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Weltenbummler-Blog

15. Mai 2017 13:30; Akt: 15.05.2017 14:07 Print

Burmas vergessenes Volk

von Claudio Sieber - Tieropfer, tätowierte Gesichter, Alltag wie vor 60 Jahren: Eine Reise durch den kaum besuchten Chin-Staat im äussersten Nordwesten des Landes.

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Die Marktfrau wiegt das Dörrfleisch gegen zwei XL-Batterien und nennt den Preis, ein Knirps schnappt sich Mamas Tabakpfeife und pafft zufrieden, ein Jäger hantiert mit seiner Flinte. Über gehacktem Federwild und Kornwein berate ich mich mit meinen Freunden über einen Grobplan für die nächsten Tage. Wir wollen Burmas selten besuchte Chin-Region erkunden. Erst seit kurzer Zeit sind Reisen hierhin überhaupt möglich. Im Schutz eines Korps problemlösender Ninjas auf Motorrädern klappern wir über Stock und Stein durch die verschlafensten Weiler. Hier hat der Fortschritt 60 Jahre ausgesetzt. Kinder rollen Pneus um die Wette, ihre Eltern verrichten täglich Knochenarbeit.

Animistische Tradition
Wir flitzen an einem Stapel verzierter Ochsenschädel vorbei, deren bullige Besitzer dem Animismus zum Opfer fielen. Mittels traditioneller Zeremonie rüstet sich die Sippe für das Leben nach dem Tod – den Einlass zum Monu Mountain. Und dort soll es krachen. Für jeden dargereichten Ochsen wartet ein neuer im nächsten Leben. So opfern einige ganze Herden. Und damit ist es lange nicht getan: Richtige Animisten schaufeln sich ihr eigenes Grab. Die Grösse der Steinanordnung entscheidet dabei über die Grösse des zukünftigen Hauses. Die Chin bleiben jedoch genügsam – ich habe noch keine fünfstöckigen Grabmale mit angrenzendem Pool entdeckt.

Während die Männer um zukünftige Häuser und Herden buhlen, tätowieren sich ihre Frauen das Gesicht. Die Tätowierungen sind das Markenzeichen der Chin-Frauen, nur wer eine Tätowierung trägt, erhält Einlass zum Monu Mountain. Andere Geschichten besagen, dass die Frauen mit der Gesichtstätowierung die burmesischen Prinzen und ihre Schlepper erschrecken wollten – (Chin-Frauen waren begehrte Konkubinen). 1964 wurde das Tätowieren von der Regierung verboten, weshalb man kaum tätowierte Mädchen sieht. Für die irdischen Kleinigkeiten, wie eine erfolgreiche Jagd und die üppige Ernte, sind weiterhin die Naturgeister (Nats) zuständig. Während den Nat-Treffen liest der lokale Schamane aus einem Ei. Die ausgegossene Flüssigkeit wird nach Linien und Formen abgesucht. Die Interpretation entscheidet über das Tieropfer, das Tieropfer über den spirituellen Beistand.

Die ersten Besucher seit den Japanern
Spiritueller Beistand, den auch wir gerade gut brauchen könnten. Bedrohliche Flammen züngeln aus dem Auspuffrohr des Motorrads meines Kollegen. Mein Fahrer und ich lächeln verschmitzt und vergrössern den Abstand. Kurz darauf fliegt unsere hintere Bremse ab. Nichts, was nicht wieder angebastelt werden könnte. Wieder Regen. Wieder Schlamm. Wir halten bravourös die zwei Zentimeter breite Spur. Rechts wartet der Abgrund. Ein paar Jäger rutschen an uns vorbei, fallen, steigen auf, fallen. Nach sechs Stunden auf und ab zeigt sich ein Dorf. Wir sind die ersten ausländischen Besucher seit den japanischen Invasoren während des Zweiten Weltkriegs. Mana Buu lässt uns in seinem Haus nächtigen, packt uns in Decken und serviert uns alles, was sein Vorratsschrank hergibt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theorie & Praxis am 15.05.2017 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volk

    Zum glück haben die (noch ?) ihre ruhe von den grossstädten und das ganze drum herum. Darum sehen die doch noch alle so glücklich und zufrieden aus :)

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  • Dä Mäsi am 15.05.2017 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Land

    Wie wäre es wenn im Bericht der richtige Name des Landes stehen würde ? Myanmar.

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  • Jamaika Jamal am 15.05.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergessen?

    Vergessen vielleicht von allen die sonst noch auf der Welt sind. So glücklich wie die aussehen, scheinen sie aber kein Problem damit zu haben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonnige Frau am 16.05.2017 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Austausch

    Eindrücklich diese Frau strahlt,ich möchte gerne einmal für 1Monat dort leben,wir sind ein verwöhntes Volk,Clou mit Spülung,jeden Tag dürfen wir ein Bad geniessen,wäre trotz meines Alters für ein Austausch,nur schlafen müsste die Frau in meinem ,aber mein Mann würde sie in Ruhe lassen,aber er wäre der beste Gastgeber.

  • ledermann am 16.05.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Gegend

    ich glaube die sind glücklicher als wir. Manchmal wünschte ich mir, wir Kelten leben auch noch in Clans....

  • Muro83 am 16.05.2017 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rohinga

    In Burma werden die Rohinga eine kleine Minderheit Tag für Tag eliminiert. Es werden jeden Tag Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und alle schauen zu oder einfach nur weg weil es sie nicht interessiert.

  • Dani am 15.05.2017 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Tourismus bringt unglück

    Auf der einen seite richtig schön und gut, dass es nun möglich ist in den norden von myanmar zu gelangen. Vor der öffnung des landes war ich dort und nir wurde dies ausdtücklich verboten. Auf der anderen seite seit ihr die ersten - aber bei weitem nicht die letzten. Und so wird aus den schönen traditionen, aus dem glücklichen alltag dieser menschen etc. In x jahren eine andere welt entstehen. Beispielhaft anhand von z.b. bali zu sehen, was tourismus bewirken kann, ja, bewirken wird. Leider werden solche völker wegen den touristen dazu "genötigt" bald alles umzustellen....

    • B.Armin am 15.05.2017 23:25 Report Diesen Beitrag melden

      Echter Mensch sein - das ist alles..

      Lieber vergessen, dafür keine Unterjochung - keine Schmink Sucht und kein Kleider Diktat. Einfach ein Teil der Natur sein - herzlich und lustig!

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  • Martin C am 15.05.2017 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade...

    das Tätowieren wurde Ihnen verboten... schade konnte man diese Menschen nicht so lassen wie sie sind.

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