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Mystische Insel

05. Dezember 2017 15:45; Akt: 05.12.2017 20:19 Print

Auf Madagaskar heilige Stätten erkunden

von Jeanne Dutoit - Ein Aufenthalt auf Madagaskar bringt den Reisenden in eine Welt voller märchenhafter Sagen, heiliger Bäume und sagenumwobener Grotten.

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Das verlassenen Hotel in Antsiranana erinnert an eine längst vergangene Zeit. Wer sich ganz nach hinten wagt, kann einen Blick auf das Meer erhaschen. Eine kubanische Brise liegt in der Luft. Auf den staubigen Pisten sind von Kühen gezogene Wagen meist die einzigen Verkehrsteilnehmer. Autos bekommt man eigentlich nie zu Gesicht. Strassen-Impressionen. An kleinen Verkaufsständen werden selbstgemachte Chutneys, scharfe Saucen und geflochtene Körbe verkauft. Auch diese Decken werden von Hand gefertigt und direkt am Meer verkauft. Für ein grosses Stück Stoff benötigt eine Frau rund einen Monat. Die typischen Körbe werden nebst frischem Obst auch an diesem Stand verkauft Die roten Tsingis sind einen Abstecher wert. Unsere Gruppe wurde um Rat gefragt, wie die Sandsteinformationen von Wind und Wetter gerettet werden können. Hilfe ist immer willkommen. Gutes Schuhwerk ist von Vorteil. Beschilderung à la Madagaskar: Achtung, hier gehts steil bergab. Der Schädel und die Gebeine eines Kriegers. Das Grab in einer Fledermaus-Grotte ist eine heilige Stätte. Bewohner opfern Scheine und Münzen für das Wohlwollen der Ahnen. Die Höhle ist nichts für Spinnen-Phobiker. Diese hier war handgross, oben links sieht man ihr Nest. Laut Guide verzehrt sie am liebsten Frösche. Am Höhlen-Eingang sind wir dann auf diese Schlange gestossen. Sie verdaute gerade ihre Beute: vermutlich eine Fledermaus. Madagaskar ist ein Paradies für Liebhaber von wilden Tieren. Hier ein männliches Chamäleon, das wir beim Überqueren der Strasse beobachten konnten. Es war auf dem Weg zu seinem Weibchen. Hier ein Paar, das es sich auf einer Solarzelle auf einem Parkplatz gemütlich gemacht hat. Die wohl bekannteste Tier-Gattung auf Madagaskar: Der Lemure. In Tierparks sind die Lemuren besonders zahm. Sie hören auf den Ruf «Makimaki» und springen meist mit der Erwartungshaltung, gefüttert zu werden, von den Bäumen. Die Landschaften sind atemberaubend. Natur, so weit das Auge reicht. Die Abendstimmungen sind einzigartig. Ach, dieser Himmel. Der Arbre sacré de Mahatsinjo auf Nosy Be: Ein heiliger Baum, der einst von einer Prinzessin gepflanzt wurde. Weisse und rote Stoffbahnen schmücken den begehbaren Wurzel-Tempel. Ein Muss für Besucher sind die traditionellen Gewänder. Diese werden am Eingang für Mann und Frau ausgeteilt. Zudem müssen die Schuhe beim Eingang ausgezogen werden. Die Führerin trägt die traditionelle Gesichtsbemalung, die aus Pflanzen und Erde hergestellt wird.

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Die viertgrösste Insel der Welt, die aufgrund ihrer einzigartigen Flora und Fauna als achter Kontinent bezeichnet wird, ist eine Destination für Abenteurer und Naturliebhaber. Mitbringen sollte der Reisende auf einer Entdeckungstour durch den Norden Madagaskars nebst solidem Schuhwerk und genügend Mückenschutz auch eine Portion Geduld.

Denn Zeit hat auf der Insel im Indischen Ozean einen anderen Stellenwert. Schnell zeigt sich: Die Entschleunigung und ein meist nicht vorhandenes Mobilfunknetz führen zu einer angenehmen Entspanntheit. «Moramora» (ausgesprochen Muramura), «Alles mit der Zeit», hört man die Madagassen gern murmeln – bestimmt, aber leise, denn zu lautes Sprechen gilt als unhöflich.

Das Leben im verschlafenen Antsiranana, Ausgangspunkt der Reise, scheint stehen geblieben zu sein. Diego nennen die Einheimischen ihr Städtchen, so hiess es auch bis 1975. Nicht nur der Name erinnert an die Vergangenheit: Ein verlassenes Kolonialhotel, fast hundertjährig und mit Holzpfeilern vor dem endgültigen Verfall geschützt, versprüht ein gespenstisches Flair. Laut Kapitel im Reiseführer ist das Betreten strengstens verboten, doch der Guide drückt ein Auge zu: Die Stimmung und die Aussicht auf das Meer sind atemberaubend.

Eine Küstenfahrt offenbart schnell das Postkartenmotiv der Region: Eine Insel, die aus dem türkisfarbenen Meer hervorblitzt. Nosy Lonjo erinnert an den brasilianischen Zuckerhut in Miniaturformat. Für Ausländer – «Vazahas» – ist die Insel, die als Friedhof vergangener Könige dient, ein Tabu. Zeigt man mit dem gestreckten Finger auf die Spitze, lässt eine Zurechtweisung nicht lange auf sich warten. «Es erzürnt die Ahnen und bringt Unglück», mahnt der Guide.

Auf Madagaskar leben Christen, Moslems und Juden Tür an Tür. Sie alle verbindet der Glaube an Naturgeister, Ahnen und «Fadys», Regeln, die bestimmen, was man an heiligen Orten zu tun und zu lassen hat.

Wünscht sich eine Frau ein Kind, pilgert sie bei bestimmten Mondphasen zu dem knorrigen Baum, der vor der Toten-Insel aus dem Wasser ragt. Ein Opfer soll die Geister beschwichtigen. Doch die Ahnen sind wählerisch: Kichererbsen und Schwein eignen sich nicht als Geschenk, Hüte müssen abgenommen werden, in ihrer Nähe darf nicht gegessen werden. Und noch etwas: Menstruierende Frauen gelten als unrein und müssen sich von den Stätten fernhalten.

So streng der Alltag auch von Regeln geprägt wird, ausgelassene Musik und Bewegung haben einen hohen Stellenwert. Salegi heisst die Tanzmusik, die an den Küsten verbreitet ist.

Eine staubige Piste, immer mal wieder von Hütten gesäumt, führt an den Tsingy Rouges vorbei, rote Sandsteingebilde, deren Zerfall durch Wind und Wasser wohl unabdingbar ist. Nicolas Salo steht am Eingang des Ankarana-Reservats. Erst seit zehn Jahren ist es für Reisende geöffnet. Ein Höhepunkt sind die Fledermaus-Grotten, die mit der Smartphone-Taschenlampe erkundet werden. Eine der Höhlen fungiert als Grab eines Kriegers: Schädel und Gebeine dienen seither als heilige Opferstätte.

Die Geruchs- und Lärm-Emissionen der 3000 Fledermäuse bleiben in Erinnerung.

Mit dem Schnellboot dauert die Überfahrt auf Nosy Be eine halbe Stunde. Ein Ficus religiosa, der 1836 von einer Prinzessin gepflanzt wurde, bildet heute eine beeindruckende Wurzel-Kathedrale. Das Geäst weist eine Oberfläche von 5000 qm auf. Und so hat sogar diese Insel, die aufgrund ihrer Hotelanlagen wohl der bekannteste Touristen-Hotspot auf Madagaskar ist, einen ganz speziellen mystischen Ort.

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