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Wattwanderung

13. Mai 2018 08:45; Akt: 13.05.2018 08:45 Print

Was treibt unsere Redaktorin da?

von Fee Riebeling - Eine Wattwanderung mit Akkordeon-Begleitung? Klingt absurd. Fee Riebeling hat sich trotzdem darauf eingelassen und es nicht bereut.

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Die Insel Borkum hat mehr zu bieten als Nordseeromantik ... ... in Form von endlosen Dünen ... ... herrlich breiten Stränden und ... ... Robbenbabys direkt vor der Haustür. Definitiv eines der Highlights der westlichsten der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln ist Albertus Akkermann, der singend durchs Watt führt. Was absurd tönt, kommt richtig gut, wie die Teilnahme an seiner Watt'n'Konzert-Tour zeigt. Denn immer mit dabei ... ... ist sein Akkordeon. Darauf spielt er während der Tour wahlweise traditionelle Lieder von der Küste, eigene Kompositionen oder Songs bekannter Künstler wie Element of Crime. Aber auch punkto Sprüchen hat Akkermann einiges drauf. Die machen nicht nur Laune, sondern bleiben auch hängen. Und mit ihnen Spannendes über das Watt. Eine Auswahl. «Schon mit sechs Jahren bin ich mit meinem Opa hier in die Salzwiesen gegangen und habe mit ihm Strandwermut abgeschnitten. Zu Hause wurde der getrocknet. Wenn wir Magenschmerzen hatten, hat meine Oma daraus Tee gekocht. Und dann wurden wir gezwungen, den zu trinken. E-k-e-l-h-a-f-t! Wermut ist richtig bitter. Aber wegen dieser Bitterstoffe ist er total gut für den Magen und den Darm.» «Warum die Herzmuschel Herzmuschel heisst? Tatsächlich weil es eine Muschel ist, die von der Seite wie ein Herz aussieht.» «Die Pazifische Felsenauster wurde hierher gebracht, damit in der Nordsee wieder Austern gefischt werden können, nachdem die Nordseeauster ausgerottet war. Aber die haben hier keine Felsen ... ... Der nächste ernst zu nehmende Felsen ist die Insel Helgoland in 70 Kilometern Entfernung. Und das ist echt nicht gut ... (Im Bild: Haupt- und Nebeninsel von Helgoland) ... Deshalb wachsen die Austern hier an Spundwänden und Buhnen – und auf Miesmuscheln, was problematisch ist. Denn die Austern sind deutlich grösser als die Miesmuscheln und verhindern im schlimmsten Fall, dass diese aufklappen und atmen können.» (Im Bild: Austern auf Miesmuscheln) «Wisst ihr, wo der Ausdruck Watt herkommt? Na, wie nennt man das, wenn man durch flaches Wasser geht? Waten. Gleicher Wortstamm. Watt ist friesisch und bedeutet flach und nicht tief. Und hier, wo wir stehen, reicht mir das Wasser bei Hochwasser bis zum Knie. Das ist flach, da watet man höchstens. Daher hat das Watt seinen Namen.» «Für Kinder bis zur 4. Klasse nenne ich das ‹Muschelrennen›, für ältere Schüler ‹Muscheln können laufen mit anschliessender Analyse› und für euch ‹Anpassungsmassnahme und Überlebensstrategien von Herzmuscheln in einem dynamischen Lebensraum unter besonderer Berücksichtigung ausgeprägter Gezeiteneffekte›. Alle drei meinen das Gleiche ... ... nämlich dass die Muscheln ausserhalb des Wassers bis zu 48 Stunden überleben können. Neben Wasser brauchen sie auch Sand. In den graben sie sich ein, denn nur da sind sie geschützt vor Fressfeinden wie dem Austernfischer. Der frisst am Tag bis zu 120 Herzmuscheln. Da wird der Schnabel ganz schön beansprucht. Und deswegen wächst der ganz schnell nach.» «Sie fressen pro Jahr bis 25 Kilogramm Sand mitsamt dem sich darin befindenden toten organischen Material. Das schafft sonst keiner. Dann zersetzen sie das Ganze in Mineralstoffe, die sie am Ende zusammen mit dem Sand ausscheiden – ohne Rücksicht, frei nach dem Motto ‹Was raus muss, muss raus› ... ... Damit tragen die Wattwürmer wesentlich dazu bei, dass der Wattboden mit Sauerstoff versorgt wird. Viele Wattwurmhaufen sind also ein gutes Zeichen. Und wenn man sich das so überlegt, dann laufen wir hier gerade durch den grössten Scheisshaufen der Erde. Gleichzeitig ist das der sauberste Sand, den es im Wattenmeer zu finden gibt.» «Ich versuche jetzt eine Sandklaffmuschel zu finden. Ausgewachsen können die mehr als 250 Gramm wiegen – so viel wie zweieinhalb Tafeln Schokolade ... ... Wenn ich die kitzle, fährt sie ihren Sipho bis zu 30 Zentimeter weit aus. Dabei handelt es sich um einen Muskel, mit dem die Muschel an der Oberfläche ihrer Höhle nach Nahrung sucht. Sie frisst winzig kleine Kieselalgen, die ähnlich wie Kühe auf der Weide auf einem Haufen leben ... ... Mit dem Sipho kann man aber auch Leute nass spritzen. Und dann sag ich immer; ‹Einige von euch können sich jetzt so richtig angepisst fühlen.› Wir nennen die Muscheln im Plattdeutschen nämlich Michauster – übersetzt: Pisser oder Pinkelmuschel. Es sollte klar sein, warum.» Am Ende der Tour schickt Albertus Akkermann jeweils einen Teilnehmer in ein Schlickloch, das tückischerweise nur auf den ersten Blick wie eine riesige Pfütze aussieht. Unter der vermeintlich unspektakulären Wasseroberfläche geht es ein ganzes Stück hinab. Innert Sekunden kann man bis zum Knie oder noch tiefer einsinken. Zu dem mulmigen Gefühl während des Einsinkens gesellt sich der intensive Geruch von Schwefelwasserstoff. «Das kommt daher, dass du im Grunde genommen in nichts anderem als ganz feinem Sand und vergammelten Tieren und Pflanzen stehst», erklärt der Wattführer. Eine interessante Vorstellung ... ... findet Redaktorin Fee Riebeling. Doch schnell wieder aus dem Loch herauszukommen, ist gar nicht so einfach. Es wirkt, als ob das Watt seinen Fang nicht mehr gehen lassen möchte. Und man kann sich vorstellen, wie gefährlich es wäre, ohne die Begleitung eines Wattführers dort hineinzugeraten.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Geht nie, wirklich nie, allein ins Watt!» So schwört der Borkumer Albertus Akkermann die Teilnehmer der Wattwanderung ein. Und er sagt das nicht, weil er als Wattführer sein Geld verdient, sondern weil es ohne Ortskundigen im Watt schnell lebensgefährlich werden kann.

«Beispielsweise, wenn man von der Flut oder von Seenebel überrascht wird», sagt Akkermann. Das könne an der Küste schnell gehen. Und er verspricht, seiner Truppe gegen Ende der Tour zu zeigen, wie schnell man im vermeintlich beschaulichen Watt in eine brenzlige Lage kommen kann.

Grosse Klappe, viel dahinter

Damit ist ihm unsere Aufmerksamkeit während der zweieinhalbstündigen Watt'n'Konzert-Wanderung sicher.

Dafür sorgt allerdings nicht nur die Ankündigung des kräftigen Ostfriesen, sondern auch dessen loses Mundwerk, das die Teilnehmer unterhält und ganz nebenbei über das Watt aufklärt (siehe Bildstrecke).

Ungewohnte Töne

Auch sein Gesang, bei dem er sich selbst mit seinem Akkordeon begleitet, sorgt für Unterhaltung. Abwechselnd spielt er traditionelle Lieder von der Küste, eigene Kompositionen oder Songs bekannter Künstler wie Element of Crime oder Rio Reiser.

Das mag sich ungewöhnlich anhören, kommt aber mit den Füssen im Sand und dem Wind um die Nase richtig gut:


Wer Meer und Watt liebt, dürfte bei Albertus Akkermanns Watt'n'Konzert-Version von Rio Reisers «Übers Meer» gleich Fernweh bekommen. (Video: Fee Riebeling)

Wegen Momenten wie diesen gerät Akkermanns anfängliche Ankündigung in Vergessenheit. Umso überraschter sind wir, als es plötzlich so weit ist. Doch von wo soll hier bitte Gefahr ausgehen? Wir stehen mitten im Nirgendwo vor Borkum. Ausser einer riesigen Pfütze im Sand vor uns sehen wir nichts.

Pfütze oder Lebensgefahr?

Auf genau diese Gedanken wollte Akkermann hinaus. «Das ist ein Schlickloch, Leute!» Ein solches sei nur auf den ersten Blick harmlos. Denn dort könne man innert Sekunden bis zum Knie oder noch tiefer einsinken. Sich daraus zu befreien, sei – je nach Grösse und Tiefe des Lochs – schwierig bis unmöglich. Schon öfter hätten deswegen Feuerwehrleute oder Mitarbeiter der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ausrücken müssen. In manchen Fällen sei aber jede Hilfe zu spät gekommen.

Karten, in denen die tückischen Löcher verzeichnet sind, gibt es – weil sich die Schlickablagerungen ständig wandeln – keine. Durch Wind und Strom können sie sich innerhalb weniger Wochen deutlich verlagern. Deshalb sollte man sich nie auf eigene Faust, sondern nur in Begleitung eines Wattführers ins Watt begeben, wiederholt Akkermann. Ein solcher kenne nicht nur die Gegend, sondern habe immer auch Funkgerät und Rettungsmittel dabei.

Wenn das Watt einen nicht freigeben möchte

Dann lässt der Wattführer seinen Worten Taten folgen und schickt eine Teilnehmerin – die 20-Minuten-Redaktorin Fee Riebeling – in das Schlickloch zu unseren Füssen. Albertus Akkermann kennt dieses gut und weiss, dass von ihm keine wirkliche Gefahr ausgeht.

Trotzdem ist die Erfahrung eindrücklich, denn schon nach ein paar Schritten zeigt sich, dass es unter der seicht anmutenden Oberfläche unvermittelt ein ganzes Stück hinabgeht. Mit einem Mal steht Riebeling knietief im Schlick.

Jeder Versuch, das Bein herauszuziehen, wird von einem satten Seufzen begleitet. Es wirkt, als ob das Watt seinen Fang nicht mehr gehen lassen möchte. Man möchte sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss, bis zu den Hüften im Schlick zu stecken.


Knietief im Schlick – ohne Albertus Akkermanns Hinweis hätte Redaktorin Fee Riebeling das Schlickloch nicht kommen sehen. (Video: Fee Riebeling)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus vom Norden am 13.05.2018 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moin

    Moin, es müssen nicht immer Alpen sein. Meer ist auch toll.

  • Nordlicht am 13.05.2018 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seele baumeln lassen

    Ich komme von der nordsee und es gibt immer wieder Fälle, wo durch Unerfahrenheit ( meistens Urlauber) brenzliche Situationen entstehen . Auf jeden Fall nur mit Wattführer eine Wattwanderung!!!! Aber es ist ein tolles Erlebnis so eine Wattwanderung , kann ich jedem empfehlen....Seele baumeln lassen im Nordseewind..........

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  • Te Rasse am 13.05.2018 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Schöner Bericht

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus im AG am 14.05.2018 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer noch nie da war

    geht mal hin und es ist wie bei uns die Alpen es lässt Euch nie mehr los.

  • Otto Frettchi am 14.05.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    im watt

    jetzt freu ich mich wieder aufs schlickschlürfen beim ollen Hein !

  • Henry am 14.05.2018 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Super Nordsee

    Ich war auch schon dort. Nicht nur das Meer ist fantastisch, auch die Leute die dort leben sind es. Ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch an der Nordsee.

  • Rea am 14.05.2018 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Boah

    Ich lese das - und hab so keine Lust auf Arbeit. Ich will einfach nur ans Meer

  • M.E262 am 13.05.2018 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das Gute ist so nah

    Die Nordsee und das Wattenmeer sind so schön und friedlich. Die gesunde Luft und die unendliche Weite. Warum ins Ausland, Deutschland ist wirklich toll und hat so viel zu bieten. Ostsee, Alpen, die Mittelgebirge die schönen Seen und natürlich das leckere Bier und den weltbesten Weisswein, Helene Fischer und den HSV :-)

    • friburger am 14.05.2018 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.E262

      einverstanden mit Allem, aber Helene lassen wir aussen vor..:))

    • Neuland am 15.05.2018 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      Ein kleiner Fehlerteufel

      Ahem , ich will Ihnen nicht zu nahe treten .. Deutschland ist weiterhin ein Ausland für uns Schweizer. Wenn Ihr das in der EU anders seht, Bitteschön. Stimmen tut es trotzdem nicht :-) .

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