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Zwiespältiger Boom

27. Juni 2017 14:10; Akt: 27.06.2017 14:10 Print

Kreuzfahrten setzen Hafenstädten zu

Weltweit reisen immer mehr Passagiere auf den schwimmenden Hotels. Es wird eng in den Städten, die die Ozeanriesen ansteuern. Und der Unmut wächst.

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Allein in Europa unternahmen im vergangenen Jahr 6,7 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt, das sind 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Und das Wachstum geht weiter, da sind sich alle Experten einig. In Dubrovnik kamen Anfang Juni an einem einzigen Tag 9000 Touristen mit Kreuzfahrtschiffen an, obwohl die kleine Altstadt nach Berechnungen von Fachleuten nur 7000 am Tag vertragen kann. Neben Dubrovnik erstickt auch die montenegrinische Altstadt von Kotor in der gleichnamigen Bucht aufgrund des Ansturms von Kreuzfahrtreisenden.

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Kritik der Bevölkerung wächst

Nirgends ist der Protest gegen die Meeresriesen so gross wie in Venedig. Die Lagunenstadt lebt vom Tourismus – und leidet unter den Menschen. Viele der umstrittenen Tagestouristen werden von den Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt, die noch immer mitten in die Stadt hineinfahren dürfen, obwohl dies das Ökosystem erheblich gefährdet.

Die UN-Kulturorganisation hat längst ein Verbot für die riesigen Schiffe vor allem im San-Marco-Becken gefordert. Die Wellenbewegungen sowie der Dreck, der aus den Schornsteinen gepustet wird, schadeten dem Weltkulturerbe. Am 18. Juni unterstützten mehr als 18'000 Menschen fast einhellig in einem Volksbegehren diese Forderungen. Ob sich die Politiker in Rom davon überzeugen lassen, ist unklar.

Auch auf Malta herrscht Unmut über die Kolosse, die im Hafen der Hauptstadt Valletta einlaufen und Menschenmassen ins Zentrum befördern. Es ist eine der Folgen des Touristenbooms, den der Inselstaat im Mittelmeer derzeit erlebt – auch, weil Urlauber aufgrund der politischen Instabilität traditionelle Reiseländer wie Tunesien, Ägypten oder die Türkei meiden.

Umweltschäden befürchtet

In Spanien wächst von Jahr zu Jahr die Zahl der Kreuzfahrtschiffe. 2016 wurde die Rekordzahl von 3918 Schiffen registriert – 61 mehr als im Vorjahr. Aus den Meeresriesen strömten insgesamt 8,5 Millionen Menschen in die spanischen Städte. Beliebtestes Ziel war Barcelona mit knapp 2,7 Millionen Kreuzfahrt-Touristen. Das waren fast sechs Prozent mehr als 2015 – in einer Stadt, die ohnehin ein beliebtes touristisches Ziel ist.

Entsprechend rapide wächst auch der Ärger der Gegner, die in erster Linie vor irreparablen Umweltschäden warnen, aber auch eine Beeinträchtigung des Charakters der Innenstädte und der Lebensumstände der Einheimischen beklagen. Für diesen Sommer sind erneut Protestkundgebungen gegen die Tagestouristen vorgesehen.

Die linke Bürgermeisterin Ada Colau, die bereits einen Hotelbaustopp verhängt hat und auch gegen die illegale Vermittlung von privaten Ferienwohnungen vorgeht, erwägt eine strengere Regulierung des Kreuzfahrttourismus.

Eine Lösung für die Probleme in den Top-Häfen ist einstweilen nicht in Sicht. Die Reedereien müssten sich besser koordinieren, wird gefordert. Doch die Routenpläne werden Jahre im Voraus entworfen. Die Reedereien äussern sich nicht dazu. Am Ende könnte nicht nur in Barcelona eine striktere Regulierung der Kreuzfahrtschifffahrt stehen – und manch attraktiver Zielhafen seltener in den Fahrplänen auftauchen.

(sei/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonja Gut am 27.06.2017 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Pervers billig

    Ich war früher bereits auf einigen Kreuzfahrten. Dabei durfte ich viel tolles Erleben. Aber es ist echt krass, eigentlich richtig pervers wie billig diese Umweltzerstörreisen sind. Besonders kleine Städte wie Venedig leiden extrem, die Reisenden welche meist nur wenig Geld haben kaufen fast nichts in den Städte, hinterlassen viel Müll und verdrängen zahlungskräftigere Touristen welche ein paar Nächte bleiben.

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  • Cicero am 27.06.2017 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung, die Horden kommen

    Was auf Havanna zukommen wird, ist schade. Massentourismus ist echt wüst.

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  • Laimigs am 27.06.2017 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfremdete Völker, verbündet euch

    Genau dieser Bericht könnte auf die Schweiz zutreffen, mit dem Unterschied, dass die Fremden uns kein Geld bringen und auch nicht wieder gehen. Keine Petition dieser Welt bringt uns die Ruhe und Beschaulichkeit zurück, die wir der Globalisierung geopfert haben. Dieses Faktum wiederum haben wir mit diesen Küstenstädten gemeinsam.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mansi am 28.06.2017 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verrückt

    Nehmen wir uns kurz mal Zeit, die Entwicklung auf diesem Planeten zu verfolgen. Wie lange wollt ihr eigentlich noch Abfall trennen und Licht nicht unnötig brennen lassen?

  • iputLAonmyback am 28.06.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BIP

    die probleme mit dem Massentourismus sind echt schlimm. Wenn mann schon mit einem Kahn irgendswo hinfährt soll man auch etwas geld in den gegenden lassen, sprich die museum besuchen, Lokalitäten besuchen ect. wir gehen im september auf unsere erste mediterrean Kreuzfahrt mit der Disney Cruise Line. Sicherlich werden wir in italien und spanien nicht knausrig sein. Wir freuen uns! (:

  • John Kipkoech am 28.06.2017 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Besucherlimite auf Galapagos

    Auch die Galapagos Inseln (Ecuador) kennen eine Besucherlimite - es darf nur eine ganz bestimmte Anzahl an Land.

    • Norbert Kaufmann am 28.06.2017 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      Limite in der Antarktis

      So ist es auch in der Antarktis und das ist gut so !! Abgesehen davon dass dort nicht Riesendampfer mit tausenden Passagieren auftauchen. (Sehr teuer)

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  • Prinz Ipienlos am 28.06.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kerosin steuerfrei

    Warum ist eigentlich Kerosin immer noch steuerfrei? Wir bezahlen auf allem Möglichem Umweltsteuern und ausgerechnet die Fliegerei wird von Treibstoffsteuern frei. Warum sind im Umweltabkommen von Paris die Schiffahrt und die Fliegerei ausgenommen?

    • Rheintaler am 28.06.2017 21:55 Report Diesen Beitrag melden

      die Schiffe

      fahren aber nicht Kerosin ;)

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  • Naturmensch am 28.06.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Dichtestress

    Eine Kreuzfahrt ist der totale Dichtestress. Mit 3000 Personen in einem Boot. Würde ich mir nie antun.

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