tobias Hünninger am 30.01.2018 09:25 Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Beispiel

    Gratuliere. In den ersten Zeilen die ökologischen Aspekte betonen, um nachher ein eigenes dieser Stinkboote zu mieten. Von einem "Reiseblog" hätte ich mehr erhofft.

    • Pendragon am 31.01.2018 09:49 Report Diesen Beitrag melden

      Hast recht

      Wenigstens einer , der diese Diskrepanz auch bemerkt hat. Der sollte den Spiegel zuerst vor sich selbst hinhalten. Alles nur bescheidene Selbstdarsteller.

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  • Hugop am 29.01.2018 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei uns auch.

    Ist doch mit den Schweizer Bergbauern an den Touristenorten genau gleich. Alpöhis im Heidiland etc. Und mit den Kühen und Geissen. Fotohuren. Seit Jahrzehnten.

    • Claudine7075 am 13.02.2018 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hugo

      Doch jemand, der etwas Vernünftiges und WAHRES sagt. Andere Kulturen kritisieren ist leicht. Aber bei uns in der heiligen Schweiz gehts genauso, wenn nicht schlimmer.

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  • Leo F. am 26.01.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mein Geschmack

    Ich muss jetzt gar nie dahin. Finde es gibt schöneres auf der Welt.

  • Reisender am 26.01.2018 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Finger weg

    War auch dort vor 2 Jahren. Ganz schrecklich ;), am besten sollte niemand nach Myanmar reisen!(so bleiben das schöne land und leute von uns touris verschont)

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