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Staaten-Blog

08. Mai 2016 14:37; Akt: 08.05.2016 14:37 Print

Wo «The Revenant» um sein Leben kämpfte

von Pascal Meister - Nach North Dakota verschlägt es kaum Besucher. Zu Unrecht: Es gibt weite Graslandschaften und verlassene Geisterstädte zu entdecken.

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Entgegen der landläufigen Meinung, die durch den gleichnamigen Film und die letztjährige TV-Serie geprägt wurde, herrscht in Fargo keinesfalls das ganze Jahr hindurch Winter. Das Thermometer klettert im Sommer auch in der grössten Stadt North Dakotas auf über 30 Grad. Allerdings ist der Winter mit durchschnittlich sechs Grad unter null doch sehr kalt. Bis 1867 war die Fort Union Trading Post der wichtigste Handelsposten für Pelze und Leder am oberen Missouri River. Prominente Besucher im Fort waren unter anderem Häuptling Sitting Bull und Hugh Glass, ein landesweit bekannter Trapper, der im Film «The Revenant» von Leonardo DiCaprio porträtiert wurde. Prächtige Sonnenblumenfelder wie hier nahe dem Städtchen Buxton finden sich überall in North Dakota. Unterwegs auf Überlandstrassen stösst man auf zahlreiche von Wind und Wetter gezeichnete Gebäude. Die verlassenen Häuser sind oft Ziel von Geisterjägern, die nach Stimmen aus dem Jenseits suchen. Die Ortschaft Buffalo hat auch schon bessere Tage gesehen. Zerfallene Restaurants prägen das Stadtbild. Schuld am Schicksal vieler kleiner Gemeinden war der Bau der Interstate und der grösseren Highways. Die Provinzstrassen wurden nicht mehr benutzt, die Shops gingen pleite. Minnewaukan hatte 2014 noch 224 Einwohner. Seither haben weitere Menschen den Ort verlassen, um in grössere Agglomerationen zu ziehen. Es wird geschätzt, dass im Jahr 2018 auch Minnewaukan zur Geisterstadt wird. Der Scandinavian Heritage Park in Minot ist voll mit nordischen Errungenschaften. Dazu gehören finnische Saunas, eine Statue von Hans Christian Andersen, Windmühlen und - als Highlight der Anlage - ein exakter Nachbau der Stabkirche Gol in Oslo. Der Teddy Roosevelt Nationalpark ist gezeichnet von rauer Prärielandschaft, Schluchten und Tälern. In der South Unit steht die restaurierte Maltese Cross Cabin, das erste Wohnhaus des Präsidenten in den Badlands von North Dakota. Die Bergformation auf dem Bild ist bekannt als Wind Canyon. Der Little Missouri River ist ein Nebenfluss des Missouri und schlängelt sich vom Teddy Roosevelt Nationalpark durch die Killdeer Mountains hindurch bis in den Little Missouri State Park. An seinen Ufern kämpfte «The Revenant» Hugh Glass um sein Leben, als er sich nach einer Bärenattacke alleine 320 Kilometer ohne Waffen und Proviant durch die Wildnis schlug. Der grösste Büffel Nordamerikas ist aus Zement. Zehn Meter misst der Riese aus Zement am Eingang zum Frontier Village. Herzstück des Museums ist ein seltener, ausgestopfter Weisser Büffel, eine absolute Rarität nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt. Der Goldrausch endete so abrupt, wie er begonnen hatte. Heute zeugen leere Minen und Eingänge in unterirdische Schächte vom Höhepunkt des Goldrauschs im Mittleren Westen im Jahr 1876. Einige Minen wurden klug vermarktet und zur Touristen-Attraktion umfunktioniert. Andere warten in der Wildnis auf ihren Zerfall.

Zum Thema
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Sogar die Einwohner von North Dakota sprechen das Offensichtliche aus: Am Rande der Zivilisation lebten sie, jenseits vom amerikanischen Traum, über den die Medien gerne schreiben. Die Bewohner haben nicht ganz Unrecht, doch was sie zu erwähnen vergessen: Am sprichwörtlichen Arsch der Welt ist es richtig schön. North Dakota, das Zentrum des nordamerikanischen Kontinents, besteht zwar aus nichts als Grasland und Hochprärie, doch europäische Auswanderer, historische Figuren und der legendäre Goldrausch machten den Staat an der Grenze zu Kanada zu einem idyllischen und auch gespenstischen Ort. Am Little Missouri River schlug sich Leonardo DiCaprio als «The Revenant» schwer verletzt durch die Wildnis.

Köttbullar, anyone?

Nachdem die Lewis-und-Clark-Expedition von 1804 die Landschaft um den Missouri erkundet und erschlossen hatte, kamen wegen des fruchtbaren Ackerlandes viele Europäer nach North Dakota. Die Hauptstadt Bismarck, aber auch New Leipzig, Karlsruhe und Kloten zeugen mit ihren Namen von Auswanderern aus Zentraleuropa. Es waren aber die Skandinavier, die dem Staat den Stempel aufdrückten. Noch heute haben über 52 Prozent der Bevölkerung North Dakotas nordeuropäische Wurzeln. Im Ort Minot findet alljährlich das Norsk Høstfest statt, das grösste skandinavische Volksfest der USA. Kulinarische Spezialitäten, Volksmusik und traditionelle Spiele aus der alten Heimat werden dabei über drei Tage lang zelebriert. Der Scandinavian Heritage Park im Ort ist eine schöne Parkanlage mit allerlei Hommagen an die nordischen Auswanderer.

Am anderen Ende des Staates liegt Fargo. Auch hier tragen fast alle Einwohner skandinavische Namen. Noch vor zwanzig Jahren war die Stadt nichts Besonderes, bis die Brüder Joel and Ethan Coen mit ihrem gleichnamigen Film der Stadt neues Leben einhauchten und damit einen kleinen Touristenboom auslösten. Zahlreiche Theater, Kunstmuseen und Sportarenen zieren heute das Stadtbild. Bekannt ist die Ortschaft auch wegen des ausgezeichneten skandinavischen Essens und dem KVLY-Fernsehsendermast, der mit seinen 629 Metern das vierthöchste Bauwerk der Welt ist.

Die Autofahrt wird zur Zeitreise

Jenseits von Fargo beginnt die Wildnis. Die Strasse, die vom Ort Minnewaukan nach Westen führt, ist so staubig, dass man bei einer Fahrt im offenen Cabrio seine Gesundheit aufs Spiel setzen würde. Weite Sonnenblumenfelder und verlassene Goldminen existieren nebeneinander ebenso wie rostende Getreidesilos und gespenstische Geisterstädte. Die Fahrt durchs Hinterland ist eine Reise durch die verschiedenen Epochen North Dakotas, als die Industrialisierung den Mittleren Westen erreichte, der Goldrausch ausbrach, die Bisonjäger das Land bevölkerten und die modernen Autobahnen ganze Städte und Dörfer von der Zivilisation abschnitten. Doch zu bestaunen gibt es trotzdem genug.

Der riesige, zehn Meter hohe Büffel aus Zement in der Stadt Jamestown bewacht das Frontier Village, in dem Bonanza-Häuser und der älteste Gemischtwarenladen des Staates zu besichtigen sind. Medora lebt von seinem Western-Image. Hier in der Wildnis wandert man auf den Spuren des grossen US-Präsidenten Theodore Roosevelt, der einst hier lebte und dem umliegenden Nationalpark, der bei Wanderern und Wassersportlern sehr beliebt ist, seinen Namen gab. An der Grenze zu Montana steht die Fort Union Trading Post: Heute eines der ältesten Wahrzeichen der USA, war das Fort in den 1820er-Jahren ein wichtiger Handelsposten – voller Trapper, Büffeljäger und Ureinwohner. Eine weitere Sehenswürdigkeit mitten im wunderschönen Nirgendwo, das sich North Dakota nennt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D. Nobbs am 09.05.2016 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    North Dakota; gebucht!!!

    Dann weiss ich ja wohin es mich beim nächsten Urlaub hinzieht. Toller Staat, solche Orte faszinieren mich. Unglaublich wie wenig wir zum Teil über dieses riesige Land USA wissen. Soll noch einer sagen die Staaten wären öde. Es gibt eben mehr als bloss, NY, Florida, Vegas und LA.

  • baba am 10.05.2016 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    wie in alaska

    sieht änlich aus wie im Yukon und Alaska wo ich vor ein paar Jahren war. immer wieder sieht man verwitterte Hütten, verrostete alte Autos usw. Es ist schön grün und wir hatten zwischen 30C und 6C.

  • Rob Kettler am 09.05.2016 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die Landschaft ist das spannendste

    Die Landschaft ist um Welten interessanter als der 2.5h lange, stinklangweilige Streifen. Das Klima scheint auch ganz besonders zu sein, kalt ist es in jeder Szene, aber in gut drei Vierteln ist kein Hauch vor dem Mund zu sehen, es scheint Schnee zu haben, aber es müssen locker um die 20 Grad sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 11.05.2016 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    An den Verfasser

    Mir gefallen Ihre Artikel über Amerika sehr gut. Auch wie Sie es immer wieder schaffen immer zeitgemässe Zusammenhänge zu finden wie bei diesem Artikel bezogen auf den Film Revenant. Es ist mir immer wieder einen Freude Ihre Artikel zu lesen.

  • der bär am 10.05.2016 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gedreht in argentinen und canada

    wurde der film nicht in argentinen gedreht? er spielt einfach in der usa.

  • baba am 10.05.2016 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    wie in alaska

    sieht änlich aus wie im Yukon und Alaska wo ich vor ein paar Jahren war. immer wieder sieht man verwitterte Hütten, verrostete alte Autos usw. Es ist schön grün und wir hatten zwischen 30C und 6C.

  • Lisa Müller am 10.05.2016 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    BAN USA - Boykott der USA !

    Wer 300 Kriege in 200 Jahren anzettelt sollte die USA nicht unterstützen mit Apple, Tommy Hilfiger usw. Auch bei Reisen wird man wir ein Verbrecher am Flughafen behandelt !

    • babs am 10.05.2016 09:19 Report Diesen Beitrag melden

      nicht wirklich Lisa

      waren sie denn schon da? wir waren vor paar Jahren in Nordamerika (Ok wir sind nach Canada geflogen und dann per PKW mehrmals in die USA ein und wieder ausgereist) aber wir sind niemals wie verbrecher behandelt worden. die Zollabfertigung lief tadellos. Ja die Zöllner dort machen stehts ne ernste Miene und mit ihren 2m grösse, vielen Mukis, Glatze, Sonnenbrille und Waffen sicherlich einschüchternder als unsere, aber sie waren stehts freundlich.

    • Chris am 11.05.2016 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lisa Müller

      dann ist ja gut wenn sie zu hause bleiben. wir fliegen im juni zum 18. mal in 10 jahren hin, hatten nie probleme bei der einreise, haben nun 19 bundesstaaten besucht, immer tolle gastgeber getroffen, immer gut gegessen, tolle natur und städte gesehen, viel eingekauft...für uns ist und bleibt die usa das reiseland no1.

    • Ulrich Zischewski am 12.05.2016 10:08 Report Diesen Beitrag melden

      lieber europa

      Lisa im Grunde bin ich bei Ihnen. Andererseits ist die Landschaft wirklich sehenswert und man muss nicht shoppen. Habe auch schon mehrere Touren längs und quer gemacht und war begeistert Osten und oben , gelangweilt Westcoast) aber auch stelle ich einigen Reise- Angebern die nur dahin fahren immer mal wieder die Frage ob sie wissen wo die Heimat des Räubers Hotzenplotz -der Hotzenwald - liegt (die Nordschweizer gehen dort inzwischen shoppen) Europa bietet viel mehr Abwechslung und ist leichter zu erreichen das ganze Einreisegehabe entspricht dem VSA Gehabe

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  • Rob Kettler am 09.05.2016 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die Landschaft ist das spannendste

    Die Landschaft ist um Welten interessanter als der 2.5h lange, stinklangweilige Streifen. Das Klima scheint auch ganz besonders zu sein, kalt ist es in jeder Szene, aber in gut drei Vierteln ist kein Hauch vor dem Mund zu sehen, es scheint Schnee zu haben, aber es müssen locker um die 20 Grad sein.

    • Paede am 10.05.2016 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Schnee

      Ja, das ist so in North Dakota, da liegt auch bei 20° noch Schnee ......

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